Zum QR-Code aus Teil 1 des Testberichts gehört noch eine weitere Stickerei, eine Kombination aus normalem Sticken, Stickeffektfolie und Stickschaum-Trapunto.
Wir bevorzugen beim Sticken in Sachen Farblagen die „Geisteransicht“, bei der immer nur die Farbe auch bunt angezeigt wird, die gerade dran ist. So kann man sich oft eine zusätzliche Farbliste sparen. Bei der Expression kann man auch noch wählen, ob die Informationsfenster mit angezeigt werden sollen (wie hier im Bild) oder ausgeblendet bleiben sollen, dann hat man eine vergrößerte Ansicht vom Stickmuster.
Für das Stickschaum-Trapunto haben wir erst noch überlegt, ob wir gleich den anderen Stickfuß montieren, bei dem man die Höhe einstellen kann.
Die erste Stickerei haben wir hinten aufgenäht, hier waren die 37 seitlichen Nadelpositionen hilfreich. Man setzt den Nähfuß auf die Kante, so dass er gut darauf transportiert und passt dann die Nadelposition seitlich an, dass man genau dort nähen kann, wo man möchte. Praktischerweise kann die Expression den Geradstich spiegeln, wenn man also auf die andere Seite wechseln möchte, muss man nicht alle Positionen durchtippen.
Beim Absteppen der Ärmelfalten haben wir uns vom Laser helfen lassen. Man sieht dadurch sofort, wenn der Stoff nicht gerade unter dem Nähfuß liegt und muss nicht während des Nähens ziehen oder schieben, um auszugleichen.
Nähen mit Seraflex
Die weiteren Nähte am Pulli haben wir mir Seraflex im Geradstich genäht und nur die Kanten mit der Overlock versäubert. Das Spulen hat gut geklappt und auch das Nähen an sich, nur der Nadeleinfädler mag das dehnbare Garn nicht so. Vermutlich wird es in den letzten Punkten vor dem Herunterdrücken etwas gedehnt. Denn wenn wir den Faden nach dem Abschneiden etwas gelockert haben, hat es mit dem Einfädeln auch wieder geklappt.
Auch beim Absteppen der Einfassung haben wir dank der vielen seitlichen Nadelpositionen wieder eine gute Stelle gefunden, um ohne einen Ausgleichsfuß bequem auf dem Streifen zu nähen. Ein Ausgleichsfuß bleibt trotzdem auf unserer Wunschliste. Es werden sicher noch größere Stufen kommen.
Beim Nähen mit Seraflex haben wir noch festgestellt, dass die Nadel nicht zu dünn sein sollte. Sonst tendiert das Garn zum aufribbeln. Mit der 90er Stretch hat alles einwandfrei funktioniert.
Anpassung des Nähfußdrucks
Für den Sommersweat hatten wir bei den normalen Nähten nicht das Bedürfnis, den Druck anzupassen, hier hat der integrierte Dualtransport schon für optimalen Stofftransport gesorgt. Bei der Einfassung hatten wir allerdings eine Sohle ohne Schlitz und das Gefühl, der Druck ist zu hoch.
Die Möglichkeit der Einstellung fanden wir erst etwas zu versteckt, im Einstellungsmenü „Nähen“. Danach fiel uns auf, dass nach einer Änderung der neue Wert oben in der Leiste angezeigt wird. Die Bedienungsanleitung war für uns jetzt keine wirkliche Hilfe, da selbst in Goodnotes unter „Nähfußdruck“ keine Ergebnisse kamen, mit „Druck“ nur die Einstellungsseite, die wir ja schon benutzt hatten.
Da wir mit Seraflex die Spule nicht ganz gefüllt hatten, kam natürlich kurz vor Schluss die Meldung:
Wie bei Pfaff üblich, noch ein ordentlicher Rest drauf. Aber wie in der Meldung zu lesen, man kann damit einfach weiter nähen. Wir haben die Absteppung an beiden Ärmeln noch nähen können und es waren noch gut 30 cm drauf.
Während der Pulli seine Runde in der Waschmaschine dreht, haben wir nähtechnisch das Thema gewechselt.
