Der Markierfuß von BERNINA (Fransenfuß)

Sie lieben dekorative Näheffekte? Dann sollten Sie sich den Markierfuß Nr. 7 von BERNINA mal ansehen. Dieser sollte ja eigentlich inzwischen Fransenfuß heißen, da kaum noch jemand damit markiert. Bei anderen Herstellern ist das auch schon so. Eine Liste mit Fransenfüßen finden Sie am Ende dieses Beitrags. 
Die Anwendungsbeispiele gelten für alle Fransenfüße, lediglich die Einstellungen an der Nähmaschine können etwas variieren. Beachten Sie dazu die Bedienungsanleitung des jeweiligen Nähfußes.

Aber wie markiert man eigentlich mit dem Markierfuß?

Konstruiert wurde dieser Nähfuß, um Anzeichnungen auf Stoffen maschinell zu markieren. Dies können Sie zu Hause auch weiterhin nutzen. Wir zeigen Ihnen hier zwei Anwendungsbeispiele:

Markieren von Schnittmustermarkierungen

Verwenden Sie Schnittmuster aus Vlies, können Sie direkt auf dem Vlies nähen. Wenn Sie hinterher die Oberfadenschlinge aufschneiden, können Sie das Vlies einfach wieder entfernen.
Ist ihr Schnittmuster aus Folie oder Papier, schneiden Sie eine Öffnung ein. Bei einem Abnäher zum Beispiel eine Seite, dann können Sie ihn zur Seite klappen. Oder für die Tasche ein Dreieck in die Ecken schneiden.

Legen Sie das Schnittteil auf den zugeschnittenen Stoff und stecken Sie es großflächig fest. Haben Sie gegengleich zugeschnitten, legen Sie beide Schnittteile mit den rechten Seiten zueinander unter das Schnittmuster.

Sie können auch die Markierungen mit einem Stift auf eines der Schnittteile zeichnen und mit dem Markierfuß auf die andere Stofflage übertragen.

Wir markieren übrigens immer mit wasserlöslichem Heftfaden, dann entfällt das Auszupfen der Markierfäden:

Da der Markierfuß in der Mitte ein hochstehendes Blech hat, können Sie ihn nicht mit dem Geradstich benutzen.

Die Einstellungen für den Markierfuß

ACHTUNG!
Da das Blech in der Mitte beim Einschalten der Nähmaschine mit der Nadelspitze kollidiert, sollten Sie den Markierfuß beim Ausschalten immer abnehmen.

Haben Sie eine BERNINA Nähmaschine mit Nähfußauswahl (B790, B880), suchen Sie den Markierfuß Nr. 7 im Menü und aktivieren Sie ihn. Somit ist die Mittelstellung schon gesperrt und die maximale Stichbreite auf 5,5 mm begrenzt.

Bei Maschinen ohne Nähfußauswahl, aber mit 9 mm Stichplatte, wählen Sie im Menü die Stichplatte für 5,5 mm aus, dann kann die Stichbreite nicht versehentlich zu hoch gestellt werden.

Wählen Sie den Zickzackstich Nr. 2 und eine Stichbreite zwischen 2,5 und 5,5 mm. Zum Markieren gilt: Je höher die Stichbreite, desto länger werden die Markierfäden. Allerdings liegt ihre Nählinie zwischen den Einstichstellen, es ist also besser, eine eher schmale Stichbreite zu wählen. Bei einem eingeschnittenen Schnittmuster aus Papier sollten Sie innerhalb der Öffnung markieren und beim richtigen Nähen um die Markierung herum nähen.

Die Oberfadenspannung wird reduziert, ca. auf 1,25. Die Stichlänge wird erhöht.

Auch wenn der Markierfuß hinten eine Aussparung hat, aktivieren Sie nicht den Obertransport. Die Aussparung wird für die Fadenschlingen benötigt.

Den Oberfaden legen Sie zur Seite und halten ihn fest, ehe Sie losnähen.

Nähen Sie nun innerhalb des Ausschnitts oder entlang Ihrer Markierung vom oberen Schnittteil.

