Im Test bei Tanja Stürmer: HUSQVARNA VIKING Brilliance 75Q – Abschlussbericht

Nun geht die Brilliance 75Q auch schon wieder zurück. Hat sich meine Einstellung zu Husqvarna Viking geändert? Ich denke nicht. Es gibt tolle Funktionen, aber für meine persönlichen Nähvorlieben ist Husqvarna einfach nicht mehr die ideale Lösung.

Aber jetzt erst mal zu dem im Ersten Eindruck angekündigtem Projekt:

Ich habe eine Staubschutzhülle für den SDX1200 gefertigt. Gefertigt, nicht nur genäht. Denn daran war der Plotter beteiligt, es wurde gezeichnet, gequiltet und genäht mit drei verschiedenen Maschinen. Das Steinmuster und die geraden Linien hab ich ganz normal mit der Brilliance nachgenäht, ohne OTF, trotz Quiltsandwich mit Style-Vil. Der Kreis und das Logo wurden dann mit einem Satinstich nachgenäht, auch hier hat sie optimal transportiert.

Auch der Schriftzug wurde mit der Brilliance nachgenäht. Ich habe den OTF bis jetzt nicht vermisst.

Dann habe ich mich intensiv mit den Zierstichen beschäftigt:

Paillettenstiche

Um die exklusiven Stichtechniken kommt man bei Husqvarna ja nicht rum. Die Applistiche hab ich im Ersten Eindruck schon gezeigt, hier kommen noch die Paillettenstiche. Davon bietet die Brilliance sechs verschiedene zur Auswahl, teils sogar mit Seitwärtstransport. Die Pailletten mit Metallicgarn anzunähen, war überhaupt kein Problem, man muss nur die Oberfadenspannung senken.

Ungünstig dabei ist allerdings die Tatsache, dass beim Wechsel eines Stiches immer alle Einstellungen zurückgesetzt werden. Hier hätte ich mir einen temporären Speicher gewünscht. Zumal ich wegen des Kunstleders auch immer den Nähfußdruck gesenkt habe und den einzustellen bedarf schon einiger Wechsel im Menü.

Pop-Up-Stiche

Auch ne süsse Idee, die Pop-Up-Stiche. Hier kombiniert mit Applikationsstichen. Wer keine Stichmaschine hat oder will, kann damit auch mal tolle Akzente setzen.

Zwillingsnadel

Das sind nur normale Zierstiche. Davon hat sie ja auch genug. Aber ich hab sie mit der Zwillingsnadel genäht, das gab einen schönen Effekt. Daraus hab ich eine Andiamo Bag genäht.

Kreisnäher

Der Kreisnäher ist optional, aber ich wollte noch mehr Zierstiche ausprobieren und immer nur geradeaus war mir zu langweilig. Ich muss sagen, das macht echt Spaß! So ist ein ganzer Schwung Untersetzer entstanden. Man muss aber aufpassen, dass man keine Stiche mit Seitwärtstransport erwischt, das geht ja nicht wegen der Befestigung. Leider sind diese Stiche nicht gekennzeichnet, man muss also immer nach der Auswahl in die Einstellungen des Stiches und schauen, ob er breiter als 7 mm angezeigt wird.

Noch was zur allgemeinen Funktion

Dieser Knubbel hat mich mehrmals geärgert. In dieser Abstreifbürste sammelte sich immer wieder ein Knubbel um den Faden herum an. Ab einer bestimmten Größe kam er dann mit nach unten und blieb dann natürlich im Öhr hängen. Um den Knubbel zu entfernen, musste ich den Faden abschneiden, abzupfen vom Faden war nicht möglich. Ich finde es ja gut, dass das Garn quasi „gereinigt“ wird, aber das kann man sicher auch anders lösen.

Sie sieht die Spule aus, wenn der Unterfadenwächter anspringt. Da kann man locker noch die Naht zu Ende nähen. Das gefällt mir, aber wenn man einfach weiter näht und die Meldung nicht wegdrückt, kann es doch passieren, dass man ins Leere näht.

Spulen durch die Nadel ist wirklich praktisch. Ich spule nie während des Nähens, und so muss ich nicht alles ausfädeln.

Genähte Kleidung

Mit der Brilliance hab ich vier Kleidungststücke genäht. Einen Mantel nach einem Burda-Schnitt, mit einem atmungsaktivem Futter, das dazu noch mit Volumenvlies abgesteppt wurde. Eine Cheyenne-Bluse aus Viskose mit Elasthan (leider noch kein Bild) und eine Willamette Bluse aus feiner Viskose-Webware. Und aus einem schönen Flanell von Robert Kaufmann entstand ein Blazer Sable, davon hab ich im Ersten Eindruck ja schon berichtet. Die Brilliance hat alles anstandslos und fehlerfrei genäht, nur beim Versäubern mit dem Nähfuß J gab es mal Probleme. Beim dreigeteilten Zickzack (Auswahl über den Nähberater, der gab auch den Fuß J an), traf die Nadel mehrmals auf den kleinen Steg. Passiert ist nichts, aber man hat gehört, wie die Nadel auf das Metall traf.

Mein Fazit:

Irgendwie war es mit der Brilliance 75Q wie eine Rückkehr zu meinen Anfängen. Vieles war mir vertraut und hat daher schnell funktioniert und ich habe mich gut zurecht gefunden. Zierstichmäßig bietet die Brilliance wirklich viel Auswahl schon mit ihrer Grundausstattung, das Zirkellineal hat die Möglichkeiten noch enorm vervielfältigt. Das Maschinendesign gefällt mir gut, wie bei den meisten Husqvarnas. Was mir aber inzwischen wirklich fehlt, ist der Kniehebel. Aber da hat ja jeder so seine Vorlieben.

Alles in allem braucht die Brilliance das Q nicht. Für ambitionierte Quilter gibt es andere Modelle. Aber wer gerne Bekleidung näht, vor allem feine Webwaren, der wird an der Brilliance seine Freude haben. Nach wie vor finde ich, dass keine Maschine mit feinen Stoffen so gut zurecht kommt wie eine Husqvarna. Selbst bei 7 mm Stichbreite schaffen sie es trotzdem, auch ganz knapp an der Kante keinen Stoff ins Stichloch zu drücken (landläufig als „Stofffressen“ bezeichnet). Das wird mir dann doch fehlen.

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