Schrägband Tipps

Minnai DIY: Schrägband herstellen und damit einfassen

Schöne Säume verleihen einem Kleidungsstück einen wertigen Charakter.

Neben dem einfachen Säumen durch Einschlagen der Kanten (Umschlagsaum) kann ein eingefasster Saum zusätzlich schöne Details hervorheben und mehr Stabilität bieten.

In diesem Beitrag möchte ich dir einige Fragen rund um das Schrägband beantworten und näher auf die Herstellung und Verarbeitung eingehen.

Warum fasse ich etwas ein?

Das Ziel ist es offene Kanten zu verstecken und vor dem Ausfransen zu schützen.

So erhalten die Kanten einen sauberen Abschluss, der zeitgleich auch ein farblicher Akzent sein kann.

Mit dem Einfassen erhält auch die linke Seite deines Projekts einen schönen Abschluss und so kann es Belege oder eine doppelseitige Verarbeitung häufig ersetzen.

Weiterhin verleiht das Einfassen mehr Stabilität, wodurch die Kanten vor vermehrten Abrieb besser geschützt sind und ein toller Stand erzeugt wird.

Mit was fasse ich ein?

Einfassbänder (auch Saumband) sind im Laden meist vorgefalzt und als Meterware erhältlich.

Es gibt sie in verschiedenen Breiten, Farben und Qualitäten (wie Baumwolle, Jersey, Polyester, Lederoptik) und sie müssen immer auf den Hauptstoff abgestimmt sein (keine Webware für elastische Materialien).

Einfassband wird meist im Fadenlauf quer oder parallel angeboten, sodass es nicht dehnbar ist. Es eignet sich vor allem für gerade Kanten, wie an Kissen oder Taschen.

Schrägband dahingegen wird im 45° Winkel zur Webkante zugeschnitten und durch den schrägen Fadenlauf etwas dehnbar. So legt es sich besonders schön in die Kurven und wirft keine unerwünschten Falten.

Wie erstelle ich Schrägband selbst?

Für eine optimale Abstimmung von Material, Farbe und Muster empfehle ich dir dein Schrägband für jedes Projekt selbst herzustellen.

Vor dem Zuschnitt des Schrägbands musst du ein paar Sachen beachten:
  • Webware bitte immer zuvor waschen und bügeln oder ordentlich dämpfen, um später ein mögliches Einlaufen zu verhindern.
  • Beim Einfassen eines Saums, zum Beispiel beim Rock, benötigst du keine zusätzliche Saumzugabe.
  • Bei der Berechnung der Breite des Schrägbands gehst du immer von der gewünschten Endbreite nach dem Annähen aus.
  • Ein schmales Schrägband wirkt feiner, kann jedoch schwieriger sein anzunähen, da der Saum ggf. ausfransen könnte und das Schrägband eher ausreißt.
  • Ein breiteres Schrägband ist toll für Farbakzente oder Muster und lässt sich vor allem zu Beginn einfacher nähen.
  • Der Stoffverbrauch beim Zuschnitt ist durch den schrägen Fadenlauf deutlich höher und man muss mehrere Streifen zusammennähen, um eine gute Länge zu erreichen. Schneide dir direkt immer etwas mehr Schrägband zu, da man den Verbrauch schnell unterschätzen kann.

Jetzt geht’s los!

1. Schrägband zuschneiden

Du kannst deine benötigte Strecke zuvor ausmessen, bedenke jedoch, dass du immer etwas mehr Schrägband benötigst.

Deine Streifen müssen am Ende 4x breiter sein als deine gewünschte Endbreite. Wenn du besonders dicke Stoffe oder mehrere Stofflagen einfassen möchtest, benötigst du eine Zugabe entsprechend der Höhe.

Ich nutze gerne Patchworklineal, Rollschneider und Schneideunterlage, aber du kannst auch eine Schablone erstellen und/oder Geodreieck, Kreide und Schere nutzen.

Wichtig ist hier die richtige Ausrichtung deines Materials. Ich empfehle dir die Webkante rechts und links gerade auszurichten, sodass die Kettfäden vertikal liegen.

Bei der einfachen Leinwandbindung (häufig bei Baumwollwebwaren) verlaufen die Kettfäden parallel zur Webkante und daher im Fadenlauf.

Die Schussfäden wiederum verlaufen im 90° Winkel zur Webkante.

