Wenn man beim Nähen einen Stoff in gleichmäßig große Falten legen will, ohne alles von Hand auszumessen und festzustecken, stößt man immer wieder auf den Mehrstichkräusler oder auch Ruffler genannt.
Ruffler ist englisch und heißt wörtlich übersetzt „Rüschen“.
Bedeutet also, man kann mit diesem „Füßchen“ gleichmäßige Rüschen/Falten legen und zusammennähen.
Es gibt auch Bezeichnungen wie Kräuselautomat, Faltenfuß, Faltenleger, Plisseeautomat, oder auch, wie bereits genannt, Mehrstichkräusler, aber im Endeffekt meinen alle das gleiche: nämlich dieses Anbauteil :
Damit werden Stoffe in gleichmäßigen Abständen und gleichmäßigen Größen in Falten gelegt und direkt vernäht. Das erleichtert die Faltenlegearbeit ungemein, weil nicht jede Falte händisch ausgemessen werden muss.
Ich zeige den Ruffler hier an der Pfaff QE 725, aber er funktioniert an weiteren Pfaff Expressionmodellen genau gleich, die in Maschinengruppe J sind.
Die Technik der Ruffler funktioniert bei allen Herstellern nahezu identisch, aber auf jeden Fall gelten die hier gezeigten Einstellungen auch für den Mehrstichkräusler von Husqvarna Viking.
Wie finde ich den passenden Ruffler für meine Nähmaschine?
Beim Anbau dieses „Fußes“ ist zunächst wichtig, dass das IDT deaktiviert wird und der Füßchenhalter komplett demontiert wird, die kleine Schraube lege ich zur Seite, damit wird der Ruffler wieder befestigt.
Der Ruffler kann ausschließlich mit dem Geradstich genutzt werden. Ich empfehle daher den Einbau der Geradstichplatte. Je nach Pfaffmodell wird die Stichplatte automatisch erkannt. An der Pfaff Expression 710 und 715 muss beispielsweise die Geradstichplatte manuell aktiviert werden.
Wird die Standardstichplatte verwendet, empfehle ich, die Stichbreitensicherung einzuschalten, damit man nicht aus Versehen einen anderen Stich verwendet und in Folge dessen etwas beschädigt wird.
Die Gabel des Rufflers findet Platz an der Querstange der Nadelstange und die Haupthalterung wird am unteren Teil der Nadelstange angesetzt, sodass die „Klammer“ des Rufflers ganz einfach mit der Schraube befestigt werden kann.
ACHTUNG:
Der Einfädler kann nicht mehr genutzt werden, wenn der Ruffler angebaut ist. Ebenso sollte die Vernähfunktion am Anfang und Ende deaktiviert werden, weil es hierbei eine Vor- und Rückwärtsbewegung gibt und dabei die Faltenlegfeder beschädigt werden könnte.
Während der Arbeit mit dem Ruffler kann man wählen, ob nur die Falten genäht werden sollen, oder ob die Falten direkt auf einen zweiten Stoff aufgenäht werden sollen.
Dazu wird unter dem Ruffler ein weiterer Stoff untergelegt und am besten kurze Zeit fixiert, beispielsweise durch ein Stück Tesa, damit der Stoff nicht verrutscht, bis man die ersten Stiche genäht hat.
Bei diesem Beispiel würde der petrolfarbene Organza gerafft werden und auf dem hellgrünen Stoff aufgenäht werden.
Während des Faltennähvorgangs sollte der Stoff unbedingt mit der Hand mitgeführt werden, weil er sonst verrutschen und entweder aus dem Ruffler raus rutschen oder ungünstig in die Vorrichtung geraten kann. Zudem muss man beachten, dass der Stoff auf keinen Fall wieder nach vorne raus gezogen werden darf, weil sonst die Feder, die die Falten legt, beschädigt wird. Daher den Stoff nach dem Nähen nur nach hinten oder zur Seite weg ziehen.
Nun stellt sich ja noch die Frage:
Woher weiß ich denn überhaupt, wieviel Stoff ich benötige ??
Ich hatte wirklich überlegt, ob man eine Art Tabelle anlegen könnte, aber die Falten werden von 4 Faktoren beeinflusst, es ist also quasi unmöglich, eine Tabelle mit festen Werten anzulegen.
