Testbericht: BERNINA B700 im Test bei Chrissie Weber

Erste Eindrücke

Bei einem Blick in die Bedienungsanleitung fällt sofort auf, dass diese viel sorgfältiger und ausführlicher erstellt ist, als ich das von anderen Nähmaschinen-Herstellern gewohnt bin. Sie ist sehr übersichtlich und die Bilder sind von hoher Qualität, was mir persönlich auch wichtig ist.

Der Aufbau geht daher leicht von der Hand. Auch der Mehrfachgarnrollen-Halter ist rasch zusammengesetzt und an der Maschine befestigt. Etwas Kraftaufwand benötigt das Hineindrücken der Stäbchen für die Garnrollen. Dank der zahlreichen Videos von Bernina auf Youtube kann man sich rasch vergewissern, ob auch alle Schritte richtig ausgeführt wurden.

Beim Anbringen des Stickmoduls ist auch sofort ersichtlich, dass die B700 über eine Freiarm-Funktion verfügt.

Ist die Bernina Sticksoftware ARTlink installiert, kann es auch schon losgehen. Die Software ist Windows 10 und 4k kompatibel. Wie üblich fällt die Länge des USB-Kabels relativ kurz aus, was für mich aber kein Problem ist, da ich genügend längere Kabel zur Hand habe und die Stickmaschine so direkt mit meinem Computer verbinden kann.

Die Bernina Sticksoftware 8 DesignerPlus kann zum Testen für 30 Tage heruntergeladen werden. Ich bin begeistert.

Besticken von Jerseystoff

Material

T-Shirt aus Bio-Baumwolle
Ballpoint Sticknadel
Madeira Rayon 40
Madeira Bobbinfil 60
Madeira Cotton Stable (Rückseite)
Madeira Avalon Plus (Vorderseite)

Ich bin überrascht, wie gut das Sticken auf Jersey funktionierte. Probleme gab es einige Male beim Vernähen auf der Rückseite, da bildeten sich kleinere Knoten.

Der Tiger ist los!

Im Hinblick auf meine Vernäh-Probleme habe ich die Maschine nach einem Video vom Nähpark gewissenhaft gereinigt und geölt.

Was mir persönlich aufgefallen ist: Das Madeira Stickgarn Rayon 40 scheint zumindest «meine» Bernina B700 nicht besonders zu mögen. Am besten jedoch läuft die B700 mit dem Stickgarn Brildor PB40.

Doch wie sieht es mit Knopflöchern aus?

Die Knopflöcher zu sticken ist immer eine gute Idee. Warum? Es geht schneller und ist präziser als mit der Nähmaschine, zumindest bei mir. Mit der Bernina Software werden die Knopflöcher automatisch auf die gewünschte Länge der Knopfleiste verteilt.

Eine kleine Dekoration auf der Brusttasche gehört dazu.

Metallic & Co.

Sticken mit Metallic-Garn? Kein Problem, wenn ein paar Einstellungen gemacht werden und die Stick-Geschwindigkeit verlangsamt wird.

Zusätzlich kann man sich auch noch die Fadengleiteinheit von Bernina kaufen.

Auch bei Madeira Lana hat mich die B700 überzeugt. Das Motiv «Aegishjalmr», ein Symbol der nordischen Mythologie, habe ich mit der Sticksoftware von Bernina digitalisiert.

Das nächste Mittelalter-Fest kommt bestimmt!

Cutwork

Material

Brildor PB60 (Ober- und Unterfaden)
Baumwollstoff
Madeira Cotton Soft
Madeira Avalon Plus

Damit die Cutwork-Stickdatei mit allen notwendigen Informationen an der Bernina B700 angezeigt werden kann, muss die Stickdatei mit der Endung CWC.ART heruntergeladen werden. Eine Cutwork-Datei kann selbstverständlich auch ohne Kit (Echo-und Cutworkfuss 44C und Schneidenadel) gestickt werden. Dazu müssen die vorgesehenen Stellen anschliessend ganz einfach mit einer spitzen Schere von Hand ausgeschnitten werden, was ich im Beispiel gemacht habe.

Was mir an der Stelle besonders positiv aufgefallen ist: Die Jumbospulen für den Unterfaden. So sind auch aufwändigere Stickereien in einem Durchgang zu schaffen. Die Stickqualität überzeugt mich durch ihre Präzision.

Auch die Rückseite sieht sehr sauber aus.

Doch wie funktioniert Cutwork mit der automatischen Methode? Das Augenmerk liegt für mich dabei vor allem auf der Exaktheit bei der Schneidefunktion mit dem Messer.