Lege dein Patchworklineal oder Geodreieck im 45° Winkel an. Hier kannst du dich an der Webkante bzw. am Fadenlauf orientieren.

Schneide mehrere Streifen in deiner berechneten Breite zu. Die Enden liegen jeweils im Fadenlauf.

Achte darauf, dass du die rechte und linke Warenseite nicht vertauschst, damit beim Zusammenfügen keine Farbunterschiede entstehen.

2. Einzelne Stoffstreifen im schrägen Fadenlauf verbinden

Die einzelnen Streifen können nun zusammengefügt werden. Markiere dir hierfür die Nahtzugabe an den Enden.

Lege die Enden von zwei Streifen im 90° Winkel rechts auf rechts übereinander und markiere dir eine Diagonale von den beiden Schnittpunkten (hier links unten nach rechts oben).

Nähe entlang deiner Markierung. Für Webware eignet sich hier ein Geradstich in mittlerer Nadelposition mit Stichlänge 2,5.

Bügel die Nahtzugabe auseinander. Beim Aufklappen des Streifens sollte dieser nun glatt liegen und du kannst die überstehende Nahtzugabe markieren und zurückschneiden.

3. Schrägband falten

Mit einem Spezialnähfuß, wie dem Schrägbandeinfasser, kannst du das Schrägband nun direkt annähen. Andernfalls empfehle ich dir es zuvor ordentlich zu falten und zu bügeln, um es sauber verarbeiten zu können.

Hierzu benötigst du eine Bügelunterlage und ein Bügeleisen. Ggf. kannst du als Hilfsmittel zusätzlich Schrägbandformer nutzen oder auch eine Bügelschablone erstellen. Ein elektrischer Schrägbandformer ist eine gute Alternative, wenn man sehr viel Schrägband herstellen muss.

Schrägband falten ohne Hilfsmittel

Hierbei wird das Band in der Länge zur Mitte gefaltet (links auf links) und gut gebügelt. Im Anschluss die langen Kanten jeweils zur Mitte falten und bügeln.

Es sollten nun drei Bügelkanten gut erkennbar sein (Mitte, 1. und 2. Falte).

Schrägbandformer verwenden

Schrägbandformer gibt es für verschiedene Größen und du musst deine Bänder entsprechend der Maße zuschneiden.

Dabei wird das Band in den Schrägbandformer eingeführt und kommt auf der anderen Seite gefaltet heraus, sodass es direkt gebügelt werden kann.

Hierbei fehlt die Bügelfalte in der Mitte, welche du anschließend durch Falten der zur Mitte und Bügeln hinzufügen kannst.

4. Schrägband annähen

Beginne mit dem Annähen nicht direkt am Beginn des Schrägbands, da du hier meist noch angleichen musst.

Falte das Schrägband auf und lege es mit der rechten Seite Kante an Kante auf die linke Seite deines Projekts. Stecke alles gut fest, ohne das Schrägband zu dehnen.

Nähe das Schrägband nah an der Falzkante fest. Für das Einfassen von Webware empfehle ich wieder einen Geradstich, mittlere Nadelposition mit Stichlänge 2,5.

Nach diesem Schritt empfiehlt es sich die vollständige Nahtzugabe in Richtung Schrägband zu bügeln.

Falte nun das Schrägband auf die rechte Seite deines Projekts. Die Mitte des Schrägbands liegt nun auf der offenen Kante deines Nähstücks.

Schlage den letzten Falz nach innen ein, stecke alles gut fest und nähe mit einem Geradstich knappkantig entlang der Kante des Schrägbands.

Für den Abschluss einer durchgehenden Einfassung, wie zum Beispiel am Rocksaum, solltest du das Schrägband wie im ersten Schritt im schrägen Fadenlauf aneinandernähen. Andernfalls bildet sich ein knubbeliger Übergang.

Eine einfach Variante hierzu zeige ich beim Nähen von Rundungen.

Wie verarbeite ich Kurven?

Starke Rundungen und Ecken profitieren von der Dehnbarkeit des Schrägbands.

Bei Innenrundungen, wie am Rundhalsausschnitt, kann das Schrägband leicht gedehnt angenäht werden.

Dahingegen muss bei Außenrundungen, wie einer stark gerundeten Ecke, mehr Material hinzugegeben werden. Dabei wird beim Nähen immer etwas mehr Schrägband nachgeschoben.

