Testoffensive: Brother DC 100 – Erster Eindruck von Andrea Koch

Als im April der Aufruf von Nähpark Diermeier kam, verschiedene Maschinen auf Herz und Nieren zu testen habe ich mich gleich begeistert beworben. Meine Freude war riesig als die Antwort kam - ich darf den Plotter DC100 von Brother testen.

Als begeisterte Besitzerin einer Brother Nähmaschine und einer Brother Stickmaschine war ich sehr neugierig auf den Plotter. Was kann man damit alles machen? Damit habe ich mich bisher noch nicht beschäftigt, also ran ans Neuland.

Unboxing

Im Karton befinden sich der Cutter, eine leicht klebende Schneidmatte und ein Messer. Nach der ersten Euphorie über die neuen Möglichkeiten mit solch einer Maschine kommt direkt die erste Enttäuschung. Das Display habe ich mir wirklich anders vorgestellt. Es fällt sehr klein aus und die Auflösung lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Hier bin ich von meiner Stickmaschine eindeutig besseres gewohnt.  Und auch das Zubehör ist auf den zweiten Blick nicht sehr umfangreich. Gut, es ist ja auch nur der ganz Kleine aus der Brother-Familie. Sehen wir mal. was der Kleine alles kann...

Inbetriebnahme

Wahnsinn, zur schnelleren Inbetriebnahme liegt sogar eine Kurzanleitung dabei. Doch wo befindet sich bloß die richtige Bedienungsanleitung? Diese ist bedauerlicherweise lediglich als Download erhältlich. Dies empfinde ich als sehr störend, da ich die Anleitung gerne hardwaremäßig vor mir habe.
Beim Befolgen der Kurzanleitung wird schnell klar: Ohne Computer funktioniert nichts. Und auch die Bedienung gestaltet sich für mich sehr umständlich. Als selbsterklärend kann man das wirklich nicht bezeichnen.

Erst einmal die Firmware aktualisieren. Nun gut. Wo finde ich das passende Kabel? Beim Zubehör des Cutters auf jeden Fall nicht.  Zum Glück habe ich das passende Kabel von meiner Stickmaschine parat.
Nach einiger Zeit, bis ich dann alles Schritt für Schritt nach der Anleitung durchgegangen bin, hat er sich endlich mit den WLAN verbunden. Das habe ich mir wirklich einfacher vorgestellt.

Als nächstes muss die Anwendung DesignNCut Manager heruntergeladen werden. Ohne die hat man keine Chance eine Datei auf den Cutter zu laden. Also erst einmal ein Konto erstellen. Kann ich jetzt endlich meine svg-Datei cutten? Fehlanzeige... Der DesignNCut Manager benötigt eine fcm-Datei. Für diese Umwandlung benötigt man noch den Canvas Workspace.
Startklar in Sekunden verspricht vollmundig die Produktbeschreibung. Die Realität sah bei mir anders aus.

Bedienung

Die Bedienung funktioniert nur über den PC. Zunächst lädt man die svg-Datei in das kostenlose Programm von Brother: Canvas Workspace, diese svg-Datei muss dann in eine fcm-Datei exportiert werden. Diese Datei lädt man dann in den Brother DesignNCut-Manager. Nur von diesem Programm aus lässt sich der DC100 ansteuern. Ziemlich mühselig das Ganze. Außerdem ist mir aufgefallen, dass er sehr laut ist. Wer in einer Wohnung mit dünnen Wänden wohnt und keinen Ärger mit seinen Nachbarn möchte, sollte ihn nicht zu nachtschlafender Zeit in Betrieb nehmen.

Erste Eigene Projekte

Ich hab das Ding jetzt hier stehen, also her mit den Projekten:

  1. Kirschblüten-Mobile:

Dieses Motiv gibt es kostenlos auf der Brother Canvas-Seite. Dazu habe ich 3 x hintereinander verschiedene Farben Tonkarton mit Klebeband auf der Matte fixiert, mit diesem Trick hat es dann gut funktioniert. Er schneidet präzise auch die kleinsten Details. Die 3 Farben zusammengeklebt - fertig ist das Mobile.

  1. Karte zum Vatertag:

Ebenfalls ein Freebie von der Canvas-Seite. Auch hierzu sind mehrere Schritte mit farbigem Tonkarton notwendig. Am Schluß wird alles zusammengeklebt. Mit den als Zubehör erhältlichen Stiften hätte das Gerät auch den Schriftzug gezeichnet. So haben wir es von Hand ergänzt. Ist so auch ein bisschen persönlicher. Papa hat sich jedenfalls sehr über die darin befindlichen Kinokarten gefreut.

Erstes Fazit

Mein erstes Fazit: Ziemlich mageres Zubehör. Hier hat Brother ganz schön gespart. Auf der mitgelieferten leicht klebenden Matte klebt nur Papier und Folie, für Karton oder SnapPap braucht man schon die Standardmatte. Auch zum Zeichnen benötigt man mehr Zubehör. Wenn ich eine Karte ausschneide möchte ich ja auch gleich den Schriftzug dazu plotten. Sonst kann ich ja auch gleich zur Silhouettenschere oder zum Cuttermesser greifen. Man muss bei dem DC100 noch einiges ins Zubehör investieren: Stiftehalter, Stifte und Standardmatte sollten es schon sein. Dann lieber gleich etwas mehr Geld ausgeben und eine höhere Version mit dem Zubehör kaufen.

  1. Persönlicher Autoaufkleber mit Möbelfolie

Fertige Dateien haben mit Trick 17 funktioniert. Doch wie sieht es mit individuell erstellten Datein aus?

Als nächstes habe ich aus Klebefolie einen Aufkleber für mein Auto gemacht. Diese Folie hat sogar von alleine auf der Matte geklebt.  Mit dem Canvas kommt man da aber nicht sehr weit. Dieses Motiv ist mit der kostenlosen Software Inkscape entstanden. Das Canvas Workspace nutze ich also nur um meine svg in das passende Format zu exportieren. Daher gestaltet sich dieser zusätzliche Schritt, über eine zusätzliche Software, die Platz auf meiner Festplatte beansprucht, als sehr nervig. Mit der Fehlermeldung: Sehr kleine Objekte werden bei der Konvertierung nach fcm automatisch entfernt, da sie zum Schneiden zu klein sind. (N10003) konnte ich auch nicht wirklich etwas anfangen, da auch auf den zweiten und dritten Blick keine Teile verschwunden sind. Der Cutter hat die Datei anschließend auch wie gewünscht geschnitten. Fehlende Teile sind mir hier nicht aufgefallen.

  1. Individuelles T-Shirt mit HappyFlex-Folie

Danach habe ich mich an ein T-Shirt gewagt, geschnitten aus Flex-Folie und mit dem Bügeleisen aufgebügelt. Auch das hat mit einem kleinen einfarbigen Motiv prima funktioniert. Bei einem größeren Motiv benötigt man vermutlich noch eine zusätzliche Presse, da es sich als sehr schwierig gestaltet alle Teile gleichmäßig mit viel Druck aufzubügeln. Nach der ersten Wäsche sieht das Motiv noch aus wie neu. Von dieser Folie bin ich wirklich sehr begeistert.

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