Nach dem Nähen ziehen Sie die Stofflagen vorsichtig auseinander und schneiden die Fäden durch. So verbleibt in jeder Stofflage ein Stück Faden, der den Abnäher markiert.

So lassen sich auch ganz einfach Taschenmarkierungen übertragen. 

Sollten Sie versehentlich das Schnittmuster übernäht haben, müssen Sie an diesen Stellen lediglich die Oberfadenschlingen durchschneiden, dann können Sie es entfernen.

Ziernähte mit dem Markierfuß

So viel zur eigentlich angedachten Verwendung des Markierfußes. Mehr Verwendung findet er jedoch zu Dekorationszwecken. Hier sehen Sie einige Beispiele:

Die Einstellungen für den Markierfuß beim Dekorieren

Die Einstellungen blieben die gleichen wie oben genannt, nur die Oberfadenspannung wird noch weiter auf ca. 0,5 reduziert und die Stichlänge ebenfalls auf 0,5. Nähen Sie mit Ziergarnen, empfiehlt sich die gelbe Stickspulenkapsel

Die Naht mit dem Markierfuß als Verbindung

Sie können mit dem Markierfuß zwei Stofflagen miteinander verbinden, ähnlich wie mit der Spanischen Hohlsaumvorrichtung.
Bügeln Sie die Stoffkante um.

Legen Sie Vlies unter, je nach Projekt Abreißvlies oder auswaschbares Vlies.
Legen Sie die Stoffteile zusammen und dann unter den Nähfuß.

Nähen Sie die Naht. Wir nähen hier mit MADEIRA Rayon No. 40.

Ziehen Sie die Stoffteile auseinander. So sind beide Stofflagen verbunden. Diese Naht können Sie jetzt bügeln, damit sie sich schön legt und so belassen. Sie können Sie aber noch weiter verarbeiten:

Aus dieser Naht können Sie eine Hohlsaumimmitation gestalten. Hierfür übernähen Sie die Naht mit dem Dreifachgeradstich. Oder stabilisieren Sie die Kante mit einem weiteren Satinstich. 

Fransen mit dem Markierfuß

Lange Fransen an der Stoffkante

Bügeln Sie die Stoffkante um. Als Gegenstück legen Sie ein Stück Abreißvlies an die Kante. Verwenden Sie Unterfaden in einer Kontrastfarbe. Wir nähen hier ebenfalls mit MADEIRA Rayon No. 40.

Nähen Sie mit den gleichen Einstellungen wie oben.

Nach dem Nähen ziehen Sie den Unterfaden heraus. Ziehen Sie das Vlies vorsichtig zur Seite. Achtung, die Fadenschlingen sind im Moment nicht gesichert!

Legen Sie neues Vlies unter die Stoffkante.
Mit dem vorher angenähtem Vlies halten Sie die Fadenschlingen zur Seite und übernähen dann die Einstichstellen auf dem Stoff mit einem dichten Satinstich mit dem Nähfuß Nr. 20 C.

Wird die Kante stark beansprucht, übernähen Sie sie zuerst mit einem schmalen Satinstich und erst dann dem gewünschten Dekorstich.

Zum Schluss entfernen Sie beide Vliese. 

Kurze Fransen an der Stoffkante

Sollten Sie Probleme mit den losen Fransen haben, können Sie auch den Unterfaden in der Naht lassen. Verwenden Sie statt normalem Vlies hier ein wasserlösliches.

Mit diesem Vlies ziehen Sie die Schlingen nach dem Nähen mit dem Markierfuß zur Seite, ohne den Unterfaden zu entfernen. Auch hier wird mit einem Satinstich übernäht. Bei beiden Garnen handelt es sich im AMANN Isacord No 40.

Beim Übernähen sollten Sie stets ein Auge auf den Nähfuß haben:
Manchmal bleibt eine lose Schlinge dort hängen. Heben Sie den Nähfuß vorsichtig an und ziehen Sie sie nach vorne und unter den Nähfuß.

Anschließend wird das Vlies ausgewaschen.

