Erster Eindruck `Juki TL-2200QVP mini` von Kathy Henkel

Im Juni erhielt ich von nähPark Diermeier die Juki TL-2200QVP mini zum dreimonatigen Testen.

Juki richtet sich laut eigener Aussage mit diesem Modell an Profinäher und Quilter, dementsprechend robust und stark fallen Gehäuse und Motor aus. Das Zubehör, obwohl umfangreich, beschränkt sich im Anwendungsgebiet auf für das Quilten gedachte Extrateile.

Die TL-2200QVP mini kann nur geradeaus nähen, das dafür aber mit bis zu 1500 Stichen pro Minute. Dabei ist sie leise und Dank der Aludruckgussteile sehr vibrationsarm.

Mit extra großem Durchlass und enthaltenem Obertransportfuß ist sie auch auf die Bewältigung großer Stoffmengen vorbereitet.

Stellt man einer gängigen Haushaltsnähmaschine die TL-2200QVP mini gegenüber, erscheint der Vergleich zwischen einem Familienwagen mit Anhängerkupplung, Navigation und Surround-System zu einem hochgezüchteten Renn-Boliden passend.
Trotzdem ist sie mit einigen kleinen Extras ausgestattet, die dem Anwender den Nähalltag erleichtern.

Für diesen ersten Bericht liegt mein Schwerpunkt auf Verpackung, Ausstattung/Zubehör, Verarbeitung der Maschine, Verständlichkeit ​des Handbuches, grundsätzlicher Anwendung und Bedienbarkeit.

Die TL-2200QVP mini macht einen sehr guten ersten Eindruck.

Um eines gleich mal vorweg zu sagen: „mini“ ist die TL-2200QVP mini nicht.  Doch dazu später mehr.

Die TL-2200QVP mini – auch Schnellnäher – entsprach genau dem, was mir für die etwas stabileren Projekte zu fehlen schien: Eine Nähmaschine, die sich am Industriestandard orientiert und ihre Stärken nicht in zig verschiedenen Stichprogrammen und Einstellungen, sondern in der schnellen, zuverlässigen Verarbeitung von vielen Stofflagen hat und trotz aller Widrigkeiten ein sauberes Nahtbild bietet.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich zwar über Juki im Allgemeinen informiert hatte, über die TL-2200QVP mini aber vor allem zwei Dinge wusste: sie ist stark und sie ist schnell.
So war ich dann doch etwas überrascht ob der Größe des Paketes. „Warum heißt die „mini“?“, wurde ich dann auch direkt von meinen Kindern gefragt, denen ich schon ganz aufgeregt erzählt hatte, dass ich eine kleine Nähmaschine zum Testen erhalten würde. Nun ja, die mini hat eine große Schwester, nämlich die TL-2200QVP, und neben dieser ist sie in der Tat ein Zwerg.

 

Verglichen mit den üblichen Haushaltsnähmaschinen aber kann sie mit einem stattlichen Durchlass von 215 mm auf 150 mm auftrumpfen, und bietet somit reichlich Platz für stoffintensive Nähprojekte wie z. B. Quilts.

 

Auch im umfangreichen Zubehör ist erkennbar, wo Juki den Schwerpunkt für diese Maschine setzt. So kommt sie mit einem separaten großen Anschiebetisch daher und bietet neben dem Standardnähfuß diverse Füße für Freihandquilten, dicke Stoffkanten und  Piecing, extra Quiltführung, Obertransportfuß, Ständer für Industriekonen und einen Kniehebel zur Bedienung des Nähfußes (Anheben und Absenken), so dass die Hände am Nähgut bleiben können.

 

Überhaupt ist alles an dieser Maschine darauf ausgerichtet, dass man seine Arbeit nicht loslassen muss. So lässt sich zum Beispiel der Rückwärtsgang mit dem Unterarm bedienen und der Fadenabschneider mit dem Fußpedal.

Nach der ausführlichen Prüfung auf Vollständigkeit wurde die TL+2200QVP mini direkt aufgebaut. Anschließend starrte ich voller Ehrfurcht auf diese durch und durch puristische Maschine.
Meine Nähmaschine kann viel, ist letztlich aber wirklich ein Gerät für Dummies. Alles ist beschriftet, es gibt einen Touchscreen, der Einfädelweg ist auf dem Gehäuse aufgemalt, und wenn man vergisst, den Nähfuß abzusenken, macht ein freundliches Piepen auf den Fehler aufmerksam.

