Näh-Bun Titel

Der Näh-Bun, die handgenähte Dose

Dieser Näh-Bun ist in einer Zusammenarbeit mit Suzanna Seltier entstanden, die eine Anleitung für genähte Macarons in einer Zeitschrift veröffentlicht hat, die leider nicht mehr erhältlich ist. Wir haben die Anleitung überarbeitet und mit Bildern versehen. Durch die veränderte Nähweise wurde aus dem Macaron inzwischen ein Bun (=Brötchen). Das Näh-Bun ist ideal, um kleine Stickereien oder Reste von Lieblingsstoffen in Szene zu setzen.

Sie können den Näh-Bun komplett mit der Hand nähen, wenn Sie möchten. Wir haben für die Versäuberung der Innenteile und das Verbindungsstück eine Nähmaschine bzw. Overlock verwendet. 

Benötigtes Material

  • Reißverschluss, mindestens 31 cm, am besten länger, Breite 3,5 cm
  • Nach Wunsch einen oder zwei Zipper
  • Stoff (50 x 20 ist reichlich). Am besten normale Webware, Patchworkstoffe
  • VLIESELINE H 630
  • Textilkleber
  • Ziergarn, Nähgarn
  • Maßband
  • Schere, Nadel
  • Für die Vorlagen evtl. Zirkel und Papier
  • Seitenschneider
  • 2 Kunststoffschalen:

 

Bei den Schalen haben Sie die Wahl zwischen drei Varianten. 
Für die Anleitung benötigen Sie Schalen mit einem Durchmesser von 10 cm. Hierfür eignen sich Medaillons von Rayher oder Spielgeldschalen. Sie können die Schalen aber auch mit dem 3-D-Drucker selbst drucken. Die Datei hierfür hat uns Lilienschnitt netterweise zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt. Sie finden sie am Ende des Beitrags.

Schnittteile:

  • Außenteile, 2 Stück, Durchmesser 16 cm
  • Innenteile, 2 Stück, Durchmesser 8,5 cm (je nach Wölbung und Stoff kann es sein, dass diese Größe angepasst werden muss, um die Kante des Außenstoffs abzudecken. Am besten schneiden Sie sie erst zu, wenn Sie an diesem Schritt angekommen sind).
  • Verbindungsstück 9 cm x 6,5 cm
  • H 630 2 Stück Durchmesser 11 cm (für außen), 2 Stück Durchmesser 8 cm (nur bei dünnen Stoffen, damit der Kleber nicht durchdrückt)

Am besten fertigen Sie sich mit dem Zirkel Schnittvorlagen an. Sie können die Vorlagen oder den Stoff aber auch mit dem Plotter schneiden.

Kunststoffschalen vorbereiten

Haben Sie sich für die Plastikmedaillons entschieden, müssen Sie die Aufhängung noch entfernen. Diese können Sie einfach mit einem Seitenschneider abknipsen, die Schnittstelle eventuell etwas nachschleifen.

Stoff zuschneiden

Falls Sie ein Motiv auf dem Stoff haben, das mittig platziert werden muss, viertel Sie Ihre Vorlage.

Wenn Sie diese dann so auf das Motiv legen und aufklappen, können Sie ganz einfach kontrollieren, ob das Motiv mittig wäre.

Haben Sie alle Teile ausgeschnitten, wird gebügelt:

Das H630 Volumenvlies wird auf links auf das Außen- bzw. Innenteil gebügelt.

Das Verbindungsstück wird an den langen Kanten 1 cm nach innen gebügelt.

Heften und Schalen beziehen

Damit der Stoff über die Schale gezogen werden kann, wird ein Zugfaden geheftet. Nehmen Sie dafür ein reißfestes Nähgarn.

Stechen Sie mit größerem Abstand ca. 0,75 cm vom Rand immer wieder von oben nach unten durch den Stoff. Anfang und Ende sollten auf der rechten Stoffseite sein. Den Anfangsfaden nicht vernähen, sondern 10 cm liegen lassen.

Damit ihr Näh-Bun an der Kante keine Falten bekommt, sollte die Stichlänge beim Heften nicht zu lang sein. Hier sehen Sie den Vergleich bei Jeansstoff, was eine Verkürzung der Stichlänge ausmacht:

Erster versuch mit über 1 cm Stichlänge.

Zweiter Versuch mit unter 1 cm Stichlänge.

