Im Test bei Tanja Stürmer: PFAFF Ambition 620

Als Mitarbeiterin des Nähparks habe ich natürlich täglich mit Nähmaschinen (und dem, was so dazu gehört) zu tun. Trotzdem ist es etwas anderes, wenn eine Maschine zu Hause steht und für die alltäglich anfallenden Arbeiten genutzt wird. Ich bin eigentlich immer auf der Suche nach einer neuen Nähmaschine, im Moment als Ersatzmaschine oder für die die Reise. 

Da ich weiß, dass es die eierlegende Wollmilchsau unter den Näh- und Stickmaschinen einfach nicht gibt, teste ich auch gerne Maschinen, die ich mir nicht selbst ausgesucht habe. Man will sich ja schließlich nicht festfahren.

Aktuell nähe und sticke ich mit der Bernina 790 plus und ich muss sagen, da haben es alle anderen Nähmaschinen grad sehr schwer. Aber die Bernina wurde für den Testzeitraum zur reinen Stickmaschine erklärt und ich habe alles auf der Pfaff Ambition 620 genäht.

Der erste Eindruck

Der Karton war überraschend klein und hatte auf der Reise schon etwas gelitten. Trotzdem war innen alles heile (zumindest optisch) und die Ambition war auch schnell aufgebaut. Es ist nicht meine erste Pfaff Nähmaschine, ich habe bereits auf der Performance 5.2, der Creative Sensation und der Creative Icon genäht. Zum Teil kam mir daher einiges vertraut vor. Aber man versteht dann auch, warum bei den anderen Maschinen oft auf den Freiraum hingewiesen wird, bei der Ambition geht es etwas enger zu.

Ich habe gleich zu Anfang ein paar Zierstiche getestet und kam spontan auf die Idee, in der Art von Kasia Hanack mit geschwungenen Zierstichlinien was zu designen. Ich war begeistert, wie toll die Ambition das Madeira Decora 12 vernäht hat, ohne irgendwelche Einstellungen. Es hat mich trotzdem etwas gewundert, dass der Oberfaden bei Satinstichen rechts weiter nach unten gezogen wurde als links, aber das scheint am Horizontalgreifer zu liegen. Von rechts war nichts zu sehen.

Mit dem Madeira Spectra war es schon etwas komplizierter, aber mit der passenden Nadel und gesenkter Fadenspannung klappte auch das. Hier gibt es dann doch was zu bemängeln: Die Menüführung für Veränderungen wie der Oberfadenspannung ist überhaupt nicht meins. Ich habe bis zum Schluss immer wieder die falschen Tasten gedrückt. Positiv anzumerken ist hier die Tatsache, dass ich bei normalem Garn ohnehin nie etwas an der Oberfadenspannung verändern musste, die war immer optimal (die Pfaff stellt die ja passend zum Stich ein).

Normales Nähen klappte super, war ja zu erwarten. Dank des IDT verschiebt sich da auch nichts und ich hab noch schnell ein Top mit der Zauberkachel genäht.

Aber auch da fiel mit etwas nerviges auf: Sie hat einen regelrechten Wendekreis. Beim Umschalten aufs Rückwärtsnähen macht sie quasi drei Wendestiche. Und ich musste oft wechseln, da die Vernähfunktion nur für das Ende der Naht programmierbar ist. Ich vernähe eigentlich immer so: Ich beginne etwas weiter innen, nähe einen Stich, drücke auf die Rückwärtstaste, bis die Nadel am Stoffrand ist, lasse los und nähe dann vorwärts. Aber das ist mit der Pfaff echt keine Dauerlösung. Zumal sie auf oft einfach nicht auf vorwärts umschaltet, wenn ich die Taste loslasse. Die Trefferquote dabei beträgt 50 Prozent.

Praktischerweise ist das Licht für den Rückwärtsgang aber bei dieser Maschine für mich sichtbar angebracht (das hatte ich mal bei der Icon bemängelt).

Die verschiedenen Nähsituationen

Gut, normal nähen geht, aber das kommt bei mir ja nicht so oft vor. Hier ein paar der Spezialitäten, an die ich die Ambition rangelassen hab:

Folienjersey. War nicht meine Idee, war der Wunsch des Messners. Unsere Krippe in der Kirche brauchte eine neue Tischverkleidung. Leider konnte die Ambition nur den seitlichen Saum nähen (im Fadenlauf). Der untere Saum quer zum Fadenlauf wurde total verzogen und die Overlock durfte ran.

Nähen von Papier. Dieses Transparentpapier hab ich mit dem Plotter bemalt und ausgeschnitten. Nach dem Füllen wurde es mit der Pfaff Ambition 620 zugenäht und das hat sie perfekt gemacht.

