Testoffensive: Pfaff Creative Icon – Erster Eindruck von Michala Gohlke

Gleich am Anfang dieses Berichtes muss ich erwähnen, daß ich eine rosarote Pfaff Brille trage. Ich nähe seit Jahr und Tag mit Pfaff Maschinen, derzeit nähe ich auf einer Pfaff Creative 4.5 und bin mit dieser Maschine sehr glücklich, auch wenn ich sie so manches mal bis an Ihre Grenzen quäle. Aber genau aus dieser Sicht möchte ich diesen Bericht auch verfassen. Aus der Sicht von Jemanden, der fratg, was ist das „Mehr“? Braucht man das, und wenn ja, was sind die Gründe dafür. Darum werden viele Funktionen der ICON hier gar nicht erwähnt, weil ich sie schon seit Jahren von meiner Pfaff kenne (z.B. automatischer Fadenabtrenner oder Kniehebel).

Zunächst einmal, diese Maschine beeindruckt durch ihre schiere Größe (auf den Bildern könnt ihr den Unterschied zwischen den Größen der Maschinen ICON und creative 4.5 sehen). Alles ist größer ausgefallen als bei den Vorgängermodellen. Eins wird schnell klar, wer sich diese Maschine zulegt meint es ernst, die ICON ist kein Teil, das sich in der Ecke eines Schrankes versteckt lässt. Und warum auch? Schon beim Auspacken wird klar, daß sie ein Designerstück mit Geltungsbewusstsein ist. Sie ist entworfen für hippe Nähzimmer und Kreativateliers, wie ein schickes Auto, das man nicht in der Garage verstecken mag. Aber ich will hier natürlich nicht nur über das schicke Äußere schwärmen. Das Zweite, das mich verzückt, ist das „Mehr“ im Bereich Power. Wo meine creative 4.5 ihre Grenze erreicht und bei schon bei 10 Lagen Jeans (zwinker) am Ende ihrer Power war, schaltet die ICON ihren Zweitmotor zu und gibt richtig Gas. Also ein „Mehr“ an Optik und auch ein dickes „Mehr“ an Nähpower, man möchte meinen daß sie mit Industrienähmaschinen mithalten kann. Hierdurch ergibt sich allerdings auch ein mehr an Gewicht, stattliche 22 kg bringt die ICON mit Stickeinheit auf die Waage.

Was mir beim Arbeiten mit der Maschine aufgefallen ist, ist die Liebe zum Handwerk die in den Details zum Ausdruck kommt. Hier wurde kompromisslos am Nähkomfort getüftelt, nach dem Motto; „Wie mache ich Arbeitsabläufe schneller und bequemer“. Kleine Beispiele hierfür sind das einziehbare Kabel des Fußpedals, der feste Steckplatz für die zweite Stichplatte und auch die Möglichkeit den Unterfaden durch die Nadel aufzuspulen. Das Letztere kann meine 4.5 zwar auch. Aber bei der ICON ist gleich beim Einschalten ein Einführungsbereich auf dem Display zu sehen mit Filmen, die die Arbeitsschritte deutlich zeigen und erklären. So kann man die Funktionen seiner Maschine nutzen, die man sonst gar nicht entdeckt oder nach der Ersteinweisung gleich wieder vergessen hätte. Vieles geht so einfacher, schneller und flüssiger von der Hand. Ein „Mehr“ an Nähkomfort durch überlegte Details und geschickte Platzierung des Zubehörs, so wurde der „Nähfußparkplatz“ neu aufgeteilt und man hat den richtigen Nähfuß viel schneller zur Hand.

Wie arbeitet es sich nun mit diesem Schätzchen, braucht man lange um die Bedienung zulernen? Wer ein Tablet benutzt und ein bisschen Freud am rumprobieren hat, der wird diese Maschine schon nach einigen Näheinheiten ganz intuitiv bedienen. Das Menü bietet ein „Mehr“ an Einstellungen und Funktionen, aber diese wollten gelernt werden. Nur so zur Orientierung…meine zehnjährige Tochter hatte nach zwei Minuten die Schmetterlingszierstiche gefunden und sicher auf den Stoff gezaubert.