Achte darauf, dass du beim Umschlagen und Stecken des Schrägbands auf der rechten Seite nicht verrutschst.

Starke Außenrundungen (Kreise) einfassen

Bei sehr starken Außenrundungen wird die Mehrweite durch einschneiden des Schrägbands innerhalb der Nahtzugabe erzeugt. Anschließend kann das Schrägband rundherum gesteckt werden ohne Dehnung.

Für einen sauberen Übergang nähst du das Schrägband exakt bis zum Beginn an.

Nun kannst du beide Enden im 90° Winkel rechts auf rechts aufeinander legen, stecken und eine Diagonale von der oberen zur unteren Schnittstelle einzeichnen und festnähen.

Anschließend kannst du die Nahtzugabe zurückschneiden sowie die überstehenden Enden.

Schlage nun das Schrägband auf der rechten Seite ein, stecke alles und nähe es fest.

Nähe hierbei langsam, exakt und hebe ggf. den Nähfuß immer wieder etwas hoch, um dein Projekt auszurichten.

Wie verarbeite ich Ecken?

Es gibt verschiedene Techniken für die Eckenverarbeitung. Je nach Projekt solltest du die Ecken gut fixieren.

Außenecken können wie eine Briefecke genäht werden. Hier habe ich eine einfache Verarbeitung gewählt bei der die Stofffalte nur zur Seite gelegt und mit dem finalen Steppstich leicht fixiert wird.

Außenecken einfassen

Nähe bis zur Nahtzugabe der Ecke und verriegle die Naht.

Lege das Schrägband im rechten Winkel nach unten, fixiere ggf. die Falte und lege das Schrägband an der Ecke entlang der zweiten Kante.

Fixiere dir möglichst alles gut und bügle ggf. alle Falten zusätzlich.

Nähe nun beginnend von der Falte den zweiten Schenkel entlang.

Klappe das Schrägband auf der rechten Seite ein und stecke dir alles gut fest.

An der Ecke wird die Falte nach innen gelegt (von rechts und links), sodass eine möglichst saubere Ecke entsteht. Bügle ggf. noch einmal und steppe die Strecke durchgehend fest.

Innenecken einfassen

Innenecken, wie bei einem V-Ausschnitt, sind häufig etwas knifflig.

Hier eine für mich einfachere Variante, die jedoch nur von der rechten Seite optisch schön aussieht.

Markiere dir die Nahtzugabe und schneide innerhalb der Nahtzugabe die innenliegende Ecke ein.

Stecke das Schrägband und lege dabei den Hauptstoff gerade Kante an Kante, sodass sich der Einschnitt etwas aufspreizt.

Nähe das Schrägband mit einem Geradstich fest.

Schlage es auf der rechten Seite ein, stecke alles gut und nähe es fest.

Für eine saubere Spitze falte nun dein Projekt mittig an der Innenecke und stecke es fest. Nun wird eine Diagonale eingezeichnet, die dem aufgespreizten Einschnitt entspricht.

Achte beim Nähen darauf, dass du gut verriegelst und nur bis zur Naht nähst.

Ich wünsche dir nun ganz viele schöne Projekte mit dem passenden Schrägband.

 

Vielleicht magst du ja auch an einem solchen Bild üben, das sich ganz toll für Geldgeschenke eignet! Falte nur noch ein paar Fische aus Scheinen dazu.

Danke an Jenny von Minnai_diy für das Tutorial!

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2 Antworten auf „Minnai DIY: Schrägband herstellen und damit einfassen“

Die Streifen bei 2 beim 1 Bild wird nicht richtig gezeigt
Wenn man ihn so zusammen näht hat man eine Ecke
Die schrägen müssen gleich laufen
Genäht ist es richtig
Ein Anfänger könnte da Schwierigkeiten haben

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2 days ago

Nähstiche mit einer Sticksoftware zu erstellen - das liegt nicht gerade nahe. Vor allem, wenn man gar keine Stickmaschine hat. Mareike hat das nicht abgehalten, sich mit MySewnet zu beschäftigen und daher gibt es jetzt auf www.naehratgeber.de einen dritten Teil zum Thema der Sticherstellung mit MySewnet für Pfaff.
Nicht gerade einfach, aber für komplexe Stiche einfacher als mit dem Stichdesigner an der Pfaff Expression 720, finden wir und Mareike auch.
@mareike_b_naehreike
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