Unser Beitrag zum Thema „Sticken auf Balsaholz“ wird ja immer noch interessiert gelesen, jedoch wurde dazu auf Facebook bemängelt, dass es sich dabei um ein Tropenholz handelt. Auch wenn die verwendeten A4-Bögen im Verhältnis zu den anderen Einsatzgebieten in Deutschland minimal erscheinen, haben wir uns Gedanken gemacht, wie man auch ohne Balsaholz die natürliche Struktur von Holz mit Stickerei verbinden kann.
Die Lösung kam von einer Followerin auf Instagram – Dingel Nähwerkstatt, die bei einer Story zum Balsaholz mal ihre Stickerei auf Furnierpapier gezeigt hat, mit dem Hinweis, die Sticktipps wären auch hier sehr hilfreich. Also haben auch wir uns Furnierpapier besorgt und getestet, wie es sich darauf sticken lässt.
- Welche Furnierpapiere sind geeignet?
- Was muss man beim Sticken beachten?
- Welche Stickmuster sind geeignet?
- Schadet das Furnier meiner Stickmaschine?
Alle diese Fragen wollen wir in unserem Beitrag für Sie beantworten.
Geeignetes Furnierpapier finden
Wir haben in unserem Test mit Furnierpapieren aus zwei Shops gestickt:
Die Dicke des Papiers sollte mit maximal 0,6 mm angegeben sein. Zusätzlich kann man auch noch auf die Härte des Holzes achten. Für die ersten Versuche empfiehlt sich dann Kirsche oder Nussbaum, da sie zwei der weichsten Hölzer in der Auswahl der Furnierpapiere sind.
Da Holzqualität ja sehr schwanken kann, sollte man vor allem am Anfang und bei neuen Papieren eine kleine Teststickerei machen. Ein guter Anhaltspunkt ist auch der Versuch mit einer Maschinensticknadel, die man mit der Hand durch das Material schiebt.
Testen Sie vorher mit einem Material, das Sie bereits erfolgreich bestickt haben, aber als fest ansehen. Zum Beispiel Echtleder, festes Kunstleder oder einen dichten Köperstoff. Wie viel Kraft brauchen Sie selbst, um die Nadel durch den Stoff zu schieben?
Bei diesem Test hat sich bei uns gezeigt: Bambus ist zu hart. Wir bekommen die Nadel mit der Hand nicht durch und wollen das daher der Stickmaschine auch nicht zumuten.
Welche Stickmuster kann ich für Furnierpapier verwenden?
Hier ist die Auswahl noch etwas größer als bei Balsaholz, da das Furnier mit dem Papier verleimt ist und so schon mal stabilisiert wird. Ein Stickvlies muss trotzdem noch verwendet werden.
Je mehr Garn ins Holz gebracht wird, desto schneller beginnt es, sich zu wellen. Dann kommt es darauf an, wie das Holz weiter verarbeitet wird. Bei diesem Löwen hat sich das Furnierpapier schon leicht gewellt, aber wir haben ihn vollflächig auf die Rückseite des Bilderrahmens geklebt, so sieht man kaum noch etwas von den Wellen.
Stickdatei: Löwe scribble Cyncopia
Das Eichhörnchen ist zwar dichter, aber kleiner und so blieb das Holz relativ gerade beim Sticken.
Und auch die Holzart spielt hier eine Rolle, das Holz unter dem Löwen ist weicher als das unter dem Eichhörnchen.
Stickdatei: Eichhörnchen Cyncopia
Vliese zum Sticken auf Furnierpapier
Rückseite
Auf der Rückseite reicht leichte Unterstützung, Linienmuster kann man aber auch gut ohne Vlies sticken, da sich ja schon Papier auf der Rückseite befindet. Wenn Sie also im Magnetrahmen sticken, können Sie hier ohne Vlies arbeiten. Bei normalen Stickrahmen wird ja ohnehin ein Hilfsmittel benötigt, hier reicht dann Reißvlies oder einfaches Klebevlies.
Vorderseite
Wasserlösliche Vliese
Falls Sie wasserlösliche Folien (Madeira Avalon Film, Sulky Solvy) auflegen, bedenken Sie auch, dass diese ja abgewaschen werden muss. Furnierpapier quillt auf, wenn es nass wird und biegt sich dann quer zur Faser nach hinten.
Hier haben wir zwei Lagen Avalon Film aufgelegt, nicht abgerissen, sondern eingeweicht.
Die Folge war starkes Durchbiegen, was sich aber durch Bügeln gut hat reduzieren lassen. Unser Tipp wäre, erst so viel Folie wie möglich abzureißen, damit sich die Reste schneller auflösen und das Furnier nicht so lange im Wasser bleiben muss.
Wir haben Avalon Film auch beim Nähen des Furnierpapiers verwendet, da der Dreifachgeradstich an den Längsseiten ohne Folie sehr eingesunken ist. Hier haben wir die Folie nur abgerissen, auswaschen war nicht nötig.
Hitzelösliche Folie
Wie bei anderen Stickereien auch, kann hitzelösliche Folie eine Alternative zu wasserlöslichen Stickvliesen sein. Je nach Stickmuster kann es allerdings schwierig sein, die Folie vollständig wegzuschmelzen. Infos dazu finden Sie auch hier:

Wofür benutzt man hitzelösliche Stickvliese?
Thermogaze
Dieses Motiv wäre für Thermofilm ungeeignet, daher haben wir Thermogaze getestet. Auch hierzu finden Sie bereits Infos hier auf dem nähRatgeber:

