Testbericht Nähmaschinentest Brother Schnellnäher

Die Brother PQ1600S im Test bei der Redaktion (1)

Eine Nähmaschine von Brother mit Metallgehäuse? Fällt irgendwie aus dem Rahmen. Zumindest für Neueinsteiger in diesem Hobby. Ältere Näh-Hasen werden sich noch an die PQ1500 erinnern.

Mit der Brother PQ1600S gibt es jetzt wieder einen Schnellnäher von Brother und wir freuen uns sehr, ihn testen zu können. Auch wir finden Gefallen an dem Trend der zusätzlichen Geradstichmaschine.

Die PQ1600S kommt mit viel Zubehör, darunter natürlich ein Anschiebetisch und der Kniehebel. Der Kniehebel ist optisch ziemlich karg, finden wir. Aber er erfüllt trotzdem seine Aufgabe.

Vermutlich wurde auf einen Abschluss aus Kunststoff verzichtet, damit er von unten in den Anschiebetisch geklemmt werden kann. Den Anschiebetisch finden wir schön stabil und gut mit der Maschine verbunden.

Schnell mal dickes Garn testen

Ehe wir mit dem ersten Projekt loslegen, haben wir einfach mal ein paar Nähte auf Leder und Lederpapier gemacht. Dafür wurde Madeira Aerofil No. 35 verwendet, oben und unten.

Bei den geraden Nähten war die Verteilung noch nicht optimal, aber mit ein wenig Einstellen der Fadenspannung gelang es uns sehr schnell, das Nahtbild zu verbessern. Oben schon perfekt, unten könnte man vielleicht noch etwas optimieren, aber für Lederpapier wirklich gut.

Dann gleich noch mit Echtleder. Dieses Leder stammt aus der Schuhfabrikation. Die meisten Haushaltsmaschinen schaffen mit Müh und Not zwei Lagen, stärke Modelle auch mal drei. Allerdings nicht mit dickem Garn im Unterfaden und diesem Stichbild. Die PQ1600S näht auch auf drei Lagen zuverlässig. Es verkürzt sich die Stichlänge, wenn man mit dem beweglichen Fuß näht. Mit dem normalen Nähfuß klappt das besser.

Auch hier ist unser erster Eindruck: Das klappt doch wirklich gut und mit etwas Feintuning bekommen wir das sicher so hin, wie wir es gerne haben möchten. Zudem hat man beim Nähen nicht das Gefühl, dass die Brother Mühe damit hätte.

Erste Nähte an einem Projekt

Die ersten Nähte waren dann jedoch was ganz anderes als Leder. Der Schnellnäher durfte beim Mantel Alma helfen. Und Schnellnäher können nicht nur schnell und auf festen Materialien, sondern auch mal Plüsch:

Hier mussten wir allerdings schon mit dem Nähfußdruck experimentieren, um Wellen zu vermeiden. Hat man den Punkt gefunden, ging es allerdings schnell in Richtung „Nähen auf der Stelle“. Irgendwann haben wir dann ganz mutig mal den Stifttransport aktiviert, aber auch der hat nicht geholfen. Auf diese Technik kommen wir später zurück, wenn sie auch effektiv hilft.

Beim Plüsch hat eine andere Funktion geholfen:

Die Transporteurposition. Der Plüsch war sehr weich und leicht, aber die Position für leichte Stoffe war ungeeignet. Kaum hatten wir „mittelschwer“ gewählt, wurde der Stoff viel besser transportiert. Hier stellt man rechts den Hebel auf eine der vier Stellungen und passt dann oben den Nähfußdruck passend dazu an, in unseremFall also auf N.

Kleiner Schmunzler

Beim Stöbern in der Bedienungsanleitung mussten wir dann doch grinsen:

Das Fadenspannungsrad für Nähfußdruck. Der Regler hat natürlich nichts mit der Fadenspannung zu tun.

Da ist wohl bei der Übersetzung etwas schief gegangen, denn in der englischsprachigen Anleitung findet man den Fehler nicht. 

