Im Test bei Tanja Stürmer: BERNETTE b79 – Abschlussbericht

Ich habe die Bernette b79 ordentlich in die Mangel genommen. Wenn ich ehrlich bin, bin ich bei Testmaschinen schon weniger zimperlich als bei meinen eigenen. Aber ich versuche so an die Technik ranzugehen, wie es ein Kunde vielleicht zu Hause auch mal macht. Und da gibt es ja die unterschiedlichsten Herangehensweisen und Wissensstände.
Dann wird halt mal nicht die Nadel gewechselt oder nicht der passende Fuß montiert. Später dann vielleicht doch, um die Fehlerquelle auszuschließen.

Hauptsächlich nutze ich die Testmaschinen aber bei meiner täglichen Näharbeit.
Und da musste die b79 erst mal fleißig sticken:

Stickmodus

Hier wurden Ösen (Datei Grete vom Ländle) auf Jersey gestickt. Dieser ist zwischen zwei Lagen Avalon eingespannt.

Die Ösen zieren nun einen Ärmelsaum und es wurde eine selbstgemachte Kordel nach der Overstrick-Technik aus dem Buch von Gaby Seeberg durchgezogen.

Dann wurde auf Polsterstoff gestickt, zum Teil mit Nähgarn. Was ich daraus genäht habe, seht ihr später beim Thema Nähen. Die Rahmen der Bernette sind auf jeden Fall sehr leicht zu benutzen, die neue Spannfeder erleichtert die Handhabung enorm. 

Danach kam das Flamingo-Kissen dran. Hier habe ich verschiedene Stickmotive auf dem Stoff verteilt. Die Stichanzahl lag zwischen 13.000 und 52.000 pro Motiv. Da hatte die b79 schon lang dran zu sticken. Die Höchstgeschwindigkeit von 850 Stichen pro Minute ist eben doch für mich etwas zu wenig. Dazu ist sie leider gerade beim Sticken laut. Ich habe bis jetzt auf folgenden Maschinen gestickt: Luminaire, Icon, Topaz 30, Ruby, Sensation, Innovis 955, B560 und V3 und die b79 ist meiner Meinung nach die lauteste.

Stickmotiv Glow von Kunterbunt Design

Ich habe sie nebenbei sticken lassen, ich bekam ja sofort mit, wenn sie angehalten hat. Da gab es allerdings mal ein Problem, das ich aber selbst verschuldet hatte. Ich hatte den Unterfadenwächter deaktiviert, um eine Spule komplett leer zu sticken. Dann habe ich vergessen, ihn wieder zu aktivieren und die b79 hat munter weiter gestickt, als die Spule leer war, bis der Oberfaden Probleme bereitete.

Die Fadenbruch-Funktion ermöglicht es, mit den Drehreglern ganz einfach in kleinen oder großen Schritten zurück zu gehen, aber ich habe mich auf die Beine konzentriert und nicht bemerkt, dass die Farbe auch an den Flügeln hätte sticken sollen.

Das fiel mir erst am Ende auf. Auch da hätte ich wieder zurückgehen können, aber dann hätte die fehlende Farbe die Konturen des Flügels überstickt. Da ich aber einen halben Tag an dem Flamingo gestickt hatte, wollte ich ihn nicht wegwerfen.

Also hab ich einfach das Stickmodul abmontiert, den großen Anschiebetisch angeschoben und die Fläche freihand aufgefüllt. Der Stoff blieb dabei gleich im Stickrahmen und der Stickfuss JX dran. OT: Warum nennt Bernette den „Hüpfer-Stickfuß“, das klingt nach Kinderlied.

Ich finde, das ist gut aufgefüllt und kann so bleiben. Das Kissen wurde dann noch mit einer Paspel genäht, hat einen Hotelverschluss bekommen und sieht nun so aus.