Sulky Thermogaze – hitzelösliches Stickgewebe
Man konnte die Gaze zwar schon im Groben erst mal gut entfernen, in einigen kleinen Bereichen wurde es dann jedoch schwieriger. Und der Hirsch war mit Sensa Green gestickt, hier wurde das Garn durch den Staub heller. Auch insgesamt geht einiges an Glanz verloren. Das Holz hatte dagegen keine Probleme mit der Hitze.
Stick-Effektfolie
Bei den Ginkoblättern lässt es sich kaum vermeiden, dass Stiche entlang der Faser laufen, aber hier hat Stick-Effektfolie (oder Mylar) geholfen. Diese Folie verbleibt ja in der Stickerei, somit entfällt schon mal das Problem mit dem Ablösen.
Furnierpapier lässt sich übrigens auch mit anderen Techniken toll gestalten, hier haben wir zuerst Siebdruck-Konfetti aufgebügelt und ein paar Stelle davon mit einer weiteren Schicht Bügel-Effektfolie versehen. Darauf die Stick-Effektfolie und dann lossticken.
Für jedes Blatt wurde eine andere Folie aufgelegt, diese wird am Schluss abgerissen.
Stickmuster und Effektfolien: MÄDE by Kasia
Passende Stickrahmen
Da Furnierpapier sich nicht biegen lässt, muss der Stickrahmen um einiges größer sein als der Papierbogen.
Für das Motiv würde hier beim Sticken mit der Brother Celeste CX1e der 26 x 16 reichen, aber das Furnierpapier lässt sich nicht auflegen.
Daher verwenden wir den 36 x 24 mit Abreißvlies und kleben das Furnierpapier mittig mit Hilfe von Sprühkleber auf.
Bei Bernina verwenden wir den Bordüren-Klemmenrahmen, um das 13 x 18 Motiv zwei mal auf den A4-Bogen zu sticken.
Alternativ kann auch mit Magnetrahmen gestickt werden.
Aber auch hier entsteht eine kleine Lücke zwischen Furnierpapier und Maschine, wobei das Furnierpapier nach unten gebogen wird. Wenn möglich, sollte nicht so nah am Rand gestickt werden, wie in unserem Beispiel. Hier wurde der Rand ziemlich belastet, was sicher auch dazu beigetragen hat, dass sich das Motiv zu sehr gewellt hat.
Passende Nadeln
Eigentlich braucht es für Furnierpapier keine spezielle Sticknadel. Wenn Sie Klebevlies oder Sprühkleber verwenden, eine Sticknadel mit Beschichtung (Antiglue, Superuniversal). Der Verschleiß ist allerdings höher, wir haben die Erfahrung gemacht, dass man am besten nach 30.000 Stichen die Nadel tauscht.
Die Reinigung
Sticken auf Furnierpapier verursacht Dreck. Nicht so viel wie beim Filzen, aber es werden quasi immer wieder kleine Späne ausgebrochen, die dann nach unten in den Greifer fallen. Es sollte also nach jedem Motiv gereinigt werden, am besten mit dem Staubsauger. Pinsel nehmen die Späne schlecht auf.
Cutwork – keine gute Idee
Wir probieren ja immer wieder was aus und dachten, Cutwork würde bestimmt cool aussehen mit Holz.
Allerdings entstehen durch die Cutworkmesser Unmengen von Spänen, die die Stickmaschine einfach zu sehr verschmutzen.
Sollten Sie doch so verrückt sein wie wir, haben wir daher einen Tipp: Manuelles Cutwork. Durch das Muster wird ja vorher der Bereich markiert, der geschnitten wird. Nach dieser Markierung nehmen wir den Stickrahmen aus der Maschine und schneiden das Holz mit dem Skalpell oder dem Knopflocheisen aus.
Lieber doch nicht?
Sie finden die Holzoptik toll, wollen es Ihrer Stickmaschine aber doch lieber nicht zumuten?
Dann gibt es immer noch Alternativen:
Sticken Sie auf Balsaholz. Hier sind die Platten zwar dicker, aber das Material weicher und nicht so spröder. Folglich wird die Maschine weniger beansprucht.
Oder reduzieren Sie es aufs Nähen, wie wir in diesem Beispiel:
Ein Teil des Motivs sehen Sie ja oben im Beitrag, aber schlussendlich war uns die Datei doch zu dicht für Funierpapier und vom Ersteller auch für weißen Hintergrund gedacht. Also haben wir es stattdessen auf Filz gestickt und dann auf einen großen Bogen Furnierpapier in Kirsche aufgenäht.
Stickdatei: A Woodland Animal Friends Window Scene, Emblibrary
Auch bei den anderen Stickmustern kam die Nähmaschine zum Einsatz. Ein Motiv wurde mit dem Geradstich auf Filz genäht und dann ausgeschnitten:
Hier haben wir wieder Folie für den Geradstich aufgelegt, diesmal Thermofilm. Diese Folie kann man beim Gradstich einfach abreißen, ohne bügeln.
Stickdatei: A Autumn Landscape Scene, Emblibrary
Furnierpapier lässt sich auch mit dem Rollschneider bearbeiten. Hier spürt man allerdings auch die Unterschiede beim Holz. Kirsche lässt sich leichter schneiden als Eiche.
Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß beim Experimentieren mit Furnierpapier und sollten noch Fragen offen sein, hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar!

Sticken auf Balsaholz

Übersicht Stickvliese

Sulky Thermogaze – hitzelösliches Stickgewebe

2 Antworten auf „Sticken auf Furnierpapier“
Danke für diesen informativen Beitrag!
Wie sieht es bei dem Basalt Holz mit Spänen in der Maschine aus? Fallen da genauso viele an???
Hallo!
Wenn Sie von echtem Balsa-Holz sprechen, nein. Das verursacht nicht so viele Späne. Infos dazu finden Sie auch hier: https://www.naehratgeber.de/sticken-auf-balsaholz-68087/
Viele Grüße
Tanja