Juki geht davon aus, dass, wer in die TL-2200QVP mini investiert, auf diesen  Firlefanz nicht angewiesen ist. Ist ja auch logisch. Wenn ich mit einem hochgezüchteten Boliden auf die Rennstrecke gehe, benötige ich weder Navigationsgerät noch Lenkradbedienung fürs Autoradio. Gas, Bremse, Schaltung, Spiegel, fertig, los. Wie mit einem PS-starken Auto fühlte ich mich dann auch bei der ersten Probenaht. Ich hatte richtiggehend Angst davor, das Pedal zu bedienen.

Zuvor musste ich jedoch sowieso das Handbuch zu Hilfe nehmen, um den Faden überhaupt auf seinem Weg über den Doppelumlaufgreifer bis hin zur Nadel zu bringen. Diese Gelegenheit nutzte ich auch gleich, um das Handbuch einmal komplett durchzulesen und zu bewerten. Ich war begeistert. Es ist gut strukturiert, übersichtlich, so gut wie fehlerfrei und man hat dem Anwender sogar eine zweite Farbe zur besseren Visualisierung der Arbeitsschritte gegönnt. (Vielleicht ist das ja gar nicht so ungewöhnlich, aber diesbezüglich komme ich mit meinem Nähmaschinenpark von einem sehr niedrigen Niveau.)

Natürlich lässt sich die Nähgeschwindigkeit bei der Tellzwozwo (jede Maschine muss bei mir einen Namen haben) mit dem Fußpedal regulieren. Zusätzlich hat sie einen Geschwindigkeitsregler, der die Maximalgeschwindigkeit vorgibt.

Irgendwann fasste ich mir ein Herz und drückte das Pedal durch, schließlich wollte ich die Juki ausführlich testen und nicht nur eben zum Tanken fahren. Obwohl ich mich mental vorbereitet hatte, erschrak ich dann doch, als sie mir mit 1500 Stichen pro Minute gierig den Stoffstreifen aus der Hand riss und die 60 cm-Naht im Nullkommanix fertig hatte. Dabei blieb das Nahtbild überraschend sauber.
Was mich aber am meisten begeistert hat: trotz des durchgetretenen „Gaspedals“ blieb die Tellzwozwo angenehm leise und mein Nähtisch wackelfrei. Hier machen sich die 11,5 kg Lebendgewicht, die die Maschine aufgrund der Verarbeitung von Aluminiumdruckguss (Arm und Grundplatte) auf die Waage bringt, positiv bemerkbar. Die Maschine wirkt sehr robust und vibriert kaum.

Nicht ganz so leise verhielt sie sich beim Aufspulen des Unterfadens, hier musste ich zwischendurch die Zimmertür schließen, weil ich doch Bedenken hatte, die Kinder aufzuwecken. Faierweise muss aber gesagt werden, dass der Krach nicht vom Motor herrührte, sondern von der Garnrolle, die ob der hohen Spulgeschwindigkeit hektisch nach oben flüchten wollte.
Auch der automatische Fadenabschneider wirkte etwas schwerfällig und laut, auf diesen könnte ich bei der TL-2200QVP mini gut verzichten.

Um noch mal auf den Vergleich mit den Autos zurückzukommen: ein bisschen Komfort hat Juki dann doch eingebaut. Neben dem automatischen Fadenabschneider gibt es eine Taste zum Anheben und Absenken der Nadel, welche, wenn man sie gedrückt hält, im Schneckentempo näht.
Der automatische Einfädler besteht aus einem Einfädelhebel mit Mini-Öse, die sich beim Herunterschieben des Hebels in das Nadelöhr legt und beim Anheben den Faden mitnimmt. Es handelt sich also um einen komplett mechanischen Vorgang, mit dessen Handhabung ich nicht sonderlich gut zurecht kam. Nach dem dritten erfolglosen Versuch fädelte ich das angelutschte Garn ganz konventionell, d. h. mit zusammengekniffenen Augen und gekräuselter Nase, ein. Das LED war dabei allerdings eine ausgezeichnete Hilfe.

Weiterhin positiv aufgefallen ist mir, dass Netzkabel und Fußanlasser als zwei separate Teile geliefert werden. Dabei denke ich weniger an eine eventuell notwendige Ersatzteillieferung, als vielmehr an variable Stellmöglichkeiten am Nähplatz, da die Kabel über unterschiedliche Wege geführt werden können.

Wie sich die Juki TL-2200QVP mini dann in der Praxis schlägt, wie sie Chiffon, Taft, Kunstleder und Decovil bewältigt, davon berichte ich dann im August.

Liebe Grüße,
Kathy

Technische Daten

  • Regulierbarer Nähfußdruck
  • Geschwindigkeitsregler
  • Fadenabschneidefunktion
  • LED-Licht
  • Manuelle Fadenspannung
  • Großer Nähbereich durch Anschiebetisch
  • Nadelhoch- / tiefposition
  • Einfacher Spulenwechsel
  • Fußpedal mit Funktionsbelegung

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