Husqvarna Viking Designer Ruby 90 Testbericht

Die HUSQVARNA VIKING Designer Ruby 90 im Test bei der Redaktion – Teil 1

Manche Modelle einer Marke sind bekannter als andere und auch Näh- und Stickfans bekannt, selbst wenn diese mit der Marke an sich nicht so viel anfangen können. Vor einigen Jahren war die Designer Ruby (als Deluxe oder Royal) von HUSQVARNA VIKING so ein Modell. Sie sah nicht nur schick aus, sondern überzeugte auch mit technischen Funktionen, die man in dieser Preisklasse kaum bekam. Als sogenannte „Second-of-the-line“ wurde sie zum Bestseller. Sie finden hier auf dem nähRatgeber noch die Testberichte zu diesem Modell, wenn Sie “Ruby” in die Suche eingeben. 

Jetzt gibt es wieder eine Ruby. Die Ruby 90 soll die Lücke zwischen der Designer Epic 2 und der Designer Sapphire 85 schließen. Um herauszufinden, wie gut sie diese Anforderung erfüllt, steht sie nun in der Redaktion zum Testen.

Praktischerweise kommt die Ruby 90 wie von HUSQVARNA VIKING gewohnt in zwei Kartons. Einmal die Nähmaschine und im anderen die Stickeinheit. Kontrolliert man das mitgelieferte Zubehör, fällt auf, dass die Bedienungsanleitung für so eine umfangreiche Maschine doch sehr dünn ist.

Das liegt daran, dass diese Anleitung nur die Hardware anspricht. Alles, was man über das Display ausführt, wird dort nicht aufgelistet.

Dafür gibt es die integrierte Anleitung in der Ruby 90
Alternativ kann man eine Anleitung als PDF herunterladen. 

Tasche Kuoria

Zum Einstieg durfte die Ruby 90 gleich eine Kuoria (Hansedelli) fertigstellen. Mit dem Kunstleder hatte sie, wie zu erwarten, keine Probleme.

Hat man keine Erfahrung mit Kunstleder, kann man das Material ganz einfach im JoyOS Advisor aussuchen und die Ruby 90 stellt den Fußdruck runter, die Stichlänge hoch und zeigt den Nähfuß H an. Wer das selbst weiß, muss natürlich den erweiterten Nähberater nicht benutzen und passt selbst an.

Das gilt zwar für die meisten Husqvarna Modelle, aber muss immer mal wieder erwähnt werden. Das ist der Reißverschlussfuß. Er kann beidseitig montiert werden und ermöglicht es, sehr weit links (oder auch rechts) zu nähen. Die breite Sohle sorgt dafür, dass der Stoff trotzdem noch gut transportiert wird. Zusätzlich verschiebt die Ruby 90 die Zähnchen des Transporteurs auch noch nach links, wenn die Nadel ganz links steht. Die Stichführung von CLOVER hilft dabei, die Nahtzugabe von 1 cm exakt einzuhalten, da dann die Führungen auf der Stichplatte nicht mehr passen. Auf dem anderen Bild sehen Sie noch die Aufhängung eines Topflappens. Statt mit dem Fuß auf dem dicken Teil zu nähen und Aussetzer zu riskieren, kann man mit dem RV-Fuß den Stoff ganz knapp erfassen und feststeppen.

Zurück zur Kuoria.

Die wurde mit der Designer Ruby fertig verarbeitet, die Vorderseite im Patchwork-Stil hat die Opal 690Q genäht. Hierbei wird der Seitenstreifen zwischen Außen- und Innenteil genäht, dabei Griffe und Trägerschlaufen übernäht. Alle Stellen meisterte die Ruby 90 problemlos. Ob hier immer wieder die Durchstichskraftverstärkung zugeschaltet wurde, war nicht ganz klar. Bei den Vorgängermodellen konnte man das eigentlich hören, daher vermuten wir, dass von Husqvarna Viking nachgebessert wurde. Denn die 150 Newton extra schaltet die Maschine ja selbsttätig zu, falls benötigt. Genäht wurde mit einer 90er Universalnadel.