Foundation Paper Piecing
Wie auch in den vorherigen Testberichten gab es einen Block des Samplers, an dem wir gerade nähen. Hier wurde auch gleich der Laser aktiviert. Braucht man nicht unbedingt, aber wenn man ausserhalb des Blocks beginnt, hat man eine gute Orientierung.
Einen Patchworkfuß braucht man für FPP ja auch nicht unbedingt, aber wir haben ihn halt mal montiert. Pingelig, wie wir sind, haben wir die Nadelposition dann um einen Tastendruck nach rechts gestellt, weil die Nadel nicht absolut mittig durch das Loch des Nähfußes ging.
Beim Betätigen des Fadenschneiders springt die Nadel dann aber einen Millimeter nach links. Und das sieht man beim Aufbügeln. Nach ein paar mal Fadenschneiden war klar: Stellt man die Nadel nach rechts, springt sie zum Schneiden nach links. Und umgekehrt. Setzt man die Geradstichplatte ein, schneidet die Expression dort, wo sie näht. Mittig.
So haben wir den Block dann fertig genäht und werden bei Gelegenheit die Nadel in der Werkstatt exakt mittig einstellen lassen. Die dicken Stellen waren gar kein Problem für die Expression und da man den zuletzt genähten Stich mitsamt seiner Einstellungen speichern kann, wird man beim Neustart auch danach gefragt. So näht man garantiert nicht jedesmal eine Naht mit der Standardstichlänge, bis einem einfällt, dass man für FPP ja eine kürzere Stichlänge braucht.
Von Patchwork wieder zurück zu Bekleidung.
Einstellungsmöglichkeiten
Wir nähen uns eine Business-Hose (Smartpattern). Eine Hose besteht ja größtenteils aus einem normalen Geradstich und am Ende einem Knopfloch. Aber schon beim normalen Nähen kann man sich die Expression durch die vielen Einstellungsmöglichkeiten toll personalisieren.
Wir haben mittlerweile schon vier Geradstiche im Speicher, passend zu den verschiedenen Nahtzugaben oder Verwendungszwecken. Gut, dass man jedem Stich einen Namen zuordnen kann. In der grafischen Ansicht werden dabei 10 Buchstaben angezeigt. Man sollte also mit den wichtigen Angaben beginnen.
Falls es doch mal ausführlicher wird, kann man ja aber noch in die Listenansicht wechseln.
In einer Podcastfolge hat Dennis zur 725 ja gesagt, für ihn vernäht die Expression zu wenig. Das finden wir jetzt nicht, aber die Art, wie sie am Anfang vernäht, passt uns nicht immer. Ist das automatische Vernähen aktiv, näht sie zwei mal auf der Stelle, dann einen Stich vor, einen Stich zurück und dann näht sie los.
Im Setup schalten wir das Vernähen am Anfang ab und vernähen dann entweder mit Vorwärts- und Rückwärtstichen (oder gar nicht …). Für die speziellen Stellen aktivieren wir das Vernähen über die Taste, dann vernäht die Pfaff Expression punktuell, wenn die Nadel in der Mitte steht. Steht sie seitlich, vernäht sie wie oben beschrieben.
Bester Reißverschlussfuß ever
Bei manchen Projekten könnte man durchaus sagen, alleine dieser Reißverschlussfuß ist schon ein Argument dafür, sich eine Pfaff zuzulegen. Eine ähnliche Technik findet man zwar auch bei Husqvarna Viking, aber der RV-Fuß von Pfaff ist zusätzlich auch noch sehr kurz.
Möglich macht das der IDT, mit dem integrierten Obertransport kann die Auflagefläche der Nähsohle halt noch ein bisschen kleiner sein.
Oder beim Annähen des kleinen Dreiecks bei Paspeltaschen.
Ganz bequem sehr weit weg mit der Nadel vom Nähfuß arbeiten, das geht unserer Meinung nach mit diesem Nähfuß am besten.
Kleiner Nachteil bei der Expression 750 (und 725): Die Kamera erkennt den Nähfuß zwar, aber die Maschine näht trotzdem, auch wenn die Nadel über dem Mittelteil steht. Was Nadelbruch zur Folge hätte. Grundsätzlich befürworten wir zwar, dass man Schutzmechanismen umgehen kann (manchmal braucht man das einfach), aber wir würden hier ein Pop-Up mit einem Warnhinweis bevorzugen.