Applizieren von Jersey auf Jersey. Nachdem die Stickerei nicht geklappt hat, musste ich den Rest mit der Ambition applizieren und auch das hat sie optimal gemeistert.

An diesem Deckenquilt haben schon so einige Nähmaschinen gearbeitet, also durfte auch die Ambition mal ran. Leider gibt es für diese Maschine nur einen (optionalen) Sprungfuß, er bewegt sich also auf und ab. Trotz versenktem Transporteur kommt mir der Fuß aber zu weit runter und stört mich dabei in meinem „Quiltflow“. Rulerwork geht damit gar nicht und das mag ich eigentlich sehr. Für ambitionierte Quilter also eher nicht geeignet.

Trotzdem habe ich den Flamingo dann mit dem Freihandquiltfuß appliziert. Ist das Material nicht zu dick, klappt das auch.

Aber man kann ja auch anders quilten. Die Staubschutzhülle für meinen Plotter besteht aus zwei Lagen Baumwollstoff und Style Vil, was ich mit dem IDT und dem normalen Fuß mit Gerad- und Dreifachzickzackstich zusammengequiltet habe. Kein Verschieben!

Allerdings ist mir beim Quilten aufgefallen, dass die Ambition doch etwas langsamer näht, als meine Bernina. Ist aber zu verschmerzen, da ich so etwas eher selten mache.

Auch das Vernähen von Jersey klappte ausnahmslos ohne Probleme mit der Ambition 620. Gelegentlich musste ich den Nähfußdruck senken, aber in den meisten Fällen reichte das Verwenden des IDT.

Der IDT ist gut, aber bei diesem klebrigen Wachstuch hat er dann doch nicht gereicht. Ich habe mich dann für die Verwendung eines Teflonfußes entschieden, der ist allerdings nicht im Lieferumfang enthalten.

Aber das knappkantige Absteppen hat dank der vielen Nadelpositionen ausgesprochen gut geklappt.

Bei der weiteren Verarbeitung des Rucksacks habe ich dann doch das Limit der Maschine erreicht. Bei zwei Lagen Canvas, einer Lage Style-Vil, einen Reißverschluss und vier Lagen Wachstuch war Schluss und es wurden keine Stiche mehr gebildet. 

Zur Maschine allgemein:

Drückt man auf die Infotaste, erscheinen im Display ein paar praktische Hinweise zum passenden Nähfuß, oder welche Oberfadenspannung eingestellt wurde.

Dies ist das besagte Menü, mit dem ich nicht zurecht kam. Zum Beispiel gelangt man vom schwarz hinterlegten "Einstellungen" zur Oberfadenspannung durch Drücken auf den Cursorpfeil "Nach oben". 

Ich schaue natürlich immer wieder in die Anleitung und dort ist das auch gut erklärt, hängen blieb es bei mir trotzdem nicht.

Was mir an der Anleitung noch aufgefallen ist: Sie beinhaltet auch das Modell 630. Und ich habe mir des Öfteren gedacht "Schade, genau das hätte ich jetzt gebraucht, aber das hat nur die 630." Ob Pfaff sich mit dem kombinieren der Anleitung da einen Gefallen getan hat, weiß ich nicht. 

Loben muss ich mal den Fadenschneider. Der ist echt schnell, kein umständliches Geruckel oder Nadel hoch und runter. Ist die Nadel schon unten, wird sofort geschnitten. 

Ich habe auch mit der Zwillingsnadel genäht, hat prima geklappt. Für Nähtreffen wäre die Ambition echt praktisch, da relativ leicht und mit Kofferhaube.

Mein Fazit:

Meine Traummaschine wird die Pfaff Ambition 620 nicht werden. Und das nur wegen dem Rückwärtsgang. Ich habe echt immer wieder versucht, zu verstehen, wie sie funktioniert (manchmal klappte das Wenden auch ohne Extrastiche), aber wir kommen einfach nicht auf einen Nenner.

Sonst wäre sie echt eine klasse Maschine. Sie näht Jersey ohne Murren, produziert keinen Fadensalat, wenn man mal ins Leere näht, die Fadenspannung ist fast immer perfekt und sie ist auch nicht zu laut. Optisch und haptisch gefällt sie mir ebenso gut. Die Stichauswahl hat mir gereicht und auch die Möglichkeiten, die Stiche zu ändern. Absteppen klappte wunderbar, weil man viele Nadelpositionen hat.

Insgesamt finde ich das mit dem Umschalten echt schade, aber ich werde mich bei den anderen Pfaff Modellen weiter umsehen.

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