Das Cutwork-Tool schneidet perfekt, vorausgesetzt man behandelt den Stoff davor mit genügend Fabric-Booster. Mit dem Resultat bin ich zufrieden, wenn man bedenkt, dass es sich hier um festen Baumwollstoff und abreissbares Vlies handelt.

Dank der präzisen Positionierung können Stickdateien ausgesprochen exakt angeordnet werden.

Achtung: In den Stickinformationen steht zu diesem Design ausdrücklich, dass ein fest gewebter Stoff für dieses Stickmuster verwendet werden soll. An einigen Stellen ist mir das Cutwork dann nach dem Entfernen des auswaschbaren Stickvlies eingerissen. Der Stoff war für dieses Muster schlichtweg ungeeignet. Ein vorgängiger Test ist daher empfehlenswert. Aus dem Grund hat mich persönlich das Resultat nicht zufrieden gestellt, wenngleich aus eigenem Verschulden.

Sticken auf Leder

Das Sticken auf Leder ging mühelos. Ich habe dafür extra ein etwas dickeres Leder verwendet, dabei sind keinerlei Probleme aufgetaucht. Erstaunlich!

Freistehende Spitze

Material
Schmetz Gold Titan Sticknadeln 75
Brildor PB 40
Madeira Avalon Ultra
Schweizer Baumwoll-Batist

Neben der Stickqualität begeistert hier, wie mühelos das Aufspulen des Untergarns geht und wie problemlos an der Stelle wiedereingesetzt werden kann. Nachdem die Unterfadenspule bereit ist, zeigt das Display automatisch an, dass es jetzt möglich ist einige Stiche zurückzugehen, um weiter zu sticken. Die Meldung, dass die Spule leer ist, wird übrigens jedes Mal exakt dann ausgegeben, wenn sie effektiv leer ist. Es wird dann auch nicht noch lange weitergestickt, sondern sofort an der relevanten Stelle gestoppt. Sehr material- und kostensparend.

Ein Monogramm darf natürlich nicht fehlen. Bei dem Sticken von freistehender Spitze schlägt die Bernina B700 in der Tat alles was ich bisher gesehen habe. Dabei habe ich schon oft FSL (Freestandig Lace) gestickt.

Sticken auf Jeans


Anordnen von Mustern mit Bernina Sticksoftware Designer Plus (Testversion)

Material
Schmetz Gold Titan Sticknadel 90
Brildor PB 40
Madeira Avalon Plus

Das Design «Sun Blooms» kann als Kollektion im Bernina Stickshop gekauft werden. Druckt man die Motive aus ist auch noch eine Auflistung der Farben im Dokument enthalten. Die grobe Anordnung der einzelnen Muster habe ich auf relativ spartanische Art und Weise gelöst. Da es sich bei der Jeans um eine abgetragene Hose mit Schlag handelt bietet es sich an dieser, ganz im Geiste der 70er Jahre, ein neues Leben zu verpassen.



 

Die Muster können mühelos mit der Bernina Software an die gewünschte Position platziert werden. Natürlich können auch die Farben geändert werden. Nachträglich habe ich gleiche Farben noch in Gruppen eingeteilt. Das spart viel Zeit. Es hängt natürlich vom Motiv ab, ob man an der Stelle die automatische Sortierung benutzen kann.

Den Maxi-Rahmen bevorzuge ich definitiv (Zubehör). Das praktische grosse Rad zum Drehen ist sehr komfortabel und beim Entfernen des Stickguts müssen lediglich zwei Halterungen zeitgleich gedrückt werden, um die Spannung zu lösen.

Die Kollektion «Sun Bloom» kann ich nur empfehlen. Die Motive werden sauber ausgestickt und es ist bereits während dem Stickgang ersichtlich wie viel Liebe und Aufwand hinter der Entwicklung der Stickmotive steckt.

Vor allem beim Besticken der Jeans habe ich dann bemerkt, wie praktisch die Freiarm-Stickfunktion bei Bernina ist. Übrigens eine einzigartige Funktion im Dschungel aller gängigen Haushalts-Stickmaschinen.

Obwohl die Jeans in der Zwischenzeit schon fast auseinanderfällt, ist sie noch immer meine absolute Lieblingshose.



Bernina Sticksoftware 8 DesignerPlus

Wie benutzerfreundlich ist die Sticksoftware von Bernina?

Ich habe noch nie ein eigenes Design digitalisiert. Meine Schwägerin wünschte sich ein Logo auf einem Frottiertuch. Da ich sofort zugesagt habe, ohne mir vorgängig Gedanken über das Digitalisieren zu machen, steckte ich jetzt ganz schön in der Klemme.

Die Software von Bernina aber hat mich positiv überrascht. Auch als Anfängerin gelang es mir nahezu mühelos, das Logo zu digitalisieren.

