Heute wird mal gequiltet! Aber erst mal mit der Stickmaschine. Wir nutzen beides gern, freihand und „computergesteuert“, je nach Projekt. Unser nächstes Projekt ist eine Kuoria von Hansedelli, allerdings stark abgewandelt. Für Taschen lassen wir beim Quilten aber gerne die Stickmaschine ran.
Wir machen uns ein Quiltsandwich aus Canvas, Style-Vil und Weblon und spannen es im 24×15 Magnetrahmen ein. Dann wird gescannt. Nicht so sehr zum Positionieren, viel Spielraum ist im Rahmen nicht, das haben wir vorher schon klassisch ausgemessen. Aber einfach mal um eine schöne Vorschau zu bekommen. Welches Stickmuster soll es werden? Garnfarbe passend oder im Kontrast?
Wir entscheiden uns für Ton in Ton mit Mettler Perfect Quilting Thread und schalten schon mal das automatische Fadenschneiden ab. Wie beim Quilten wollen wir die Fäden am Ende auf die Rückseite ziehen. Beim Hochholen des Unterfadens am Start gibt es allerdings ein Problem: Die Nadelpositionstaste ist im Stickmodus mit einer anderen Funktion belegt. Leider gibt es in der Anleitung keine Übersicht, womit. Wir werden dazu einen Beitrag erstellen. Was macht die Nadelpositionstaste? Sie fährt den Stickrahmen in die Schneideposition.
Zum Hochholen nehmen wir einfach ganz klassisch mal wieder das Handrad, geht auch.
Tipp zum Sticken von Quiltsandwiches:
Deaktivieren Sie die ActivStitch-Technologie, also die Fadenzuteilung. Denn dabei misst die Stickmaschine die Dicke des Stoffes und passt die Menge des Fadens an. Sie gibt dann durch das Volumen zu viel Faden frei und beim Quilten möchte man ja, dass alle drei Lagen fest miteinander verbunden sind. Ein schöneres Stichbild erreichen Sie mit der normalen Fadenspannung und diese wird bei uns in der Regel auch noch etwas erhöht (im diesem Fall von 2.8 auf 3.4).
Dann wird das Endlosmuster ein Mal gestickt und der Stoff im Magnetrahmen versetzt. Wir haben dann erneut gescannt, aber den Ansatzpunkt zu finden, war zu schwer. Wir hätten ihn markieren können, damit der Kontrast im Scan besser ist, aber wir haben das Motiv einfach nur grob an die Stelle geschoben und dann ins „Exakte Positionieren“ gewechselt.
Früher hieß die Funktion „Precise Positioning“, aber wie 2024 angekündigt, möchte Pfaff die englischen Begriffe reduzieren. Die Technik ist die gleiche geblieben und wir finden sie wirklich exakt. Dabei kann jeder beliebige Punkt innerhalb des Stickmusters zum Positionieren verwendet werden, auch Stellen, an denen sich gar kein Stich befindet. Die Ansicht kann dabei bis zu 1000 Prozent vergrößert werden.
Eine Beschreibung dieser Technik haben wir hier auf dem nähRatgeber: Precise Positioning an der Icon.
Einfach mal nur sticken zwischendurch
An einem Wochenende ist diese Stickerei entstanden. Hier wurden verschiedenste Stickgarne auf weißem Stickfilz verwendet: Brildor PB 40, Gütermann Super Brite, Mettler Polysheen, Gütermann Rayon, Madeira Polyneon, Madeira Sensa Green und Madeira Rheingold.
Stickmuster: Emblibrary Woodland Animal Friends
Teilweise von 5000m-Konen, die natürlich nicht auf den normalen Halter passen. Aber dafür gibt es ein tolles Hilfsmittel, den Konenhalter. Wir verwenden hier den Mega Spool Stand von Husqvarna Viking, da wir den schon von einer anderen Näh-Stickkombination hier haben. Noch besser wäre der Pfaff Creative Spool Stand, da er rechts außen in einem speziellen Loch eingesteckt wird.
