Testbericht Brother PQ1600S

Die Brother PQ1600S im Test bei der Redaktion (3)

Mit einem Schnellnäher näht man ja nicht nur Taschen, er ist auch super geeignet für Patchworker und Quilter. Zumindest hatten wir die Erfahrung bei den Schnellnähern von Juki gemacht, aber trifft das auch auf die Brother PQ1600S zu? Steht PQ vielleicht für Patchwork und Quilten?

Patchwork

Die Stoffteile zusammenzusetzen ist ein wahrer Genuss mit einem Schnellnäher. Die PQ1600S näht sauber von der Kante an bis zum Schluss. Die Vernähfunktion auf der Stelle fehlt uns nicht. Man kann einfach mit Mini-Stichen vernähen, da das Stichlängenrad einfach zu bedienen ist oder auch mit Rückwärtsstichen. Am besten gefällt uns das Fadenschneiden am Ende der Naht. Da kann man quasi schon auf die Taste drücken, während noch der letzte Stich genäht wird, sie schneidet einfach ab, wenn die Nadel an der passenden Stelle steht.

Das dauert bei Computernähmaschinen wesentlich länger. Und mit dem manuellen Nähfußhebel ist man auch schneller als mit einem elektronischen.

Ja, und weil das so schnell ging, gibt es kein Foto dazu … Wir waren so im Flow, dass wir es vergessen haben.

Gemächlicher wurde es dann bei den What-the-fob-Schlüsselanhängern erst wieder beim Absteppen. Das soll ja ganz exakt werden, war mit dem Ausgleichsfuß von Juki aber auch wieder ganz einfach.

Da es ich hier um Foundation Paper Piecing handelt, haben wir das Piecing mit dem Standardnähfuß erledigt, da man ja auf der markierten Linie näht. Für normale Patchworkarbeiten wäre aber ein ¼-Inch-Fuß dabei.

Quilten

Wir starten mit Kieseln freihand. Viel muss man dafür bei der PQ1600S nicht machen. Der Quiltfuß ist im Lieferumfang enthalten, der Transporteur wird versenkt. Laut Anleitung soll man den Nähfußdruck reduzieren. Hilft bei Sprungfüßen, wenn man über dickere Stellen quilten muss. In der Höhe kann der Fuß leider nicht verstellt werden.

Zusätzlich reduzieren wir auch die Stichlänge. Für das Stichbild ist es beim Freihandquilten zwar nicht relevant, aber der Transporteur bewegt sich unter der Stichplatte ja trotzdem. Mit der kleinsten Stichlänge ist diese Bewegung minimiert.

Auf einem Probestück haben wir das Stichbild überprüft. Da wir mit Madeira Sensa Green quilten, einem eher dünnen Garn, haben wir die Spannung an der Spulenkapsel etwas erhöht. Oben stand die Spannung dann auf 3.5, so war die Verteilung optimal. Als Nadel wurde eine Schmetz Quiltnadel in 75 eingesetzt.

Das „Kieseln“ ging uns leicht von der Hand. Obwohl bei hellem Garn auf hellem Stoff die vorherigen Nähte schwer zu sehen sind, die Form des Quiltfußes empfanden wir als angenehm. Das Nähgeräusch auch, die Brother läuft leise, da klappert nichts.  Hierfür gibt es sogar eine Ölanweisung in der Bedienungsanleitung. Auch der Nähfuß hält sich dezent zurück, da gibts ja schon den einen oder anderen, der klappert.

Sogar auf der Rückseite ist das Stichbild einwandfrei (obwohl es bei diesem Projekt egal wäre, die sieht man später nicht mehr).

Einziger Nachteil, den wir aktuell bei der Brother sehen:

Normalerweise quilten wir mit einem Stichregulator. Die Maschine wird also gestartet und je schneller man den Stoff bewegt, desto schneller näht auch die Maschine. Das Pedal dient dann nur zum starten.

Bei der Brother müssen wir wieder selbst für gleichmäßige Stichlängen sorgen, also die Bewegung des Stoffes und das Drücken des Pedals aufeinander anpassen. Das ist auch bei anderen Schnellnäher der Fall, allerdings nutzen wir dort gerne den Geschwindigkeitsregler, um die maximale Geschwindigkeit zu begrenzen. Mit der Zeit haben wir dann eine Einstellung gefunden, die es uns ermöglicht, das Pedal einfach voll durchzudrücken und dann in aller Ruhe zu kieseln.

Die PQ1600S hat allerdings keinen Geschwindigkeitsregler. Darüber sollte man sich im Klaren sein, wenn man mit dem Schnellnäher viel quilten möchte und dabei vielleicht so vorgeht, wie wir.

Quilten mit dem Obertransport

Eigentlich gibt es für die PQ1600S keinen Obertransportfuß. Aber wie wir in den anderen Beiträgen ja schon erwähnt haben, kann das Zubehör der anderen Schnellnäher montiert werden. Aber funktioniert es auch?

Wir haben uns für den OTF von Juki entschieden. Zum Montieren muss die Schraube komplett entfernt werden, da die Halterung nicht, wie bei den anderen Füßen, einen Schlitz hat, sondern ein Loch. Gabel einhängen nicht vergessen, los gehts. Wie erwartet, einwandfrei. Nach ein paar Probenähten haben wir dann auch gleich dickeres Baumwollgarn verwendet (12 wt). Natürlich musste dann die Fadenspannung angepasst werden, aber das war schnell erledigt. Mit etwas Geduld ist es auch möglich, das dicke Baumwollgarn oben und unten zu verwenden.

Hinweis: Das Kantenlineal kann mit dem Obertransportfuß von Juki nicht verwendet werden!