Erst haben wir ein paar Versuche für die passende Größe gebraucht, denn die ermittelt die Pfaff nicht, wie bei anderen Herstellern, durch Einsetzen des Knopfes hinten im Nähfuß. Dann noch die passende Dichte aussuchen, aber dann haben wir gemerkt, dass bei der zweiten Raupe auf der rechten Seite immer mal wieder Stiche ausgelassen werden. Da wir beim Nähen schon bei vielen Lagen das Gefühl hatten, der Stoff ist ziemlich empfindlich, was die Nadelspitze angeht, haben wir verschiedene Nadeln getestet und den Druck erhöht. Komischerweise brachte erst die 80er Universalnadel ein komplettes Knopfloch. 90er wollte die Expression da nicht, weder Superuniversal, noch Microtex.
Schlussendlich hat aber Form und Größe gepasst und es ging an den Bund.
Aber die Unebenheit des Bundes hat dann doch wieder zu ein paar ausgelassenen Stichen geführt, drei an der Zahl. Die haben wir jetzt mit der Hand ergänzt. Vom Stoff heben wir uns ein Stück auf und testen das Ganze später nochmal. Denn inzwischen haben wir gesehen, dass bei unserer Testmaschine die Nadel nicht ganz mittig steht, wir müssen 0.5 nach rechts. Da ausgelassene Stiche bei Horizontalgreifern ja immer zuerst rechts auftreten, könnte das durchaus der Grund dafür sein.
Ergänzung: Nach dem Besuch in der Fachwerkstatt des nähParks näht die 750 das Knopfloch auf dem verwendeten Stoff ohne Aussetzer.
Spielen mit dem Scanner
Die integrierte Kamera ist eines der Highlights der Expression 750. Um ihn zu testen, haben wir uns mit Hilfe von Sublimationspapier und Glitzer-Canvas eigene Label-Grundformen erstellt. Die Papiere gibt es bei Kasia.
Wie man hier sehen kann, ist unser Bogen nicht mehr vollständig, aber das zeigt ja später auch der Scan am Bildschirm.
Wir sublimieren den Canvas und kleben den Bogen dann auf das Stickvlies, das wir in den 20x26er Stickrahmen gespannt haben.
Dann wird gescannt.
In der Expression 750 gibt es passenderweise eine Kategorie „Minis“, dort finden wir schon ein paar schöne Dateien.
Dann geht es weiter bei Creativate™, allerdings hätten wir da gerne die Möglichkeit, nach kostenlosen Stickmustern zu filtern.
Denn praktischerweise kann man die Größe eingeben, aber es werden dann alle verfügbaren Muster angezeigt. Die Fliege ist klasse! Aber die ist in unserem Basis-Abo nicht enthalten. Versucht man, sie zu laden, erscheint dieser Hinweis und wenn man dann wieder in Creativate geht, ist der Filter zurückgesetzt und man muss wieder die Größe eingeben und scrollen.
Bei den integrierten Stickmustern dagegen kommt man nach dem Einfügen genau an die Stelle der Liste zurück, an der sich das Stickmuster befindet.
Schriften aus der App
Am Abend vorher haben wir uns gemütlich auf der Couch ein paar Wörter mit den integrierten Schriften zusammengesetzt:
Schickt man die allerdings so an die Expression, sind die Motive gruppiert und lassen sich nicht voneinander trennen. Wir hätten also jedes Wort/jeden Buchstaben einzeln abspeichern müssen.
Hinweis: Die Anzahl der integrierten Stickschriften ist am Tablet identisch zum Windwos-Rechner. Allerdings kann man am Rechner die eigenen Truetype-Schriften seiner Bibliothek über den Fonts-Manager hinzufügen, auch schon in der kostenlosen Version.
Stickmuster aus der Vault
Zusätzlich wollten wir noch ein paar von unseren eigenen Stickmustern verwenden, diese haben wir dann vom Windows-Rechner aus in die Vault hochgeladen.
