Testoffensive: Janome Horizon MC 9400 QCP – Erster Eindruck von Sarah Turner

So, da steht sie nun also: groß, breit, schwer, mit glänzendem Display und schicken Silberakzenten....

Als mein Mann nach Hause kam und den Riesenkarton im Flur stehen sah, hat er kurz Panik bekommen, dass wir dafür für den Rest des Monats Nudeln mit Ketchup essen müssen 😉 Ich hatte ihm nämlich gar nichts von meinem Bewerbungsglück und meinem 3-monatigen Job als Produkttesterin für den Nähpark Diermeier erzählt.

Als ich den Aufruf zum Produkttest gelesen und die zu testenden Maschinen kurz recherchiert hatte, war mir sofort klar, welches Testobjekt es werden sollte: Die Janome 9400! Sie gefiel mir einfach von der Optik so gut, dass ich mich direkt in sie verguckt hatte.

Nun war es also Zeit herauszufinden, ob meine oberflächliche Verschossenheit tatsächlich zu echter Liebe werden konnte. Bigamie ist nicht so mein Ding, deshalb musste meine Pfaff Quilt Ambition 2.0 erstmal in den Keller umziehen – sie möge es mir eines Tages hoffentlich verzeihen.

Ich muss gestehen, schon allein die schiere Größe des Kartons hat mich erst einmal total eingeschüchtert! Ich brauchte ganze 2 Tage, bevor ich mich getraut hatte, den Karton zu öffnen und den Inhalt endlich auszupacken...Das Gewicht der Nähmaschine ist massiv (13,5kg) - beim Herausheben aus dem Karton brauchte ich tatsächlich die Hilfe meines Mannes. Mein erster Gedanke dazu: Super, das spricht für die Qualität und sie scheinen nicht nur Billigplastik verarbeitet zu haben.

Mein zweiter Gedanke: Oh verdammt, ich habe ja gar keinen permanenten Nähplatz, sondern muss ständig immer alles wieder vom Esstisch abräumen, damit die Familie auch essen kann...hmmm, da hätte ich mal früher dran denken können...mit dem Gewicht der Maschine kann das ja lustig werden....Egal, Augen zu und durch!

Als ich dann den Karton weiter auspackte, war ich von der Maschine noch mehr beeindruckt: Das Zubehör ist extrem vielfältig und kann sich definitv sehen lassen! Vom Riesen-Anschiebetisch über das massive Pedalgestell für Fußanlasser und Fadenabschneider-Pedal bis hin zu den vielen, vielen Nähfüßchen – einfach der Wahnsinn. Es wirkt einfach vieles gut durchdacht: Das Kabel vom Fußanlasser kann z.B. in einem kleinen Fach darunter ordentlich verstaut werden. Eine helle Freude für einen Ordnungsfreak wie mich 😉

Aber für den Preis wird das sicherlich von den Kunden irgendwie auch erwartet. Und in einer Erwartung wurde ich auch ganz klar enttäuscht: Die Abdeckung der Maschine finde ich für den Preis einfach nicht hochwertig genug. Hier hätte ich mir für die Preisklasse, in der sich die Janome 9400 bewegt, statt des (sehr gut verarbeiteten und hochwertigen) Softcovers definitiv ein Hartschalen-Cover gewünscht. Darüber hinaus ist das Handling des Covers meiner Meinung nach nicht gut genug durchdacht: Man muss immer erst den „Deckel“ des Softcovers hochschlagen, bevor man den Henkel der Nähmaschine zum Transportieren greifen kann – als Nutzerin, die die Maschine ständig auf- und wieder abbauen muss, finde ich das nervig und umständlich. Aber das ist ja lediglich ein kleiner Minuspunkt auf einer ansonsten sehr langen Liste an positiven Ersteindrücken.

Denn die Janome 9400 konnte mich durchaus noch weiter beeindrucken. Da ist zum Beispiel das wirklich praktische und große Zubehörfach: Das hat sogar einen extra herausnehmbaren Teil mit „Fächern“ für Unterfadenspulen und die am häufigsten benutzten Nähfüßchen – dieser Teil liegt gleich obenauf, sodass man darauf schnellen Zugriff hat. Und dann noch die tolle Aufbewahrungsmöglichkeit für die beiden zusätzlichen Stichplatten: Diese werden unten im Zubehörfach ganz einfach eingeklickt – sooo praktisch!
Auch die schiere Anzahl der mitgelieferten Nähfüßchen hat mich umgehauen – da ging mein Nähherz beim Auspacken total auf und ich hätte am liebsten sofort mit dem Nähen begonnen.

Aber erst einmal hieß es für mich noch: Bedienungsanleitung studieren! Diese ist zum Starten übersichtlich und ausführlich genug, sodass ich keinerlei Probleme mit der ersten Inbetriebnahme hatte. Ich bin gespannt, ob sie mir dann auch im weiteren Verlauf helfend zur Seite stehen kann.

Dann sollte es also endlich heißen: Ab zum Nähen an die Maschine (juchuuu). Also alles eingestöpselt und die Maschine eingeschaltet...Hui, da ist aber akustisch ordentlich was los. Ein kurzes Rattern hier, ein leises Klackern dort...aber so ist das eben bei Computernähmaschinen. Und dann: Woooow, dieses Licht. Ein absoluter Traum! Extrem hell und dann noch mit einer zusätzlich herausziehbaren Lampe, sodass man auch wirklich aus jedem Winkel gute Sicht auf sein Nähprojekt hat. Einfach toll!