Da manche Farben doch etwas länger gedauert haben, war die App-Überwachung praktisch. Einfach mal aufs Handy schauen, ob die Maschine schon fertig ist.
Die Stickereien haben wir am Ende ausgeschnitten und auf Furnierpapier aufgenäht.
Sprungstiche schneiden oder nicht?
Ein Problem, das wir schon von Pfaff und Husqvarna kennen, betrifft auch die Expression 750. Es liegt also an der Verarbeitung der Stickdateien, nicht an der Maschine.
Manchmal werden Sprungstiche nicht geschnitten, obwohl die Funktion an ist. Hier sticken wir mit VP3.
Dann haben wir stattdessen andere Formate versucht, PES, JEF und VIP.
Und hier schneidet die 750 die Sprungstiche.
Dafür tritt ein anderes (altbekanntes) Phänomen auf. Sie springt am Ende der Farbe nicht zum Anfang der nächsten Farbe. Fädelt man hier um, sticht sie zwei Mal ein, springt dann zum nächsten Farbblock und beginnt dort zu sticken. So entsteht aber wieder ein störender Spannstich. Sie zeigt das sogar im Display an. Tippt man einmal auf „Ein Stich vorwärts“, springt sie zum nächsten Farbblock und beginnt dort.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das vor allem dann passiert, wenn die Stickmuster nicht mit MySewnet erstellt wurden, sondern von einem anderen Hersteller und dann exportiert/konvertiert wurden. Beim Format VP4 haben wir den Effekt noch nicht erlebt, hier wird immer korrekt geschnitten und zum nächsten Block gesprungen.
Auf Furnierpapier haben wir auch gestickt (siehe Scan oben), dazu wird es einen separaten Beitrag geben. So viel vorab: Das war kein Problem für die Expression. Eine der Stickereien wurde dann noch auf Filz genäht, mit einem Zierstich. Für das Nähen genau auf der Kante sind die Bearbeitungsmöglichkeiten der Expression einfach klasse. Man kann nicht nur die Breite oder Länge ändern, sondern auch den Stich seitlich verschieben, spiegeln und alle Änderungen unter einem eigenen Namen speichern. Am Ende jeder Seite ist die Einzelstichfunktion praktisch, so hält die Maschine immer nach einem Rapport an.
Tasten drücken während des Stickens
Wir sehen es als großen Vorteil, dass man bei Pfaff auch einfach während des Stickens auf Tasten drücken oder am Display tippen kann. Wenn man also sieht, dass Unterfaden hoch kommt, passt man einfach die Fadenzuteilung oder Spannung an. Oder wenn man zum Einfarbmodus wechselt, drückt man auf die entsprechende Taste. Ebenso direkt kann die Geschwindigkeit angepasst werden. Es gibt durchaus Hersteller, bei denen man immer erst die Maschine anhalten muss, um etwas einzustellen. Oder Stickmaschinen, die einfach stehen bleiben, wenn man den Touchscreen berührt.
Zurück zur Kuoria und endlich quilten
Quilten auf Style-Vil ist jetzt nicht gerade ein Einsteigerprojekt, aber wir quilten ja nicht das erste Mal mit Pfaff.
Also war uns schon klar, dass es wahrscheinlich mit dem Sprungfuß 6D nicht so gut klappt, versucht haben wir es trotzdem. Das Problem bei diesem Fuß ist wohl, dass er das Style-Vil mal zusammendrückt und mal nicht. So kommt es immer wieder zu Fehlstichen und dadurch zu Fadenriss.
Also den Sensormatic-Fuß montiert.
Für Freihandarbeiten muss man bei der Expression-Serie nur unten die Freihand-Optionen öffnen und einen Nähfuß auswählen. Dadurch versenkt sich der Transporteur.
