ITH Sticken

ITH Dateien sticken (In-the-hoop)

Unter den vielen Spezialbegriffen beim Sticken liest man schon gleich zu Beginn immer wieder „ITH-Datei“. Aber was ist ITH und wie stickt man das? Was muss man dabei beachten?

In-the-hoop

Die englische Bezeichnung dieser Sticktechnik heißt einfach übersetzt „im Stickrahmen“. Nun stickt man ja aber immer im Stickrahmen, was ist da anders? Mit In-the-hoop werden Stickprojekte bezeichnet, bei denen auch die Nähschritte im Stickrahmen erledigt werden. Das Projekt ist also nach dem Sticken komplett fertig.

Da der Begriff aber nicht geschützt und klar definiert ist, kann man sich nicht darauf verlassen, eine Datei zu sticken und am Ende ein (am besten noch dreidimensionales) Projekt in Händen zu halten, ganz ohne Nähmaschine.

Daher könnte man sagen, ITH-Dateien sind Stickmuster, bei denen nicht nur ein Motiv auf einen Träger gestickt wird, sondern ein komplettes Projekt entsteht, bei dem man vorher oder nachher noch ein paar Kleinigkeiten erledigen muss.

Sie sollten sich daher beim Erwerb einer ITH-Datei immer gut informieren, um welche Art von Datei es sich handelt. Oft kann man schon in der Artikelbeschreibung sehen, ob das Stickmotiv vielleicht aus mehreren Teilen besteht oder welche Nähschritte nötig sind.

Beispiele für ITH-Projekte

Geschlossene Projekte mit Satinrand

Vor allem im englischsprachigen Raum findet man viele ITH-Projekte mit Satinstichen als Umrandung, mit dem mehrere Lagen verbunden werden.

Bei diesem Mousepad wird damit ein Polster befestigt und am Ende der Rand eingefasst. Hier wären keinerlei Nähschritte nötig, Sie sticken also ein komplettes Mousepad im Stickrahmen. Dies wäre somit eine “echte” ITH-Datei, wie die beiden folgenden auch. 

Auch unser Abschminkpads-Freebie von Kasia ist mit dieser Technik gestaltet:

In den meisten Fällen wird hier zuerst die Oberseite gefertigt und vor dem letzten Schritt die Rückseite von hinten auf dem Vlies befestigt, man arbeitet also auch auf der Unterseite des Stickrahmens. Die Wahl des passendes Vlieses ist daher sehr wichtig, halten Sie sich deswegen immer an die Empfehlungen des Erstellers. 

Offene Projekte ohne Wenden

Hier haben wir ein weiteres Freebie als Beispiel, die Impfpasshülle. Die hintere Lage wird mit einem Geradstich an der vorderen befestigt und am Ende alle Kanten zurückgeschnitten.

Datei: Nähpark Impfausweishülle

Projekte zum Wenden und Ausstopfen

Auch unser Nadelkissen ist eine ITH-Datei. Am Ende bleibt aber eine Wendeöffnung, die von Hand geschlossen wird.

Datei: Nähpark Nadelkissen

Auf diese Art werden auch viele Kuscheltiere gestickt. Hier werden dann oft Arme, Beine oder Ohren separat gestickt und bei einer letzten Stickdatei alles zusammengesetzt.

Die Möglichkeiten sind also vielfältig und es gibt keine grundsätzliche Anleitung zum Sticken von ITH-Projekten. Wir möchten Ihnen aber anhand einer Beispieldatei ein paar praktische Tipps und Hinweise geben.

Projekte zum Wenden mit Reißverschluss

Dafür sticken wir eine Reißverschlusstasche, diese Art ist relativ häufig in verschiedenen Varianten als ITH zu bekommen. Hier handelt sich um eine ITH-Tasche mit Stickschaummotiv von Smart D´sign.

Wie sie schon sehen können, lassen sich verschiedene Sticktechniken durchaus vermischen. Sie finden also ITH-Projekte auch mit Stickschaum, Applikationen oder Cutwork-Ausschnitten.

