Testoffensive: Janome MC 6700 P – Abschlussbericht von Stephanie Grothe

Es ist kaum zu glauben, aber die drei Monate Testzeit mit der Janome 6700P sind schon um!

Wie Ihr wisst, wurde mir die Janome vom Nähpark kostenlos zur Verfügung gestellt. Was ich in meinem ersten Testbericht und hier in meinem Abschlussbericht/Fazit schreibe, gibt aber meine ganz persönliche Einschätzung der Maschine wieder.

Die Mitarbeiter vom Nähpark haben uns Tester während der Testzeitganz wunderbar unterstützt, wenn wir Fragen oder Probleme beim Nähen mit den Testmaschinen hatten, aber sie beeinflussen uns in unserem Urteil in keiner Weise.

Ich schreibe erstmal mein Fazit zur Janome, und zeige Euch zum Schluss, was in der Testzeit auf der Janome noch so entstanden ist.

Mein Fazit:

Worauf ich bei den Testberichten immer am neugierigsten bin: wird der Tester seine Maschine behalten? Ja? Nein? Und warum? … Ich überfliege gern zuerst die Testberichte oder scrolle gleich bis zum Ende um genau das zu erfahren 😉

Daher, falls es Euch genauso geht, schreibe ich es mal gleich am Anfang:

Nein, ich habe die Janome 6700P nicht behalten.

Warum? Weil sie mir nicht gefallen hat? Fehlanzeige!

Mein Urteil steht fest: die Janome 6700P ist eine tolle Nähmaschine, und ich kann sie uneingeschränkt empfehlen. Ich habe nach meinem Erstbericht noch einige schöne Projekte auf ihr verwirklicht, und sie hat mich nie im Stich gelassen. Eine der bravsten Maschinen auf der ich je genäht habe.

Was ich an der Janome so schätze ist ihre Kombination aus:

  • Professionalität und Präzision bei zugleich praktischer und einfacher Bedienbarkeit
  • Viele Features und umfangreiches Zubehör für eine große Bandbreite an Nähprojekten, ohne in über-computerisiertem „Chichi“ zu ersticken

Einige aus der Testgruppe werden die Janome 6700P behalten, und ich kann sie sehr gut verstehen – denn die Janome ist einfach eine Maschine mit der man sich sehr gut versteht.

Auf den ersten Blick wirkt das industriell angehauchte, professionelle Aussehen der Janome etwas einschüchternd, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen! Es ist (wenn ihn jemand kennt) so ein bisschen wie mit dem Scheinriesen bei „Jim Knopf“: von der Ferne denkt man: „Oh, eine Nummer zu groß für mich!“, aber von Nahem, wenn man mit ihr näht, merkt man, dass ihre Größe und ihr Aufbau einfach nur den einen Sinn haben: schön nähen bei super Näh-Flow.

Ich habe mir Gedanken gemacht, welchen Typ Hobbyschneider ich vor dieser Nähmaschine sehe.

Zum Einen: erfahrene Näherinnen und Näher, denn die Präzision, die Verlässlichkeit, ihre Kraft und das praktische Zubehör der Janome wird sie mit tollen Nähergebnissen zufrieden stellen.

Gleichzeitig denke ich aber auch, dass die Janome eine Spitzenmaschine für Hobbyschneider*Innen ist, die noch nicht so lange nähen, vielleicht gerade anfangen über ihre Erstmaschine hinauszuwachsen und auf der Suche nach einer Nähmaschine sind, die ihren gestiegenen Ansprüchen jetzt, und auch noch in ein paar Jahren Rechnung tragen kannt. Ich kann natürlich nichts zur Langlebigkeit der Janome 6700P sagen, aber durch ihre Ausstattung, die stabile Bauweise, Verlässlichkeit und Präzision (ich wiederhole mich) kann die Janome zu einem treuen Begleiter werden, egal wohin das Näh-Leben noch so führt: diverse Bekleidung nähen, Quilten/Patchworken, Taschen/Börsen nähen oder Gardienen „metern“ … die Janome 6700P wird Euch nicht limitieren, und ist dennoch toll in der Handhabung.

Die Janome 6700 war mein erster „Nähcomputer“ und ich bin echt angetan von der Bedienbarkeit! Meinen aktuellen Nähschüler habe ich (unter strengster Beobachtung!) auch auf die Janome losgelassen. Ich habe ihm die Bedienung natürlich gezeigt, aber er kam selbst  als ziemlich blutiger Nähanfänger richtig gut klar mit ihr.

