Testoffensive: Janome MC 6700P – Abschlussbericht von Mireilla Zirpins

„Dicke Freunde“ sind meine Janome MC 6600 und ich seit April 2016. Zwischen uns passte kein Faden – und doch bin ich fremdgegangen! Warum? Nun, ich bin einer Einladung von Nähpark Diermeier gefolgt, ihre „große Schwester“, die MC 6700 P für drei Monate zu testen.

Wie hätte ich da nein sagen können? Die 6700 kann das Gleiche wie ihre Vorgängerin, sogar noch einiges mehr – und sie sieht einfach schicker aus. Wer behauptet, dass die Optik bei der Partnerwahl überhaupt gar keine Rolle spielt, der flunkert doch! Aber selbstverständlich gehe ich nicht nur nach dem Äußeren, sondern hauptsächlich nach den inneren Werten – sonst hätte ich mir damals keine Janome gekauft. Nun also durfte ich die 6700 in Ruhe testen. Geheiratet wird schließlich nicht nach dem ersten Date!

Und so musste die „Dicke“ ein bisschen zur Seite rutschen auf dem kleinen Tischchen in meinem winzigen Nähzimmer – und die Overlock ein Stockwerk höher ziehen zur Coverlock. Platz ist in der kleinsten Hütte. Und damit meine alte Liebe sich nicht ganz abgeschoben fühlte, durfte sie zwischendurch ab und zu mal ran – zu Vergleichszwecken.

Gemischte Gefühle nach den ersten Dates mit der Janome 6700

Obwohl sie mich mit ihrer schicken Optik und ein paar netten Verbesserungen gleich gekriegt hab, war meine Begeisterung nach den ersten Rendezvous ein bisschen gebremst, wie ich in einem ersten Bericht geschildert habe.-> Link Ich hatte große Hoffnungen in die 9mm-Schrift gesetzt – aber die Optik hat mich einfach nicht geschockt. In der Größe möchte man fast schon sticken. Ist aber nicht weiter schlimm, denn die 9mm-Schrift ist ja ein zusätzliches Feature, das man nicht nutzen muss. Die anderen Schriften finde ich cool.

Mit dem Einfädler stand ich am Anfang ganz schön auf Kriegsfuß. Ich habe es mittlerweile raus, wie ich es anstellen muss, finde es aber aufwändiger als bei der 6600 – Nadel ganz nach oben bringen, Sperrtaste drücken, Faden straffziehen, und dann ist er zwar drin, aber die Schlaufe hakt oft oben noch irgendwo fest. Und beim Vorgängermodell ist die Trefferquote einfach höher. Aber man kann nicht alles haben…

Auch hat das hungrige Maschinchen einige Male meinen Stoff gefressen, was daran liegen könnte, dass es eine 9mm-Maschine ist. ABER: Die Janome 6700 kommt ja mit zwei weiteren Stichplatten zumindest für Geradstiche. Und da ist die Öffnung so klein, dass nichts reinrutscht.

Und ich mag immer noch die Zubehörbox nicht. Die bietet zwar deutlich mehr Platz für Spulen oder zugekaufte Füßchen, aber keine Steckplätze, sodass alles in der Plastikkiste „herumfliegt“.

Und wer bitte hat den Ingenieuren bei Janome gesagt, dass wir beim Nadelwechsel gern einen Schraubenzieher benutzen? Ich faules Stück gehe eh so ungern in die „Boxengasse“ und könnte stundenlang mit der gleichen Nadel, dem gleichen Füßchen und der gleichen Garnfarbe nähen. Vorher musste man nur ein Rädchen drehen. Fand ich besser!

Die MC 6700 im Belastungstest

Wenn ich nähwütig bin, dann muss meine Maschine bei mir auch ganz schön ran. Also habe ich die „Neue“ mal lauter Sachen machen lassen, die nicht jede Nähmaschine kann.

Meinen Mann habe ich mit einer Grillschürze samt Handschuh zum Geburtstag beglückt. Die superdicken Lederriemen auf dem festen Canvas hat sie ohne zu murren durchstochen – dass die Naht ein bisschen krumm ist, liegt daran, dass ich’s abends im Halbdunkeln in Eile gemacht habe und man um diese sperrigen Gewehrknöpfe drumherumnähen musste. Hatte in der Hektik keine bessere Idee, als mit dem Reißverschlussfuß dran vorbeizunähen. Das würde ich beim nächsten Mal anders lösen!