In Sachen Sticken hab ich allerdings auch was zu bemängeln:

Die b79 schneidet Sprungstiche und entfernt die Fadenreste. Allerdings bleiben die immer wieder mal beim neu Ansetzen obenauf und werden dann zum Teil mit eingestickt. So richtig dramatisch war es bei mir nicht, aber wenn die Oberfläche supersauber werden soll, sollte man vielleicht drauf achten, die rechtzeitig abzuschneiden.

Und mein Krieg mit dem Einfädler…

Mit Nähgarn gehts ja noch. Aber beim Stickgarn ist es immer wieder passiert, dass der durchgezogene Faden hinter dem Öhr bis nach oben gezogen wurde, wo er dann entweder durchtrennt oder zumindest angerissen wurde. Teilweise hat er sich dann aufgedröselt und ich musste neu einfädeln.

Bei 52.000 Stichen und 25 Farbwechseln kann einen dann schon mal die Laune vergehen.

Aber: Egal mit welcher Marke und Garnsorte (Nähgarn, Stickgarn) ich gestickt habe, das Stickbild war fast immer perfekt ohne was einzustellen. Nur bei den Quiltmotiven musste ich die Fadenspannung reduzieren, was wohl am Volumenvlies lag. Unterfaden war bis auf diesen einen Fall nie auf der Oberfläche zu sehen.

Hier seht ihr noch die Quiltmotive, die ich über Volumenvlies gestickt habe. Daraus gab es ein Kissen zum Muttertag. Zu den Quiltstichen schreib ich im Thema „Nähmodus“ noch was.

Nähmodus

Für meinen Bedarf habe ich mit der b79 viel gestickt. Ich sticke eigentlich eher weniger, hatte eine Zeit lang ja gar keine Stickmaschine. Mein Schwerpunkt liegt auf dem Nähen. Meine Projekte im Einzelnen:

Der Rucksack Roana nach einen Schnitt von Hansedelli. Hier seht ihr die oben abgebildetet Lilie wieder. Die Dateien sind von Kunterbunt Design. Der Rucksack ist aus Polsterstoff, Kunstleder und Canvas. Der Canvas (gelb) wurde von mir mit Odicoat versiegelt, damit er nicht so schnell verschmutzt und die Paspel unten hab ich aus diesem Canvas selbst hergestellt.

Den Rucksack zu nähen, war schon anstrengend. Steht aber auch so in der Anleitung 😉

Hier hat die Bernette mit dem praktischen Reißverschlussfuß geglänzt. Allerdings hat die Leistungsfähigkeit der b79 doch Grenzen. Die war hier erreicht:

Die obere Lage Gurtband dient zum Verdecken des Trägeransatzes. Darunter liegen dann noch drei Lagen Kunstleder, Style-Fix, eine Lage Volumenvlies, eine weitere Lage Gurtband und eine Lage Style-Vil. Den Querschnitt des Gurtbands hab ich oben abgebildet, es ist kein einfaches Gurtband, sondern mit Kern.

Die Nadel brachte die b79 zwar durch, aber es bildeten sich keine Stiche mehr. Da ich immer wieder nach einen Vergleich zwischen der b79 und der B790 gefragt wurde, hier ist einer: Die B790 hat diese Stelle genäht, wie alle anderen auch. Völlig unbeeindruckt (gleiche Nadel, gleiches Garn).

Hier ein ganz tolles Beispiel zum Thema Nähfüße. Das ist das Kunstleder, aus dem ich den Rucksack genäht habe. Die Oberfläche finde ich sehr klebrig. In der Mitte sieht man den Standardfuß ohne OTF. Oben einen Teflonfuß eines anderen Herstellers, den ich mit Hilfe eines Adapters montiert habe. Und unten den Standardfuß MIT OTF. Ist klar, womit ich den Rucksack fertig genäht habe?

