Manchmal muss das Stickmuster perfekt zu einem Schnittteil passen. Ob auf den Kragen einer Bluse oder wie bei uns, in eine Taschenklappe. Wenn man seine Stickmuster selbst digitalisiert, ist es am bequemsten, wenn sich das Schnittteil direkt mit in die Stickarbeitsfläche lädt. So spart man sich messen, drucken und korrigieren.
In diesem Beitrag haben wir Ihnen bereits gezeigt, wie Sie ein PDF-Schnittmuster in die Bernina Designer Plus V9 laden: Vom Schnittmuster zum Stickmuster.
Aber nicht immer liegt ein digitales Schnittmuster vor oder sogar nur der zugeschnittene Stoff, so wie bei uns. Wir wollen eine Stickerei erstellen, die perfekt in den Rand der Taschenklappe einer Modern Saddle Bag passt.
Hierbei handelt es sich um fertig zugeschnittene Lederteile mit Löchern für Handnähte. Es gibt also kein Schnittmuster.
Aber wie kommt es da rein?
1. Scannen
2. Per Corel importieren
Scannen mit dem Plotter
Nicht in jedem Haushalt steht ein Scanner. Aber einige Plotter. Und genau der kommt jetzt zum Einsatz.
Wir scannen mit dem Brother SDX Plotter und der Scanmatte. So erhalten wir nicht einfach nur eine Bilddatei, sondern auch eine FCM, die sich in Canvas Workspace bearbeiten lässt. So könnte man auch perfekt passende Plottmotive oder zum Beispiel Trapunto-Schablonen für die Lederbearbeitung erstellen.
Für unser Projekt würde eigentlich das innere Klappenteil reichen, da wir das äußere auf die gleiche Form zuschneiden werden. Aber das sich das innere Klappenteil durch die schmale Form gern verschiebt und wir eh nur die große Scanmatte haben, scannen wir gleich beide Teile und können so nochmal die Form kontrollieren.
Starten Sie den Plotter und wählen dann „Scannen“.
Laden Sie die Scanmatte und drücken Sie dann auf „Start“.
Der Plotter scannt die Matte und überträgt die Daten direkt. Diese Meldung schließen Sie mit OK.
Schnittteil in Canvas Workspace vorbereiten
Wie man sehen kann, sind etwas zu viele Linien entstanden. Für das Prüfen der Form könnte man sie auch einfach dran lassen. Aber da sie nicht wirklich mit der Form verbunden sind und sich einfach wegschieben lassen, löschen wir sie. Weitere Feinarbeit, wie man sie für eine SVG machen würde, sparen wir uns. Es geht ja nur um die Form des Stickmotivs. Jetzt kann auch kontrolliert werden, ob die Taschenseite mit dem dünnen Rand sich verzogen hat. Sollte das der Fall sein, schiebt man beide Formen übereinander, dann sieht man das später auch so in der Sticksoftware. Bei uns hat alles gut gepasst.
FCM in SVG konvertieren
Leider kann die Bernina V9 keine FCM importieren und Canvas Workspace aktuell keine SVG exportieren. Also brauchen wir noch einen kleinen Zwischenschritt über Ideas R Us.
Schnittteil in die Sticksoftware laden
Starten Sie die Bernina Designer Plus V9.
Wechseln Sie zu Corel über den Pinsel. Dort wählen Sie „Datei – Importieren“.
Da wir die zweite Taschenklappe ja wirklich nicht mehr brauchen, wird diese jetzt mal gelöscht. Dafür einen Rechtsklick auf die Form ausführen und dann „Gruppierung aufheben“ wählen. Über die Entfernen-Taste lässt sich das nicht benötigte Teil dann löschen.
Schon wechselt die Software in die Stickarbeitsfläche und die Klappe erscheint als Füllfläche.
Vor allem in schwarz nicht gerade hilfreich für das, was wir wollen, aber es ist ja noch viel mehr entstanden:
Wenn Sie oben im Farbfilm auf „Objekte anzeigen“ klicken, sehen Sie, dass nicht einfach nur eine Fläche entstanden ist, sondern auch Konturen.
Löschen Sie die Füllfläche.
Auch wenn es beim Import vom Brother Plotter eigentlich immer passt, kontrollieren Sie jetzt trotzdem nochmal die Größe.
Geplantes Stickmuster dazuholen
Tipp vom nähRatgeber:
Eingefügte Stickmuster automatisch gruppieren lassen
Wir laden hier eine sehr große ARX-Datei und die landet genau vor dem ersten Muster. Fasst man so eine Datei jetzt mit der Maus an, kann sie schnell zerfallen, oft auch unbemerkt. Aber auch bei normalen Stickmustern kann es hinderlich sein, wenn die Farblagen separat ausgewählt werden können. Daher haben wir unsere Software so eingestellt, dass alle zusätzlich geladenen Stickmuster automatisch gruppiert werden.
Für die Fans der Modern Saddle von Bags & Pieces: Ja, wir haben hier die Futterseite gescannt. Die richtige Vorderseite muss ja noch ausgeschnitten werden. Im automatisch konvertierten Stickmuster kann man aber ja schon mal simulieren, wie es aussehen würde, wenn es richtig ausgeschnitten ist.
Ist das Schnittteil mal in der Software, kann es hilfreich sein für die Vorschau und Anordnung des Stickmusters:
Das kann auch bei der Auswahl von Schriftzügen helfen.
So kann man schon mal am Rechner planen und dann ja die letzte Entscheidung mit einem Ausdruck treffen.
Wir haben unser Kreuzstichmotiv gestickt und dann das benötigte Klappenvorderteil noch zugeschnitten. Das funktioniert hier wie bei den Micro-Mosaik-Tauschklappen auch. Wir haben allerdings einen breiteren Rand gelassen. Wie oben schon erwähnt, je größer das Pixelmotiv, desto schwieriger wird es zu sticken, es treten schnell Verschiebungen auf. Daher wollen wir uns langsam herantasten. Die nächste Stickerei läuft aber schon!

Gescannte Schnitte in Canvas Workspace bearbeiten

Vom Schnittmuster zum Stickmuster mit der Bernina V9

Kreuzstichvorlagen digitalisieren mit der Bernina Designer Plus V9

