Nähen gegen Müll – Beutel für Obst, Gemüse und Backwaren

Glücklicherweise ist es inzwischen Trend, Obst und Gemüse im eigenen Beutel mit nach Hause zu nehmen. Ist doch gar nicht so schwer, oder? Jetzt fehlt nur noch, dass die Supermärkte ihre Auswahl bei unverpackten Lebensmitteln erweitern. Was nutzt der schönste Beutel, wenn die Ware zu 90 Prozent in Folie ausliegt? Vermeiden kann man das auch, indem man sein Gemüse möglichst beim Bauern kauft.

Aber nicht nur Plastik ist Müll. Auch Papier.

Daher liegt es doch nahe, auch Brot und Brötchen in selbstgenähten Beuteln einzukaufen!

Beim Bäcker um die Ecke geht das noch relativ einfach. Man muss nur schnell sein, denn die Verkäufer greifen schon beim ersten Wort der Bestellung zur Tüte. Hier tut es auch ein normaler Stoffbeutel.

Aber:

Unserer Meinung nach besonders schwieriger Müll ist die Kombination aus Plastik und Papier. Diese findet sich meist bei den Tüten für Backwaren im Discounter. Abgesehen davon, dass man seine Backwaren grundsätzlich beim regionalen Bäcker kaufen sollte, kann man das schlechte Gewissen immer noch durch einen selbstgenähten Beutel beruhigen. Manchmal ist einfach die Zeit zu knapp oder die Auswahl zu verlockend.

Problem:

Brötchen sind im Netz, das oft für Obst verwendet wird, nicht gerade sicher verpackt. Wer hat schon Lust auf Brösel auf dem Band oder im Korb?

Stoffbeutel bieten aber keinen Blick auf den Inhalt und das ist ja an der Kasse nötig. Daher gibt es hier eine Anleitung für einen Stoffbeutel mit Organzaeinsatz. So sieht man den Inhalt, aber nur so viel wie nötig.

Vorteilhaft ist Organza auch, wenn Obst an der Kasse per Scanner berechnet wird. Viele Netze bereiten diesem Gerät Probleme und die Kassiererin muss mühsam per Hand eingeben. Erleichtern wir ihnen die Arbeit.

Es gibt unterschiedliche Qualitäten von Organza. Wenn Ihnen Ihrer zu fein erscheint, können Sie auch Netzstoff oder Vorhangstoff verwenden, dann kann es allerdings wieder Probleme beim Einscannen geben, je nach Dichte des Materials.

Durch den Tunnelzug ist der Inhalt sicher und schnell verstaut. Wir der Beutel nur für Obst und Gemüse verwendet, das an der Kasse gewogen wird, darauf achten, dass der Stoff möglichst leicht ist und am besten immer den kleinstmöglichsten Beutel benutzen. 

Wir haben die Maße für zwei verschiedene Größen. In den kleinen Beutel passen sechs Brötchen, in den großen zehn. Weitere Größen können ganz einfach selbst konstruiert werden. Nähen Sie sich eine Auswahl, denn ab und an sollen die Beutel auch in die Waschmaschine.

Anleitung für einen Obst-, Gemüse- und Brötchenbeutel

Benötigtes Material:

Zuschnitt

Großer Beutel

  • Rückseite: Baumwollstoff Länge 46 cm, Breite 33 cm
  • Vorderseite: 2 mal Baumwollstoff Länge 46 cm, Breite 10 cm
  • Vorderseite: 1 mal Organza Länge 46 cm, Breite 17 cm

Kleiner Beutel

  • Rückseite: Baumwollstoff Länge 34 cm, Breite 28 cm
  • Vorderseite: 2 mal Baumwollstoff Länge 34 cm, Breite 10 cm
  • Vorderseite: 1 mal Organza Länge 34 cm, Breite 12 cm

Zuerst wird die Vorderseite gefertigt:

An den Organzastreifen werden mit den langen Seiten jeweils rechts und links die Baumwollstreifen angenäht. Verwenden Sie hierzu eine Nahtzugabe von 1 cm und eine kleine Stichlänge.

Wir empfehlen, diese Nähte anschließend mit der Overlock zu versäubern.  Alternativ können Sie auch einen Versäuberungsstich Ihrer Nähmaschine verwenden. 

Bügeln Sie diese Nähte vorsichtig zum Baumwollstoff hin. Jetzt werden alle äußeren Kanten mit der Overlock versäubert, auch bei der Rückseite.

Die Naht zwischen Organza und Baumwollstoff kann mit einem Zierstich abgesteppt werden. 

Der Tunnel lässt sich leichter legen, wenn er vorab in Form gebügelt wird. Hierzu die obere Kante 2 cm umschlagen und bügeln. Gerade beim Bügeln von Organza empfiehlt sich ein Heißsäumer.

Anschließend nochmals 2 cm einschlagen und wieder bügeln.

Nun wird der Beutel an den Seiten und am Boden in einem Durchgang mit einer Nahtzugabe von 1 cm zusammengenäht. Beginnen Sie dabei 6 cm von der oberen Kante (also so weit unten, dass der nach unten umgeschlagene Tunnel nicht mit angenäht werden würde).

Jetzt wird der Tunnel gefertigt.

Schlagen Sie dazu die Stoffkante 1 cm (Nahtzugabenbreite) nach innen. 

Die obere Stoffkante am eingebügelten Bruch nach unten legen. 

Ein zweites Mal einschlagen und feststecken. 

Rundherum den ganzen Tunnel einschlagen und stecken.

Am besten von der linken Seite festnähen, so trifft man exakt die Stoffkante. Am Übergang der Seitennaht nochmal rückwärts nähen zum Stabilisieren. 

Das Nähen ist erledigt, jetzt wird das Band eingezogen. Für einen praktischen Tunnelzug, der sich schnell öffnen und schließen lässt, wie folgt einfädeln:

Das Band (jeweils ca. 50 cm) durch eine Einzugsnadel fädeln und von rechts nach links ziehen, anschließend durch den anderen Tunnel wieder zurück.

Das zweite Band entgegengesetzt einziehen, sodass auf jeder Seite eine Schlaufe und ein paar Enden liegt. Die Enden miteinander verknoten, dann kann nichts herausrutschen.

Tunnelzug testen, fertig!

Weitere Designbeispiele:

Beutel mit Tunnelzug kann man immer brauchen. Sara von Sara & Tom hat sich einen schicken Beutel für Windel und Co. genäht. 

Kleines Tragbares hat den Obst- und Gemüsebeutel mit Mesheinsatz genäht. Im großen Beute befinden sich 2,5 Kilo Kartoffeln. 

Aus einem schönen Patchworkstoff hat Heike Rosenbaum ihre Gemüsebeutel genäht.

Aus einem schönen Patchworkstoff hat Heike Rosenbaum ihre Gemüsebeutel genäht.

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