Ob man nur keine Overlock hat, oder sie grad nicht aufstellen mag, es gibt verschiedene Gründe dafür, Stoffkanten mit dem Overlockfuß an der Nähmaschine zu versäubern.
Hier kann man, wie bei der Overlockmaschine auch, wählen zwischen „Versäubern“ und „Versäubern und Zusammennähen“.
Wir zeigen hier die Anwendung eines Overlocknähfußes an der Nähmaschine, welche Stiche dafür geeignet sind und was man bei der Verwendung beachten muss.
Warum ein extra Nähfuß?
Wenn eine Nähmaschine Overlockstiche hat, kann man die doch sicher auch mit dem Standardfuß nähen, oder? Ja, kann man. Aber es sieht nicht so gut aus.
Das Geheimnis liegt in einem kleinen Stift auf der Unterseite des Nähfußes.
Dieser Stift sorgt dafür, dass das Garn sich bei der seitlichen Bewegung nicht zusammenzieht und die Stoffkante eingequetscht wird. Dicke und festen Stoffe kann man daher auch noch mit dem Standardfuß versäubern, dünne und weiche Stoffe werden mit dem Overlockfuß besser verarbeitet.
Der kleine Stift (oder die Bürste) stützt das Garn, wenn die Nadel ins Leere sticht.
Overlocknähfüße sehen je nach Hersteller etwas anders aus und teilweise haben sie auch verschiedene Namen.
Beispiele:
Welche Stiche sind geeignet?
Hinweise dazu findet man in der Regel in der Bedienungsanleitung oder wenn die Naht mit der Hilfe eines integrierten Nähberaters ausgesucht wird.
Beispiele Anleitung:
Die Bedienungsanleitung der Bernette b77 mit dem Beispiel Vari-Overlock und die Juki DX-Serie.
Die Nähmaschine zeigt es an
Viele Nähmaschinen zeigen sogar an, wenn ein Overlockfuß benötigt wird, hier die Janome MC 1000 und die Bernina B325.
Welche Garne sind geeignet?
Da bei dieser Nähtechnik, wie beim Overlocken auch, viel Garn in die Naht gebracht wird, verwenden wir gerne ein dünneres Garn. Normales Nähgarn hat in den meisten Fällen eine Stärke von 100, Overlockgarn 125.
Wir nähen mit dem Overlockfuß dann entweder mit Gütermann Miniking (120) oder Mettler Seracor (120). Miniking ist ein Nähgarn wie Gütermann Allesnäher, nur dünner. Seracor ist eigentlich ein Overlockgarn, aber durch seine hohe Reißfestigkeit in Kombintation mit den haltbaren Overlockstichen auch für die Nähmaschine geeignet.
Stoffkanten versäubern
Wie bei der Overlock auch gibt es zwei Anwendungsarten: Nur Versäubern oder Zusammennähen und Versäubern in einem Durchgang.
So kann man zum Beispiel die Stoffkanten vor dem Waschen einfassen, um ausfransen zu Vermeiden.
Zusammennähen und Versäubern gleichzeitig
Bei der kombinierten Naht ist auf die Nahtzugabe zu achten. Denn die Stoffkante wird ja vom Nähfuß geführt. Somit ist der Abstand von der Stoffkante zur Nahtlinie festgelegt. Je nach Hersteller, Nähfuß und gewähltem Stich ist der Wert unterschiedlich, jedoch im Schnitt zwischen 5 und 7 mm.
Möchten Sie also in einem Durchgang nähen, müssen Sie vorher wissen, wie breit Ihre Nähmaschine nähen wird.
Abmessen auf der Probenaht
Nähen Sie also eine Probenaht und messen Sie dann die Breite des Stiches.
Diesen Wert dann das als Nahtzugabe beim Zuschneiden anwenden.
Achtung: Oft kann man die Breite des Overlockstiches anpassen. Dabei muss aber immer kontrolliert werden, ob die Nadel dann nicht doch auf den Stift trifft und der Stich sollte dann auch so abgespeichert werden.
Alternativ können Sie die Naht auch mit dem Geradstich und der gewohnten Nahtzugabe nähen und danach in einem zweiten Druchgang die Kante mit dem Overlockstich nochmal abnähen.
Schmale Naht
Meist sind die Overlocknähte der Nähmaschine ziemlich schmal, was auch beim Zusammennähen von dicken Stellen oder vielen Lagen ein Problem sein kann. Verrutscht nur eine Lage ein bisschen, wird sie schon nicht mehr richtig erfasst. Daher empfehlen wir zum Beispiel beim Annähen von Bündchen doch lieber erst mit dem Geradstich/Stretchstich mit einer breiteren Nahtzugabe zu nähen und dann nur die Kanten zusammen zu versäubern.
Das gilt auch für das spätere Absteppen. Je schmaler die darunter liegende Naht, desto schlechter der Transport. Hier also auch lieber in zwei Durchgängen arbeiten.
Mit dem richtigen Nähfuß und dem passenden Stich kann man viele Stoffarten auch ohne Overlock schön versäubern. Wir finden jedoch, die Overlock hat neben dem Differentialtransport (der gegen das Wellen des Stoffes hilft) noch einen weiteren Vorteil: Die Geschwindigkeit. Da die Nähmaschine die Nadel ja hin und her bewegen muss, ist sie hier immer im Nachteil. Im Schnitt ist eine Overlock doppelt so schnell.