Diese Fransenkante ist dann zwar nicht so lang, aber dafür müssen Sie nicht mit losen Schlingen arbeiten, was bei langen Bahnen immer ein Risiko ist. 

Geschlossene Fransen auf der Stoffoberseite

Sie können mit dem Markierfuß auch auf der Oberseite von Stoffen Verziehrungen aufbringen.
Zeichnen Sie Ihr Muster auf den Stoff und nähen Sie es dann mit dem Markierfuß nach. Je nach Garn passen Sie dabei die Stichdichte an. Enge Kurven können nur bis zu einem gewissen Punkt genäht werden, da ein Teil der Fransen auf dem hochstehenden Blech liegt.

Sie können dabei einzelne Reihen nähen, die Sie dann mit einem Satinstich übernähen. Dies gelingt sogar in Kombination mit dem Kreisstickapparat. Hier wurde MADEIRA Lana vernäht.

Oder Sie nähen mehrere Schlingenreihen aneinander (die neue Reihe sticht dabei knapp in die vorherige, so wird das Projekt stabiler).
Zeichnen Sie die Form auf den Stoff und füllen Sie sie dann mit einer Reihe nach der anderen. Die letzte Reihe können Sie mit dem CLOVER Stilett zur Seite drücken.

Den Rand steppen Sie mit einem dichten Satinstich ab, hierbei decken Sie die Fransen am besten mit einem wasserlöslichem Vlies ab. Beachten Sie hierbei:
Nicht jedes Ziergarn sieht nach dem Waschen noch gut aus. Hier im Vergleich MADEIRA Decora No. 12 ungewaschen und gewaschen:

Daher haben wir beim zweiten Projekt auf das Vlies verzichtet. Hier sehen Sie, wie man Ecken mit dem Markierfuß nähen kann.

Nähen Sie bis zum Ende und halten Sie mit der Nadel in der höchsten Stellung an. Heben Sie den Nähfuß an.

Schieben Sie den Stoff nach hinten, bis keine Fadenschlinge mehr auf dem Blech liegt.

Drehen Sie den Stoff und positionieren Sie den Nähfuß nach Wunsch, wir haben hier direkt im Anschluss an die vorherige Reihe weiter genäht.

Der Tassenteppich wurde ebenfalls mit MADEIRA Decora No. 12 genäht. 

Offene Fransen auf der Stoffoberseite

Diese Schlingen können Sie aber auch offen verwenden.

Nähen Sie Ihre Linie, entfernen Sie dann den Unterfaden. Die losen Schlingen können dann auf einer Seite übernäht werden. Die andere Seite ziehen Sie zum Schluss mit einer Pinzette aus dem Stoff heraus.

Auch hier gibt es eine Variante, bei der Sie nicht mit losen Fäden arbeiten müssen: Legen Sie die Schlingen nach dem Nähen zur Seite und übernähen Sie eine Seite. Auf der anderen Seite schneiden Sie die Schlingen dann einfach auf. Die Reste ziehen Sie mit der Pinzette nach hinten.

Werden Sie kreativ!

Wir finden, am Markierfuß sieht man besonders gut, dass die Funktion eines Nähfußes nicht immer eindeutig festgelegt sein muss. Wichtig ist bei diesem Fuß nur, dass die Nadel nicht auf das Blech trifft. Die Nähfußerkennung der BERNINA B790 zeigt gut, mit welchen Stichen man ihn benutzen kann:

Solange der Stich nicht rot wird, kann er auch genäht werden. Warum nicht mal aufs Übernähen verzichten?

Wir haben den Stich Nr. 10 im Stichdesigner verdreifacht, so entsteht rechts und links eine stabile Geradstichnaht.

Die Unterfadenspannung haben wir nicht so stark reduziert. Die enstandene Naht kann einfach in der Mitte aufgeschnitten werden, ohne eine zusätzliche Stabilisierungsnaht. Schneller gehen Fransen wirklich nicht. 

Dieses Beispiel ist mit MADEIRA Aerofil  genäht. 

Auch Lust auf Fransen? Hier gehts zum Shop:

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