Wir wählen dort den Sensormatic-Fuß und ziehen das Fenster für die Höheneinstellung heraus, weil wir ja davon ausgehen, dass wir das beim Testen noch ein paar Mal brauchen. Das ist schon ein toller Komfort durch das große Touchdisplay.
Was macht der Sensormatic-Fuß anders?
Er schwebt über dem Stoff und bewegt sich während des Nähens nicht auf und ab wie der Sprungfuß. Wie hoch er grundsätzlich stehen muss, ermittelt er bei den ersten langsamen Stichen, daher bewegt er sich da auch noch auf und ab.
Wir passen die Fadenspannung an, damit auf gar keinen Fall Unterfaden nach oben kommt und dann stellen wir die Höhe noch auf -3. Denn steht der Fuß zu hoch, können Fehlstiche entstehen (bei jeder Nähmaschine). Diese Höhe bedeutet dann für die Maschine: Vom gemessenen Wert aus -3. Dann speichern wir den Stich erst mal ab. Nach dem Neustart stellen wir fest: Die veränderte Fadenspannung wird mitgespeichert, die Höhe nicht.
Allerdings bleibt die Höhe immer auf dem zuletzt genutzten Wert, sie wird nicht auf 0 zurückgesetzt. Solange man also zwischendurch kein anderes Projekt macht, muss man sich beim Neustart nicht um die Einstellungen kümmern.
Wir bereiten unser Taschenteil vor und nehmen dann aber nochmal das Probestück zum eingrooven mit dem geplanten Muster.
Und plötzlich kommen wieder Fehlstiche. Wir testen ein bisschen und stellen fest: Wo Stoff und Vlies schon miteinander verbunden sind (das Muster rechts stammt ja vom Probesticken), geht es gut, kommen wir weiter weg und der Stoff liegt nur lose auf, entstehen Fehlstiche. Und diese entstehen vor allem dann, wenn wir vorher gestoppt haben. Die Sensortechnik ermittelt dann einen zu hohen Wert. Sensoren sind praktisch, aber bei manchen Materialien nicht so hilfreich. Wir müssten also ordentlich heften, oder eine andere Lösung finden.
Die liegt nicht weit: Der Rulerfuß. Besser gesagt, die Einstellung Rulerfuß. Denn auch dieser Fuß schwebt über dem Stoff und kann in der Höhe verstellt werden, aber die Pfaff misst hier nichts.
Schon klappt es mit dem Freihandquilten auf Style-Vil und das ganz ohne Vlies. Manche Maschinen mögen das ja gar nicht und produzieren dann gern mal Fadenraupen oder lassen Stiche aus.
Spulen durch die Nadel
Egal, wie viel man aufspult, in den seltensten Fällen kommt man perfekt damit hin. So auch hier, nur noch ein kleiner Bereich übrig, aber Unterfaden (wirklich) leer.
Hinweis: Bei Kunststoffnähfüßen kann längeres Spulen zu Kerben führen.
Nähmalen
Freihandnähen oder Nähmalen – man kann es nennen, wie man will. Quilten ohne Vlies dazwischen. Wir arbeiten freihand, ohne Transporteur, um Muster auf den Stoff zu zeichnen.
In unserem Fall wird der Stoff von einer Lage Decovil verstärkt. Hier würde eigentlich aufbügeln reichen, aber da sich Decovil von Polyester bei Bewegung mit der Zeit gern mal löst, möchten wir es fixieren. Und nutzen dazu das für das Style-Vil verwendete Stickmuster, aber in einer anderen Größe.
Wir drucken das Stickmuster aus und kopieren es auf Thermofilm.
Die Folie kleben wir auf den mit Decovil bebügelten Stoff und nähen das Muster freihand nach. Diesmal mit dem Sprungfuß. Die Oberfadenspannung haben wir reduziert, damit kein Unterfaden nach oben kommt. Zusätzlich verwenden wir eine Superuniversalnadel, da das Decovil gerne die Nadel verschmiert.