Hat mich die Janome auch mal geärgert? Yipp! Genau zwei Mal! Da hat sie mir am Nahtanfang Stoff gefressen. Beim gleichen Projekt, an der gleichen Naht: ich war zu träge die Stichplatte zu wechseln, und habe die 9mm Stichplatte drin gelassen … und wie das so ist: nur mal eben noch diese Naht hinwürgen an einer mehrlagigen, fuddeligen Stelle …

Gut dass man die Stichplatten so einfach wechseln kann, da war dann das Stoff-Malheur wenigstens schnell beseitigt.

Mir ist durchaus bewusst, dass ich hier in meinem Abschlussbericht ganz schön lobhudle!

Warum durfte die Janome 6700P nun trotzdem nicht bleiben?

Das hat zwei Gründe

  • Ich brauche sie einfach nicht! Ich hatte kürzlich meinen Maschinenpark komplett umgekrempelt, und bin sehr zufrieden mit meinen Maschinen.
  • Die Janome hat einen Horizontalgreifer (den laufruhigsten und verlässlichsten den ich bis her kennengelernt habe!) aber ich bevorzuge an meinen Maschinen Vertikalgreifer. Ist eine persönliche Vorliebe von mir.

Trotzdem ist mir die Janome ans Herz gewachsen, sie war „meine Freundin“ und ich werde sie irgendwie vermissen…

Meine Projekte:

Zum Schluss möchte ich Euch noch einige Sachen zeigen, die auf der Janome entstanden sind.
BH „Bella“ von Sewy
Wie bereits im Erstbericht angekündigt, musste die Janome durch den Dessoutest. Mit dem Obertransportfuß und der Geradstichplatte (bei den Geradnähten) ging das sehr gut. Gegebenenfalls muss man bei Tüll oder Spitze etwas Stickvlies unterlegen, und man sollte darauf achten, lieber nicht die Vernähfunktion zu benutzen (Achtung, bei einigen Stichen ist sie automatisch einprogrammiert), sondern lieber klassisch mit Rückwärtsstichen zu verriegeln, da die Vernähstiche sonst zu einem Knötchen werden, der durch die Maschen des Tüll und der Spitze rutscht.
Schlafanzug für meinen Neffen
Dieser Schlafanzug hat mir den letzten Nerv geraubt, das lag allerdings nicht an der Janome! Manche Jerseys sind einfach furchtbar und sollten „Rolleys“ heißen…  Ich besitze auch eine Overlockmaschine, aber ich wollte für den Test gerne ein Jersey Projekt komplett auf der Janome nähen. Mit dem Obertransportfuß und dem verstellbaren Nähfußdruck lässt sich Jersey problemlos  verarbeiten.

Die Ärmel habe ich mit dem Tricotstich gesäumt.

Wer den Overlockstich imitieren möchte, wozu man den Overlockfuß benutzen muss, sollte bei Jersey aber auf den offenen Overlockstich Nummer 114 zurückgreifen. Mit den anderen Overlockstichen wurde die Naht, trotz stark reduziertem Füßchendruck, leicht wellig. Hier seht Ihr den Stich Nummer 114, damit wird die Naht schön, finde ich.

Wer den Overlockstich imitieren möchte, wozu man den Overlockfuß benutzen muss, sollte bei Jersey aber auf den offenen Overlockstich Nummer 114 zurückgreifen. Mit den anderen Overlockstichen wurde die Naht, trotz stark reduziertem Füßchendruck, leicht wellig. Hier seht Ihr den Stich Nummer 114, damit wird die Naht schön, finde ich.

Nähmaschinenhülle für meine große Bernina

Ganz oben auf meiner Testliste stand das Freihandquilten/Freihandsticken, auch Free-Motion-Quiting (FMQ) genannt. Dabei wird der Transporteur der Maschine versenkt, und der Stoff nur mit den Händen transportiert. Die Geschwindigkeit der Maschine und die Bewegung der Hände muss dabei koordiniert werden um schöne Stiche zu erhalten. Ich bin ein großer Fan vom Free-Motion-Quilten und habe bisher auf meiner Brother PQ gequiltet. Diese Maschine wird gerade in den USA vorzugsweise zum Quilten verwendet, viele Quilter dort nähen gar nicht auf der Brother PQ, sondern quilten nur mit ihr. Seine Maschine auf das Freihandquilten einzustellen, erfordert  in der Regel, Feingefühl und Erfahrung. Die Maschinen „mögen“ diese ungewöhnliche Art des Nähens irgendwie nicht so gern … ausgelassene Stiche, Probleme mit der Fadenspannung und gerissene Fäden sind die häufigsten Probleme. Ich war also mächtig gespannt auf die Quilt-Fähigkeiten der Janome 6700p, schließlich kommt sie mit einer Menge Zubehör  zum Freihandsticken & Freihandquilten. Und was soll ich sagen: die Janome hat mich restlos begeistert! Ich hatte noch nie soviel Spaß beim Quilten wie auf der Janome: Fadenspannung: top, ausgelassene Stiche: null, Fadenriss: nicht ein einziger, obwohl ich sogar Baumwollgarn verwendet habe, welches viel leichter reißt als Polyester.
Beim Quilten dieser Hülle habe ich die Nähgeschwindigkeit auf recht langsam eingestellt, so brauchte ich nur „bleifußmäßig“ das Fußpedal drücken, ohne auf die Geschwindigkeit achten zu müssen, und konnte mich voll auf meine Hände konzentrieren, ich bin richtig in einen Quilt-Rausch gekommen, soviel Spaß hat das gemacht:

Das Patchen der Hülle habe ich mit dem Patchworkfuß gemacht. Der Patchworkfuß hat eine Schiene an der rechten Seite, damit man die Nahtzugabe von einem ¼ Inch perfekt einhalten kann.

Theoretisch kann man bei einem ¼ Inch Nahtzugabe auch den Profigeradfuß verwenden, aber ich fand, dass die Nahtanfänge und Enden mit dem Patchworkfuß besser zu nähen waren.

Ein Portemonnaie, „Opal“ von Hansedelli

Dies ist das Projekt, das ich mit meinem Nähschüler zusammen genäht habe. Leider gibt es kein Original Foto des Portemonnaies, denn es ist schon verschenkt worden. Daher zeige ich Euch ein Bild einer Börse welche wir vorher schon genäht hatten: Es ist das gleiche Model und wir haben die gleichen Materialen  verwendet: japanisches Wachstuch außen, Patchworkstoff innen, und schwarzes, dicht gewebtes Fahnentuch für die Seitenteile.

Gerade die letzten Nähte an den Seitenteilen der Opal sind immer eine Herausforderung für die Nähmaschinen: viele dicke Lagen müssen knappkantig zusammengesteppt werden. Hier hat mich die Janome ebenfalls sehr zufrieden gestellt. Wir haben die mitgelieferte Distanzplatte dabei verwendet, damit der Nähfuß immer gerade steht, und den Profigeradfuß dafür genommen, der hat ja dieses kleine Loch im rechten Schenkel, und damit kann man prima knappkantig steppen!

Generell muss ich anmerken, dass die Distanzplatte im Zubehör der Janome echt seine Berechtigung hat. Die Janome „besteht“ quasi auf den Einsatz der Distanzplatte (ihr könnt aber auch ein Stück zusammengefaltetes Stück Stoff oä. verwenden) wenn es nähtechnisch „den Berg hinauf oder – hinunter geht). Alternativ habe einige Füße der Janome ein kleines Schräubchen mit dem man den Fuß in der Horizontalen fixieren kann, das ist bei Nahtbeginn und –ende sehr praktisch, wenn es sich um ein dickes Werkstück handelt.

Brieftaschen-Täschchen für meine Mama

Zu guter Letzt, habe ich für meine Mama noch eine Aufbewahrung für  ihre Brieftasche genäht. Natürlich hat die Janome auch diese Tasche ohne Probleme genäht. Es ist ein etwas dickerer, grober Baumwollstoff/Canvas, den ich mit Vlieseline 630 verstärkt hatte. Bei diesem Täschchen habe ich noch mal in die Zierstichkiste gegriffen und meinen Lieblingszierstich der Janome 6700P verwendet.

Ich hoffe, Euch haben meine Berichte gefallen und Ihr konntet Euch ein Bild von der Janome 6700P machen, im besten Fall habe ich euch ein bisschen „Angst“ vor dieser großen Maschine genommen, das würde mich freuen! Die Janome ist definitiv eine Maschine im gehobenen Preissegment, aber das Preis-Leistungsverhältnis ist spitze, hier wird kein Name mitbezahlt, kein unnötiger „Chichi“ mit erworben … toll ausgestattet, super durchdacht, extrem vielseitig – für verlässlichen Nähspaß: das ist mein Fazit!

Ganz herzlich Danke sagen, möchte ich an dieser Stelle: natürlich dem Nähpark, das er diese tollen Tester-Aktionen möglich macht, aber ganz besonders danken möchte ich Tanja und Petra vom Testteam: Ihr habt uns mit viel Geduld begleitet und unterstützt, Ihr wart immer für uns da, bei allen Fragen und Problemen, sogar am Wochenende und im Urlaub … 😉

Schön war´s!

Liebe Grüße, Steffi

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