Rulerwork

Für uns gehört Rulerwork zum Quilten einfach dazu, also musste auch hier getestet werden, was geht. Gleiches Problem, es gibt keinen Rulerfuß von Brother für den Schnellnäher. Also wieder bei Juki bedient.

Und warum einfach, wenns auch kompliziert geht?

Unser Quiltsandwich besteht aus einer Lage Baumwollwebware unten, dann Style-Vil und oben drauf eine Lage Folienjersey. Das wird natürlich kein normales Quiltprojekt, sondern soll eine kleine Tasche werden. Wir dachten, wenn das geht, geht alles. Geheftet haben wir mit dem Obertransportfuß. Dann ging es ans Rulern.

Ja, es geht. Aber Spaß macht es ehrlich gesagt, nicht. Mit den HLx5 gibt es permanente Aussetzer. Mit Superuniversal auch. Oder mit der Quiltnadel. Erst die Superstretch hat es ermöglicht, überhaupt mal eine Linie am Stück zu quilten. Aber nur, wenn der Fuß dabei den Stoff richtig berührt. Und genau das ist ungünstig bei Folienjersey, der verschiebt sich dann gleich. Also alle paar Stiche anhalten, Fuß anheben, Stoff ausrichten, weiterquilten.

Wo das Sandwich schon komprimiert ist, gehts leichter, die Felder so nach und nach zu füllen, sollte also noch möglich sein. Aber wir wollten dann erst mal checken, woran es hakt. Ist Style-Vil zu dick?

Der Rulerfuß ist ja höhenverstellbar, technisch ist es daher kein Problem.

Hier zum Vergleich (bei abgesenktem Nähfuß) die höchsten und die tiefste Stellung.

Oder ist Folienjersey einfach nur ein Ticken zu viel? Allerdings haben wir solche Kombis bereits erfolgreich mit anderen Maschinen gequiltet. Es waren aber auch schon ein paar hier in der Redaktion, die komplett gestreikt haben.

Also noch ein Versuch, Folienjersey mit normalem Quiltvlies: Geht auch nicht.

Dann Patchworkstoff mit Style-Vil: Gleicher Effekt. Der Fuß muss immer so richtig den Stoff drücken. So ensteht kein Quiltflow bei uns. Auch hier haben wir wieder sämtliche Nadelsorten durchgetestet. Kein Unterschied.

Aber, jetzt haben wir noch ein Teil angefangen, ein paar Reihen Rulerwork schaffen wir da schon irgendwie und die Lücken werden eh freihand gefüllt. Diesmal arbeiten wir mit verschiedenen Baumwollgarnen.

Zuerst mit Gütermann Cotton 30 Multicolor. Im nächsten Feld mit Mettler Silk Finish Cotton 50 Multicolor. Hier war der Quiltflow sofort wieder da. Kein Fehlstich, Fadenspannung schnell eingestellt.

Und wie schon beim ersten Versuch mit den Kieseln: Freihandquilten läuft mit der Brother PQ1600S.

Unser Fazit in Sachen Patchwork und Quilten:

Wer über einen Schnellnäher in Sachen Quilten nachdenkt, sollte sich vielleicht erst mal die Alternativen ansehen. Freihandquilten mit dem Sprungfuß klappt wirklich gut und hier ist die PQ1600S auch sehr tolerant, was verschiedene Garne angeht.

Wer mit dem Obertransportfuß quilten möchte, kann problemlos den OTF von Juki verwenden und auch damit näht sie wirklich schön. Dieser ist auch praktisch bei dehnbaren Stoffen, falls der sich trotz reduziertem Nähfußdruck trotzdem wellen sollte.

Aber es gibt keinen Rulerfuß und das hat vermutlich auch seinen Grund – es läuft einfach nicht, wenn der Quiltfuß nicht auf den Stoff drückt.

Zum Piecen ist die PQ1600S allerdings perfekt, hier kann die Geschwindigkeit voll ausgenutzt werden, nicht nur beim Nähen, sondern auch beim Fadenschneiden und Nähfuß-Anheben. Wenn man sich dann vielleicht auch noch angewöhnt, den Nähfuß nur mit dem Kniehebel anzuheben, um den Stoff drunter zu legen oder zu entfernen, kann man da schon ordentlich Strecke machen.

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Wo geschnitten wir, fallen Fusseln. Also gehört bei der Overlock das gründliche Reinigen noch öfter auf den Plan als bei der Nähmaschine. Im neuesten Beitrag zeigen wir euch, die ihr die Juki MO-3500 Sumato gründlich reinig und wo im Anschluss das Öl hinkommt.
www.naehratgeber.de/juki-mo-3500-reinigen-und-oelen-82620/
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Wo geschnitten wir, fallen Fusseln. Also gehört bei der Overlock das gründliche Reinigen noch öfter auf den Plan als bei der Nähmaschine. Im neuesten Beitrag zeigen wir euch, die ihr die Juki MO-3500 Sumato gründlich reinig und wo im Anschluss das Öl hinkommt.
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So eine Simulation ist fast so entspannend, wie der Stickmaschine beim Sticken zuzusehen 😊
Wir können es jedenfalls kaum erwarten, die Muster zu sticken. Hier seht ihr einen Entwurf unserer nächsten Quilty Fillers, die ihr euch ja gewünscht habt. Rahmenfüllende Quiltmuster, perfekt für kleine Quiltprojekte wie zum Beispiel Täschchen. Damit jeder die volle Fläche nutzen kann, wird es sie für fast alle Stickrahmengrößen unserer Hersteller geben (ab 15x15).
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