Dann wars aber Zeit für die erste Stickerei

Impfpasshüllen waren gewünscht (Freebie vom nähPark), also durfte die Ruby 90 gleich mal Vinyl, Kunstleder und Releda sticken.

Mitgeliefert werden drei Stickrahmen: 12 x 12, 20 x 26 und 26 x 36. In den 20 x 26 passten gerade so zwei kleine Hüllen oder eine große und eine kleine. Um die Stickfläche optimal zu nutzen, haben wir erst eine ganz unten gestickt und dann die Positionierungs-App benutzt. Einfach den Rahmen mit dem Ipad fotografieren, an die Maschine schicken und schon hat man ein Bild vom eingespannten Rahmen in der Ruby und kann die zweite Datei optimal platzieren.

Im Anschluss gab es noch eine Datei von Urban Threads mit Metallicgarn. Über den großen Fadenbaum kann das Garn optimal ablaufen. Die erste Farblage wurde mit MADEIRA Metallic in Farbe 320 gestickt. 

Hier kam es immer wieder mal zu Fadenbruch. Wir haben verschiedene Nadeln getestet, mit und ohne Deluxe Stitch System. Mit einer Metallicnadel in 90, Deluxe Stitch System und Garnnetz war das Ergebnis am besten, allerdings nicht perfekt. Beim Beobachten des Garns fiel auf, dass es sich trotz Netz immer mal wieder verwunden hat. Da die zweite Farblage mit GÜTERMANN Metallic Farbe 7009 anstandslos durch lief, haben wir in diesem Fall die Probleme beim Garn von Madeira vermutet. Das wird sich aber in weiteren Tests sicher noch genauer zeigen.

Erst musste noch was mit Stickschaum gestickt werden. Die Datei haben wir mit der BERNINA Designer Plus Sticksoftware selbst entworfen.

Die Motivgröße von 23 x 23 cm hat im großen Rahmen noch gut Platz. Erst wird der Schaum mit sehr kleinen Stichen perforiert, hierfür haben wir den automatischen Fadenschnitt deaktiviert, da man diese Fäden hinterher ohnehin nicht mehr sieht und so stickt die Maschine schneller.

Mit der zweiten Farblage wird der Oberstoff festgestickt. Hier hatten wir den automatischen Fadenschnitt zuerst an, allerdings hat sich er Anfangsfaden ab und an mal verhaspelt. Die Ruby 90 passt die Höhe des Stickfußes selbst an und durch die unebene Oberfläche stand er manchmal einfach zu hoch für optimales Vernähen.

Mit dem Stickfuß R kann man das Problem vermeiden. Ist dieser montiert, kann die Höhe noch um 5 Stufen verändert werden und so der Stickfuß Stoff und Schaum angepasst werden.

Dieses Motiv wurde mit dem Stickfuß R gestickt:

Man muss aber trotzdem immer ein Auge auf die Stickerei haben. Denn die Ruby misst nach jeden Fadenschnitt erneut die Höhe des Stoffes und passt den Fuß an.

Vor allem, wenn der Stoff nur aufgelegt ist, kann das dazu führen, dass der Fuß zu hoch steht und sich Schlaufen bilden.

Unser Tipp:

Sie können bei Husqvarna Viking nicht nur zwischen dem Sensor-Sprungfuß und dem Fuß R wählen, sondern auch den Sensor-Sprungfuß montieren, aber den Fuß R anwählen. So können Sie die Höhe zusätzlich noch anpassen, selbst beim Sprungfuß. Bereitet Ihnen ein bestimmtes Projekt Probleme (Faden verheddert sich oder bildet Schlaufen), kann dieser Weg eventuell helfen.

Zusätzlich können komplizierte Projekte auch mit dem Pedal gesteuert werden. Besonders beim Heften oder bei losen Stoffen kann man so den Stoff mit beiden Händen halten, während man mit dem Fußpedal Gas gibt (genau wie im Nähmodus). Und selbst, wenn Sie die Maschine mit der Taste gestartet haben, genügt ein Druck auf das Pedal und sie bleibt stehen.

