Krawatten gibt es in zahlreichen Variationen von den wertigen aus Seide mit dezentem Muster bis hin zu den knalligen Polyester Varianten.
Interessant wird es vor allem bei der Schnittkonstruktion. Krawatten werden im schrägen Fadenlauf zugeschnitten und bestehen im Original aus drei Schnitteilen. Sie sind in bestimmten Bereichen mit einer Einlage versehen, um ein Ausbeulen im Knoten-Bereich zu verhindern.
Für dein Upcycling-Projekt ist daher wichtig zu wissen:
- In einer Krawatte steckt viel Hauptstoff.
- Der schräge Fadenlauf macht die textile Fläche in bestimmten Bereichen elastisch und muss ggf. verstärkt werden.
- Futter und ggf. bestehende Vlieseinlage müssen entfernt werden.
Krawatten werden zu einer Tasche
Trenne beide Krawatten auf und löse die Einlage und den Futterstoff raus.
Bügel die Schnitteile gut – beachte hierbei die Bügeltemperatur der Krawatten. Je nach Material können an den Bruchkanten helle Streifen auftauchen.
Die Seiten nun begradigen und dabei möglichst beide Krawatten in der gleichen Breite, mit parallelen Winkeln zuschneiden. Hier hilft ein Patchwork-Lineal sowie ein Geodreieck.
Zusätzlich aus einem Futterstoff beide Krawattenteile gespiegelt zuschneiden.
Die Schnittteile aus Oberstoff verstärken. Ich habe hierfür Vlieseline H250 gewählt. Die Stärke solltest du individuell auf die Stärke deiner Krawatten abstimmen. Bei zwei qualitativ unterschiedlichen Krawatten kannst du so einen Ausgleich schaffen. Beachte hierbei auch die Bügelempfehlung der Krawatten.
Lege und stecke nun deine beiden Haupt-Krawattenteile entlang der langen Kante rechts auf rechts aufeinander.
Nähe die Krawattenteile mit einem Geradstich zusammen. Bügel die Nähte auseinander.
Die entstandene Form eignet sich nun für kleinere Taschenschnittmuster oder in meinem Fall für eine Origamitasche.
Übersicht der Faltanleitung
Die zusammengenähten Krawatten ergeben ja aber kein Rechteck, daher wird hier etwas anders gefaltet, um an die passende Form zu kommen:
Orientiere dich an der Faltanleitung und drittel die Fläche.
Nun legst du die untere lange Kante (1) an die linke Markierung (2) an. So entsteht die Taschenform.
Markiere dir deine obere vordere Mitte (auf beiden Seiten der Tasche) – das ist der Kreuzungspunkt an der langen Schräge mit der kurzen Schräge. Am besten nimmst du für jede Seite der Tasche eine andere Farbe Stecknadeln.
Jetzt öffnest du den Stoff wieder und legst die Markierungen rechts auf rechts aufeinander, um sie zusammenzunähen.
Für mehr Tiefe und zum Schließen der kleinen Lücke an den Ecken, werden diese abgenäht.
Hierfür habe ich die Tasche glatt hingelegt und die Umlegekanten mit Nadeln markiert. Beim Aufeinanderlegen der Markierungen bildet sich eine neue Ecke. Fixiere diese und markiere bei 2-2,5cm eine Gerade im rechten Winkel zur Spitze. Steppe beide Ecken ab. Die Ecken kannst du nun zurückschneiden.
Futtertasche nähen
Forme die Tasche gut aus und erstelle in der gleichen Form die Innentasche. Stecke beide Taschen rechts auf rechts aneinander. Achte darauf, dass die Ecken und Spitzen gut aufeinanderpassen.
Träger anfertigen
Für den Griff nutzt du die schmalen Rechtecke. Diese rechts auf rechts an der schmalen Seite zusammennähen. Anschließend entlang der langen Seite rechts auf rechts zusammenlegen und -nähen. Wenden und so ausformen, dass die Naht unten mittig liegt.
Stecke nun den Griff an die Spitze zwischen Innen- und Außenstoff. Fixiere den Griff mit einem Geradstich parallel zur Außenkante des Trägers. Nähe hier keine Spitze, da sich dann eine kleine Beule bildet. Zusätzlich kannst du diesen Bereich mit einem Zick-Zack-Stich sichern. Ab dem Träger nähst du nun die obere Kante von Außen- und Futterstoff zusammen.
Du kannst noch einen Verschluss einarbeiten sowie dekorative Elemente, wie Paspeln, Webbänder oder Label.
Wenn du nun am Weiberfasching den Männern die Krawatte abschneidest, hast du nun vielleicht direkt ein Projekt im Kopf.
Weitere Ideen
Wenn du die Krawatte im Ganzen verarbeiten möchtest, gibt es hierzu tolle Anleitungen für Röcke, Kleider oder auch Westen. Unterschätze hier jedoch nicht die Anzahl der notwendigen Krawatten und dass der schräge Fadenlauf den Fall verändern kann.
Natürlich lässt sich auch wunderbar mit Krawatten ein Patchwork erstellen, da gerade im Bereich der Spitze viel Stoff versteckt ist.
Für edle Krawatten, die du nicht zerschneiden möchtest, bieten sich verschiedene Bindetechniken an, um eine dekorative Variante zu tragen.
Auch die Verwendung als Gürtel mittels einer einfachen Schnalle oder einem Ring ist sehr effektvoll.
Sie finden ihre Werke auf Instagram: Minnai_DIY