Tipps zum Sticken von ITH-Dateien

Beachten Sie immer die Anleitungen des Erstellers! Zu den meisten ITH-Projekten bekommen Sie eine ausführliche Anleitung (wie hier in unserem Beispiel).

Besonders bei aufwändigeren Projekten sollten Sie Ihr Material schon vor Beginn zusammensuchen und vorbereiten. Bei dieser Datei ist eine Tabelle angefügt, wieviel Stoff Sie für jede einzelne Lage jeweils benötigen. Oft müssen Sie Ihren Stoff aber nicht nach Tabelle zuschneiden. Er muss nur größer sein als das benötigte Maß und falls er nach dem Befestigen umgeklappt wird, sollte er zumindest eine gerade Kante haben.

Vliese

In der Regel starten die meisten ITH-Projekte mit einer Lage Vlies im Stickrahmen. Dateien zum Wenden benötigen fast immer Ausreißvlies, bei waschbaren Projekten oder Satinstichdesigns können auch wasserlösliche Vliese zum Einsatz kommen.

Vor allem, wenn mit nur einer Lage Abreißvlies gestartet wird, sollten Sie ein gutes Vlies verwenden. In unserem Beispiel sehen Sie SULKY Tear Away Plus, es ist stabiler als Tear Easy oder MADEIRA Cotton Soft. Gerade im großen Rahmen kann es bei mehreren Geradstichreihen dazu kommen, dass das Vlies nachgibt und die Linien nicht mehr dort gestickt werden, wo sie hingehören.

Spannen Sie gut ein, denn Sie müssen den Rahmen mehrmals aus der Maschine nehmen und drehen. Ist die Halterung Ihres Rahmens sehr hoch, legen Sie den Rahmen an die Tischkante, wenn Sie ihn umdrehen müssen. Sind Rahmenklammern vorhanden, können Sie diese verwenden um das Ganze zu stabilisieren.

Befestigungen und Stoffe

Bei Taschen werden oft Reißverschlüsse eingearbeitet. Verwenden Sie auf keinen Fall Metallreißverschlüsse und wenn möglich, nur eine feine Zahnung. Reduzieren Sie die Geschwindigkeit, wenn über den RV gestickt wird.

Unser Tipp:

Bei manchen Stickmaschinen können Sie an schwierigen Stellen mit dem Fußpedal steuern. Das geht dann wie beim Nähen, je mehr Sie das Pedal durchdrücken, desto schneller stickt die Maschine. Sobald Sie das Pedal loslassen, hält die Maschine an.

Diese Funktion ist in der Regel bei Näh- und Stickkombis vorhanden, die im Nähmodus bei angeschlossenem Pedal trotzdem mit der Start-Stopp-Taste bedient werden können.

Reißverschlüsse und Stoffstücke können Sie mit Malerkrepp befestigen. Hier zeigt sich ein schöner Vorteil vom Sticken gegenüber dem Nähen: Die Nähte sind immer gleich, egal welchen Stoff Sie verwenden. Daher kann man hier auch mal Viskosesatin oder Stretchstoffe verarbeiten, die sonst beim Nähen gerne mal verzogen werden.

In unserem Beispiel befindet sich auf der Tasche ein Füllstichmuster, das man gut mit Vlies hinterlegen kann. Es verbindet den Stoff mit dem Abreißvlies und dazwischen wurde eine Lage dünnes Volumenvlies aufgelegt. So entsteht aus dem dünnen Viskosesatin eine stabile Verbindung für eine Tasche.

Einen langen Reißverschluss kann man auch mit Stylefix befestigen, allerdings kann dieses Klebeband die Nadel verschmieren. Versuchen Sie daher, Klebeband nur an den Stellen aufzubringen, an denen nicht gestickt wird oder verwenden Sie eine passende Nadel: Mit MADEIRA Antiglue oder SCHMETZ Superuniversal kann auch über Kleber gestickt werden. Etwas weniger Klebekraft hat Wondertape von PRYM, dafür verklebt es die Nadeln nicht so und löst sich beim Waschen rückstandsfrei auf.