Wie gewohnt, meldet der Unterfadenwächter der Ruby 90 sich sehr früh. Drückt man das PopUp nicht weg, kann man über die Starttaste die Maschine weiter sticken lassen. Sie stickt dann allerdings so lange, bis der Unterfaden komplett aufgebraucht ist und der Oberfadenwächter sich meldet, weil der Oberfaden keine Spannung mehr hat. Wir bleiben dann an der Stickmaschine und sticken, wenn möglich, die aktuelle Farbe noch fertig und wechseln dann die Spule.

Nähprojekt zwischendurch

Je nachdem, wie aufwändig die geplante Naht ist, muss man die Ruby 90 mehr oder weniger umbauen. Für die schnelle Naht zwischendurch kann das daher ganz schnell gehen:

Stickmodul kann bleiben, Geradstichplatte auch, wenn der Stickfuß R montiert war, muss nur die Sohle umgesteckt werden, Nadel wechseln, neu einfädeln. Im Display mit einem Tipp den Modus wechseln.

Das ist (ohne Einfädeln) in einer Minute machbar und reicht in der Regel für einen einfachen Geradstich.

Der Komplettumbau dauert etwas länger:

Stickmodul abziehen, Nähtisch anschieben. Stichplatte und Nadel wechseln, Nähfußhalter umschrauben. Nadel tauschen, Einfädeln, Modus wechseln. Aber auch das ist in zwei bis drei Minuten erledigt. Die Stichplatte muss ja nicht geschraubt werden.

Für die jeweils andere Stichplatte gibt es im Nähtisch einen Platz zur Aufbewahrung. Das mitgelieferte Zubehör kann hier komplett untergebracht werden.

Also haben wir zwischen dem Sticken noch ein Top aus Webware genäht. Der Blindstichfuß ist wie gewohnt eine große Hilfe beim schmalkantigen Absteppen, hier bei einer Untersteppnaht.

 

Die Designer Ruby 90 hat zuverlässig genäht, auch bei dem feinen Stoff und nah an der Kante. Als Abschluss gab es noch einen Baby-Saum, der gelang ebenfalls schnell und einfach.

Wenn es mal ein bisschen mehr wird

Es wird natürlich immer gefragt, wie viel die Maschine an Lagen packt. Wie wir das sehen, haben wir hier mal erklärt: Wie viele Lagen schafft diese Nähmaschine?

Daher legen wir nicht einfach Stoff unter den Nähfuß, bis die Maschine streikt, sondern beobachten das bei richtigen Projekten. So wie hier, beim Annähen einer Taschenklappe.

Unter dem Nähfuß befinden sich an Nahtanfang und Ende sechs Lagen Stretchcord, eine Lage Vlies und eine Lage Futterstoff. Die Ruby hat alles solide vernäht und auch kein Problem damit gehabt, so nah an der Kante zu nähen.

Kennen Sie diesen Satz?

Ich brauch nur eine einfache Maschine, ich will nur ab und zu ein paar Hosen kürzen.

Es ist vielleicht keine große Sache, unten ein paar Zentimeter abzuschneiden und zwei mal umzubügeln. Aber so entstehen an der Beininnen- bzw. Beinaußennaht Stellen mit manchmal 9 Lagen Stoff. Dazu befinden sich davor und dahinter nur drei Lagen.

Eine Hose zu kürzen ist also für die Nähmaschine durchaus eine große Sache. Allerdings nicht für die Ruby 90.

Der Saum ist gebügelt und wir haben, als die Nähfußspitze an der Stufe ankam, hinten eine Hebamme untergelegt. Denn durch den Schrägstand des Fußes könnte die Nadel abgelenkt werden (das sollte man aber immer so machen).

