Testoffensive: Pfaff Creative Icon – Zwischenbericht von Ingrid Köllmann

Jetzt wird gestickt!

Nachdem ich den ersten Teil mit einer Nähprobe abgeschlossen habe, bin ich für den nächsten Testabschnitt erst einmal zum Sticken übergegangen. Ich möchte in diesem Testzeitraum mit der Icon gerne verschiedene Projekte umsetzen, für die ich zunächst Stickereien benötige.

Deshalb kommen jetzt in diesem 2. Bericht zunächst meine Erfahrungen mit den Stickfunktionen der Pfaff Creative Icon.

Generell ist anzumerken, daß zu einem guten Stickergebnis nicht nur eine gute Maschine gehört. Dem Stoff und dem Stickmotiv angepaßtes Vlies, eine einwandfreie Nadel, eine gesäuberte Maschine und natürlich eine korrekte Einspannung von Vlies und Stoff in den Stickrahmen sind Faktoren, die dafür unerläßlich sind.

Zu den Vliesen gibt es auf der Icon im Hilfebereich einen Ratgeber. Die Informationen dort beziehen sich zwar auf die Marke Inspira. Von anderen Herstellern sind die beschriebenen Vliese aber mehr oder weniger baugleich auch bei uns erhältlich.

Zubehör zum Sticken

Das Standardzubehör der Icon beinhaltet drei Stickrahmen in den Größen 360 x 260 mm, 260 x 200 mm und 120 x 120 mm. Für die beiden größeren Rahmen gibt es zusätzlich die Möglichkeit, die ebenfalls im Zubehör enthaltenen Stickrahmenklammern anzubringen. Sie ermöglichen speziell bei den großen Stickflächen eine bessere Stabilisierung der Vlies- und Stofflage.

Die rechteckigen Rahmen gefallen mir sehr gut. Ich fand, daß sich alle Stoffe sehr gut einspannen ließen und mit wenig „Nachziehen“ korrekt eingespannt waren.

Stickvorgang starten

Wenn man einfach nur ein auf der Maschine gespeichertes Motiv sticken möchte, ist die Vorgangsweise recht einfach. Man lädt sich das entsprechende Muster und wechselt in den Stickvorgang. Es erscheint dann zunächst noch der Menüpunkt –Einstellungen-.

Hier findet man u. A. Optionen für das Fadenschneiden, für das Heften, für die Farbblöcke. Dieser Zwischenschritt gefällt mir sehr gut, da man dadurch wirklich wichtige Einstellungen nicht so leicht übergehen bzw. übersehen kann.

Nach Bestätigung mit OK wird der Stickrahmen eingesetzt, und das Sticken kann losgehen.

Stellt man nun allerdings z. B. fest, daß der eingesetzte Stickrahmen nicht zu den Angaben in der Stickerei paßt (Fehlermeldung!), muß dies im Menupunkt –Stickerei bearbeiten – geändert werden. Dazu muß der bereits eingesetzte Stickrahmen wieder entfernt werden, sonst geht das nicht. Grundsätzlich möchte die Icon bei allen Änderungen am Stickmotiv wieder kalibrieren. Daran muß man sich gewöhnen.

Im Menüpunkt –Stickverlauf- kann man dann den Fortschritt der Stickerei beobachten. Hat man sich mit mySewnet verbunden, sieht man das Gleiche z. B. auch auf dem Tablet. Erst dachte ich, nett, aber nicht wirklich nötig. Doch bei sehr langen Sticksequenzen ist es durchaus praktisch, da man nicht regelmäßig nachschauen muß, wenn man sich in einem anderen Raum aufhalten möchte. MySewnet meldet auch den Unterfadenwächter, Fadenende usw.

Was mir im Menübereich fehlt, sind eine Zusammenfassung über die Stickzeit aller Farben und die Angabe für die gesamte Stickdauer.  Gerade bei aufwändigen Stickereien mit vielen Farbwechseln kann man so schnell den Überblick verlieren.

Auch die Farbblockliste finde ich nicht sehr übersichtlich. Man sieht bei vielen Farben nicht alle auf einem Blick, sondern man muß scrollen. Da in der „Embroidery Collection“ der Icon nicht für alle Stickmotive die Garnfarben angegeben sind, ist es etwas mühsam, sich diese über die Farbliste zusammen suchen zu müssen.

Aber wichtiger als die Menüführung ist natürlich das tatsächliche Stickergebnis.

Die erste Stickprobe

Ich habe mit einem einfachen Stickmotiv von Pfaff angefangen, normales Ausreißvlies genommen und dann einfach losgestickt.

Das Ergebnis hat mir gut gefallen, und es folgten natürlich noch weitere Stickproben, dieses Mal in dem größten Rahmen.

