Tutorial von Igelnaht: Binding eines Quilts mit einer Paspel

Jetzt folgt die Fortsetzung zum Tutorial für das Quilt-Top. Chrissie von Igelnaht zeigt uns hier, wie sie ihre Quilts einfasst. Das Top hat sie inzwischen reichlich verziert und nun wird es mit einem wunderschönen Bindig versehen. Die Details finden Sie im Abschlussbericht zur PFAFF Creative Icon.

In dieser Anleitung wird die Vorgehensweise mit  Paspel erklärt.

Tutorial

Material

Verwendete Näh-/Stickmaschinen
PFAFF Creative Icon
Janome 9400 QCP

Vorbereitung des Quilt-Tops

Ist das Quilt-Top fertig genäht (und in meinem Fall noch mit Stickereien und Bänderzierstichen mit der PFAFF Creative Icon verziert), werden auf der Rückseite die störenden Fäden entfernt. Das macht vor allem dann Sinn, wenn sehr helle und dunkle Stoffe verwendet werden. Sind alle drei Lagen (Top, Vlies und Rückseite) nämlich fertig gequiltet, lassen sich diese abstehenden Fäden nicht mehr entfernen. Dann wären die dunklen Fäden zumindest in den hellen Bereichen auf der Vorderseite deutlich sichtbar (siehe bei der Spitze der Schere), und das möchte ich auf jeden Fall vermeiden.

"Quilt-Sandwich" - drei Lagen

Sind die überstehenden Fäden säuberlich entfernt, wird jetzt das Quilt-Sandwich zusammengefügt. Doch wie macht man so etwas allein, wenn der Quilt sehr groß ist? Ich bestimme die Mitte des Tisches und klebe dann einen kleinen Abstandhalter auf (Scrapbook-Material). Danach wird der Stoff für die Rückseite einmal in die Länge und dann in die Breite gelegt und der Mittelpunkt des gefalteten Stoffstücks am Distanzhalter auf dem Tisch ausgerichtet. (Achtung: die schöne Seite des Stoffes für die Rückseite kommt auf den Tisch zu liegen!) So lässt sich dann im Anschluss auch ein großes Stück Stoff mühelos auseinanderfalten und schön glattstreichen. Genauso verfährt man mit dem Vlies und dem Quilt-Top. (Auch wenn jetzt einige aufschreien werden: Ja ich bügle das Vlies vor dem Zusammenfügen des Quilt-Sandwichs, da ich fast immer 100% Baumwoll-Vlies verwende.)

Ist das geschafft, können die Lagen mit Quilter-Sicherheitsnadeln fixiert werden. Die speziellen Quilter-Sicherheitsnadeln sind leicht gebogen und können so leichter angebracht werden als die ganz geraden.

Ist das Quilt-Sandwich grösser als ein Babyquilt ist es ratsam, die drei Lagen mit großen Klammern aus dem Baumarkt rund um die Tischkanten zu fixieren bevor die Sicherheitsnadeln angebracht werden. Zusätzlich kann auch Krepp-Klebeband verwendet werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Lagen nicht zu fest gespannt werden. Sind Sicherheitsnadeln auf der ganzen Tischlänge- und breite angebracht kann das Quilt-Sandwich nach rechts und links geschoben werden um auch noch die restlichen Flächen zu fixieren, wenn der Tisch nicht ausreichend groß ist. Wahlweise können die Lagen natürlich auch mit Klebespray fixiert werden. Das würde ich persönlich aber nur für kleinere Stoff-Stücke empfehlen da ich damit keine sehr guten Erfahrungen gemacht habe. Zu guter Letzt bleibt auch noch die Möglichkeit des Heftens von Hand, meine liebste Variante. Es ist natürlich zeitaufwändiger aber dafür verrutscht absolut gar nichts und man hat kein zusätzliches Gewicht beim anschließenden Quilten wie mit den Sicherheitsnadeln.

Ein Tipp: Verwendet man dafür den wasserlöslichen Heftfaden kann der Quilt zum Schluss nur gewaschen werden und das mühsame Entfernen vom Heftfaden entfällt.

Vorbereitung des Stoffstreifens für die Einfassung

Vor dem Annähen der Einfassung und der Paspel wird ein genügend langer Stoffstreifen hergestellt. Da die Einfassung in meinem Fall keine Rundungen aufweist, muss der Stoff nicht zwingend im 45 Grad-Winkel zugeschnitten werden.

In der Regel schneide ich die Stoffstreifen 2.5" (6.35 cm) breit zu. Entscheidet man sich für die Variante mit der Paspel muss daran gedacht werden, dass dafür mehr Stoff notwendig ist, weil die Kante, über welche die Einfassung geschlagen wird breiter ist.

Für die Berechnung der Länge der Einfassung messe ich den Quilt aus (2*Länge + 2*Breite) und füge sicherheitshalber einen, manchmal auch zwei Stoff-Streifen mehr hinzu so habe ich immer ausreichend Spielraum.

Die Streifen werden alle in die Hälfte gebügelt und im 45 Grad-Winkel zusammengenäht. Dabei schaut beim Streifen, den ich von links an den Nähfuß lege die gebügelte Kante nach oben. Den nächsten Streifen lege ich vertikal darauf mit der gebügelten Kante nach unten.

Dann werden die beiden Streifen immer von der oberen linken Ecke bis in die untere rechte Ecke mit einem Geradstich abgesteppt.

Hat man exakt genäht, treffen die gebügelten Kanten aufeinander.

Zum Schluss wird der Stoff auf ¼" (0.635 cm) Nahtzugabe zurückgeschnitten. Wer eine Zickzackschere besitzt darf diese gerne benutzen. Die Nahtzugaben drücke ich dann gerne mit dem Daumen auseinander (finger pressing) und bügle die zusammengesetzten Stellen noch einmal vor dem Annähen.

