Im Test bei Tanja Stürmer: BROTHER Innov-is XP1 Luminaire – Abschlussbericht

Ja, was soll man zu so einer Maschine schreiben? Sie ist in allen Bereichen beeindruckend. Wenn ich Schwächen gefunden habe, dann sind das einfach herstellerbedingte Einstellungen oder Bauweisen, die mir einfach nicht liegen. Die Wünsche, die auftauchen sind allesamt für die Zukunft, also Ideen, wie man eine noch spektalulärere Näh- und Stickkombi bauen kann.

Um über die XP1 zu berichten, zeige ich einfach mal meine Projekte.

Was habe ich mit der Luminaire gemacht und was ist mir dabei aufgefallen?

Topflappen

Topflappen kann man nie genug haben. Das habe ich in letzter Zeit oft gehört und daher fleißig Topflappen produziert und auch verschenkt. Ich finde sie eine gute Gelegenheit, die Küche zu dekorieren, da sie bei mir immer hinter dem Herd hängen.

Hier habe ich erst das Herz auf den schwarz-weiß gemusterten Stoff gestickt, darunter eine Lage Thermolam. Danach mit der Maschine die Echoquiltlinien erstellt (nur ein paar Klicks, echt klasse), dann den Rahmen aus der Maschine genommen und von hinten mit Sprühkleber Molton aufgeklebt. Fertig gestickt, herausgenommen und nach einer Echoquiltlinie zugeschnitten. Zum Schluss mit Schrägband eingefasst, hierfür habe ich einen optionalen Schrägbandfuß verwendet. Auch der Knopf ist mit der Nähmaschine angenäht.

Beauty-to-go als Kindertasche

Das Stickmotiv ist in der Luminaire enthalten, den Schriftzug hab ich direkt in der Stickmaschine erstellt und hinzugefügt.

Aus dem Cars-Logo wurde dann mal eben eine Applikation gefertigt und auf LKW-Plane aufgestickt.

Diese befindet sich jetzt auf der Rückseite der Tasche. Die ist leider schon verschenkt, daher kann ich nicht mit schönen Fotos dienen.

Die innenliegenden Fächer habe ich jedenfalls mit Zierstichen versehen, wobei der Projektor echt eine gute Hilfe war, sich die Nähte vorzustellen. So hab ich mir einige Probenähte erspart.

Ich habe auch für die Schwester eine Beauty to go genäht und bestickt. Hier kam der Scanner zum Einsatz. Ich habe erst den Stoff eingespannt, die Datei geladen, das Schnittmuster aufgelegt und so gescannt.

Eigene Stickdateien im Mein Design Center erstellen

Ich bin eigentlich kein Fan von Autopunch, aber ich muss sagen, das Mein Design Center ist für mich kein Autopunch mehr. Scannen (oder Bild über USB laden), bearbeiten, sticken. Vor allem das Bearbeiten gelingt in der Luminaire besser als alles andere, was ich bis jetzt gesehen habe. Da man eine Maus anschließen kann, geht auch exaktes arbeiten.

Vor allem gibt es jetzt nicht nur Füllstich-Standard, sondern viele verschiedene Füllungen, bei denen man auch Größe, Richtung und Dichte beeinflussen kann.

Mit den Maxistichen hab ich schon gekämpft. Mal mit Hilfslinien, mal mit der Kamera.

Gerade nähen ist möglich, aber nicht mit jeder Stich/Stoffkombi und es bedarf Übung. Zusätzlich kann es sein, dass man erst mal die Balance einstellen muss. Und das muss man bei der Luminaire leider fast blind, da finde ich die Systeme der anderen (unten genannten) Maschinen besser.

Der Stipplingstich ist fast 5 cm breit, da hat es nicht immer geklappt, Reihe an Reihe zu nähen. Ich hab dann Freihand aufgefüllt. Mein Wunsch wäre hier, dass sich die Projektion bei Maxistichen mitbewegt. Aber es muss ja was für die nächste Maschine übrig bleiben, oder?

Alles Brother, oder was?

Ich gebe zu, 2017/18 hat Brother schon aufgekracht. Erst die Topstitchcover, dann die Luminaire und noch der Plotter SDX 1200. Sowohl Cover als auch Plotter stehen mittlerweile bei mir zu Hause. Die Luminaire geht aber wieder zurück zum Nähpark. Ihr ganzer technischer Schnickschnack ist mir persönlich zu viel. Nett, aber nicht nötig. Ich bleibe bei meiner Bernina 790 plus. Mir ist einfach ein perfekter Stich auch bei schwierigen Materialien wichtiger. Ich sticke auch nicht so viel, habe ja schon überlegt, ob ich überhaupt ein Stickmodul brauche.

Ich wurde in letzter Zeit aber oft gefragt, welche Maschine denn jetzt nun besser sei. Bernina 790 plus, Pfaff Creative Icon, Husqvarna Viking Designer Epic oder die Brother Luminaire?

Viele wissen, dass ich all diese Maschinen schon benutzt habe. Ein direkter Vergleich wird nicht gelingen, sie kosten ja auch alle unterschiedlich viel. Das High-End-Modell von Bernina wäre die 880 plus, aber die kenne ich einfach nicht gut genug für einen Vergleich.