Das Sticken auf der ICON ist ein Traum für mich, da ich selber Stickdateien erstelle und immer wieder herumprobiere. Sie verzeiht durch ihre Leistungsfähigkeit und verschiedene neue Garnführungsfeatures vieles, setzt neue Grenzen der Machbarkeit. Es geht bei dem Nähfuß los, der einfach ein ganzes Stück höher angehoben werden kann, als bei den älteren Maschinen. Eine Fadenführung, die sich ausfahren lässt, die neue automatische Fadenspannung, die größeren Unterfadenspulen und zu nicht zuletzt die höhere Stickgeschwindigkeit. Einmal habe ich mit dem Schätzchen gestickt und es gab einen Stromausfall, als ich die Maschine wieder startete hatte sie den letzten Stand gespeichert und ich konnte ohne Stress weiter sticken. Für mich sehr wichtig, das Positionieren von Endlosstickereien ist jetzt leichter. Durch eine jetzt deutlichere Nadelpositionierung über das Display. Auch hier eine „Mehr“ an Komfort, wer hier beruflich tätig ist, spart sich Geld und Nerven durch schnelleres Arbeiten. Und ein „Mehr“ an Platz auf dem Rahmen, der Stickrahmen kann imposante 260 mal 360 mm.

Ihr ahnt es schon ich bin verliebt, es ist so als hätte ich einen Maybach bekommen und entdecke jetzt das der sogar Regenschirme in den Seitentüren hat. Diese großartigen kleinen Spielereien, die man vielleicht nicht dringend braucht, aber richtig Laune machen. So etwas wie ein vollautomatischer Nadeleinfädler oder auch die ganze Batterie von Zierstichen die mich stundenlang auf Probestoffen nähen lassen. Bis zu wirklich nützlichen Dingen:

wie dem neuem IDT System das den Oberstoff noch leichter transportiert,

den Sensor der die Stoffe erkennt und so die Power regeln,

der neuen Fadenspannung (ich musste bis jetzt noch nie nachjustieren),

dass „mehr“ an Licht im Nähbereich,

die W-Lan-Anbindung, die mich Stickdateien jetzt kabellos auf die Maschine Daten übertagen lässt,

die Applikation fürs Handy die zeigt daß die Maschine z. B. neuen Unterfaden braucht,

oder der manuelle Geschwindigkeitsregler an der Seite der Maschinen.

Oder, oder, oder

Und je länger ich hier sitze und tippe, des so länger wird die Liste der Pros. Aber auch wichtig, ich möchte erwähnen was mir nicht so gut gefällt, das ist 1. eindeutig die Oberfläche des Displays, die spiegelt viel zu stark, das nervt. 2. Es gibt keine komplette Bedienungsanleitung mehr, das läuft über die internen Filme und Hilfe. Das muss ich erst noch mögen lernen, ich schlage halt gerne mal in Papier nach. Es wird allerdings eine „kleine“  Bedienungsanleitung mitgeliefert. Was ich mir für die Zukunft wünsche? Daß man Maschinen direkt über Rechner und W-Lan ansteuern kann, jetzt läuft der Datenversand noch über eine Internet-Cloud. Eine positive Kleinigkeit noch, diese Maschine hat eine riesen Arbeitsbereich und für mich als Linkshänderin ein Traum, da ich die Näharbeiten ohne stoffstopfende Reue „Linksherum“ in der Maschine vernähen kann.

Als Fazit diese Maschine ist ein Haufen „Mehrs“ für einen zugegebenermaßen Haufen Geld. Aber wer wirklich ernsthaft näht oder gar im Semiprofibereich unterwegs, sollte sich überlegen, ob man am Ende der Rechnung nicht spart... Ich würde die ICON lieber kaufen als jeden Glitzerklunker an Ring oder Kette.

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