Rulerwork Pfaff

Mareike Barbian: Rulerwork mit PFAFF

Was ist eigentlich „Rulerquilting“ ??

Ruler ist englisch und bedeutet Lineal. Wörtlich übersetzt heißt es also „Linealquilten“.
Die genauere Definition dafür ist dann folgende:
Beim Rulerquilten handelt es sich um Freihandquilten mit einem Nähfuß, der eine erhöhte Kante hat, die entlang einer Schablone geführt wird. Der Transporteur an der Nähmaschine ist dabei deaktiviert und die Stichführung wird dabei nur von den Händen übernommen.

“Rulerquilting ist nur was für Profis“, dachte ich immer.

Ich bin zwar eine erfahrene Näherin, habe auch schon Patchwork gemacht und demnach auch gequiltet, aber beim Thema „Rulerquilting“ bin ich ein absoluter Anfänger und kann sagen, das ich trotzdem sehr gut zurecht gekommen bin und wieder eine ganz neue Sparte für mich beim Nähen bzw. Patchworken entdeckt habe, die ich nun definitiv öfter anwenden werde.

Aber zurück zum Anfang.

Was braucht man denn überhaupt alles und wie fängt man an, welche Stoffe und welches Vlies und welche Rulerschablonen, welcher Nähfuß, welche Nadeln, welche Einstellungen an der Maschine und und und ….. so viele Fragen stellten sich mir, als ich anfing, mich mit dem Thema zu befassen.

Also gehen wir mal eins nach dem anderen durch.

Der Stoff:

Ich verwende nur noch hochwertige Patchworkstoffe, da diese einfach eine ganz andere Qualität aufweisen, als andere Baumwollwebware. ABER: Egal was ich nähe oder patchworke, ich teste vorab immer alles auf „einfacher“ Webware. Wie in diesem Fall hier auch. Ein Webwarestoff mit 150g/m².

Vlies

Ich habe hierbei das Freudenberg Thermolam verwendet, da mir die Haptik viel besser gefällt, als von einem dünnen Volumenvlies. Das Vlies wurde auf beiden Seiten mit dem Madeira Sprühkleber eingesprüht, damit sowohl Oberstoff, als auch Unterstoff nicht verrutschen.

Nadeln für die Nähmaschine:

Verwendet wurden Organ Top Stitch Nadeln und Schmetz Quiltingnadeln. Beide Nadeltypen haben gut funktioniert beim Rulerquilting.

Nähfuß und Einstellungen an der Maschine:

Ich nutze die Pfaff Quilt Expression 720 und habe den Pfaff Rulerfuß.
Hierbei ist wichtig, das auf der Pfaff QE720 das aktuellste Update (kann auf der Pfaff Homepage runter geladen werden) aufgespielt ist, damit die Füßcheneinstellungen bzw. die Nadelstangeneinstellungen korrekt sind und das Füßchen sich, beim quilten, nicht auf und ab bewegt.

Die Höhe des Füßchens kann man über das Maschinenmenü anpassen an die Rulerdicke. Diese sollte bei maximal 4,8 mm liegen. Die Ruler von Inspira passen aber super darunter, weil diese nur 2,5 mm dick sind.
Zwischen dem hinteren Teil des Füßchens und dem Ruler sollte etwas Platz sein, damit nichts beschädigt wird.

Weiteres Zubehör fürs Rulerquilting:

Zuerst dachte ich „Wieso brauche ich Quilthandschuhe oder diese Silikonfingernuppsies?“ oder aber „Was soll ich mit dem Grippyspray ?“, aber es zeigte sich schnell, die Utensilien machen wirklich Sinn.

Mit den Quilthandschuhen von Machingers oder den Silikon Nadelgreifern von Prym hat man einfach mehr Gripp auf dem Stoff und auf den Linealen. Mein persönlicher Favorit sind jedoch die Quilthandschuhe, weil man dabei an allen Fingerspitzen eine größere gummierte Auflagefläche hat, als mit den Silikonnadelgreifern.

Damit die Lineale wiederum nicht auf dem Stoff rutschen, sprüht man ganz dünn das Grippyspray auf die Rulerober- und unterseite auf. So hat man Halt auf dem Stoff und mit den Händen, auch wenn die Schablone mal gedreht wird, zum Beispiel bei der Herzform.
Nicht irritieren lassen, die Schablonen sind nach dem Aufsprühen etwas milchig, wodurch man aber wiederum prüfen kann, ob das Grippyspray gleichmäßig aufgetragen wurde.

Sonstige Vorbereitungen:

Ich verwende beim Quilten grundsätzlich immer den großen Anschiebetisch zu meiner Pfaff QE 720, damit der Stoff schön gleichmäßig flach aufliegt und ich auch immer noch genug Fläche habe, um meine Hände und die Schablone aufzulegen

Als Ober- und Unterfaden verwende ich Madeira Aerofil.

