Testoffensive: PFAFF Creative Icon – Erster Eindruck von Anna Voigt

Momentan habe ich das große Glück wieder für den nähPark eine Nähmaschine testen zu dürfen. Diesmal handelt es sich um eine absolute High-End-Maschine, um die Pfaff Creative Icon. Mit 11.999 € handelt es sich um die teuerste Maschine, die ich bisher testen durfte. Entsprechend hoch sind natürlich auch die Erwartungen. Leider muss ich sagen, dass diese bisher noch nicht erfüllt wurden. Aber nun der Reihe nach ….

Die Maschine kam in zwei großen Kisten an. Eine für die Icon, die andere für das Stickmodul. Zwei Kartons sind auch unbedingt nötig, da es sonst ein wirklich riesiger sein müsste. Meine eigene Maschine, eine Brother Innov-is 2600, darf während des Tests einen Wellness-Urlaub im nähPark verbringen. Bei ihr gibt es nur eine Kiste, in welche die Maschine und das Stickmodul gepackt werden. Was habe ich geflucht, als ich diese alleine aus dem ersten Stock ins Auto schleppen musste und später zur DHL-Station … und die Brother ist klein und leicht, im Vergleich zur Pfaff!

Ausgepackt ist die Maschine so, wie die Kiste es verspricht: groß und schwer. Sie ist definitiv keine Nähmaschine, mit der man regelmäßig zu Workshops geht, oder die man eben schnell mal in den Garten zum „Outdoor-Nähen“ trägt. Es würde natürlich schon gehen, aber 15 kg (plus eventuell 4 kg für das Stickmodul) sind wirklich kein Leichtgewicht.  Das hohe Gewicht spricht für die massive Bauweise, billiges Plastik ist nirgends zu entdecken. Entsprechend stabil steht sie auf dem Nähtisch, da kippelt oder wandert nichts.

Nach erstem ehrfürchtigem Bestaunen wurde die Maschine angeschaltet. Ein wirklich helles Licht geht an, die Pfaff fährt hoch. Und fährt und fährt. 41 Sekunden dauert es, bis der Startbildschirm erscheint. 41 Sekunden hören sich nicht viel an. Aber wenn man davor sitzt und nur schnell eine kleine Naht machen möchte, die vielleicht 2 Sekunden dauert, können diese 41 Sekunden wirklich lange sein. Klar, die Pfaff ist eine Computer-Nähmaschine. Und die Software ist sehr umfangreich.

Entsprechend braucht sie einfach einige Zeit, bis sie hochgefahren ist. Für mich aber tatsächlich der erste Minuspunkt, da ich oft kleine Sachen schnell nähen möchte & die Wartezeit dann einfach zu lang ist. Allerdings muss man sich wahrscheinlich einfach daran gewöhnen. Dann schaltet man die Maschine ein, macht sich schnell noch einen Tee und bis man zurück kommt, ist alles startbereit… Und die Ausleuchtung ist wirklich sagenhaft!

Genauso ungewohnt aber genial ist die Teleskopstange, die das Nähgarn umlenkt. So kann man auch sehr gut mit großen Konen arbeiten & das Garn läuft sehr flüssig ab.

Auch die extra großen Unterfadenspulen begeistern mich. Anfangs dachte ich nur, wie schrecklich es ist, dass man den Unterfaden beim Aufspulen durch dieses Miniloch fädeln muss… Aber tatsächlich ist das überhaupt kein Problem. Er fädelt sich quasi alleine ein. Und dann passt wirklich viel Unterfaden & noch viel mehr Stickunterfaden darauf.

Das Display überzeugt mich dagegen überhaupt nicht. Zwar ist es mit seinen 10,1“ riesig, die Auflösung ist sehr gut, die Farben brillant, aber es reagiert (auf meine Finger) sehr schlecht. Manchmal muss ich wieder und wieder und wieder drauf drücken, bis es endlich reagiert. Manchmal komme ich mit den Knöcheln der anderen Finger in die Nähe des Displays & obwohl ich es nicht berühre, springt sofort etwas auf, was ich gar nicht wollte … An einem Abend war das so schlimm, dass ich die Maschine am liebsten aus dem Fenster geworfen hätte …  Mit einem Touch-Stift (der NICHT zum Lieferumfang gehört!) funktioniert es etwas besser, aber auch mit ihm muss man teilweise mehrfach tippen, bis die Maschine es erkennt.

