Testoffensive: Janome MC 6700P – Erster Eindruck vom Mireilla Zirpins

Für drei Monate hat die Janome 6700 P Einzug gehalten in mein Nähzimmer, denn ich wurde netterweise vom Nähpark ausgewählt, die Maschine ausgiebig zu testen.

Und das erste, was auffällt, als sie sich nun mit ihrer dicken kleinen Schwester, der 6600, meinen zierlichen Nähtisch teilt – sie sieht echt schick aus mit ihrer silbergrauen Front. Dass die Optik ein bisschen an den Look eines großen Schweizer Traditionsunternehmens erinnert? Das muss ja kein Nachteil sein, finde ich 😉 Die 6700 ist moderner gestylt als ihre Vorgängerin, wirkt bei ungefähr gleichen Ausmaßen deutlich schlanker und hat den (noch) größeren Durchlass. Man klemmt sich das wuchtige Metallgehäuse nicht mal eben untern Arm – aber dafür bleibt sie auch stabil stehen, wenn man mal richtig Gas gibt.

Dazu ein gigantischer Anschiebetisch – der gleiche wie bei der 6600. Und der ist wirklich klasse, wenn man mal mit größeren Decken hantiert. Was mich auch sofort begeistert hat, ist das riesige Fußpedal. Unter meinem Nähtisch ist immer Kabelsalat, ständig sucht mein Fuß nach seiner Taste. Da hat mal wirklich jemand mitgedacht. I like! Noch besser: Das Kabel lässt sich unter dem Fußtaster einrollen und verstauen. Perfekt, denn ich nähe bei fummeligen Projekten gern mal mit dem Kniehebel und der Handbedienung (man nutzt einen Start-Stop-Knopf direkt in der Nähe des Füßchens statt des Fußpedals). Und dazu muss man bei der Janome das Pedal abkabeln. So fliegt nix rum unterm Tisch.

Natürlich hat die 6700 viele der schönen Features, die ich schon von meinem Maschinchen kenne. Ich sage nur: automatischer Fadenabschneider und Punktvernähen am Nahtende. Ein Tastendruck – und erledigt! Bei teureren Janome-Modellen wird der Faden sogar per Extra-Fußschalter gekappt. Aber ich bin so schon völlig zufrieden. Das möchte ich wirklich nicht mehr missen.

Neu im Programm: Eine Sperrtaste. Einmal aufs Schloss-Symbol drücken, und schon können kleine (und auch große Hände) nichts mehr falsch machen, bis man wieder entsichert.

Hat mich ebenfalls überzeugt: Das Einfädeln des Unterfadens ist noch einfacher geworden. Eine zusätzliche Fadenführung geleitet den Faden zu einem integrierten manuellen Fadenabschneider. Das hat echt gefehlt!

Das Display ist groß und gefällig. Und sie ist nach dem Anschalten sofort da und startbereit. Beim ersten Spulen bin ich echt erstaunt: Die 6700 macht mir die Spule deutlich voller als meine Maschine. Nett!

Die Janome steppt sauber, wenn man mag extrem schnell, und man kann die Anfangsgeschwindigkeit mit einem Schieber begrenzen, damit sie an Anfängen mit mehreren Stofflagen noch etwas behutsamer näht. Mir gar nicht so aufgefallen – aber meinem Mann: Sie surrt auch deutlich leiser als die 6600 über die Stoffbahnen. Da freut sich mein kleiner Sohn, der nebenan schläft. Das einzige Geräusch, das ich nicht mag, ist ein metallisches Schaben, das ab und zu auftritt, wenn man das Füßchen anhebt. Ich habe noch nicht herausgefunden, wo das herkommt.

Die Ausstattung ist sowieso üppig: Ein ganzer Satz von Füßchen gehört zur Basisausstattung  – in einer großen transparenten Plastik-Box. Aber im Kästchen der 6600 hatte jedes Füßchen die passende Aussparung im Schaumstoff. Das fand ich etwas aufgeräumter. Dafür kommt die 6700 aber mit viel mehr Zubehör und Platz für Spulen – und drei Stichplatten.