Die Paspel

Die Paspel kann selbst hergestellt werden oder man kann sie fertig kaufen. Der Vorteil bei der eigenen gefertigten Paspel liegt auf der Hand: Der Farbton, bzw. das Farbmuster passt genau und die mühselige Suche nach dem geeigneten Farbton entfällt. Zudem kann auch bestimmt werden wie dick die Paspel sein soll. Das hängt vom Durchmesser der Kordel ab, für die man sich entscheidet.

Für die Paspel wird ein Stoffstreifen zugeschnitten und in die Hälfte gebügelt. Danach lege ich eine dünne Kordel hinein und nähe den Stoffstreifen so eng wie möglich an der Kordel entlang zusammen. Es ist ratsam zum Anfang einen kleinen Knopf in die Kordel zu machen, nicht dass sie in den Stoffstreifen hineinrutscht während des Nähens. Es gibt natürlich viele Tricks und Möglichkeiten, welchen Nähfuß man dafür verwenden kann. Der Reißverschluss-Fuß funktioniert auch ganz gut. Für mich hat diese Konstruktion jedoch am besten funktioniert: Durch die Führung des "5M-Manueller Knopflochfuss" der PFAFF Creative Icon und dem Post-it-Block hielt alles bombenfest und es ist nichts verrutscht. Ein äußerst akkurates Nähen war somit möglich.

Tipp: Es kann natürlich auch eine "falsche" Paspel (das heißt ein Stoffstreifen ohne Kordel, "flange binding") verwendet werden. Ebenfalls ein sehr schönes zusätzliches Zierelement mit etwas weniger Aufwand.

Achtung: Die Paspel wird auf der Vorderseite des Quilts angenäht. Dabei wird genau eine Garnbreite näher zu der Kordel hin genäht.

Diese Aufgabe hat meine JANOME 9400 QCP mit dem offenen Applikationsfuss perfekt gemeistert.

In den Ecken wird weitergenäht und die Paspel-Enden kreuzen sich für einen schönen Abschluss.

Der überstehende Stoff des Quilts wird nun auf die Breite der Paspel zurückgeschnitten.

Annähen des Bindings

Die vorbereiteten Stoffstreifen werden auf die Vorderseite gelegt und von der Rückseite her angenäht. Die gefaltete Kante des Stoffstreifens zeigt in Richtung des Quilts und die offenen Enden liegen dabei rechts vom Nähfuß bündig mit der bereits zugeschnittenen Kante des Quilts.

Es wird exakt auf der Naht genäht, mit der die Paspel befestigt wurde.

Die Ecken

Diese Bilder zeigen einen Quilt ohne Paspel, die Vorgehensweise ist jedoch die gleiche.

Bei den Ecken wird bis ¼" Nahtzugabe vor das Ende und dann im 45-Grad Winkel in die Ecke hinein genäht.

Dann wird der Einfassungsstreifen einmal nach oben und anschließend nach unten geklappt.

Anschließend wird der umgelegte Streifen mit ¼" Nahtzugabe festgenäht.

Zusammenfügen des Streifens nach dem Annähen an den Quilt

Wichtig ist es, genügend Platz zu lassen für das Zusammenfügen der Streifen ganz zum Schluss.

Die Streifen werden übereinandergelegt. Und jetzt kommt der Trick dabei: Die Streifenenden müssen sich genau so viel überlappen wie der Stoffstreifen breit ist (plus gewünschte Nahtzugabe).

Anschließend werden die Stoffstreifen zum Zusammennähen wieder genauso aufeinandergelegt wie bereits erklärt. Dabei zeigt der Quilt gegen mich, die Einfassung zeigt von mir weg.

Hält man sich an diese Regel erzielt man so einen perfekten Abschluss und das jedes Mal ganz egal wie breit der Streifen ist!

Doch wie funktioniert das jetzt mit diesen Ecken?

Der überlappende Stoff wird aufgeklappt und über die Ecken gestülpt. Auf der Rückseite gibt es eine kleine Erhöhung, die man mit den Fingern gut spürt. Die Ecken auf der Rückseite werden somit in die Gegenrichtung gelegt um zu verhindern, dass es keine dicken Knubbel gibt.

Dabei treffen sich die Ränder im 45-Grad-Winkel und bilden eine perfekte Ecke, das heißt, sie müssen gleich breit sein. Das kann aber auch noch etwas angepasst werden je nachdem wie enganliegend der Stoff in die Ecke gefaltet wird.

Rückseite von Hand annähen

Zum Schluss wird die Kante mit Überwendlingsstichen angenäht. Leicht schräg, so dass am Schluss keinerlei Stiche mehr sichtbar sind. Für das Annähen des Stoffstreifens wählt man eine Garn-Farbe im Ton des "Bindings". So stellt man sicher, dass die Stiche tatsächlich unsichtbar scheinen und mit der Farbe des Stoffes gänzlich "verschmelzen" (blending).

Ich verwende gerne Wonder Clips um den Rand vor dem Annähen zu fixieren.

Die Ecken werden mit demselben Stich genäht, zum Schluss stecke ich die Nadel noch einmal ganz durch die Ecken hindurch damit sie gesichert sind und nicht aufklappen.

Und so sehen die Ecken mit der Paspel nach der Fertigstellung bzw. des Annähens der Rückseite von Hand aus:

Und fertig ist der bestickte Quilt, welcher übrigens bereits verschenkt wurde. Das Neugeborene freut sich täglich über die vielen diversen Muster und erforscht mit den kleinen Fingerchen die faszinierenden Strukturen der Stickereien.

Danke an Chrissie von Igelnaht für das tolle Tutorial!

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