Unser Tipp: Wenn Sie die Brother Support App auf US-Amerika umstellen, erhalten Sie alle Anleitungen auf Englisch. 

Die verschiedenen Elemente des Schnellnähers

Aber ehe wir jetzt voll einsteigen, schauen wir uns die Brother PQ1600S erst mal genauer an.

Am Nähkopf sieht man das Fenster mit den farbigen Markierungen für den Nähfußdruck (1). Diese Farben stimmen mit den Transporteurpositionen überein, eine gute Orientierungshilfe.

Über der manuellen Fadenspannung ist das Teil, das es bei den älteren Modellen noch nicht gab und hiermit werden die verschiedenen Fädelwege definiert. Je nachdem, ob man normales oder dickes Garn hat, kann unterschiedlich eingefädelt werden. Löst man die Schraube, kann man die Führung noch verschieben, was auch wieder die Spannung verändert.

 

Auf der rechten Seite wiederholen sich die Farben am Regler für die Transporteurposition (1). Grau ist versenkt, pink steht für Stifttransport, blau für leichte Stoffe und türkis für mittelschwere und schwere Stoffe.

Die Rückwärtstaste (2) ist so groß, dass man sie auch mit dem Ellbogen drücken kann. Die Nährichtung ändert sich sofort, die PQ1600S schließt nicht, wie eine elektronische Nähmaschine, erst den Stich ab.

Die Nadelpostionstaste (3) hat uns in den ersten Versuchen etwas überrascht, aber die Bedienungsanleitung hat schnell für Klarheit gesorgt. Normal erwartet man:

Aktiv – Maschine stoppt mit der Nadel unten.
Inaktiv – Maschine stoppt mit der Nadel oben.

Hier ist es allerdings so:

Aktiv – Maschine stoppt mit der Nadel unten.
Inaktiv – Maschine stoppt sofort. Egal, wo die Nadel gerade steht.

Das war für uns am Anfang etwas ungewohnt, aber mit der Zeit sieht man den Vorteil darin, dass eine Nähmaschine nicht immer erst den halben Stich weiter näht.

Dann gibt es noch die Fadenschneidertaste (4). Das Schneiden geht fix und der Rest ist schön kurz. Auch dicke Garne werden ohne würgende Geräusche geschnitten.

Hier unten verbirgt sich der Fadenschneider – sehr gekonnt. Von links ist er nämlich gar nicht zu sehen. Oben an der Stichplatte ist der manuelle Fadenschneider montiert, mit dem man den Unterfaden kürzt, wenn man die Spule eingesetzt hat. Auf dem Bild haben wir die beweglichen Teile des Fadenschneides markiert.

Zur Stichplatte kamen bereits Fragen, besonders im Vergleich zu Juki. Für die Brother gibt es keine weiteren Stichplatten. Die Öffnung entspricht in etwa der für schwere Stoffe bei Juki, ist jedoch noch etwas weiter ausgeformt (damit dicke Garne besser nach hinten rausgleiten nach der Stichbildung). So groß wie bei der TL-2300 ist die Öffnung jedoch nicht.

Elsbag

Das erste richtige Projekt mit der PQ1600S musste einfach eine Tasche sein. Wir haben uns für eine Elsbag entschieden, aus zwei verschiedenen Kunstledersorten, kombiniert mit Vinyl und Gurtband.

Die PQ1600S kommt ohne Antihaft-Fuß, aber den haben wir bis jetzt noch nicht vermisst. Die zwei Standardfüße sind, wie auch einige Sohlen der normalen Nähmaschinen, heller und matt als sonst und gleiten daher viel besser, auch über Vinyl.

Vor allem, wenn es um Stufen geht, ist der normale Nähfuß besser geeignet als der bewegliche. Wir dachten zwar, der bewegliche würde die Unterschiede ausgleichen, aber durch die zwei Gelenke kommt weniger Druck am Projekt an. Und für solche Materialien braucht die Brother gut Nähfußdruck, sonst gibt es Stichaussetzer. Wir heben uns den beweglichen Nähfuß also für andere Nähte auf. Hier sieht man, dass wir die Halterung der Kantenführung montiert haben, aber es ist keine Kantenführung dran.