Um die Frage mit den Lagenvergleichen jedoch zumindest teilweise zu beantworten, haben wir ein „Vergleichsleder“. Es ist relativ steif und dick und entspricht damit nicht mehr dem, was die meisten Hobbynäher für ihre Taschen verwenden. Bei uns darf jede Testmaschine mal daran nähen. Wie schon öfter erwähnt, schaffen einfach Modelle nur zwei Lagen, normale Nähmaschinen drei. Vier Lagen konnten wir bis jetzt nur mit Bernina-Nähmaschinen verarbeiten.

Da braucht sich die Ruby 90 nicht verstecken. Auch sie schafft vier Lagen unseres Testleders. Das dürfen übrigens alle Maschinen auf die gleiche Weise testen, also einfach übereinandergelegt, ohne Nahtkreuzung oder knapp an der Kante. Mutig haben wir noch eine Lage dazu gelegt und es ist gar nichts Schlimmes passiert: Die Ruby brachte die Nadel noch durch, aber es wurden keine Stiche mehr gebildet. Es ist also die maximale Höhe des Nähfußes erreicht.

Freestandig Lace mit Metallicgarn


Ein paar Minuten umbauen, dann konnte weiter gestickt werden. Nach den ersten Erfolgen mit Metallicgarn diesmal die Steigerung, freistehende Stickereien.

Das Motiv ist wieder von Urban Threads. Wie die Maschine das stickt, können Sie übrigens auf dem Insta-Account des nähParks in den Reels sehen.

Es wurde auf zwei Lagen MADEIRA Avalon Ultra mit einer Metallicsticknadel in Stärke 90 von SCHMETZ gestickt. Die Besonderheit bei FSL ist, dass das gleiche Garn in der Unterfadenspule verwendet werden muss, damit die Datei auch von hinten schön aussieht. Nach den ersten Test haben wir dafür die Spannung der Unterfadenspule um eine Achtel-Drehung reduziert, damit das Verhältnis zwischen Ober- und Unterfaden gleichmäßiger ist, als sonst beim Sticken gewünscht.

Die Ruby 90 hat das komplette Set mit 61.000 Stichen problemlos gestickt. Lediglich beim letzten Motiv gab es einen Fadenriss, woraufhin wir die Nadel ausgetauscht haben.

Bei diesem Motiv haben wir mit METTLER Metallic Col. 2108 gestickt.

Hier noch der Vergleich von Vorder- und Rückseite. 

Zum Schluss durfte die Ruby 90 noch ein kombiniertes Projekt herstellen, erst sticken und dann nähen:

Datei: Eigenentwurf – Schnittmuster: Lilly von Crearesa

Was soll man da sagen?

Es macht einfach Spaß, mit der Ruby 90 zu arbeiten. Die Datei wurde über MySewnet an die Maschine geschickt, gestickt und dann zu einer Crossbody-Bag verarbeitet. Auch an den Ecken näht die Designer Ruby 90 gleichmäßige Stiche, bei normaler Webware ist da auch beim Absteppen keine Hebamme nötig.

Wir werden noch ein paar Projekte mit der Ruby 90 gestalten für einen zweiten Teil des Testberichts. Daher hier erst nur ein kleines Zwischenfazit:

Die Ruby 90 ist ein typisches Designer-Modell von HUSQVARNA VIKING. Kreativ und verspielt, mit unzähligen Möglichkeiten, seine eigenen Kreationen noch ein bisschen persönlicher zu gestalten. Eine Spielwiese eben, nicht nur im Stickbereich, sondern auch im Nähmodus.

Alles mit technologischer Unterstützung vom Feinsten.

Sie füllt die Lücke zwischen der Sapphire 85 und der Epic 2, wobei wir uns allerdings fragen: Warum zeigt die Ruby 90 im Nähmodus die Sohlen der Epic 2 an? Die haben nämlich die Aussparung für den Obertransport.

Die Ruby 90 macht ne Pause, aber Sie werden sicher noch viel hier von ihr lesen!

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2 Antworten auf „Die HUSQVARNA VIKING Designer Ruby 90 im Test bei der Redaktion – Teil 1“

Hallo!
Super, danke! Das passen wir gleich an.
Viele Grüße
Ihr Team vom nähRatgeber

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