Folgende Faktoren bestimmen den Stoffverbrauch:
- Einstellung der Faltenlänge
- Faltenhäufigkeit
- Stichlänge
- Stoffart (das war für mich persönlich der interessanteste Faktor)
Also wie berechne ich denn nun den Stoffverbrauch ?
Die beste Methode ist, aus dem Material, welches final genäht werden soll, eine Probe zu nähen auf ca. 15-20 cm Länge, mit der Faltenhäufigkeit, mit der Faltenlänge und der Stichlänge, welche auch später genutzt wird.
Dann nimmt man das Stoffstück, misst eine Falte, misst den Stoffverbrauch von einer Falte und rechnet das ganze hoch auf die Stofflänge, die später erreicht werden soll.
Klingt kompliziert ? Ist es aber nicht, keine Sorge.
Hat man es 1 – 2 x gemacht, hat man den Dreh raus und die Berechnung geht super fix.
Ich mache 3 Beispiele und das erste noch sehr ausführlich .
Beispiel 1
Nun messe ich vom Anfang einer Falte (Markierung 1) bis zur nächsten Ebene, die die nächste Falte bildet (Markierung 2).
Dann trenne ich an dieser Falte den Stoff auf und messe von Markierung zu Markierung und habe die Länge des Stoffverbrauches einer Falte.
Nun haben wir die Werte, die wichtig sind, um einen Berechnungsfaktor bestimmen zu können.
Dieser Faktor berechnet sich aus Faltenlänge und Stoffverbrauch pro Falte:
- Stoffverbrauch pro Falte 3,3 cm
- Faltenlänge 1,9 cm
Teilt man den Verbrauch durch die Faltenlänge, erhält man den Faktor: 1,737, aufgerundet 1,74.
Unser Faktor ist also 1,74.
Wenn das Stoffstück später beispielsweise 67 cm lang sein soll, rechnen wir:
Faktor 1,74 x 67 cm = 116,58 cm, aufgerundet 117 cm
Da beim Faltenlegen auch immer mal ein paar Millimeter verloren gehen können, durch kleine Unregelmäßigkeiten, empfehle ich, 5% – 10% an Schwund dazu zu rechnen. Ich berechne es hier mal mit 5% Zugabe : 117 cm x 0,05 = 122,85 cm, aufgerundet 123 cm.
Es werden 123 cm Stoff benötigt, um später auf 67 cm Endlänge zu kommen. Man muss nur bedenken, dass die Nahtzugabe ebenfalls noch dazu gerechnet werden muss.
Der Faktor kann allerdings nicht pauschal auf alle Stoffe angewendet werden, denn wie vorhin erwähnt, haben wir mehrere Faktoren, die die Faltenlänge und den Stoffverbrauch beeinflussen.
Mich hat am meisten überrascht, wie unterschiedlich sich verschiedene Stoffarten beim Falten legen verhalten, denn beispielsweise Organza hat eine viel höhere Faltentiefe.
Wird also ein neuer Stoff verwendet und andere Einstellung bezüglich Faltenhäufigkeit und Faltenlänge, muss der Faktor neu ausgerechnet werden.
Beispiel 2
Es ergaben sich folgende Werte :
- Faltenlänge 0,4 cm
- Stoffverbrauch pro Falte 1,4 cm
- Faktor 3,5
Wenn ich später fertig gefalteten Organza mit 150 cm Länge haben möchte, brauche ich 525 cm plus 10% Schwund = 577,5 cm + Nahtzugabe von 2 cm = 579,50 cm bzw. aufgerundet 580 cm benötigte Stofflänge
Beispiel 3
- Faltenlänge 1,5 cm
- Stoffverbrauch pro Falte 2,7 cm
- Faktor 1,8
Späteres Stoffstück soll 89 cm haben : 89 x 1,8 = 160,2 cm + 10% Schwund = 176,22 cm + 2,5 cm Nahtzugabe = 178,7 cm, aufgerundet 179 cm benötigte Stofflänge.
Ihr seht, die Werte sind jedesmal ganz anders, daher muss der Faktor bei jedem Projekt neu berechnet werden.
