Ruby 90

Die HUSQVARNA VIKING Designer Ruby 90 im Test bei der Redaktion – Teil 2

Nach den ersten Erfolgen mit echtem Leder im Testbericht Teil 1 ging es dann gleich an ein richtiges Projekt aus Leder.

Handytasche aus Echtleder

Hier hätten wir aber mal besser vor dem Zuschnitt getestet, wie viele Lagen die Ruby 90 noch gut verarbeiten kann. Denn beim Annähen der Schlaufen kommen vier Lagen aufeinander und das Leder ist sehr fest. Das Prägemuster hat das Material wohl noch versteift. Da war selbst mit einer Ledernadel nichts mehr zu machen.

Erst waren wir ein bisschen enttäuscht, aber der Wechsel zur BERNINA B790 plus hat gezeigt: Das Leder ist zu hart. Denn sie hatte die gleichen Probleme. Daher ging es wieder zurück an die Ruby 90 und die problematischen Stellen wurden mit dem Handrad genäht.

So konnte die Handytasche Lilly noch fertig gestellt werden:

Beim Zurückschneiden der Kanten mit der Schere war nochmal spürbar, dass das eingeprägte Muster wirklich stellenweise zu sehr harten Stellen geführt hat. Das restliche Leder wird daher bei Schnitten verarbeitet, die nur zwei Lagen bilden.

Kissenhüllen

Die Trapunto-Stickereien haben wir noch zu Kissenhüllen verarbeitet.

Wir haben uns für einen Hotelverschluss entschieden (Anleitung hier). Um den Umschlag knappkantig abzusteppen, wurde der Blindstichfuß benutzt. Da dieser die erhöhte Seite links hat, muss der Stoff dafür nach rechts gelegt werden. Aber dafür ist ja wirklich genug Platz.

Die Seitennähte sind mit einem Geradstich genäht, anschließend kam noch eine Versäuberung hinzu. Hierbei ist uns aufgefallen, dass die Designer Ruby 90 auch bei hohen Geschwindigkeiten stabil steht und nicht anfängt, zu vibrieren.

Grobstickmantel

Aus einem Grobstrick gab es dann noch einen Mantel nach einem Burda-Schnitt. Hier waren bereits alle Kanten mit der Overlock versäubert, die Seiten- und Ärmelnähte hat die Ruby 90 mit einem einfachen Geradstich zusammengenäht.

Für den Saum haben wir uns dann für METTLER Seraflex entschieden, damit auch hier der Geradstich reich. Die Ruby 90 hat keinerlei Probleme mit dem dehnbaren Garn.

Das Label haben wir mit dem Antihaftfuß angenäht. Das Drehen des Projekts war leicht möglich, auch hier zeigt sich der reichliche Platz rechts der Nadel von Vorteil.

Die Ärmel wurden nur zwei mal umgeschlagen und an zwei Stellen mit ein paar Zickzack-Stichen angenäht. Hier war der Freiarm hilfreich und, wie bei allen anderen Nähten an diesem Stoff auch, die Tatsache dass bei einem erneuten Drucken der Nähfußhebetaste der Transporteur versenkt wird. So bleibt der Stoff nicht an den Zähnchen hängen, wenn man ihn unter dem Nähfuß positioniert.

Und so war der Morgenmantel aus Baumwoll-Grobstick auch schnell fertig.

Patchwork-Block

Das Thema Quilten sollte natürlich auch dran kommen, aber dafür muss erst mal ein Top genäht werden. Das begann mit einigen kleinen Dreiecken. Mit der Geradstichplatte und dem Patchworkfuß gelang das sehr gut, die Ruby 90 hat keine Probleme damit, nah an der Kante zu beginnen und zu enden. Auch die Vernähfunktion erleichtert das Zusammennähen der kleinen Teile.

Nach dem Zusammennähen wurde ein Teil im Nahtschatten gequiltet. Hier haben wir uns für den Obertransportfuß mit der offenen Sohle entschieden. So hatten wir immer freie Sicht auf die Einstichstelle und der Fuß hat das Quiltsandwich optimal transportiert.

Geheftet ist das Sandwich mit dem Micro-Stitch-Tool, das wir gerne für kleine Projekte verwenden. 

Der Hintergrund sollte dann freihand gequiltet werden. Hier bietet die Ruby 90 zwei Möglichkeiten:

Sprung oder gleitend kann in den Einstellungen ausgewählt werden. Mit dem Fuß R wird gleitend gequiltet, was bei Husqvarna Viking heißt, dass sich der Fuß die ersten Stiche noch auf und ab bewegt und dann anfängt zu schweben. Diese Höhe kann im Menü angepasst werden.

Die Anleitung für diesen Einhorn-Quiltblock finden Sie demnächst hier auf dem nähRatgeber.

