Testoffensive: Janome 6700P – Erster Eindruck von Sabine Siebers

Wie Jim Knopf bei mir einzog - oder Janome MC6700 und ich 

Nähmaschinen haben mich schon immer fasziniert - ich schaue sie einfach gern an, mich begeistert die Technik, die dafür sorgt, dass man tolle Dinge damit schaffen kann, ich mag es, mich mit ihnen vertraut zu machen und Schritt für Schritt heraus zu finden, was wir gemeinsam zaubern können.

Als der Nähpark vor einiger Zeit die erste Supertester - Aktion ins Leben rief, war ich innerlich, ich gebe es zu, schon ein wenig grün vor Neid, denn allzu gern hätte ich in der Haut der TesterInnen gesteckt, und selbst die vielen unterschiedlichen Maschinen auf Herz und Nieren geprüft!

Als der Aufruf für eine erneute Tester-Suche erfolgte und unter den zu testenden Maschinen auch noch die Janome MC6700 war, auf die ich seit ihrer Markteinführung ein begehrliches Auge geworfen hatte, zögerte ich daher nicht lange, schrieb eine Bewerbung, hakte die Sache aber gleich wieder wieder ab, Motto: wird sowieso nichts!

Ich fiel daher aus allen Wolken, als tatsächlich eines Morgens, während ich bei meiner ersten Tasse Tee sass, eine Email eintrudelte, die mir mitteilte, dass ich einen der Test-Plätze bekommen hatte. Hoppala - damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet!

In der Zwischenzeit hatte es jedoch in meinem Nähzimmer Nachwuchs gegeben, denn der beste Ehemann von allen konnte den Herzchen in meinen Augen bei meinen zugegeben recht häufigen, virtuellen „Besuchen“ der MC6700 nicht widerstehen und hat sie eines Tages einfach mitgebracht. So bin ich also zwar Testerin, aber dann doch wiederum nicht so wirklich, denn ich berichte hier über meine eigene Maschine und es ist nur fair, dass Ihr das wisst, wenn Ihr meinen Bericht lest. Nun aber genug der Vorrede - los geht´s!

Jim Knopf stellt sich vor

Meine Nähmaschinen sind echte Persönlichkeiten und haben daher selbstverständlich auch Namen. Bislang bevölkern nur Damen mein kleines Reich, aber als ich den riesigen Karton der Janome auspackte, war gleich klar: Das ist ein Kerl! Kein Schnick, kein Schnack - ein eher zurück genommenes, klares Design.

Warum ich den Guten umgehend Jim Knopf taufte, dürfte sich eigentlich auf den ersten Blick erschliessen ;-).

Mir gefällt gerade die klare, fast skandinavische Schnörkellosigkeit, die es mir ganz leicht machte, mich mit meinem Jimmy anzufreunden.

Die Einfädelwege beispielsweise sind deutlich oben und vorn auf der Maschine abzulesen:

Tricky fand ich beim Einfädeln einzig den Fadenspannungs-Regler ein wenig, da es wichtig ist, dass der Faden hier korrekt eingehakt ist, aber die Skizze in der Anleitung gibt dazu gute Hinweise.

Jim Knopf bringt einen großen Anschiebetisch mit, das ist natürlich eine tolle Sache, aber hier habe ich tatsächlich einen kleinen Kritikpunkt: Ich finde die Oberfläche zu rauh. Für meine Hussi habe ich einen Plexiglas-Anschiebetisch, der zu meiner brother PQ1500S gehörende Tisch ist ebenfalls ganz glatt, das gefällt mir erheblich besser.

Das zur Maschine gehörende Zubehör ist reichhaltig und in einer sehr praktischen Box übersichtlich unterzubringen.

Inklusive ist bereits der breite Obertransportfuß sowie Geradstichplatte und die sogenannte Profistichplatte. Bei vielen anderen Modellen sind diese Teile nur über das Zubehör erhältlich, kosten also extra - ich finde es prima, dass die Janome sie von Haus aus mitbringt.

Der Kniehebel ermöglicht das beidhändige Arbeiten, wann immer das notwendig ist. Von meiner Hussi kenne ich die Füsschenhebefunktin über den Anlasser - das finde ich nochmal komfortabler als den Kniehebel, aber bei Jim Knopf kann man den Kniehebel an die eigenen Bedürfnisse anpassen, denn man kann ihn einstellen - das gefällt mir, denn als Mensch mit sehr langen Beinen kann es sonst sehr unbequem werden!

