Im Test bei Tanja Stürmer: JUKI MCS-1800 Kirei Cov – Abschlussbericht

Nach den ersten Versuchen mit relativ einfachen Nähten sollte es etwas anspruchsvoller werden (HIER gehts zum Ersten Eindruck).

Daher machte ich mich an ein Set aus einer der Ottobre 3/19 für meine Nichte in Gr. 122. Was wurde mit der Cover gemacht?

Die Schulternähte sind mit Bulky lock von links gecovert. Dabei hatte ich uni in den Nadeln, Multicolor im Greifer.

Die Ärmelsäume sind auch von links gecovert, über einem Jerseystreifen, den ich vorher mit dem Ruffler an der Nähmaschine vorgefertigt hatte. Auch der Rocksaum ist von links gecovert.

Das Gummiband habe ich erst mit der Bernina L460 angenäht, nach innen umgeschlagen und dann von rechts mit der Juki mit zwei Nadeln abgesteppt. Das Nähen auf Gummi war kein Problem, selbst mit 80er Nadeln nicht.

Eigentlich wollte ich hier mit dem Bandeinfasser arbeiten, aber die Post war etwas zu langsam. Also hier nochmal die selbe Einfassung wie im Ersten Eindruck, einen Streifen mit der Ovi annähen, nach innen umschlagen und von rechts mit der Cover absteppen. Der Stoff hat nur noch gereicht, um im Fadenlauf zuzuschneiden, daher sind die Stiche im Stoff versunken. Mich stört das in diesem Fall nicht.

Was mich aber schon an der Juki stört, ist die Position des Nähfußlifters. Eigentlich ist er ja da, wo man es gewöhnt ist. Aber ich eben nicht mehr. Meine Nähmaschine und meine Overlock haben beide einen Kniehebel. Und meine eigene Cover hat den Nähfußhebel rechts außen. Das war auch zuerst ungewohnt, aber man gewöhnt sich so schnell daran. Die Umstellung „zurück“ ist für mich viel schlimmer.

Montage von anderem Zubehör

Auf den mitgelieferten Säumer komme ich später zu sprechen. Ich wollte an der Juki erst mal mein eigenes Zubehörsortiment testen. Aber das war nicht so einfach.

Den Einfasser „raw“ konnte ich noch ganz gut montieren und er hat wie immer seinen Dienst getan. Wie schon erwähnt, hat die Juki keinerlei Probleme mit Gummi. Dieses Teil nutze ich gerne zum Nähen von Slips.

Meine Bandeinfasser konnte ich aber erst erfolgreich nutzen, als ich mir eine Montageplatte besorgt hatte. Ich mag diese Einfasser lieber, da man hier die Stärke des Umschlag einstellen kann. Bei den originalen von Juki geht das leider nicht. Dafür kann man die aber auch direkt an der Maschine montieren.

Ich bin immer wieder fasziniert, wie gut der Ausgleichsfuß ein Band führt. So kann ich es verschmerzen, dass er nicht durchsichtig ist.

Nach ein paar Tests hab ich mich dann ans Einfassen gemacht:

Das ist das Top vom Schnitt Malotty von Kibadoo mit hinzugefügter Knopfleiste. Das hab ich dann auch noch in weiß genäht:

Am Rücken habe ich mit der Hohlsaumvorrichtung der Nähmaschine eine Verbindungsnaht gesetzt, auch diese wurde von der Juki mit dem Einfasser perfekt versäubert.

Und auch mit dem breiteren Einfasser näht die Juki anstandslos. Selbst der gekräuselte Einsatz stört sie nicht:

Hier der Einfach-um in 38 mm Ausgangsbreite. Der Streifen ist Interlockjersey, der Stoff normaler Jersey. Den Streifen hab ich mit dem Kräuselfuß an der Nähmaschine gekräuselt und auf das Vorderteil geheftet, beides mit auswaschbarem Nähgarn. So ist das Nachthemd nach dem Waschen wieder dehnbar. Um die 15 cm an den Trägern genau einzuhalten, hab ich mir passende Streifen aus Avalon geschnitten.

Als Garn habe ich Bulky Lock No. 80 verwendet, auch beim Saum. Allerdings muss ich sagen, dass man bei der Juki im Gegensatz zu meiner Brother bei Bulky Lock etwas länger braucht, bis man die richtigen Einstellungen hat. Die Rückseite der Naht gefällt mir hier nicht so, aber ich bekomm es nicht anders hin. Liegt wohl an der Konstruktion des Greifers.

Grad im Kindermodus, kam gleich noch ein Shirt dazu.