Knopflöcher

Knopflöcher auf dehnbaren Stoffen sind meist nicht so einfach. Die Ruby 90 schlägt über den Nähberater in unserem Fall (dehnbar – mittel) ein manuelles Knopfloch vor, aber dazu hatten wir keine Lust. Es sollten ja alle drei genau gleich groß werden. Also ein automatisches Knopfloch gewählt, Vlies drunter, Beilaufgarn dran und los geht’s. Bei der Probe hat sich gezeigt, dass die Zähnchen des roten Rades aber an den Fasern des Stoffes hängen bleiben, was ein schiefes Knopfloch ergibt.

Wir haben dann einfach noch einen Streifen Vlies unter das Rädchen gelegt, dann war das kein Problem mehr. Mit wasserlöslichem Vlies ist auch das Entfernen hinterher ganz einfach. Schmäler dürfte die Blende allerdings nicht sein, sonst hätte das Rädchen keinen Platz mehr darauf und die Länge kann nicht gemessen werden.

Kosmetiktasche

Wieder ein kombiniertes Projekt, bestehend aus Sticken und Nähen. Dazu ein bisschen Quilten.

Zuerst wurde die Oberseite mit einem Schriftzug versehen. Leider hat sich nach dem Zuschnitt gezeigt, dass ein Fehler im Material vorhanden ist. Aber diesen kann man mit der Positionierungs-App ganz einfach verdecken.

Sticken

Man fotografiert den eingespannten Rahmen, hier ist das Kunstleder nur auf MADEIRA Super Web aufgeklebt. Am Bildschirm ist die Fehlstelle dann zu erkennen und der Schriftzug kann genau darüber platziert werden.

Erstellt wurde die Schrift mit der BERNINA Designer Plus V8. Eigentlich ist dies keine Schrift für Stickschaum, aber wie Sie im Video dazu auf dem Youtube-Kanal des nähParks sehen können, kann man auch andere vorhandene Schriften passend für Stickschaum gestalten. Da in der Ausgangsfarbe lila nicht alles so gut zu erkennen war, haben wir sie direkt in der Maschine geändert, das geht ganz einfach über die Farbauswahl am Ende der Farbliste.

Wenn Sie kontrollieren möchten, ob die Postion stimmt, können Sie auch noch einfach das Design Positioning öffnen und die gewünschte Stelle mit der Nadel anfahren.

Das Positionieren per App ist nicht ganz so exakt, da man die Eckpunkte ja selbst am Tablet festlegt, aber für solche Probleme ist eine Genauigkeit von 1-2 mm ausreichend.

Das Ergebnis direkt nach dem Entfernen des Schaums. Wir streichen jetzt noch mit der Pinzette über die Stellen, an denen Stickschaum sichtbar ist, dann gleitet der Rest nach innen.

Nähen

Ein paar Teile der Tasche werden mit Schrägband eingefasst, hier haben wir mit dem (optionalen) Bandeinfasser verstellbar gearbeitet.

Und wenn eine Husqvarna Viking Nähmaschine in der Redaktion steht, müssen natürlich Paillettenstiche genäht werden. Selbst auf Kunstleder machbar.

(Wir würden uns jedoch wünschen, dass wenigstens ein passender Nähfuß für die Spezialstichtechniken im Lieferumfang enthalten wäre, hier der offene Applikationsfuß. Oder auch der Nähfuß für die Wolleffektstiche.)

Überhaupt hat die Ruby 90 keinerlei Schwierigkeiten mit Kunststoffen. Sei es das Absteppen des Reißverschlussendes oder das Festnähen von Vinyl. Über den Nähberater ausgewählt, passt Fußdruck und Stichlänge dann ja schon mal. Die zwei Stiche über den dicken Reißverschluss (Kunststoff) haben wir zur Sicherheit mit dem Handrad gemacht.

Auch wenn man es hinterher kaum noch sieht, hier wurde gequiltet. Das Volumenvlies dieses Taschenteils haben wir freihand festgequiltet, eine ideale Übung, die noch sinnvoll verwertet wird. Ebenso oben bei dem Stoff hinter dem klaren Vinyl, hier wurde mit dem Obertransportfuß und einem Quiltstich genäht.

Weiter unten sieht man das Quiltmuster bei Taschenboden. 

Mit dem RV-Fuß und der Stichführung von CLOVER ist es dann auch leicht, mit 1 cm NZG um die Ecke zu nähen. Wir nutzen dafür den Nadelstopp unten mit Sensorhub. Die Nähmaschine hält also immer mit der Nadel unten an und hebt dann den Nähfuß ein Stück an, damit man leicht den Stoff drehen kann.

Die Ruby 90 hatte keine Probleme bei der Beauty-to-go, weder mit klebrigem Vinyl, noch mit Klettband, Style-Vil oder dem Aufeinandertreffen mehrerer Lagen.