Begeistert hat mich gleich der Anlasser, weil er mit einer sehr ordentlichen Kabelaufwicklung versehen ist, solche Details weiss ich zu schätzen!

Spannend finde ich auch die Stichtabelle, die gleichzeitig ein Klemmbrett ist, so dass ich Notizen oder Anleitungen daran befestigen könnte. Ob ich das wirklich brauche? Ich denke nein - ein nettes, aber vernachlässigbares Feature.

Was mir dagegen fehlt, ist ein Stichwortverzeichnis in der Gebrauchsanleitung. Die Anleitung an sich ist übersichtlich, gut. gegliedert, ansprechend gestaltet - kein Winzdruck, bei dem man eigentlich eine Lupe hinzu ziehen müsste, um etwas erkennen zu können - und die Erläuterungen finde ich zielführend und hilfreich. Jedoch ist Jim Knopf ein Mann mit Format, ergo ist die Anleitung recht umfangreich und für das aktive Arbeiten hätte ich mir ein Stichwortverzeichnis, das die Suche vereinfacht, gewünscht.

Der LCD Bildschirm macht auf mich einen guten Eindruck, ich finde das Menue übersichtlich und intuitiv, die Gebrauchsanleitung ist diesbezüglich für mich klar und zielführend gestaltet. Bildschirmhelligkeit und Summer können individuell eingestellt werden - sehr gut!

Let´s go!

Oder: erste Annäherungsversuche

Ich dachte, ich schaue mal ganz unbedarft, wie der gute Jimmy sich so schlägt, wenn man ihn ein bisschen kitzelt, habe ihn bespult und eingefädelt, mir einen Baumwoll-Stoffrest geschnappt, ganz ohne Hilfsmittel wie Stickvlies oder Ähnliches ein paar Teststiche genäht und dabei ein wenig mit den Einstellungen - Nähfußdruck beispielsweise - gespielt.

Hilfreich fand ich dabei, dass die Maschine vorschlägt, welche Einstellungen und Füße bei welchem Stich passen könnten. So hat der Mensch vor der Maschine einen Ausgangspunkt, von dem aus er sich vortasten kann, das gefällt mir!

Ich fand unsere ersten Flirtversuche ziemlich passabel, Kompliment an Jim Knopf! Buchstaben sind bei allen Nähmaschinen tricky, oft werden die ohne Einsatz von Hilfsmitteln nichts - bei meinem Jimmy allerdings habe ich gleich ein recht ansehnliches Ergebnis gehabt, ganz ohne Trickserei, raffetückische Einstellungen oder die Verwendung von Stickvlies, aber schaut selbst!

Auch die getesten Herzchen finde ich gelungen - die Maschine hat sie mit stinknormalem Gütermann Allesnäher sehr hübsch auf das Probeläppchen gezaubert!

Ich bin keine Quilterin, auch wenn ich gerade Material für meinen ersten Quilt eingekauft habe, aber Jim Knopf bringt einiges an Zubehör und Möglichkeiten mit, das das Herz der PatchworkerIn / QuilterIn höher schlagen lassen dürfte.

Profi-Stichplatte nebst Fuß, 1/4 inch Fuß und umbaufähiger Freihand-Quiltfuß sind im Lieferumfang vorhanden, interessant fand ich darüber hinaus die verschiedenen Geradstich-Optionen wie Lock-a-Matic, bei dem Anfang und Ende automatisch gesichert werden, „unsichtbarer“ Vernähstich, sowie die Stiche, die für 1/4 inch Nahtzugaben vorgesehen sind und mit dem entsprechenden Füßchen genäht werden können. Das habe ich dann auch gleich einmal ausprobiert!

 

Der Geradstich, den die Maschine näht, gefällt mir sehr!

Durchaus bemerkenswert fand ich, dass der sehr dünne Baumwoll-Stoff, den ich unter der Nadel hatte, anstandslos auch ohne Einsatz der Geradstichplatte von Anfang bis Ende der Naht genäht und transportiert wurde, ohne den Stoff einzuziehen. Gut gemacht, Jim Knopf!!! 

Leider hatte ich dann keine freien Kapazitäten mehr, um meine Tests fortzuführen, da ich erst einmal in den Untiefen einer längeren Fortbildung versank!

Aber: Fortsetzung folgt!

Testen werde ich das Verhalten der Maschine auf jeden Fall noch bei

—> Jersey / Sweat

—> Funktionsstoff

—> Cord / Flanell / Jeans

 

Da geht also noch was, Jim Knopf! :-))

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