Über Malerkrepp kann man im Notfall auch mit normalen Sticknadeln sticken, wichtig ist hier nur, dass sie es rechtzeitig entfernen, solange Sie noch ran kommen.

Der Stickfuß

Achten Sie darauf, wo der Zipper des Reißverschlusses liegt. Um hier Schäden zu verursachen, muss nicht mal darüber gestickt werden. Es reicht schon, wenn der Stickfuß über den Zipper kommt und dort hängen bleibt. Je nach Modell reicht der Stickfuß manchmal weit nach hinten, rechts oder links. Auch hier können Sie beim ersten Sticken der Datei mit dem Fußpedal arbeiten, wenn möglich.

Bei manchen Stickmaschinen gibt es verschiedene Stickfüße, testen Sie auch hier, ob es mit einem anderen vielleicht besser geht.

Das Stickmuster-Arbeitsblatt

Neben der Anleitung ist auch die Farblagenübersicht eine große Hilfe. Zeigt Ihre Stickmaschine keine einzelnen Farblagen an oder sind Details am Bildschirm schlecht erkennbar, sollten Sie die Übersicht auf jeden Fall ausdrucken. Dies ist auch ratsam, wenn es von der Datei verschiedene Größen oder Mustervarianten gibt. Denn die Anleitung ist meist nur mit einem Motiv erstellt und daher können die Bilder in der Anleitung von dem, was Sie beim Sticken sehen, abweichen.

Das Zusammensetzen

Für diese Tasche kann nach Wunsch eine gemusterte Rückseite vorbereitet werden, das Projekt besteht dann also aus zwei Dateien, die beim zweiten Mal sticken zusammengefügt werden.

Je nach Stoff und Projekt können dann auch schon ein paar Lagen zusammen kommen. Entstehen dabei Stufen, müssen Sie auch wieder kontrollieren, ob korrekt über die Stufen gestickt wird.

Stickmaschinen mit einer Sensorfunktion für die Höhe reagieren dabei unterschiedlich, je nach Stickrichtung. Bewegt sich der Rahmen nach vorne, reagiert der Sensor meist später als bei der Bewegung nach hinten. Halten Sie die Maschine an und starten neu, wird die Höhe erneut gemessen.

Gibt es eine Möglichkeit der Höheneinstellung für den Stickfuß, nutzen Sie diese, wenn der Fuß sonst zu tief stehen würde. Stellen Sie aber immer nur so hoch, wie unbedingt nötig. Ist der Fuß zu weit vom Stoff entfernt, entstehen schnell Schlaufen.

Bedenken Sie dabei auch die Nadelstärke, eventuell brauchen Sie mit der erhöhten Lagenzahl irgendwann auch eine stärkere Nadel.

Nach dem Sticken

Bei Projekten zum Wenden raten wir dazu, bei der letzten Farbe sowohl Ober- als auch Unterfaden passend zum Stoff zu wählen. Wir sticken dann auch gerne mit Nähgarn.

Haben Sie alle Schritte der Anleitung befolgt, müssen Sie nach dem Sticken in diesem Fall nur noch den Stoff zurückschneiden, eine Wendeöffnung schließen und haben eine fertige Tasche.

Hier gibt es noch eine zusätzliche Variante durch Abnähen der Ecken. Damit entsteht ein Täschchen mit Tiefe. Dieses Täschchen benötigt eine Rahmengröße von 20 x 30 cm und wurde im 20 x 36 Rahmen von HUSQVARNA VIKING gestickt.

Das Motiv ist auch in kleineren Größen erhältlich. Für Projekte zum Wenden sollte die Stickfläche Ihrer Maschine nicht kleiner als 13 x 18 sein. ITH-Dateien mit Satinstich kann man noch gut mit 10 x 10 cm Stickfläche sticken, wie zum Beispiel bei den Abschminkpads.

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