Wir brauchen sie für die 1 cm NZG nicht, die Markierung auf der Stichplatte ist eine gute Orientierung.

Aber für die Steppnähte auf dem Boden haben wir sie gebraucht. Wie haben sie dann aus Bequemlichkeit dran gelassen.

Auch der Rücken hat Steppnähte bekommen. Die haben wir mit Gütermann Decostitch No. 70 genäht. Wie man hier sehen kann, mit dem Fädelweg für normale Garne.

Hier nochmal zum Vergleich:

Wenn man das ein paar mal gemacht hat, geht es ohne Anleitung. Aber den richtigen Weg auszusuchen, ist nicht immer ganz einfach. Decostitch ist nicht dick genug, das kann gut noch im normalen Fädelweg eingefädelt werden.

Allerdings mit einer Topstitchnadel, damit haben wir die besten Nähte erzeugt.

Hier ein paar Nähte, mit Decostitch als Ober- und Unterfaden auf verschiedenen Kunstledern und unterschiedlichen Lagen.

Alle sichtbaren Nähte sind mit diesem Garn genäht. Für die Verbindungsnähte haben wir Gütermann Miniking verwendet. Bis jetzt ohne Verstellen der Unterfadenspannung, wobei das ja auch in der Bedienungsanleitung beschrieben wird.

Das Einstiegsprojekt ist damit abgeschlossen und wir mögen die PQ1600S jetzt schon. Für manche Nähte wünschen wir uns spezielle Füße, aber das Zubehör ist noch nicht eingetroffen. Wir haben ja noch eine andere Nähmaschine für alles, was die PQ1600S nicht kann. Zum Beispiel Knopflöcher.

Nun, es ist eine Zusatzmaschine, aber wir finden, wer gerne Taschen näht, sollte sich auf jeden Fall mal über einen Schnellnäher informieren.

Wir testen weiter, es wurde nach Softshell gefragt und natürlich wollen wir auch mit dem Schnellnäher quilten.

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3 days ago

Noch keine passende Schultüte für den großen Tag gefunden? Warum nicht selber nähen? Jenny von Minnai_DIY zeigt euch jetzt auf dem nähRatgeber, wie ihr das Schnittmuster erstellt, die Schultüte näht und nach dem ersten Schultag in ein Kissen verwandelt:
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Noch keine passende Schultüte für den großen Tag gefunden? Warum nicht selber nähen? Jenny von @minnai_diy zeigt euch jetzt auf www.nähRatgeber.de, wie ihr das Schnittmuster erstellt, die Schultüte näht und nach dem ersten Schultag in ein Kissen verwandelt. Sie hat die Schultüte gleich noch im Dino-Style mit Zacken versehen. Ihr findet das Nähtutorial, wie ihre anderen Anleitungen auch, in der Kategorie "Tutorials".
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Nervt, oder? Nur noch ein paar Zentimeter zu nähen und die Spule ist leer. Gut, wenn man da nicht komplett ausfädeln muss. Faden von der Nadel nach oben führen und spulen.
Geht bei vielen Modellen von Husqvarna Viking und auch Pfaff. Wer schaut jetzt bei seiner Maschine nach?
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...

94 11

Zubehör finden, das wirklich passt. Diese Funktion hatten wir schon lange, aber wie ihr vielleicht gesehen habt, hat sich unser Shopdesign neulich etwas verändert. Die Zubehörsuche ist immer noch da und sie beinhaltet nach wie vor auch alte Modelle (seit Gründung unseres Onlineshops, also bis zu 20 Jahre!). Viel Spaß beim Stöbern!
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Die Bernina 990, die ultimative Nähmaschine? Unsere Gedanken zum neuen Top-of-the-line-Modell von Bernina, das schon mal einen Superlativ verfüllt, findet ihr jetzt auf www.naehratgeber.de: Der größte Platz rechts der Nadel unter den Haushaltsnähmaschinen. Aber sie bietet noch mehr und wir sammeln die nächsten Wochen Informationen, um uns die Wartezeit bis Ende September zu verkürzen.
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