Die Stickdichte habe ich dann vorsichtshalber doch noch um 30% reduziert. Den Stichabstand habe ich bereits im Stickprogramm verringert.

Hier das Original-Logo zum Vergleich, lediglich die Stickfarben gehören jetzt noch ein wenig angepasst. Für Schriften kann auch das Programm «Toolbox» verwendet werden. Auch davon gibt es kostenlos eine Testversion für 30 Tage.

Eine feine Sache, wenn eigene Designs in Stickdateien umgewandelt werden können. Wie wäre es beispielsweise mit den Kinderzeichnungen auf einer Tasche für die Kleinen (mit Lerneffekt)?

Musikspieluhr

Mit dem richtigen Stickvlies ist auch das Sticken auf Plüschstoffen keine Hexerei. Dabei darf nur nicht vergessen werden für die Oberfläche ein wasserlösliches Vlies zu verwenden.

Stichdichte

Es gibt Stickdateien, die schlichtweg nicht geeignet sind für Jersey. Da hilft auch die tolle Funktion der Stichdichte-Reduzierung von Bernina nicht. Das Muster mit dem Wolf habe ich dreimal versucht auf Jersey zu sticken. Mit unterschiedlichen Vliesen und Einstellungen. In dem Fall lag es klar an der Stickdatei. Aus dem Grund habe ich mich für einen Jeansstoff entschieden. So lässt sich das Stickmotiv sehen.

Die Reduzierung der Stickdichte ist aber oft sehr hilfreich und ich habe sie häufig benutzt.

Paintwork, Crystalwork und Cutwork (für Applikationen)

Den Schluss macht das wohl aufwändigste Projekt meines Testberichts. Ein Halber-Teller-Rock mit Paintwork, Crystalwork und Cutwork (Vorbereitung der Applikationen). Das Motiv ist ebenfalls im Stickshop von Bernina zu finden. Die Stickdateien tragen den Namen «Mod-Petals» und die vorgestellte Datei ist «Combo Flower Medallion 21011-15_DW».

Auf das punktgenaue Positionieren möchte ich nicht mehr verzichten. Die Motive sind exakt so angeordnet, dass das letzte Motiv auf die hintere Naht in die Mitte zu liegen kommt.

Praktisch ist auch, dass sofort eine Warnmeldung erscheint, die daran erinnert, dass der Nähfuss bzw. in diesem Falle die Halterung ausgewechselt werden muss, um Paintbrush zu verwenden.

Mit den geeigneten Stoffmalstiften werden die Muster automatisch aufgemalt. Der Stift wird in die dafür vorgesehene Halterung eingelegt und festgeschnallt. Das rote Endstück zeigt an, wie weit der Stift eingeschoben werden muss und wird vor dem Malen zurückgeklappt. Dafür braucht es etwas Fingerspitzengefühl und Übung. Bei grösseren Motiven besteht auch die Gefahr, dass das Muster nicht ganz gleich wird von der Intensität der Farbe her, da der Stift mit der Zeit etwas von seiner Farbstärke einbüsst. Von daher also alles wie erwartet.

Zum Vorbereiten des Stoffs für die Applikationen habe ich getestet, ob Cutwork wirklich dafür geeignet ist, fünf Lagen Stoff auf einmal zu schneiden.

Ganz so sauber wie erwartet ist das Resultat nicht ausgefallen, obwohl ich einen dünnen Baumwollstoff verwendet habe.

Beim Besticken der Blume habe ich einige Male die Position leicht angepasst.

Zum krönenden Schluss darf auch etwas Bling-Bling nicht fehlen. Oh, pardon damit ist natürlich Crystalwork gemeint.

Der Anleitung des Stickdesigns entnimmt man den empfohlenen Durchmesser für das Stanzwerkzeug, welcher für die Auswahl der Steine geeignet ist. Für den Test habe ich die empfohlenen Hot-Fix Steine von Swarovski verwendet. (Grösse SS6 (96 Steine), Grösse SS10 (12 Steine). Pro Motiv wurden 108 Steine verarbeitet.

Vorsicht beim Einspannen des Vlieses, dieses wird anders als üblich eingespannt. Dann wird auf die Oberfläche ein Stück Stanzschablonenmaterial aufgeklebt.

Mit dem Original-Material, welches von Bernina empfohlen wurde, ist es mir nicht gelungen, die Steine anschliessend nach dem Stanzen aus der Vorlage zu entfernen. Es ist aber auch möglich, dass ich ein grösseres Stanzwerkzeug hätte verwenden müssen. Daher habe ich alternativ ein Stanzschablonen-Material von einem anderen Hersteller verwendet.