Freestanding Lace

Wie diese Biene gestickt wird, sieht man auf Instagram: Gehen Sie dort zum nähRatgeber und dann auf IGTV. Das Video ist ein Teil unserer wöchentlichen Live-Sendung.

Die gelben Bienen sind mit MADERIA Aerofil gestickt, die schwarzen mit MADEIRA Metallic Sparkling Col. 262. Die Ruby hat auch das Metallicgarn in der Unterfadenspule zuverlässig verarbeitet. Wir haben dabei verschiedenen Vliese getestet. Zum Schluss haben wir uns noch einen Hintergrund mit der Trapunto-Technik auf Stickschaum erstellt, hier wurde schwarzer Jersey verwendet und das Ganze zu einem Bild arrangiert.

Noch ein paar Anmerkungen

Das sieht man leider bei Husqvarna Viking Designer Modellen immer wieder mal. Da es sich dabei meist aber um spezielle Garne oder sehr festes zu bestickendes Material handelt, liegt die Vermutung nahe, dass hier eine Problemstelle im Garn durch das letzte Bürstchen immer nur weitergeschoben wird.

Wenn die Ruby 90 mit dem WLAN verbunden ist, meldet sie selbst, wenn ein Update verfügbar ist. Dies kann während des normalen Betriebs im Hintergrund heruntergeladen werden und danach wird man gefragt, ob man es gleich oder beim nächsten Start installieren möchte. Dieses Update hat zur Installation etwa zehn Minuten gebraucht.

In der Grundeinstellung zeigt die Ruby 90 auch beim Sticken immer das komplette Stickbild an. Tippt man auf die Blume, wird nur die Farbe angezeigt, die gerade gestickt wird, die anderen Farblagen werden hellgrau angezeigt.

Leider ist es nicht mögich, hier die Farbreihenfolge beliebig zu ändern.

Das Absteppen eines Kragen gelang wie erwartet sehr einfach. Die Ruby 90 transportiert auch ohne Hilfe nah an der Kante gut. An den Ecken haben wir aus Gewohnheit hinter dem Nähfuß ein Stoffstück platziert, aber bei der zweiten Ecke es auch einfach mal ohne probiert. Beide Ecken wurden schön. In der Nadel befindet sich GÜTERMANN Denim No. 50, was mit der Topstitchnadel problemlos verarbeitet wird.

Fazit

Die Ausgangsfragen waren ja, ob die HUSQVARNA VIKING Designer Ruby 90 die Lücke zwischen der Sapphire 85 und der Epic 2 schließt und ob sie das Potential zum Bestseller wie die alte Ruby hat.

Zuerst mal haben wie sehr gerne mit der Ruby 90 gearbeitet. Das Prinzip über den JoyOsAdvisor und die ganzen technischen, husqvarnatypischen Funktionen unterstützen genau an den richtigen Stellen. Man kann einfach nur nähen, wenn man will, aber auch kreativ gestalten. Die Sensoren und Voreinstellungen sorgen dafür, dass man sich nicht zu viel Gedanken machen muss um Nähfußdruck, Fadenspannung und Unterfaden.

Die Zierstichauswahl und eigentlich alles, was im Stickmodus nutzbar ist, machen die Ruby 90 zur Spielwiese. Wer gerne tüddelt, wird seine Freude daran haben.

Die eine oder andere Eigenheit von Husqvarna Viking hat auch die Ruby 90 (sehr frühes Melden des Unterfadens, Fusseln in den Abstreiferbürstchen, lauter Fadenschneider).

Ja, die Ruby 90 passt genau in die Lücke. Wer keinen integrierten Obertransport und 9 mm Stichbreite braucht, kann sich bereits mit der Ruby 90 seinen Traum erfüllen und auf die Epic 2 verzichten. Das eine oder andere Mal dachten wir dann aber doch an die integrierte Laserführung ….

Allerdings bietet die Ruby halt doch mehr Platz als die Sapphire 85 und kann mit dem Bändereffektset arbeiten. Gegen den Bestseller spricht bei der Ruby 90 nur Eines, der Preis. Hier sehen wir das Potential doch eher bei der Sapphire 85. Auch, weil diese bei einer kompakteren Bauweise nur sechs Zentimeter Stickbereich einbüßt, aber so vielleicht auch in kleineren Nähzimmern Platz findet.

Sie sehen schon, die Entscheidung zwischen den drei genannten Kombimodellen könnte schwierig werden, aber wir haben ja nun eine Auswahl an Testberichten hier auf dem nähRatgeber und für den Rest kontaktieren Sie gerne unsere Maschinen-Beratungsteam.

Hier in der Redaktion wird uns die Ruby 90 auf jeden Fall fehlen.

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