Testbericht: BROTHER DC 100 im Test bei Sabrina Ohnesorge

Zur Abwechslung habe ich dieses Mal keine Nähmaschine getestet, sondern einen Schneideplotter. Ich war sehr gespannt, was Brother in diesem Segment zu bieten hat, da ich schon seit einigen Jahren einen eigenen Plotter in Gebrauch habe, der jedoch vor allem softwareseitig recht unterschiedlich funktioniert.

Der Plotter hat mich beim Eintreffen designtechnisch voll überzeugt. Ein kleines Display auf der Oberseite des Geräts informiert darüber, ob er per USB oder WLAN mit dem Rechner verbunden ist. Hier blieb ich während der Einrichtung das erste Mal stecken. Da ich zu Hause nicht Herr über den WLAN-Schlüssel bin und auf selbigen warten musste, versuchte ich zuerst die Verbindung per USB mit meinem eigenen Kabel, da im Lieferumfang keins enthalten ist. Ich weiß nicht, ob es an meinem Kabel lag, oder ob es ein anderes Problem war, doch ich bekam den Plotter einfach nicht in unser Netz. So musste ich wohl oder übel auf den Schlüsselmeister warten, der dann lange fluchend das Passwort eingab, das in unserem Haushalt aus 34 Stellen besteht und man komplett von vorne anfangen muss, wenn man sich verklickt hat. Aber wenigstens funktionierte nun alles.

Um den Plotter zu bedienen, sind zwei Software-Anwendungen notwendig. Im Brother DesignNCut Manager nimmt man die Einstellungen zum Schneiden vor und startet auch von hier aus den Schnitt. Der Brother CanvasWorkspace ist die Bearbeitungsanwendung für die Schnittdateien, die ein vorheriges Anmelden erfordert. Im Workspace hat mir gefallen, dass hier einige Projekte kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, wovon ich auch einige getestet habe, dazu später mehr. Was mich jedoch unheimlich gestört hat, ist die für mich doch recht umständliche Aufteilung in zwei unabhängige Programme. Ich ziehe es vor, sowohl die Bearbeitung meines Projekts, als auch den Schneidevorgang zentral zu steuern und die verwendete Datei gegebenenfalls ohne Zwischenspeicherung wieder schließen kann, selbst wenn ich größere Änderungen daran vorgenommen hatte. Dies ist mir mit dem Brother einfach nicht gelungen. Nach Abschluss der Dateibearbeitung musste ich jedes Mal einen Speichervorgang durchführen, um meine modifizierte Datei im Schneideprogramm wieder zu öffnen und den Schnitt zu starten, wo ich noch nicht einmal mehr die Größe anpassen konnte. Dies ist für mich der größte Nachteil des Brother Plotters und ich würde mir dafür eine benutzerfreundlichere Softwarelösung wünschen.

Nun aber zum Kern des DC 100, das Schneiden. Als erstes Projekt suchte ich mir eine Glückwunschkarte aus dem CanvasWorkspace aus, die ich aus einem dickeren Glitzerkarton schneiden wollte. Im Standard-Lieferumfang ist eine leicht klebende Schneidematte enthalten (die Größe finde ich übrigens super, man bekommt viel drauf), die feste Materialien aber leider nicht ausreichend fixierte, so dass ich mir während der Testphase immer mit Masking Tape beholfen habe, was als Notlösung ganz gut funktionierte. 

Die Datei war eine Glückwunschkarte zur Geburt, in die man einen eigenen Namen einfügen konnte, was wirklich recht einfach und schnell geklappt hat. Der Schnitt lief flott und ohne Probleme durch, die Lautstärke beim Schneiden ist mit anderen Herstellern vergleichbar. Der mitgelieferte Spatel war eine gute Hilfe um die kleinen Ausschnitte rückstandslos von der Matte entfernen zu können. Alles in allem, war ich schnell fertig und vom Resultat überzeugt und begeistert.

Mein zweiter Test war mit selbstklebendem Vinyl, wofür ich mir einen Schriftzug aussuchte, der in der Schneidesoftware enthalten habe. Die Matte konnte das Vinyl eigenständig fixieren und auch hier lief der Schnitt sehr sauber. Jetzt hat unser Sparschwein auch einen Namen.

Thermotransferfolie, die nur unwesentlich dicker als mein Vinyl war, lief ebenso anstandslos durch. Auch ein Offset ließ sich relativ einfach mit der Software erstellen und schneiden.

Hier ein Bild vor dem Heißtransfer.

Kurze Zeit später war der DC 100 dann noch mein Lebensretter, als mein Mittelkind vor dem Schlafengehen auf die Idee kam, unbedingt morgen die Einladungen für seinen Geburtstag in der Schule zu verteilen. Und es soll bitte aussehen wie ein Geschenk! Gott sei Dank fand ich im CanvasWorkspace eine Vorlage für eine Pillowbox, die nicht nur schnell aus Scrapbooking Karton geschnitten war, indem ich vier Boxen auf einmal aus einer Kartonseite schnitt, sondern auch ebenso schnell zusammengebaut war. Problem gelöst, Kind happy.

Durch den Brother Plotter habe ich echt die Freude am Arbeiten mit Papier und Karton entdeckt und mir vorgenommen, etwas mehr in dieser Richtung zu machen.

Sachen selbst aus Karton basteln zu können, macht nicht nur Spaß, sondern spart auch richtig Geld. Zum Beispiel bei Torten- oder Partydekorationen, die teilweise echt ins Geld gehen. So habe ich etwa diesen Cake Topper für meinen Sohn selbst erstellt. Die Schnittdatei ist gekauft und wurde von mir zerlegt und aus grünem und rotem selbstklebenden Glitzerpapier geschnitten. Das Offset habe ich aus festem Bastelkarton geschnitten. Anschließend habe ich alles zusammengesetzt und auf der Rückseite mit Tesafilm einen Strohhalm angeklebt. Tadaaa!

Leider hat mich während des Testzeitraums eine langwierige Sehnenentzündung außer Gefecht gesetzt, so dass ich nicht so viel ausprobieren konnte, wie ich gerne wollte, wie etwa die CaptureMat Funktion, die mir wirklich vom Einlesen her wirklich gut gefiel. Hier kann man quasi Folienreste, auch kleinste Schnipsel auf der Matte platzieren, deren Position vom Gerät einlesen lassen und die Dateien dann passgenau zum Schneiden darauf ausrichten. Das finde ich wirklich hilfreich!

Nun zum Fazit:

Ich bin und bleibe zwiegespalten. Zum einen bin ich sowohl vom Design, als auch der Schnittqualität und der Funktionsvielfalt vollends überzeugt. Auch die kabellose Bedienung finde ich super. Was mich jedoch in meiner Euphorie bremst, ist die Brother Softwarelösung, die ich als mehr als unpraktisch empfinde, wie ich weiter oben bereits ausführlich geschildert habe. Ich vermisse schlichtweg die Möglichkeit meine Vorlagen zentral im Schnittprogramm selbst editieren zu können und auch kurzfristig, unmittelbar vor dem Schnitt, noch Änderungen zu machen oder auch rückgängig zu machen oder einfach die Größe anzupassen. Vielleicht habe ich hier auch einen Denkfehler, oder irgendetwas falsch gemacht und es geht eigentlich viel einfacher, aber mit der Aufteilung in zwei eigenständige Programme, auf die Bearbeitung und Schnitt aufgeteilt sind, wurde ich einfach nicht warm. Dennoch ein toller Einstiegsplotter, wenn man bereit ist, sich mit der Software anzufreunden.

Zum Shop