Nun wissen wir, wie der Stoffverbrauch berechnet wird.
Bleibt aber immer noch eine Frage :
Wobei kann man denn überhaupt gefaltete Stoffe verwenden ?
Am bekanntesten sind, denke ich, Faltenröcke, oder auch Saumabschlüsse am Arm, oder am unteren Saum eines Shirts / Bluse, oder auch an Gardinen.
Aber es gibt auch Beispiele mit Einfassungen um Kissen, Tischdecken (zum Beispiel weite große Falten), oder auch einen gefalteten Stoff irgendwo aufnähen als Deko, beispielsweise auf einem Kissen, einer Tasche oder man gestaltet ein Bild im Mixed Media Stil und integriert dort einen gefalteten Stoff. /////////
Mein erstes Beispiel ist eine kleine Kissenhülle mit Rüschenbesatz außen rum.
Grundlage ist ein Schnittmuster für eine Kissenhülle mit Hotelverschluss.
Zwischen die Stoffe von Vorder- und Rückseite wird der geraffte Stoff gelegt, quasi wie eine Paspel
Nach dem Zusammennähen und Wenden sieht das Ganze so aus:
Mein zweites Beispiel ist eine Art geraffte Blume aus Organza, aufgenäht auf Baumwollwebware.
Den Organza hab ich vorher behandelt mit Fabric Booster.
Der Booster sorgt für eine Stabilisierung des Stoffes, verhält sich aber anders als Bügelstärke. So lässt sich ganz dünner/feiner Stoff viel gleichmäßiger und besser verarbeiten.
Als Vergleich, der Organza war vorher gerade im Randbereich sehr wellig und wurde, trotz bügeln, nicht wesentlich glatter.
Nach Auftragen und Trocknen des Fabric Boosters ist der Stoff etwas steifer und lässt sich deutlich besser verarbeiten.
Dann wird der gefaltete Stoff kreisförmig auf den Baumwollstoff aufgenäht. Hierzu habe ich das Pfaff Zirkellineal an die Pfaff QE 725 angebaut
Ich habe innen (kleinster Durchmesser des Zirkellineales) angefangen, den Stoff aufzunähen und habe dann immer wieder nach ein paar Stichen den Pin des Zirkellineales um einen Punkt weiter nach außen gestellt, sodass der Kreis immer etwas weiter wird.
Nach dem Fertignähen habe ich die Kanten des Organzas mit einer Zackenschere abgeschnitten, damit der Stoff nicht ausfranst.
Zugegeben, die Nähte sehen etwas unsauber aus, das liegt aber am starken Kontrastgarn, Madeira Polyneon in neonpink, das ich bewusst hier eingesetzt habe, damit man den Versatz sieht, der durch das Nähen mit dem Zirkellineal entsteht, wenn der Pin verschoben wird. Normalerweise würde ich selbstverständlich ein farblich passendes Garn nehmen, damit die Nähte nicht auffallen.
Weitere Beispiele, was man mit gerafften Stoffen nähen kann, findet ihr unten in den verlinkten Beiträgen oder auch in meiner Facebookgruppe.
Ich muss gestehen, ich hab den Ruffler total unterschätzt und dachte immer, genähte Rüschen wären altmodisch, wären viel zu aufwendig und kompliziert.
Aber hier kann ich deutlich sagen – es ist das genaue Gegenteil und ich habe beschlossen, viel häufiger gefalteten Stoff in ein Projekt mit einzuplanen.
Viel Spaß beim Ausprobieren und Nachmachen!
Mareike näht selbst auf einer Pfaff Quilt Expression 720 und testet derzeit für uns die Expression 725.
Wenn Sie noch mehr von Mareike und den Expression Modellen lesen möchten, schauen Sie bei ihr auf Facebook vorbei:
Pfaff Quilt Expression 710-715-720-725 Hilfe und Austausch (Facebook-Gruppe)

Stufenrock mit dem Ruffler nähen

Der BERNINA Ruffler Nr. 86

Der Faltenleger von BROTHER

Der Ruffler oder Kräuselfuß – Tutorial von GanzmeinDing