Auch hier stickte die Icon anstandslos alles, was ihr unter die Nadel kam. Es gab kein „Gezicke“ mit Ober- und/oder Unterfaden. Die Maschine macht ihren Job, und sie macht ihn sehr gut.

Sticken mit verschiedenen Garnqualitäten

Bei der folgenden Probe habe ich Stickgarne von 5 verschiedenen Herstellern inklusive einem Metallicgarn benutzt.

Bei dem Metallicgarn wurde die Geschwindigkeit auf ca. 30% reduziert.

Alle Garne wurden anstandslos gestickt. Wurden Garnlagen noch mit einer anderen Farbe überstickt, dann konnte man das natürlich hören, aber es gab keinen Fadenriss.

Sticken auf Korkleder

Kork ist durch die natürliche Stabilität ein wunderbares Material zum Besticken.

Ich habe bei dieser Probe verschiedene Mini-Motive von Pfaff kombiniert. Das ist an der Maschine machbar. Mir wäre hier allerdings die Zusammenstellung mit einer Sticksoftware lieber gewesen.

Bei der Creative 1.5 ist die Premier Intro serienmäßig dabei, da sollte sie eigentlich bei der Icon auch nicht fehlen. Manche Aktionen, speziell bei der Kombination von Stickmustern, lassen sich damit wesentlich komfortabler durchführen.

FSL – Free Standing Lace mit normalem Garn und mit Metallic

Die Ballerinas wurden mit normalem Stickgarn gestickt, als Unterfaden habe ich ein farblich passendes Garn verwendet (Bottom Line 60wt).

Falls jemand sie nachsticken möchte, ist hier der Link dazu: Eine kleine Tänzerin gefällig?

Für die Lace-Sterne habe ich verschiedene Metallicgarne ausprobiert, sie wurden mit reduzierter Geschwindigkeit überwiegend klaglos gestickt. Bei dem goldenen Stern gab es im Mittelbereich einen Fadenriss an der Stelle, an der Stiche aus allen Richtungen immer wieder zusammen trafen. Der grüne Stern wurde mit dem gleichen Garn gestickt, da klappte es interessanterweise problemlos.

Einen gewissen Verbesserungsbedarf gibt es hier noch. Die Fadenspannung ist nicht überall einwandfrei. Aber das ist eine Einstellungssache. Ich war wirklich begeistert, daß die Maschine das schwierige Garn klaglos „abgearbeitet“ hat. Ich benutze zwar normalerweise nur wenig Metallicgarn, da zuviel Glitzer nicht so mein Geschmack ist, aber bei diesen wenigen Versuchen hatte ich in der Vergangenheit mit anderen Maschinen schon viele Probleme, bevor überhaupt ein Ergebnis zu sehen war. Insgesamt war das also eine echt positive Überraschung.

 

Fadenriss / Fadensalat

Bei den FSL-Stickereien ist mir ja zum ersten Mal der Faden gerissen ist. Daher hat sich automatisch die Frage gestellt, wie man die Maschine wieder sauber bekommt. Kleine Fadenreste an der falschen Stelle können schnell zu einem großen Problem werden.

Der Spulenbereich ist einfach zugänglich und leicht zu reinigen. Aber für den oberen Teil der Maschine enthält das Benutzerhandbuch leider keinerlei Hinweise. Eine Rückfrage beim nähPark ergab dann, daß man die vordere Abdeckung teilweise ganz einfach entfernen kann.

Das ist meines Erachtens eine absolut wichtige Information, die in der Maschinenbeschreibung bzw. im Wartungsteil ergänzt werden sollte.

 

Sticken auf Frottee

Nicht jede Stickerei sieht auf jedem Material gleich gut aus. Speziell bei Frottee-Stoffen ist eine zusätzliche Stabilisation von oben enorm wichtig, damit die Stickerei hinterher deutlich und sauber zu sehen ist.

Bei dem nachfolgenden Beispiel habe ich daher oben zwei Lagen Soluvlies benutzt, damit hat alles gut geklappt. Die Schrift habe ich im zweiten Versuch in „Block“ geändert. „Curlz“ gefiel mir eigentlich besser, es war aber zu filigran und ist trotz Vlies bei der ersten Probe eingesunken.

Anwendung des Shape Creator mit Zierstichen

 

Es wurden die Stiche 5 und 6 aus der Gruppe „2-dimensionale Multicolor-Stiche“ verwendet. Auch hier wurde für den unteren Zierstich problemlos Metallicgarn verstickt.

Der Shape Creator hat eindeutig einen Suchtfaktor. Wenn man die Abläufe verstanden hat, macht es riesigen Spaß, mit Zierstichen aus dem Nähbereich und/oder Stickereien immer wieder Neues auszuprobieren.