Eigentlich wäre es bestimmt clever gewesen, erstmal alle Stiche auf Probestücken zu testen, um zu schauen, wie die Maschine sich so verhält. Aber neee, ich bin ja gerade beim Probenähen mit dabei und da müssen schnell noch die nächsten Stücke produziert werden – also los geht’s, es wird ein Body mit gerafftem Oberteil genäht. Da ich keine Overlock besitze, aber absolute Perfektionistin bin, nähe ich meine Werke hauptsächlich mit dem Fake-Overlock-Stich meiner Nähmaschine. So sieht alles auch auf links schön sauber & ordentlich aus. Also den entsprechenden Stich und das dazugehörige Nähfüßchen geschnappt und losgelegt:
Aber Moment, was ist denn da los?!? Die Schlingen vom Stich stehen häßlich über und noch dazu schiebt mir der Nähfuß  jegliche Raffungen wieder raus....grrrrrr, so war das aber nicht gedacht....was ist da los? Bin ich das? Oder die Maschine? Egal was ich probiere, der Stich sieht einfach nicht aus!! Der Frust war groß und nach mehreren Stunden mit herum-probieren, nochmaligem Anleitung studieren, nach Videos googlen, in der Testgruppe schauen, habe ich erst einmal enttäuscht aufgegeben und die Maschine zur Strafe in die hinterste Ecke gestellt.
Irgendwie schien sie mich aus ihrer Ecke jedoch auszulachen und so packte mich schon am nächsten Abend wieder der Ehrgeiz, ich schnappte mir ein Stück Teststoff und legte wieder los. Aber es sollte einfach weiterhin nicht so richtig klappen - dabei sollte die Maschine doch die große Liebe werden... Was mich so frustriert hat?! Das waren beim Nähen recht viele Dinge. Vielleicht hatte ich aber einfach auch zu hohe Erwartungen...Ich hatte mich zum Beispiel unheimlich auf den automatischen Fadenabschneider gefreut. Endlich nicht mehr ständig zur kleinen Schere rechts von mir greifen müssen...Und dann das: Der Fadenabschneider funktioniert zwar gut, aber wenn man danach wieder losnähen möchte, macht die Nähmaschine unschöne Knubbel beim Nähen der ersten Stiche...da schneide ich die Fäden lieber wieder per Hand ab und habe dafür ein schöneres Ergebnis beim Stichbild. Klar, das ist kein Drama...aber die Maschine kostet knapp 2.500€ und da erwarte ich schon perfekte Ergebnisse. Außerdem hat die Maschine auch keinen Obertransport, dafür aber einen Doppeltransport-Nähfüßchen. Allerdings finde ich es total umständlich zwischen diesem und den anderen Nähfüßchen hin- und her zu wechseln, sodass auch dies bei mir zu Frust beim aktuellen Nähprojekt geführt hat (ich musste etwas öfter zwischen Dreifachgrad-Stich, Zickzack-Stich und Fake-Overlock-Stich hin- und herwechseln und nur ersterer kann mit dem Doppeltransport-Füßchen genäht werden).
Und auch der viel genutzte Fake-Overlock-Stich mit dem entsprechenden Nähfüßchen machte weiterhin Probleme. Das Design des Nähfüßchens machte in meinen Augen auch nicht wirklich Sinn: Wenn man die Stoffkante wie in der Anleitung gezeigt an das Nähfüßchen anlegt, bleibt noch viel zu viel Platz zu dem kleinen rechten Metallstäbchen, um das die Schlinge gelegt wird. Kein Wunder also, dass die Schlingen dann über dem Stoff abstehen. Also ein letzter verzweifelter Hilferuf in der Testgruppe auf Facebook und siehe da: Der Stoff muss ziemlich kräftig gegen die schwarze Kante gedrückt werden, damit dieser sich noch weiter zum Stäbchen hin bewegt und die Schlingen dann sauber genäht werden. Bei schweren Stoffen sicherlich kein großes Problem, aber mit leichtem Jersey ist es wirklich schwer, diesen kräftig genug gegen die Kante zu drücken. Für mich ist das ein Designfehler und ich finde die Lösung von meiner Pfaff Quilt Ambition 2.0 für den Nähfuß vom Fake-Overlock-Stich viel gelungener. Dort legt man den Stoff nämlich einfach nur an die Kante des roten Rädchens an und es muss nicht herumgedrückt oder -geschoben werden.

Ich bin aber wild entschlossen, mit der Janome 9400 noch Freundschaft zu schließen und werde fleißig mit ihr weiter nähen! Und um diesen Bericht nicht nur mit meinem Mann zu beginnen, sondern auch zu beenden, werde ich es wie mit ihm bei unserem Kennenlernen halten: Ich bleibe dran und lasse mich auch nicht von Rückschlägen aufhalten! Bei ihm und mir ist es am Ende schließlich auch noch die ganz große Liebe geworden 😉

In diesem Sinne: Macht's gut und bis zum Abschlussbericht

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