Auf Instagram hab ich diese Täschchen gesehen und mir den Schnitt geholt. Ich hab noch ein paar Lederreste hier, die auf Verarbeitung warten. Viele Nähte hat das Teil ja nicht. Das Leder ist relativ dünn und ich hab einfach losgelegt. Da hatte ich dann aber Glück, denn von diesem Leder schafft die b79 nicht mehr als drei Lagen. Gut, dass man für diese Tasche nur zwei und drei Lagen nähen muss. Sonst hätte ich ein echtes Problem gehabt. Die Nadel ging durch, aber es wurden keine Stiche gebildet.

Da ja so oft nach Knopflöchern gefragt wird, habe ich natürlich welche gemacht. Zugegebenerweise kommt das normal selten vor. Ich bin ein Fan von Reißverschlüssen und Druckknöpfen. Wenn doch mal Knopfloch, dann meist in den Bund einer Jeans und die sticke ich mittlerweile.

Aber ich wollte ja eh einen Blazer nähen. Da kam schon das erste Knopfloch zum Einsatz.

In der Grundeinstellung sind mir die Knopflöcher der b79 zu locker, zu dünn und die Innenbreite zu groß. Dichte konnte ich erhöhen, Breite auch aber die Innenbreite ist nicht änderbar. Schade.

Trotzdem gab es gleich noch eine Runde Knopflöcher. Ich habe festgestellt, dass man zwar ohne Vlies auch schöne Knopflöcher hinbekommt, aber dann kann es passieren, dass mal eins aus der Reihe fällt. Also immer schön Vlies verwenden (aber das gehört sich ja eh).

Hier sieht man noch, wie ich die Quiltstiche auf dem oben gezeigten Kissen genäht habe. Für mich war es sehr schwer, die Spur zu halten, durch das Plastik am Fuß und den gekrümmten Schlitz. Hier hätte ich mir einen offen Fuß gewünscht, der war zur Testzeit aber noch nicht lieferbar. Wer quiltet, sollte sich den auf jeden Fall noch gönnen!

Alles, was ich sonst so genäht habe, hat die b79 immer ordentlich vernäht. Auch feine oder dehnbare Stoffe und nah am Rand war kein Problem. Sie hat auch nie den Stoff in das Stichloch geschoben.

Den Stichdesigner hab ich auch mal getestet. Erst dachte ich, das brauch ich nicht, ist ja genau wie bei meiner B790. Aber auch hier wurde etwas abgespeckt.

Es fehlt die Funktion „Alles auswählen/Aufheben“. Das hat mich am Anfang schon etwas irritiert. Man kann also nicht durch die einzelnen Stiche blättern oder alles auf einmal markieren. Aber man gewöhnt sich dran. Sonst funktioniert er genauso, wie ich das gewohnt bin.

Und ich hab wieder Zierstichreihen genäht, immer einmal im Original, einmal mit verschobenen, hinzugefügten oder entfernten Stichen und dann nochmal als Dreifachstich. Diese Funktion gefällt mir am besten am Stichdesigner, man kann quasi alle Zierstiche der b79 verdreifachen. So kommen sie einfach besser rüber.

Aus dem Zierstichversuchen hab ich mir ein einfaches Einstecketui für meine Brille genäht. Um die Rückseite zu verdecken, hab ich mit Sprühkleber ein Microfasertuch auf den Filz geklebt und beide Lagen zusammen zugeschnitten. 

Alle Lagen wurden problemlos zusammengenäht. 

Zum Abschluss lass ich euch noch ein Bildchen da.

Das soll kein Vergleich sein. Die beiden müssen nicht miteinander konkurrieren. Ich mag meine B790 wirklich sehr und möchte auf das Nähgefühl nicht mehr verzichten.

Aber die b79 hat meine Einstellung zu Bernette schon sehr verändert. Ich finde, Bernette ist erwachsen geworden. In der Preisklasse um die 2000 Euro für eine Stickkombi wird sie definitiv im Markt eine Rolle spielen.

Und sie bleibt auch bei mir im Hinterkopf als Ersatzmaschine. Da aber bereits die nächste Testmaschine parat steht, besteht im Moment kein Bedarf an einer Zweitmaschine.

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