Damit funktionierte das Herauslösen mittels Klebefolie ohne Probleme. Für das Aufbringen der Steine ist es wichtig, eine professionelle Transferpresse zu benutzen (in meinem Fall die PROFIsqueezy).

Eine Handtasche mit demselben Motiv durfte natürlich nicht fehlen. Die Bluse wurde in Cutwork-Manier hergestellt, beim Ausschneiden habe ich mich aber dieses Mal für die manuelle Version entschieden.

Fazit:
Die Techniken sind zeitaufwändig und erfordern Geduld, aber es lohnt sich definitiv. Bei den Hot-Fix-Steinen kann ich nur empfehlen, nicht am falschen Ende zu sparen. Den Rock habe ich bereits mehrmals gewaschen, die Steine halten bombenfest.

Mein Fazit zur Bernina B700

Positiv

  • Präzise und hohe Stickqualität
  • Präzises Anordnen der Stickmuster, punktgenau
  • Intuitive Bedienung problemlos möglich, viele Funktionen sind selbsterklärend
  • Nähratgeber, Empfehlungen für Vlies, Stoffe und Nadelstärke
  • Grosse Community, Blog mit vielen Tipps und Tricks, viele Freebies in hoher Qualität, professionelle Videos mit Nähanleitungen
  • Unterfadenwächter ist top. Sehr präzise und das jedes Mal.
  • Phänomenal ist die Präzision mit der 2-3 Stiche nach dem Einsetzen der neu aufgespulten Unterfadenspule mittels eines Drehknopfs zurückgegangen werden kann. Am Display der Stickmaschine wird die Ansicht automatisch angezeigt nach Unterfaden-Wechsel, sehr durchdacht.
  • Bernina Designer V8, die Sticksoftware ist sehr benutzerfreundlich und auch als Anfänger gelingen rasch erste Motive.

Negativ

  • Kosten für die Anschaffung von Zusatzmodulen plus Software (ein Beispiel) - Für Cutwork, Paintwork und Crystalwork ist neben der Software Bernina Designworks auch noch ein Software Aktivierungscode pro Modul notwendig. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn man das CutworkTool bereits besitzt aber Bernina-Freebies nicht korrekt an der Stickmaschine angezeigt werden können da sie nicht als cwc.art zum Download bereitstehen. Mit anderen Worten: Möchte man alle Features beispielsweise von Cutwork (ein Modul) nutzen belaufen sich die Kosten auf knapp 400 Euro.
  • Cutwork Tool lässt sich nur mit den Stickmustern von Bernina verwenden, oder natürlich selbst erstellten mit der Bernina Stick-Software.
  • Die Stickrahmen sind nicht beschriftet, das wäre praktisch.

Obwohl ich wirklich krampfhaft nach negativen Aspekten im Hinblick auf die B700 gesucht habe, sind mir kaum welche aufgefallen. Die Stickmaschine hat mich sogar so sehr überzeugt, dass ich sie seit Ende Juli 2019 mein Eigen nennen darf. Ausschlaggebend für den Kauf waren für mich drei Punkte:

Präzision beim Sticken

Grosse Unterfadenspule

Punktgenaues Positionieren

Danksagungen

Dem Nähpark danke ich für die Gelegenheit, dass ich diese grandiose Stickmaschine testen durfte.

Petra Neuhierl danke ich für die umfangreiche Unterstützung und die hilfreichen Tipps, welche eben nur eine Händlerin kennen kann, die auch selbst stickt und sich eingehend mit den Maschinen beschäftigt. Obwohl ich mich schon einige Wochen mit der B700 beschäftigt habe, so wusste sie dennoch vieles, was mir ohne ihre Hilfe verborgen geblieben wäre.

Tanja Stürmer hatte immer ein offenes Ohr für die kleinen Schwierigkeiten mit denen ich dann und wann zu kämpfen hatte und es ist mir noch immer ein Rätsel, wieso sie auf wirklich jede Frage die passende Antwort kennt.

Mein Partner hatte wie immer eine Engelsgeduld und auch wenn er der Meinung ist, dass die Bernina B700 etwas lauter ist wie andere Stickmaschinen so hat er sich doch stets für die Resultate interessiert und meine Begeisterung geteilt.

Meinem Neffen Daniel Weber danke ich für die professionellen Fotografien. Ich hoffe wirklich, dass er irgendwann eine künstlerische Laufbahn einschlägt denn er besitzt etwas das nicht viele haben: Talent und das Auge für die Fotografie, etwas das man nicht lernen kann.

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Galerie

Hier sehen Sie die Bilder, die es nicht in den Testbericht geschafft haben: