Blindstichfuß Bernina L850

Der Blindstichfuß für die BERNINA L850 Overlock

Mit dem Blindstichfuß der BERNINA L850 können Sie, wie der Name schon sagt, Blindstiche nähen. Damit kann ein Saum nahezu unsichtbar genäht werden. Wir zeigen hier, wie man einen Blindsaum näht, warum wir dies ganz selten tun und wofür der Blindstichfuß bei uns am meisten benutzt wird.

Saum und Overlockmaschine vorbereiten

Fädeln Sie die BERNINA L850 auf einen 3-Faden-Overlockstich ein, senken Sie die Spannung an der Nadel und stellen Sie die Stichlänge auf 3,5 bis 4,5. 

Bügeln Sie Ihren Saum wie gewünscht um.

Dann schlagen Sie den Saum rechts auf rechts um, so dass die Schnittkante ca. 5 mm übersteht. Sie klappen Ihren Saum also nach außen.

Diese zweite Bruchkante wird nicht gebügelt, sondern nur gesteckt.

So kommt der Stoff dann unter den Nähfuß.

Blindstich nähen

Stellen Sie die Führung fast bis ganz nach links. Der Spalt sollte maximal 1 mm breit sein.

Schieben Sie den Stoff bis an das Messer und beginnen Sie zu nähen.

Ist der Stoff unter dem Nähfuß angekommen, nähen Sie so, dass die Bruchkante, die nicht gebügelt wurde, entlang der verstellbaren Führung am Nähfuß verläuft.

Diese passen Sie so an, dass die Nadel und ganz knapp in den Stoff sticht.

So genäht, ist die Naht später kaum zu sehen. Wir haben hier extra mit einem dunklen Faden genäht, dann sind die Stiche von vorne noch zu erkennen.

Die Naht direkt nach dem Nähen.

Dann den Stoff umdrehen und den Saum nach unten klappen. Mit einem farblich passendem Garn wäre der Saum quasi unsichtbar.

Auf solch dünnen Webstoffen ist ein Blindstich mit der Nähmaschine meist einfacher zu nähen, aber die Overlock versäubert die Kante gleich mit. Franst Ihr Stoff also stark aus, bietet sich diese Nähweise an. Dazu hier aber noch ein Beispiel mit Grobstrick, bei dem die Vorteile der Overlock noch mehr zum Tragen kommen: Die Kante wird gleich versäubert und über die Anpassung des Differenzials kann Wellenbildung vermieden werden.

Blindstich an dicken Stoffen

Da der Grobstrick sich nicht durch Bügeln formen lässt, haben wir die erste Bruchkante gesteckt.

Wenn Sie die Stecknadeln wie hier gezeigt knapp an der Kante und längs stecken, werden Sie auch nicht darüber nähen. Zumindest ab einer Saumbreite von 3 cm kann diese Technik angewendet werden.

Auch hier wird der Blindsaum gefaltet, die zweite Bruchkante wird ebenfalls mit Stecknadeln befestigt.

Tipp:

Wenn Sie die Nadeln von links nach rechts stecken, bekommen Sie sie beim Nähen leichter wieder heraus.

Genäht wird auf die gleiche Weise.

Hier noch der Beweis, dass die erste Stecknadelreihe wirklich keine Gefahr ist:

Wo der Finger hinzeigt, befindet sich gerade eine Stecknadel. Also noch gut 1 cm Platz zum Nähfuß.

Aber jetzt folgt der Grund, warum wir solche Stoffe nicht mit dem Blindstichfuß verarbeiten:

Obwohl die Stiche auf der rechten Seite nicht zu erkennen sind, ist trotzdem von rechts zu sehen, wo genäht wurde. Besonders Strickstoffe zeigen jede Unebenheit auf, egal wie knapp man in die Kante sticht.

Möchten Sie, dass man später vom Säumen weniger sieht, nähen Sie den Blindsaum lieber an der Nähmaschine. Absolut unsichtbar wird er nur, wenn Sie ihn (mit etwas Übung) von Hand nähen. Nicht jede Handnähtechnik kann von einer Maschine ersetzt werden.

Das heißt nicht, dass man den Blindstichfuß nicht zum Säumen verwenden soll. Er bietet hier einfach den Vorteil, selbst dicke und schwere Stoffe verarbeiten zu können, ohne dass sie unter den Nähfuß gequetscht werden müssen. Würden Sie bei solchen Stoffen ein Bündchen annähen, hätten Sie an der Stelle drei Lagen, die zusammengenäht werden. Durch die Nähmaschine oder die Cover werden solche Stoffe beim normalen Säumen meist sehr plattgedrückt, was auch kein schönes Nahtbild ergibt.

Und wie Sie oben gesehen haben, klappt es bei mittelschweren Stoffen durchaus sehr gut. 

Kommt man mit dem Blindstichfuß über eine Nahtkreuzung?

Grundsätzlich sollten Sie vorausschauend arbeiten. Wenn Sie also planen, einen Blindsaum zu nähen, wäre es besser, die Seitennähte mit der Nähmaschine zu machen und die Nahtzugaben auseinander zu bügeln. Dann ist das Arbeiten mit dem Blindstichfuß kein Problem.

Haben Sie schon mit der Overlock zusammengenäht, geht es aber auch noch:

Legen Sie die Nahtzugaben in verschiedene Richtungen oder verschieben Sie die Naht leicht. Bei dehnbaren Stoffen ist das in der Regel kein Problem.

Wenn die Nahtkreuzung am Blindstichfuß ankommt, heben Sie ihn mit den Fingern leicht an, damit die Führung über die Kante kommt.

Mit etwas Übung klappt dann auch eine Seitennaht, die nicht so flach ist.

Wofür kann man den Blindstichfuß dann noch nutzen?

Für die Flachnaht! Er bietet eine optimale Führung der Stoffkante und sorgt so für sehr gleichmäßige Flachnahte, wenn ohne Abschnitt gearbeitet wird.

Falten Sie Ihren Stoff links auf links und legen Sie ihn mit der Kante an die Führung des Blindstichfußes. Das Messer können Sie abschalten.

Stellen Sie die Stichbreite auf die gewünschte Breite und das mtc auf +2.

Die Einstellungen für die Flachnaht finden Sie auf Ihrer Nahttabelle in der Anleitung der L850. Hier handelt es sich um die 2-Faden-Flachnaht.

Wir haben mit MADEIRA Decora 12 in Greifer und Nadel gearbeitet. Um die Spannung an der Nadel weit genug senken zu können, wurde noch die Dekofadenführung eingesetzt.

So sieht die Naht direkt nach dem Nähen aus. Jetzt muss sie nur noch flachgezogen werden.

Auf diese Weise wurde dann dieses Halstuch genäht. Hierzu finden Sie am Ende des Beitrags noch mehr Infos.

Auch hier handelt es sich um MADEIRA Decora 12, allerdings mit normalem Overlockgarn in der Nadel.

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