Schade finde ich, dass die Anleitung nur sehr rudimentär im Papierformat vorliegt. Es sich auf dem Sofa bequem zu machen und darin zu schmökern, fällt aus. Außer, man stellt sich die 15 kg Maschine auf den Schoß 😀 Dort ist nämlich nicht nur die komplette Bedienungsanleitung gespeichert, man kann auch (per WLAN) auf den (englischsprachigen) Blog zugreifen & sich dort inspirieren lassen. Wobei ich das dann doch lieber mit dem Tablet machen würde … Apropos Tablet … Gut  wäre eine Kooperation mit einem Tablethersteller gewesen, um den Touchscreen zu entwickeln. Unser 1 ½ Jahre altes Tablet für damals ca. 300€ reagiert wesentlich besser (und fährt schneller hoch^^).

Wie nicht anders zu erwarten (und ein absolutes Muss bei dem Preis!) näht die Icon sehr ordentlich. Sie ist auch schnell, von der Lautstärke geht es. Sie vernäht Anfang und Ende, wenn man es einstellt, sauber und schneidet den Faden ab. Leider hatte sie auch schon zwei Mal das Problem, dass sie im Geradstich nur noch rückwärts nähen wollte, nachdem ich das automatische Vernähen aktiviert hatte. Dass da allerdings das Problem nicht vor der Maschine sitzt, kann ich nicht komplett ausschließen. Ich habe zwar nicht wissentlich auf irgendeinen Knopf gedrückt, aber wer weiß, wo ich aus Versehen drauf gekommen bin… Beim Zickzack-Stich auf Jersey hat sie einige Zacken ausgelassen. Obwohl eine frische Stretch-Nadel drin war.

Das Stickmodul ist riesig, was ja klar ist, wenn man die Rahmengröße beachtet. Möglich sind Stickereien bis zu 36 x 35 cm (im Versatzrahmen)! Sie stickt mit bis zu 1000 Stichen pro Minute, allerdings ist sie dann recht laut. Abends, wenn die Kinder schlafen, lasse ich sie nur ganz langsam laufen, damit sie die beiden nicht weckt.

Was mich wirklich stört: wenn die Stickerei fertig bearbeitet ist & man starten möchte, funktioniert das nur, wenn der richtige Rahmen dafür ausgewählt wurde. Das macht die Maschine nicht selbst, das muss man manuell einstellen. Wenn man es zu spät bemerkt, muss man wieder zurück zum Menüpunkt „Stickerei bearbeiten“ gehen. Dafür muss aber der Rahmen wieder abgenommen werden & der Stickarm fährt nach ganz links. Je nach Projekt kann das wirklich stören. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte gerade einen riesen Stoffberg unter der Maschine drapiert, würde gerne los sticken, hätte aber dummerweise die falsche Rahmengröße eingestellt…

Also Rahmen raus, Stoffberg unter der Maschine weg ziehen, Rahmengröße neu einstellen, Rahmen wieder rein, Stoff neu drapieren… Ich hoffe sehr, dass ich da was falsch mache, weil so stelle ich mir den Bedienkomfort einer  12000 € Maschine nicht vor!

Beim Sticken gibt es zwar die Möglichkeit des „Precise positioning“, aber auch da muss man immer die Nadel mit dem Handrad runter drehen, um zu schauen, wo genau die Stickerei sitzen würde. Ein kleiner Laserpunkt wäre da hilfreich & in der Preisklasse wirklich zu erwarten.

Allgemein bin ich momentan von der Creative Icon noch nicht begeistert. Vielleicht ergibt sich das noch während dem Test, aber bisher vermisse ich einfach innovative neue Sachen. Keine der Funktionen, mit der die Icon wirbt, hat mich bisher überrascht oder erstaunt. Eigentlich kannte ich alles schon von der Pfaff Creative Sensation Pro, die ich 2015 getestet habe. Aber mal schauen, vielleicht entwickelt sich ja auch noch eine Freundschaft zwischen uns 😉

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