Für den dazu passenden Grillhandschuh musste sie ebenfalls ein extrem dickes Sandwich oder besser: Triple Burger durchstechen – vor allem die Stelle, wo zwei Lagen Canvas, zwei Lagen Baumwolle, vier Lagen Thermolam und zwei Lagen doppelt gelegtes Schrägband aufeinandertreffen. Kein Problem für die Lady – Respekt! Und Notiz an mich: Nie wieder einen gefütterten Grillhandschuh nähen. Nie mehr!
Reißverschluss in den Kunstleder-Rock fürs Töchterchen? Nichts leichter als das. Und für den Viskosestoff der Ladybug-Flatterbluse für mein Mädchen aus der Marienkäferklasse musste ich nicht mal den Obertransport-Fuß montieren - der aber super ist für Seidenstoffe, by the way. Eigentlich kann man ihn bei fast allem gut gebrauchen, wo man keinen Sonderfuß braucht.
Nur beim Annähen eines dicken Gummibands auf einen doppellagig vorgekräuselten Marienkäfer-Rock blockiert die 6700. Da ist nix zu machen, auch nicht mit Tricksereien. Sie will einfach nicht über die Stelle, an der sich das Gummi doppelt. Das erledigt dann schnell die „Alte“ – gefällt ihr zwar auch nicht, aber SIE schafft‘s.
Die Vorteile der 6700 überwiegen Doch in der Gesamtschau hat die Janome MC 6700 ganz klare Vorteile:
Immerhin bekommt man deutlich mehr Garn auf die gleiche Spule! Meine Oma sagte immer: „Langes Fädchen, faules Mädchen“. Jetzt weiß ich, was sie meinte. Hier kommt die 6700 also meinem Naturell klar entgegen.

Ich liebe den Stichplattenwechsel auf Knopfdruck. Sensationell! Einmal an der Seite reindrücken, fertig. Und zurück drückt man sie einfach rein. Da machen faule Mädchen auch gleich viel lieber im Innenraum sauber, vor allem, da ich bei der 6600 immer den Eindruck hatte, dass da beim Reinschrauben ein bisschen Spiel ist. Und wenn die Maschine mal Stoff gefressen hat, ist man auch gleich zur Stelle, ohne in der unübersichtlichen Zubehörbox (sorry, der musste sein) den Schraubenzieher suchen zu müssen.

Die 6700 gibt zwar ein für sensible Ohren deutlich zu vernehmendes Grundsummen von sich, beim Nähen selbst ist sie aber super leise, selbst wenn man „Gas gibt“. Das hat die ganze Familie positiv überrascht.

Ein paar schicke neue Stickprogramme sind dabei. Für Menschen, die mit Eiskönigin-Virus infizierte Töchter benähen müssen, ist sicher die Eisblume ein Asset – das hätte ich mal gern gehabt, als unsere Tochter noch in der Phase war (ist zum Glück ausgestanden). Ich finde die Schneiderpuppe ganz reizend.

Und man darf natürlich nicht die anderen Vorteile vergessen, nur weil man so verwöhnt ist und sie bei der 6600 schon hatte:

  • Der automatische Fadenabschneider – nie wieder ohne!
  • Die Start/Stopp-Taste – wenn man mal nicht mit Fußpedal nähen will. Kann man absolut machen!
  • Die automatische Vernähfunktion (mit Punktvernähen!), auch programmierbar. Ein Traum. Nur nicht beim Auftrennen natürlich…
  • Der vergrößerte Arbeitstisch, den man einfach anschiebt – und er hält ohne Anschrauben. Und man klappt wirklich nur vier Füßchen hoch
  • Der Kniehebel – mit ihm kann man z.B. bei Patchworkarbeiten oder kniffligen Projekten das Näh-Füßchen anheben, ohne die Hand von der Arbeit zu nehmen.
  • Drei Alphabete!
  • Obertransport für zickige Stöffchen – und viele weitere Füßchen in der Grundausstattung
  • Die auch für Piktogramm-Legastheniker verständliche Anleitung
  • Und natürlich der Riesendurchlass, bei dem es auch kein Problem ist, mal eine Riesendecke oder einen Rucksack zu nähen
Darf die „Geliebte“ also bleiben?

„Mama, du willst sie doch nicht wieder wegschicken?“, empört sich meine siebenjährige Tochter. Sie hat von der Testphase ganz klar profitiert. Denn das muss man sagen: Ich saß wirklich viel und gern an unserer neuen Mitbewohnerin, sie hat mich echt motiviert, wieder viel mehr Webware zu vernähen – meine eigentliche Leidenschaft. Wenn ich wüsste, dass meine „Alte“ mit jemand anderem glücklich wird, würde ich sie glatt eintauschen. Denn beide zu behalten kommt nicht in Frage, da sie sich zu ähnlich sind.

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