Eigentlich was ganz schlichtes, ein bisschen Säumen, ein bisschen Einfassen. Klappte alles anstandslos.

Probleme hat mir dagegen die mitgelieferte Saumführung bereitet. Auch wenn ich das ungern sage, aber ich kanns einfach nicht. Egal, wie ich sie anschraube, welcher Stoff und wie ich ihn führe, mehr als 10 cm ordentlichen Saum pro Versuch bekomm ich nicht hin. Und wenn die Stoffkante erwischt wird, hab ich Wellen im Saum, weil eine Lage schneller transportiert wird als die andere. Nähe ich genau den gleichen Saum mit umgebügelter Kante, verzieht sich nichts.

Ich gestehe, nach einer halben Stunde hatte ich einfach keine Lust mehr. Da bin ich mit bügeln und stecken schneller und freier.

Die Juki und unterschiedliche Materialien und Garne

Mit Viskosejersey hatte die Juki keine Probleme.

Hier habe ich einen meiner Lieblingsschnitte genäht, aus der Burda 9/11. Besteht nur aus VT und RT mit angeschnittenen Ärmeln. 
Den Saum habe ich wieder mit der bereits im Ersten Eindruck gezeigten Technik gemacht. Als Garn wurde normales Nähgarn verwendet, weil ich kein grünes Overlockgarn besitze. Lief ohne Probleme.

Zum Schluss gabs noch ein bisschen was spezielles, eine Jeans. Eigentlich cover ich nicht an Jeans. Die werden bei mir ganz klassisch mit der Nähmaschine genäht und nur die Versäuberung macht zum Teil die Ovi. Aber hier hatte ich einen ziemlich weichen Jeansstoff (beim Tragen eigentlich schon fast zu weich, halt nicht das typische Jeansgefühl). Daher wurde hier mit der Cover genäht.

Für den richtigen Look habe ich mit Gütermann Denim No. 50 gearbeitet, in der Nähmaschine und auch in der Juki Cover. Als Greiferfaden kam Bulky Lock in der passenden Farbe zum Einsatz.

Die Beininnennaht. Hier hat sich mal wieder der Vorteil der Fußkonstruktion gezeigt.
Die Teile habe ich vorher mit der Overlock zusammengenäht und da drüber gecovert, hat alles prima geklappt. Natürlich wird die Nahtzugabe vorher zur Seite gebügelt, ist doch klar, oder?

Auch die Tascheneingriffe sind mit der Juki genäht. Hier wurden 90er Stretchnadeln verwendet. Das Denim No. 50 lässt sich mit einem normalen Nadelöhr prima verarbeiten.
So sehen die Tascheneingriffe dann von innen aus.

Ach die Quernähte am Hinterteil sind gecovert, da hat es allerdings an der Kreuzung eine Nadelfadenschlaufe gezogen. Diese habe ich einfach verknotet und vernäht, zum Auftrennen hatte ich da ausnahmsweise mal keine Lust.

Und zum Schluss kam noch der Saum dran, mit einem Kettstich. Die Seitennaht war dabei für die Juki kein Thema.

Aber das ist noch nicht alles, auch die Gürtelschlaufen sind gecovert. Einfach ein Band doppelt eingeschlagen und abgesteppt, das wars.

Und so sieht sie nun aus:

Mein Fazit:

Die JUKI MCS 1800 covert zuverlässig unterschiedliche Materialien und mit verschiedenen Garnen. An dem Nähfuß können sich andere Hersteller mal ne Scheibe abschneiden. Ich würde sie als robustes Arbeitstier bezeichnen, das nicht viel Platz braucht.

Ich brauche aber viel Platz, daher stört mich die Bauweise der Juki zu sehr. Ich habe den Raum rechts der Nadel ständig vermisst. Ein Klarsichtfuß hat mir entgegen meiner Erwartung nicht gefehlt, sie näht auch ohne ständige Kontrolle geradeaus.

Was mir persönlich nicht gefällt, ist die geringe Anpassmöglichkeit. Ich nähe gerne Spezialtechniken, Spezialgarne, extreme Stoffe oder hab irgendwelche Ideen, die nicht den Standardwerten entsprechen. Und da ist bei der Juki nicht so viel mit Einstellen. Kleines Beispiel: Wenn ich an der Fadenspannung was ändere, bekomm ich bei der Brother 3550 mit einem Wert von 1 die gleiche Veränderung wie bei der Juki mit 6 Stellen Differenz. Die Einstellung der Greiferspannung hat bei mir nur in Ausnahmefällen zu einer sichtbaren Veränderung geführt. Im Gegenzug ist sie halt nicht so empfindlich, wenn man was falsch macht. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

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