Das Label (gestickt in Teil 2) wurde mit einem Applikationstich aufgenäht, auch hier hat die Einzelstichfunktion wieder für saubere Abschlüsse gesorgt. Man näht doch sonst gern mal einen Stich zu viel. Die obere Kante am Gummiband sichert ein Riegel, auch dafür gibt es einen passenden Stich in der 750. Wir verwenden allerdings nicht den Riegel, der wie ein Knopfloch genäht wird, sondern einen schmalen Zickzackstich.
Alternative Nähfüße
Was es nicht passend gibt, ist ein verstellbarer Schrägbandfuß. Den haben wir von einer Husqvarna Viking hier, aber praktischerweise auch einen Nähfußhalter dazu (diesen können Sie als Ersatzteil beim nähPark bestellen).
So konnten wir den verstellbaren Schrägbandfuß von Husqvarna Viking montieren und er funktioniert auch an der Pfaff Expression wunderbar.
Hinweis: Bei der Verwendung von alternativem Zubehör immer testen, ob die Nadel oder der ganze Nadelhalter nicht irgendwo anstoßen!
Vor allem beim Verstellen der seitlichen Nadelposition.
In unserem Fall muss der Falzgummi den Mesh nur einfassen und nicht wirklich dehnbar bleiben. Daher steppen wir ihn im Anschluss nochmal knappkantig ab, bei den großen Löchern kommt es ja schnell vor, dass schmale Einfassbänder nicht alles erfassen. Da kam gleich ein weiterer Nähfuß von Husqvarna zum Einsatz, der linksseitige Säumerfuß.
Beim Laser sind wir mittlerweile dazu übergegangen, nicht mehr wie bei einer Kantenführung zu denken. Auf dem Metall und dem Spulendeckel ist der Laser ja kaum zu sehen. Wir positionieren ihn genau auf der Stoffkante und haben so eine perfekte Orientierung.
Und jetzt wird es endlich interessant in Sachen schwere Materialien, die Kuoria wird zusammengesetzt.
Neben Canvas kommt auch noch ein Polsterstoff zum Einsatz und dazwischen Style-Vil.
Besonders, wenn das Style-Vil mit eingenäht wird, punktet die Expression mit ihrer unterstützenden Technik. Kein Schieben des oberen Stoffes, immer die richtige Fadenspannung und auch der Nähfußhub passt sich an. Diese Technik sorgt ja dafür, dass sich der Nähfuß anhebt, wenn die Nadel im Stoff steckt. Wir nutzen sie gerne parallel zum Kniehebel. Und je dicker der Stoff, desto höher geht auch der Nähfuß!
Und das Annähen geht dann mit dem RV-Fuß genau so gut, wie auch das Verbinden der Taschenteile.
Während wir die Einfassung annähen, darf die Expression schon wieder sticken und punktet bei der Verarbeitung von Gütermann Glowy:
Das nachtleuchtende Garn brauchte auf dem schwarzen Filz bei unseren anderen Maschinen bis jetzt immer eine weitere Änderung, außer der Reduzierung der Geschwindigkeit. Mal eine dickere Nadel, mal weniger Fadenspannung, mal eine niedrigere Stickfußhöhe. Die Expression 750 hat einfach weiter gestickt, als wäre es normales Stickgarn.
Stickdatei: Urban Threads Peeking Cats Trio.
Wir haben da schon noch ein paar Ideen, was wir mit der Pfaff Creative Expression 750 nähen und sticken möchten, Sie können sich also auf einen vierten Testbericht und weitere Beiträge hier auf dem nähRatgeber freuen. Ihre Wünsche und Anregungen können Sie auch gerne hier als Kommentar hinterlassen.

Testbericht Pfaff Creative Expression 750 – Teil 2

Pfaff Creative Expression 750 – erster Eindruck

