Brennprobe Stoffe

Bara Studio: Stoffzusammensetzung mittels Brennprobe bestimmen

Interessiert es dich auch brennend, aus welchem Material dein Stoff besteht? Gerade wenn man Stoffe als Meterware kauft und vergessen hat auf das Stoffetikett zu schauen oder der Stoff einfach schon länger im Regal liegt, weiß man oft nicht mehr, aus welchem Material er hergestellt wurde. Vielleicht möchtest du aber auch einfach überprüfen, ob die Herstellerangaben wirklich korrekt sind. Zu wissen, aus welchem Faserrohstoff dein Stoff hergestellt wurde, kann dir schließlich sehr viel über die Eigenschaften und Pflege deines Stoffes verraten. Aber es macht natürlich auch preislich einen Unterschied, ob dein flauschiger Stoff zum Beispiel aus Wolle oder aus Polyacryl besteht.

Ein Glück also, dass wir die „zündende“ Idee für dich haben: Probier doch mal eine Brennprobe! Mit unserem Tutorial wirst auch du ganz einfach zum Stoff-Experten!

Was kann uns eine Brennprobe verraten?

Im Rahmen dieser Frage lohnt es sich, die verschiedenen Faserstoffe genauer anzuschauen:

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Fasern: Die Naturfasern und die Chemiefasern. Diese großen Hauptgruppen lassen sich wiederum unterteilen. Wie in der Übersicht zu sehen, gehören zu den Naturfasern einerseits die Pflanzenfasern, wie z.B. Baumwolle, Leinen oder Hanf und die tierischen Fasern, wie Wolle und Seide. Tatsächlich gibt es aber auch Chemiefasern, die aus Pflanzen hergestellt werden, wie beispielsweise Viskose, Modal oder Lyocell (auch bekannt als Tencel). Diese nennt man zellulosische Chemiefasern, da ihr Ausgangsstoff aus Holz oder Bambus gewonnene Zellulose ist. Aber es gibt auch die synthetischen Chemiefasern, die aus Erdöl gewonnen werden, z.B. Polyester, Polyacryl, Polyamid (eher bekannt unter dem Markennamen Nylon) oder Elastan.

Wollen wir nun wissen, aus welchen Fasern unser Stoff hergestellt wurde, können wir mittels der Brennprobe herausfinden, ob der Stoff aus Pflanzenfasern, tierischen Fasern, zellulosischen oder synthetischen Chemiefasern besteht. Die Flamme, die Verbrennung, der Geruch und der Rückstand sind hierbei entscheidend.

Klingt ja super einfach? Leider nicht ganz. Bei Mischgeweben, die nicht zu 100% aus ein und denselben Fasern hergestellt wurden, ist es schwierig, die einzelnen Elemente zu unterscheiden. Das gleiche gilt, wenn der Stoff irgendwelche Veredelungsprozesse durchlaufen hat.

Aber nun genug der Theorie, wir wollen ja schließlich nicht den Faden verlieren: Jetzt geht es los!

Sicherheitsmaßnahmen

Da wir mit Feuer arbeiten, ein paar Sicherheitshinweise zuvor:

  • Überprüfe deine Umgebung und stelle sicher, dass sich nichts Entzündliches in deiner Nähe befindet. Pass auch auf deine Haare und deine Kleidung auf!
  • Gerade synthetische Chemiefasern wie Polyester oder Polyacryl könnten beim Verbrennen tropfen, daher solltest du die Brennprobe am besten auf einer feuerfesten Oberfläche oder Unterlage durchführen.
  • Führe den Test in einer zugfreien Umgebung durch, um die Flamme unter Kontrolle halten zu können.

1. Schritt


Als Erstes ziehst du dir einen Faden aus deinem Stoff/-muster. Bei Webwaren kann der Kettfaden und der Schussfaden aus verschiedenen Rohstoffen sein, daher überprüfe am besten beide Fäden.

2. Schritt


Halte das eine Ende des Fadens mit einer Pinzette fest und zünde das andere Ende vorsichtig mit einem Feuerzeug an. (Bewege die Flamme langsam auf den Faden zu) Beobachte genau die Reaktion der Faser und der Flamme. Nach Erlöschen der Flamme kannst du an dem verbrannten Faden riechen und dir die Rückstände anschauen. Du kannst auch versuchen, ob du den Rückstand zwischen den Finger zerreiben kannst.

In den folgenden Bildern siehst du den unterschiedlichen Rückstand von Natur- und Chemiefasern:

Pflanzenfaser/ zellulosische Chemiefaser

Tierische Faser

Synthetische Chemiefaser

Auswertung der Ergebnisse

Aber was heißt denn nun was?

  • Pflanzliche Naturfasern und zellulosische Chemiefasern (außer Acetat) verhalten sich bei der Brennprobe gleich, da sie ja – wie wir nun wissen – auf dem gleichen Rohstoff, nämlich Zellulose basieren. Die Fasern sind im Allgemeinen leicht entflammbar. Die Flamme leuchtet hell auf und glüht nach Erlöschen der Flamme noch nach. Bei beiden Fasern riecht es nach verbranntem Papier und es bleibt eine hellgraue Asche übrig, die leicht verfliegt.
    (Wenn du also noch herausfinden willst, ob es sich bei deinem Stoff beispielsweise um Baumwolle oder Viskose handelt, kannst du dich an der Haptik orientieren und/oder eine sog. Nassreißprobe machen. Stoffe aus Pflanzenfasern sind fester und haben mehr Stand, während zellulosische Chemiefasern einen fließenden Charakter haben. Nimm dir einen weiteren Faden aus deinem Stoff, mache ihn nass und teste, wie leicht du ihn zerreißen kannst. Baumwolle, Leinen oder Hanf reißen nur sehr schwer im nassen Zustand, während Viskose oder Modal viel leichter und schneller reißen.)
  • Tierische Naturfasern basieren auf Eiweiß, daher riecht die Brennprobe auch nach verbranntem Haar. Die Faser brennt nur langsam mit brodelnder Flamme und der Rückstand kann leicht zerrieben werden.
  • Chemiefasern müsstest du sofort erkennen, denn sie schmelzen mehr als dass sie brennen und schrumpfen zusammen. Übrig bleiben ein unangenehmer, beißender Geruch und ein harter Rückstand, der nicht zerrieben werden kann.

Damit du deine Brennprobe einfach und schnell auswerten kannst, haben wir hier nochmal eine Tabelle mit allen wesentlichen Fasern und den jeweiligen Ergebnissen im Überblick:

Vielen Dank an Bara Studio für dieses hilfreiche Tutorial!

3 Antworten auf „Bara Studio: Stoffzusammensetzung mittels Brennprobe bestimmen“

Wie finde ich denn heraus, ob ein Stoff aus Baumwolle oder Viscose ist?Viscose wird Zellulose doch erst durch einen chemischen Prozess…kann man das an der Flamme erkennen?

Hallo Be Sax,
diesen Unterschied kann man leider mit einer Brennprobe nicht herausfinden. Dafür müsste man entweder eine mikroskopische Untersuchung machen oder eine Analyse mit Lösungsmitteln durchführen.
Liebe Grüße
Christina

Es sind diese Art von Tips die eure Seite für mich so wertvoll macht, manches weiß man eigentlich, hat es aber nicht mehr auf dem Schirm und wird von euren findigen Mitarbeitern „abgeholt“. Gerne mehr davon, meinen Arbeitsalltag erleichtert es.

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