Allerdings sind die Abläufe zur Gestaltung etwas gewöhnungsbedürftig. Man muß konsequent in der richtigen Reihenfolge arbeiten, damit alles so funktioniert, wie man es gerne möchte. Und diese Reihenfolge ist nicht unbedingt intuitiv erkennbar. Dafür wäre ein spezielles Tutorial sicher angebracht. Aber  wenn man einige „Shapes“ zusammen gestellt hat, dann ist einem das Prinzip schnell klar.

Hier habe ich auch zum ersten Mal meinen eigenen Soft Touch Pen benutzt.

Bei der Icon ist ja kein Stylus dabei, man soll, wie bei Smartphone und Tablet, alles mit dem Finger machen. Auf einen Stylus reagiert das Display auch nicht mehr. Aber mit dem Touch Pen funktioniert es sehr gut. Damit läßt sich auf dem Display wesentlich exakter arbeiten. Es gibt zu diesem Zweck aber auch noch das „Rädchen“ für die Feinabstimmung.

 

Ein „Mandala“ mit dem Shape Creator

Hier habe ich mit Stickmotiven gespielt, den Kreis nicht immer komplett ausgefüllt, sondern andere Motive dazwischen plaziert. Insgesamt sind es 5 verschiedene Stickmotive.

Anwendung des Applique Creator

Ein Stickbeispiel mit dem Applique Creator darf natürlich auch nicht fehlen. Die auf der Maschine gespeicherten Applikationsmotive sind einfache Grundformen, die man aber auch beliebig verändern kann.

Möchte man verschiedene Applikationsmotive in einer Stickerei kombinieren, so muß man jedes Motiv separat gestalten und dann im Stickbereich zusammen führen.

Ich habe im ersten Versuch einen Buchstaben in der Originalform mit einem kleinen passenden Stickmotiv kombiniert. Ganz ideal war dies nicht, da es dadurch Überlappungen gab, die man direkt an der Maschine nicht entfernen kann. Doch die Icon hat zwar etwas lauter, aber ohne Murren mehrfach darüber gestickt. Unter dem Ball kann man aber deutlich den Satinrand des Buchstabens erkennen.

Die zweite Probe habe ich mit Jerseystoff gemacht. Darauf kamen zwei Applikationen und in die Mitte ein kleines Stickmotiv.

Für die Applikationsumrandungen gibt es 20 Autofill-Stiche. Einen davon habe ich für die zweite Probe genommen. Außerdem kann man unter den Zierstichen der Maschine auswählen oder kleine Stickmotive für die Umrandung verwenden.

Auch im Appliqué-Creator sind die Abläufe etwas gewöhnungsbedürftig. Doch es macht richtig Spaß, wenn man den Bogen erst einmal heraus hat.

 

Zusammenfassung

Ich habe bei diesen Stickproben durchgängig die „Active Stitch Control“ eingeschaltet gelassen und auch die Fadenzuteilung nicht verändert. Einfach, um zu sehen, wie die Maschine arbeitet, ohne daß ich selbst eingreife. Das Stickergebnis war überwiegend sehr schön, alle Stoffe ließen sich sauber einspannen, und ich hatte kaum Verzug nach dem Sticken. Diese ersten Versuche mit der Creative Icon haben mich beim Sticken für den Privatgebrauch daher voll überzeugt.

Die Menüführung im Stickbereich ist etwas gewöhnungsbedürftig, und das wiederkehrende Kalibrieren auch nervig. Aber das sind Dinge, an die ich mich recht schnell gewöhnt habe.

Ganz toll finde ich die Möglichkeit, alle Zierstiche auch im Stickmodus verwenden zu können. Zusammen mit dem Shape- und dem Applique-Creator bieten sich dadurch unendlich viele kreative Möglichkeiten.

Leise ist die Maschine beim Sticken nicht, allerdings war es eine für mich „normale“ Sticklautstärke. Leisere Stickmaschinen habe ich bis jetzt noch nicht erlebt.

Wünschen würde ich mir als Ergänzung:

  • eine Zusammenfassung der Stickzeiten für alle Stickfarben (alle Farben und Zeiten zusammen auf einem Blick z. B. auf der Farbblockliste).
  • eine Anzeige der Gesamtstickdauer  
  • alle Stickdateien auf der Cloud für die eventuelle Bearbeitung mit einer Software
  • und somit auch die Farblisten auf der Cloud für alle gespeicherten Stickdateien
  • als Ergänzung die Premier Intro Basis-Software von Pfaff
  • und als weiteres Zubehör einen Soft Touch Pen 😉

Für den 3. und letzten Bericht zur „Pfaff Creative Icon“ möchte ich nun im Nähbereich möglichst viele meiner Stickproben weiterverarbeiten. Auch dort gibt es noch diverse Spezialitäten, die ich gerne ausprobieren möchte.

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