Als ob es Gütermann gewusst hätte, bringen sie 2025 ein wasserabweisendes Nähgarn auf den Markt. Der Sommer 2025 hat seinen Namen ja wirklich nicht verdient. Also war es für uns auch kein Thema, zum Testen eine Regenjacke zu nähen.
Water Repellent ist in 12 Farben erhältlich, mit einer Lauflänge von 100 m pro Spule. Die Farben entsprechen dabei denen der Sorte „Allesnäher“, so dass beide Sorten problemlos miteinander kombiniert werden können.
Wasserabweisend oder wasserdicht?
Water Repellent erzeugt keine wasserdichten Nähte! Dazu müsste das Garn aufquellen, also Wasser aufnehmen. Die Beschichtung von Water Repellent verhindert aber die Wasseraufnahme. Denn das ist die Problematik bei selbstgenähter Regenbekleidung: Das Wasser läuft über den Stoff, trifft auf die Naht und wird von normalem Garn aufgesogen. So wird das Wasser auf die Innenseite des Stoffes transportiert, man wird nass. Water Repellent nimmt kein Wasser auf und sofern das Wasser nicht auf der Naht steht, läuft es nach unten ab.
Nadelsorte
Angegeben ist Stärke 70 bis 90, je nach Projekt. Sinnvoll ist es bei Regenbekleidung natürlich, die Nadel so dünn wie möglich zu wählen, um die Lochgröße zu minimieren.
Wir haben uns für unser Projekt für eine Microtexnadel in Stärke 70 entschieden.
Mehr war eigentlich nicht zu tun. Water Repellent lässt sich spulen wie normales Nähgarn und reagiert auf sämtliche Einstellung ebenso. Wir haben also nur die Stichlänge erhöht und losgenäht.
Ob nun Schließ- oder Steppnähte, man hatte nie das Gefühl, ein „Spezialgarn“ zu verarbeiten.
Die Heftnähte zum Einkräuseln der Armkugel hätten wir eigentlich auch mit normalem Garn nähen können, da man sie ja wieder entfernen kann. Wegen des Tests haben wir weiter Water Repellent verwendet. Auch hier war die Einstellung einfach, für die Heftnaht haben wir die Oberfadenspannung reduziert.
Bis hier wurde mit einer 7er Bernina genäht, dann haben wir auf eine 3er gewechselt, die ja eine andere Unterfadenspule braucht.
Und ein anderes Material kam auch dazu, wasserabweisender Futterstoff.
Hier waren wir allerdings mehr mit der Kombination Nähfuß – Material beschäftigt. Das Zusammennähen klappte auch hier mit den Standardeinstellungen problemlos. Erst beim Absteppen gab es ein paar kleine Schlaufen auf der Unterseite. Die kommen allerdings vom Material und der seitlichen Nadelposition, denn mit normalem Garn passierte das Gleiche. Fadenspannung um einen Punkt erhöhen, alles passt wieder.
Nun ist die Frage, ob wir erst die ganze Regenjacke fertig nähen und dann wieder auf Regen warten, oder ob wir die wasserabweisende Wirkung von Water Repellent anderweitig testen …
Um das Ergebnis etwas zu beschleunigen, haben wir aus unserer Funktionsstoffe-Kiste einen weiteren Stoff geholt und zwei schnelle Hüte genäht. Einmal mit normalem Nähgarn in pink, einmal mit Water Repellent in grau, diesmal mit der B325. Das Material ist wasserabweisend, nicht wasserdicht.
Mit der kleinen Ablaufscheibe gab es ab und an eine Schlaufe, mit der großen bis zum Ende des Projekts keine mehr.
Hinweis: Normalerweise sollte man immer die kleinstmögliche Ablaufscheibe verwenden. Bei Problemen kann man aber immer eine Alternative testen. Vielleicht hat unsere kleine Ablaufscheibe einen Grat oder auch die Spule und durch den größeren Winkel bei der großen Scheibe wird dieser übersprungen.
Water Repellent im Test
Aber wenn man Regen braucht, ist natürlich keiner da, also musste die Gießkanne und eine Sprühflasche herhalten:
Bei beiden Hüten wurde der darunter liegende Stoff nahezu zeitgleich feucht, das Wasser sickerte mit der Zeit durch den Stoff, an den Nähten am schnellsten. Erst waren wir kurz erstaunt, aber das Material ist eben nicht wasserdicht und die vielen Knipse vom Annähen des Deckels tun ihr übriges. Aber dann fiel uns plötzlich auf: Der Hut mit Water Repellent trocknet viel schneller. Klar, das Garn in der Naht ist ja nicht durchweicht!
Daher haben wir für Water Repellent den gleichen Test gemacht wie für Mettler Xtreme Pro. Was passiert, wenn man das Garn in Wasser hängt?
Nimmt man das Garn aus dem Wasser, ist das normale Nähgarn spürbar nass, Water Repellent nicht.
Kaum waren die Hüte trocken, haben wir den Test fortgesetzt.
Naht einsprühen, mit der Hand abwischen und dann die Naht außen und innen begutachten:
Hier die Naht vor dem Test, es handelt sich um die Naht zwischen Krempe und Seitenteil. Grau ist Water Repellent, pink ist normales Nähgarn.
Dann die Naht einsprühen.
Und das Wasser mit der Hand wegwischen.
Optisch erst mal kein großer Unterschied und auf Bildern schwer einzufangen, aber man spürt schon, dass Water Repellent einfach nicht nass bleibt.
Sehen kann man den Unterschied aber auf der anderen Seite:
Bei Water Repellent ist das Schweißband trocken geblieben, beim normalen Nähgarn ist es feucht.
Fazit zu Water Repellent:
Wenn man weiß, dass Kleidungsstücke oder auch Taschen früher oder später mal Regen ausgesetzt sind, lohnt es sich durchaus, mit Gütermann Water Repellent zu nähen. Wasserdicht wird die Naht davon nicht und das ist ja auch nicht die Aussage zum Garn, aber Water Repellent verringert das Durchsickern durch die Naht. Und da es sich ebenso gut vernähen lässt wie Allesnäher, wird es bei uns auf jeden Fall einen Platz in der Garnschublade bekommen.

Gütermann Outdoor 40

GÜTERMANN Deco Stitch 70

GÜTERMANN Denim No. 50