Daher schreibe ich hier einfach mal auf, was mir persönlich bei den genannten Modellen aufgefallen ist. Ob das auf jemanden selbst zutrifft, kann man dann ja selbst entscheiden.

Luminaire oder Bernina 790 plus?

Ich habe ja schon erwähnt, ich lege viel Wert auf absolute Stichkontrolle. Das gelingt mir bei der Bernina besser. Die Luminaire näht gut, auch dicke Materialien. Sie hat allerdings nur 7 mm Stichbreite. Und keinen integrierten Obertransport. Der digitale Obertransportfuß ist mir viel zu klobig. Ich quilte mittlerweile sehr gerne, vor allem mit Rulern. Dafür gibt es für die Brother noch keinen passenden Fuß. Die Unterfadenspule der Bernina fasst viel mehr Garn, da kann man sich schnell dran gewöhnen.

Die Luminaire hätte den größeren Rahmen und vor allem der Projektor zum Positionieren sorgt beim Wechsel zur Bernina für ein „Steinzeitgefühl“. Die Bernina hat auch eine ganz tolle Technik zum Positionieren, aber es ist wirklich wieder eine Umstellung. Was bei der Luminaire echt nervte, war das Ändern der Stickgeschwindigkeit. Dafür muss man ins Menü. Bei der Bernina kann man während des Stickens den Regler einfach rauf und runter schieben.

Luminaire oder Pfaff Creative Icon?

Das sind ja dann nun zwei Maschinen mit tabletähnlichem Display, großen Rahmen und viel integrierten Spielereien. Zu allererst fällt mir da aber wieder der integrierte Obertransport ein, den die Pfaff hat. Und im Nähbereich gibt’s noch mehr: Die Ziergleitstiche, die Bänderstiche und die anderen Spezialtechniken. Wer Zierstiche mag, wird die Pfaff deswegen lieben. Aber: Die Luminaire kann Zierstiche mit Seitwärtstransport bis 10 cm!

In Sachen Sticken ist der Scanner halt nahezu unschlagbar. Nicht nur zum Positionieren, auch zum Übertragen ins Mein Design Center. Dort kann man eigene Designs entwerfen oder mit den integrierten Mustern arbeiten. Stickdateien aus Bildern kann man in die Icon auch per App übertragen. Allerdings ist der Shape Creator der Icon auch nicht zu verachten, mit dem Stickmotive auf vielfältige Art und Weise angeordnet werden können. Dabei fallen mir auch wieder die Knopflöcher ein. Die kann man bei der Icon auch im Stickmodus bearbeiten und in Kombination mit dem Shape Creator ganze Knopfleisten in einem Rutsch sticken.

Das Display der Luminaire reagiert besser als das der Icon (und Brother liefert einen Touchpen mit), kann sogar mit einer Maus bedient werden. Dafür finde ich mich in der Menüführung der Icon besser zurecht als bei Brother. Gewohnheitssache.

Luminaire oder Husqvarna Viking Designer Epic?

Die Epic ist der Icon sehr ähnlich, daher gilt fast alles aus dem Absatz darüber. Allerdings hat die Epic keinen integrierten Obertransport. Was mich aber nicht gestört hat. Ich hatte früher eine Topaz und bin seither Husqvarna-Fan. Im Notfall kann man noch einen OTF anbauen, der ist immer noch schlanker als der der Luminaire. Die Epic sieht auf jeden Fall schicker aus. Auch wenn ich sonst nicht so bin, aber sie ist einfach schön. Gehört ja auch dazu.

Dazu hat sie den Husqvarna „Sewing Advisor“. Auch den bin ich von der Topaz gewöhnt und der ist meiner Meinung nach der am besten funktionierende Nähberater bei allen Marken. Stichlänge, Nähfußdruck, Nahtart, Fadenspannung, alles kann anhand zweier Einstellungen ausgewählt werden. Ich mochte das. Aber: Die Epic kann so gar nicht mit Ziergarnen. Da war immer mühsames Feineinstellen nötig, zum Teil bis zur Unterfadenspannung. Mal eben Absteppen mit Ziergarn? Nur, wenn man die Rückseite später nicht mehr sieht. Da tat die Luminaire ihre Arbeit viel besser.

Die Entscheidung ist also gar nicht so einfach. Ich finde in dieser Preisklasse geht es nur mit Ausprobieren und einer ausführlichen Beratung. Und nach dem Kauf am besten noch eine ausführlichere Schulung. Egal, was eine Maschine kostet, Gedankenlesen kann keine!

Je nachdem, welche Maschine man vorher hatte, wird eine kürzere oder längere Einarbeitungszeit geben. Aber wenn man die hinter sich hat, kann man unheimlich kreativ gestalten und wird trotzdem immer wieder was Neues entdecken. Wer gerne kreativ stickt, wird die Luminaire lieben. Ich bin eher der Typ „Hauptsache perfekter Geradstich aber ein paar Gimmiks sind immer schön zu haben“ und bleibe bei meiner Bernina B790 plus.

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