Im Gegensatz zum Senden mit der App, beim dem das Design keine Sekunde nach dem Absenden an der Maschine erscheint, braucht die Vault bei uns immer erst einen Anstoß, bis sie sich aktualisiert. Das ist an sich kein Problem, aber dann wäre ein Aktualisierungs-Button „Neu laden“ hilfreich. Wir bekommen die neuen Muster immer nur her, wenn wir etwas in die Suche eingeben und wieder löschen.
Da wir ja jetzt viele verschiedene, ziemlich kleine Elemente haben, aktivieren wir wieder den Geistermodus.
Nadeleinfädler
Der neue Nadeleinfädler lässt sich einfacher bedienen, die Trefferquote ist ähnlich wie früher. Bei Nadelstärke 90 fast 100 Prozent, bei dünneren Nadeln ungefähr 80.
Am Anfang waren wir etwas genervt, weil er in den meisten Fällen so eine Schlaufe hinter der Nadel bildet, die man ohne Pinzette nur schwer lösen kann, aber irgendwann haben wir dann einfach auf Start gedrückt. Und sobald sich die Nadel absenkt, löst sich auch die Schlaufe und die Expression stickt problemlos los. Und zwar so, dass der Oberfaden komplett auf die Rückseite gezogen wird und das Stickbild oben sauber bleibt.
Fadenwächter und Fadenschneider
Warum die große Differenz? Liegt auch daran, wie viele Sprungstiche in dieser Zeit vorkommen, denn die Expression schneidet bei Sprungstichen und Farbwechseln nur den Oberfaden (wie die anderen Pfaff Stickmaschinen auch).
Entfernt man also nach einem Farbwechsel den Stickrahmen, zieht man den Unterfaden auch lang. Drückt man nach dem automatischen Fadenschnitt nochmal auf die Fadenschneider-Taste, werden beide Fäden durchtrennt. Ebenso am Ende der Stickerei, daher klingt dann das Fadenschneiden auch anders als mittendrin.
Auch wenn uns der langgezogene Unterfaden manchmal nervt, wenn wir zum Beispiel nur mal den Rahmen entfernen, um was nachzuschauen oder zurückzuschneiden, finden wir die Grundidee gut. So hat man vor allem bei vielen Fadenschnitten eine saubere Rückseite.
Beim Blick auf die Rückseite vermuten wir, dass sich der Oberfaden wohl irgendwo verfangen hatte. Kann auch gut sein, dass wir nicht korrekt eingefädelt hatten. Da wir es beim Sticken nicht mitbekommen haben, ist das nicht mehr nachvollziehbar. Wir hätten durchaus das pinke Stickgarn auftrennen und neu sticken können, aber da die Labels nur ein Testlauf waren, hat doch mal die Bequemlichkeit gesiegt …
Wir haben jetzt erst mal genug Labels (und drei Ösen). Bei den Ösen sollte man ja eigentlich zwischendurch noch das Loch schneiden, aber hier wissen wir noch nicht genau, zu welchem Projekt wir sie verwenden wollen und werden sie dann einzeln nochmal sticken, wenn es soweit ist. Oder das Innere eben so ausschneiden.
Wie der Scanner verwendet wird, erklären wir Ihnen demnächst in einem separaten Beitrag und für die weiteren Erlebnisse mit der Expression 750 lohnt es sich sicher auch, immer mal wieder hier beim nähRatgeber vorbeizuschauen.

Die neuen Expression-Modelle von Pfaff

Pfaff Creative Performance 950

Pfaff Creative Expression 750 – erster Eindruck

Der Scanner der Pfaff Expression 750



2 Antworten auf „Testbericht Pfaff Creative Expression 750 – Teil 2“
Da ich diese Maschine erst seit ein paar Tagen habe, war dieser Bericht sehr informativ für mich. Mir ist nämlich auch schon aufgefallen, dass beim Sticken der Unterfaden nicht abgeschnitten wird. Vielen Dank dafür.
Hallo Ingrid,
viel Spass mit der 750 und zu den Expression Modellen wirds hier demnächst noch viel mehr zu lesen geben.
Viele Grüße,
das nähRatgeber-Team