Ziehen Sie den Stoff über eine Schale und ziehen Sie dann den Heftfaden fest zusammen. Verknoten Sie die Enden.

Sind an der Kante noch Falten, fahren Sie mit dem Finger darüber und verteilen Sie so den Stoff gleichmäßig.

Reißverschluss vorbereiten

Es gibt ja schon ähnliche Anleitungen wie diese, aber meist wird der Reißverschluss zum Ring geschlossen. Dies hat zur Folge, dass Sie während des Annähens immer die Passform kontrollieren müssen. Wir schließen den Reißverschluss erst kurz vor Rundenende.

Ziehen Sie die Zipper auf den Reißverschluss.

Klappen Sie das Verbindungstück rechts auf rechts zusammen.

Wenn Sie möchten, können Sie diese Naht mit der Nähmaschine ausführen.

Arbeiten Sie mit einem schmaleren Reißverschluss, passen Sie hier die Naht so an, dass er noch locker durch den Tunnel passen würde.

Wenden Sie das Verbindungsstück. Formen Sie es so, dass die Nahtzugaben auseinandergeklappt sind und unten liegen.

Schieben Sie das Verbindungsstück auf den Reißverschluss und nähen Sie es mit einem Geradstich an.

Reißverschluss einsetzen

Auch hier gibt es wieder einen Unterschied zu anderen Anleitungen. Der Reißverschluss wird nicht in seiner endgültigen Position angenäht, sondern rechts auf rechts. So lässt es sich viel einfacher nähen.

Legen Sie den RV mit dem Verbindungsstück an die Schale (achten Sie auf die richtige Stelle, wenn Sie einen Stoff mit einem nicht symmetrischen Motiv verwenden).

Jetzt wird genäht. Wir haben für das Verbindungsstück dunkelblaues Garn verwendet, am RV dann rotes. Die Stiche können von rechts eventuell ein bisschen zu sehen sein. Stechen Sie immer wieder von innen nach außen und fassen dabei den Stoff genau an der Kante des Plastiks und den RV knapp an der Kante. Stichlänge 1 Millimeter!

Nähen Sie bis ca. 5 cm vor dem Verbindungsstück, dann kürzen Sie den Reißverschluss und schieben ihn passend in das Verbindungsstück hinein.

Fixieren Sie den Reißverschluss mit einer Stecknadel.

Nähen Sie weiter bis zum Verbindungsstück und klappen Sie dann den Reißverschluss nach unten. Steppen Sie die zweite Kante zusammen, fassen Sie den Reißverschluss dazwischen.

Dann geht es an die zweite Seite.

Geöffneter Reißverschluss

Auch hier können Sie wieder auf links arbeiten. Öffnen Sie den RV und schieben Sie so die andere Hälfte an die gewünschte Stelle.

Fast fertig! Zumindest außen. Jetzt wird für eine schöne Innenseite gesorgt.

Innenausstattung Näh-Bun

Entfernen Sie die Heftfäden.

Streichen Sie Textilkleber unter die Stoffkante.

Lassen Sie ihn ein paar Minuten antrocknen und drücken Sie dann den Stoff fest.

Damit der Stoff beim weiteren Trocknen an Ort und Stelle bleibt, können Sie eine Kugel aus Papier oder Backpapier formen und in den Näh-Bun schieben.

Backpapier eignet sich gut, wenn Sie mit Kleber gekleckert haben, das bekommen Sie danach leichter wieder heraus.

Innenteil versäubern und einsetzen


Während der Kleber trocknet, wird die innere Stofflage schön gemacht.

Die Kanten sollten versäubert sein. Dies können Sie mit Zierstichen machen, mit einer Schrägbandeinfassung oder wie wir, mit dickem Ziergarn und dem Dreifach-Overlockstich.

Streichen Sie die Stoffstücke mit Textilkleber ein, auch nah an der Kante. Lassen Sie den Kleber antrocknen.

Dann drücken Sie die Stücke in die Schalen und formen sie schön aus. Im Anschluss legen Sie die Papierkugel wieder ein und lassen Ihren Näh-Bun nochmals trocknen.

Fertig!

Die Außenseiten dieses Näh-Buns wurden mit der BROTHER Innov-is 2600 mit der Bobbinwork-Technik verziert. Der Rand mit dem Kreisnäher, innen freihand. Wenn Sie mehr über die Innov-is 2600 lesen möchten, schauen Sie in unseren Testbericht.