Neben der Standardstichplatte gehören noch eine Geradstich- und eine Profistichplatte zum Lieferumfang. Mit denen werde ich mich später auseinandersetzen. Aber was der Hammer ist – endlich kein Schrauben mehr, wenn man die Platte wechseln will oder mal drunter muss, weil man Stofffraß produziert hat (soll ja leider mal vorkommen ;-). Einfach klicken und abnehmen! Eines meiner Gebete wurde erhört!

Normalerweise steht bei mir die Overlock direkt daneben, aber weil die nun ein Stockwerk höher ausweichen musste und ich zu faul zum Treppensteigen bin, probiere ich doch mal Füßchen O aus, das zusammennäht und gleichzeitig die Kanten mit einer Fake-Overlock-Naht versäubert. Sieht erstaunlich gut aus – zumindest bei der Webware. Für den Viskose-Flatterstoff war das nicht ganz so perfekt. Wenn man keine Overlock zur Hand hat, die natürlich mit mehr Fäden näht und gleichzeitig schneidet, ist das eine super Option, um zum Beispiel Jersey zu verarbeiten.

Nur mit dem halbautomatischen Einfädler habe ich lange gefremdelt. Wieso in aller Welt wurde das geändert? Der Einfädler der 6600 wirkt zwar fimschig, wie man hier im Rheinland sagt, macht aber seinen Job. Immer. Das Nachfolgemodell wirkt zwar solider konstruiert, aber regelmäßig passierte – nix. Die Anleitung sagt lapidar, man möge den Faden noch mal einlegen und es erneut versuchen. Ganz langsam. Ähem. Mittlerweile sind wir aber doch Freunde geworden, der Einfädler und ich. Ich atme jetzt immer tief durch, sperre die Maschine mit der Schlosstaste und drücke gaaanz langsam den Hebel runter. Klappt immer häufiger. Wir sind ja schließlich auch im Einnähprozess...

Ich mag die Schriften, insbesondere die Schreibschrift, die ich gern auf Kinderkleidung benutze. Für mich ist wichtig, dass man verschiedene Schrifttypen zur Auswahl hat und sie nicht ganz so winzig sind wie bei einigen Maschinen. In 7 mm sieht das schon nach was aus – natürlich nicht vergleichbar mit einer Stickmaschine, von der mein Töchterchen träumt. Aber für mich reicht es. Es empfiehlt sich, wenn man nicht gerade auf doppelt gelegtem Leinen näht, ein Stickvlies zu verwenden, damit die Buchstaben gut rauskommen. Und ich arbeite mit dem Nahttrenner nochmal nach, weil ich es nicht so schön finde, dass der I-Punkt mit dem Buchstaben durch einen kleinen Faden verbunden ist.

Und zu meiner großen Freude ist die Handhabung der Schriften bei der 6700 viiiel einfacher geworden. Beim Vorgängermodell musste man einen Zahlencode eintippen – da musste man schon einen halben Roman auf die Klamotten genäht haben, bis man sich den Zahlencode fürs 'E' merken konnte. Klar, man kann Namen abspeichern, aber ich finde auch das etwas umständlich. Es gibt zwar in der Preislage der 6700 noch keinen Touchscreen, aber ein Rädchen, mit dem man blitzschnell durch die Schriftmenüs scrollen kann. Eine richtige Zeitersparnis. Und es schont die Nerven. Neben der Schreibschrift gibt es eine Druckschrift – und nur diese kann man nun sogar auch auf 9 mm hochziehen. Allerdings hat mich persönlich das Schriftbild der ganz großen Typo jetzt nicht so geschockt.

Doch wie ich der sehr übersichtlichen und verständlichen Anleitung entnehme, warten noch viele andere tolle Features auf mich, die ich in den kommenden acht Wochen genauer unter die Lupe nehmen werde. Dann ist erstmal eine große Patchwork-Decke dran und ein Hut für den Gatten. Selbstverständlich werde ich hier von meinen nächsten Rendezvous mit der 6700 ausführlich berichten!

 

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