An der Maschine muss dann noch im Freihandmodus der Rulerfuß aktiviert werden und die Füßchenhöhe eingestellt werden. Die Höhe wird angepasst an die Kombination aus Oberstoff, Zwischenvlies und Rückseitenstoff. Ich hatte hier bei 2 Lagen Webware und Thermolam eine Einstellung von -1.

Quiltmuster aufzeichnen:

Ich habe mir ein paar Hilfslinien aufgezeichnet, mit dem Crosshairruler und einem Trickmarker.
Gerade für Anfänger auf dem Gebiet empfiehlt es sich, mehrere Hilfslinien aufzuzeichnen, an denen man die Rulerschablonen immer wieder anlegen und ausrichten kann.

Quilten:

Ich empfehle jedem, der, wie ich, vorher noch nie mit einem Ruler gequiltet hat, erst einmal ein bisschen rum zu probieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen und um das Nadel-Faden-Rulerfußverhalten zu „studieren“.

Es geht zudem auch darum, herauszufinden, wie stark man das Fußpedal betätigt bzw. welche Geschwindigkeit man haben möchte, um mit der Koordination zwischen Stichlänge, Stoffbewegung und Rulerführung gut klar zu kommen.
Ich hab anfangs wirklich sehr langsam gequiltet und habe drauf geachtet, das die Stiche nie länger als 3-4 mm wurde. Mit der Zeit wurde ich etwas sicherer und konnte etwas schneller quilten. Um aber nicht ZU schnell zu nähen, habe ich die Geschwindigkeit an der Nähmaschine per Tastendruck begrenzt auf die zweitkleinste Stufe.

Wer sich dann sicher ist, kann übergehen zum Hauptstoff.

Ich lege den Stoff auf den Anschiebetisch unter den Rulerfuß, lege einen Ruler (als erstes hab ich den Herzruler genommen ) dazu und fange langsam an zu nähen bzw quilten.
Zuerst zwei/drei Stiche auf der Stelle, damit der Faden vernäht wird und Halt hat, dann führe ich langsam den Stoff unter der Nadel am Ruler entlang und bin ganz begeistert, wie sich die Form darstellt. Beim Herzruler legt man einmal die Schablone auf die linke Seite, dreht ihn dann in der Hälfte des Musters auf die rechte Seite, um die Herzform zu vervollständigen.

Natürlich muss ich erstmal ein bisschen üben und es werden nicht alle Linien perfekt, aber wer ist schon beim ersten Versuch perfekt?

Dann probiere ich die „Eierförmige“ Schablone (auf Englisch heißt dies Spin-e-fex, oder Spin Effects, also auf deutsch – je nachdem wie die Schablone angelegt wird, ergibt sich ein „Spinnweben“, oder Kreiseffekt bzw. die Formen werden in einem Kreis angeordnet.).

Auch hier habe ich wieder mit dem Crosshairruler Linien aufgezeichnet und in der Mitte einen kleinen Kreis. An diesen Linien führe ich nun den Spin-e-fex Ruler entlang.
Ich nähe diese „Eierform“ einmal am Kreis und an den Linien entlang und daraus entsteht dann dieses Muster.

Bei jedem Muster ist es wichtig, am Anfang und Ende den Faden zu vernähen. Ich habe das folgendermaßen gehandhabt:


Am Anfang und Ende eines Musters vernähe ich den Faden mit zwei/drei Stichen auf der Stelle, schneide danach den Faden aber nicht mit dem automatischen Fadenabschneider ab, sondern hebe das Füßchen und ziehe beide Fäden ca. 15cm raus, bevor ich sie abschneide.
Ich habe dann mit einer normalen Nähnadel den Oberfaden nach hinten durch gezogen und mit dem Unterfaden verknotet.

Last, but not least teste ich noch den „Continuous Figure“-Ruler aus. Die Form erinnert mich ein wenig an eine Vase, ich bin also gespannt, welche Muster damit beim Quilten entstehen. Es gibt bei jedem Ruler meist mehrere Verwendungsmöglichkeiten. Beim Continuous Figure Ruler habe ich diese Variante gequiltet:

Ich probiere alle Ruler aus und quilte vor mich hin und bekomme immer mehr Ideen, was ich damit noch so machen könnte. Aber das alles hier zu zeigen, würde vermutlich den Rahmen sprengen.

Danke an Mareike für den Testbericht! Wenn Sie noch mehr von Mareike und der PFAFF Expression 710/720 lesen möchten, schauen Sie bei ihr auf Facebook vorbei:

Pfaff Quilt Expression 720 / 710 Hilfe und Austausch (Facebook-Gruppe)

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