Für andere Schalengrößen und -formen hier ein paar Anhaltspunkte:

  • Die Außenseiten werden berechnet, in dem die wirkliche Länge der Schale gemessen wird (bei 10 cm Durchmesser hat unsere Schale eine Außenlänge von gut 11 cm) plus ein Drittel dieser Länge.
  • Die Innenseiten müssen 1 cm der Stoffkante von den Außenseiten überlappen. Am besten schneiden Sie sie erst dann zu, wenn Sie die Außenseite fertig haben.
  • H 630 für außen so groß, wie die gemessene Länge, für innen einfach 1 cm kleiner als das Stoffstück.
  • Je nach Schalenform kann es sein, dass die Maße angepasst werden müssen. Arbeiten Sie mit kantigen Schalen (wie unser Drucker-Freebie, Marmeladengläser o.ä., kann die Außenseite etwas größer sein. Dann kann noch eine zweite Lage Volumenvlies aufgelegt werden, etwas kleiner als die erste, damit die Kante abgerundet wird.
  • Das Verbindungsstück ist einem RV von 3,5 cm Breite angepasst. Bei anderen Breiten den RV einlegen, wenn Sie das gebügelte Stück rechts auf rechts klappen und die Naht ein paar Millimeter weiter außen setzen.

Variationsmöglichkeiten:

Wie Sie bei unseren Probenäher sehen können, werden immer wieder Karabiner angebracht. Eine Möglichkeit zeigen wir Ihnen hier:

Zusätzlich zum Verbindungsstück fertigen Sie sich ein schmales Stoffstück, dass durch den Karabiner passt. Sie können auch ein Webband verwenden.

Legen Sie das Band quer auf das Verbindungsstück und ziehen Sie den Karabiner auf.

Nähen Sie das Band mittig auf, nähen Sie dabei so nah wie möglich an den Karabiner (hier hilft ein Reißverschlussfuß).

Dann geht es im Prinzip weiter wie oben, die langen Kanten werden nach innen gebügelt.

Das Verbindungsstück wird rechts auf rechts zusammengelegt und geschlossen, dann gewendet.

Wenn Sie keine Overlock nutzen, können Sie den Rand des Innenteils auch mit einem Satinstich an der Nähmaschine einfassen. Für einen ordentlichen Rand bügeln Sie das H630 hier schon vor dem Zuschnitt auf und verwenden am besten einen Overlockfuß an Ihrer Nähmaschine. Dann rollt sich die Kante nicht unschön ein.

Bei diesem Näh-Bun wurde mit Schalen aus dem 3-D-Drucker gearbeitet. 

Alle Rechte an dieser Anleitung liegen bei nähPark Diermeier. Die Anleitung darf nur für private Zwecke verwendet werden. Das Schnittmuster darf nicht weitergegeben, verkauft oder als eigenes ausgegeben und verkauft werden. 

Zum Freebie
Designbeispiele der Probenäher

Dieses Beispiel stammt von Kathleen. Sie hat Jeans mit einer Stickdatei von Urbant Threads bestickt, innen befinden sich Spielgeldschalen. 

Bei Carmen Kunantz sind Marmeladenglasdeckel als Schalen verwendet worden und eine normale Overlocknaht für die innere Abdeckung.

Birgitt Koltermann hat den Reißverschluss mit einer anderen Technik angenäht, im Fischgrätmuster. Als Schalen hat sie Spielgeldteller benutzt. Für das Innenteil hat sie Stoff über Schabrackeneinlage gezogen.

Näh-Bun von Birgit Irion, im Inneren befinden sich die Plastikmedaillons von Rayher.

Andrea Pausch hat ihren Näh-Bun mit einem Spitzenreißverschluss versehen. Als Schalen wurden Plastikdeckel verwendet, die Kante wurde mit Vlies etwas ausgeglichen. 

Dieser Näh-Bun ist etwas größer, hier befinden sich Plastikdeckel von Vorratsdosen im Inneren. Die Versäuberung wurde hier mit dickem Ziergarn und einer 3-Faden-Overlocknaht genäht.

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2 Antworten auf „Der Näh-Bun, die handgenähte Dose“

Ich ziehe das Innenfutter jetzt über eine Pappschablone, bügel kräftig , entferne die Schablone und verziere mit einem schönen Zierstich. Dann ist’s schön sauber.
Liebe Grüße Birgit Irion.

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