Spezial-Spulenkorb Pfaff Bobbinwork

Nicole: Bobbinwork mit PFAFF Nähmaschinen

Vorab…

Ich würde mich durchaus als gute Näherin bezeichnen, habe allerdings in den zurückliegenden Monaten des Tests den Eindruck gewonnen, dass es noch sehr viel rund um das Thema Nähen gibt, von dem ich überhaupt gar keine Ahnung habe! Genaugenommen kenne ich nur eine Ecke des Nähens wirklich gut.

Ausgangspunkt war, dass ich herausfinden wollte, was Bobbinwork ist. Mit diesem Begriff wird, ähnlich wie mit dem Begriff Rulerwork (von dem ich bis heute nicht weiß was es ist) in einschlägigen Gruppen z.B. auf Facebook oder auf Instagram herumgeworfen und ich habe Bobbinwork immer für etwas gehalten, was man mit einer Stickmaschine macht – nichts also für mich (habe eine Nähmaschine, eine Overlock, eine Top-Stich-Cover).

Als ich meine 10jährige Pfaff durch die neue QE720 ergänzte, habe ich dann eine weitere Spulenkapsel im optionalen Zubehör entdeckt und der Stein kam ins Rollen.

Ich bekam die Chance zu einem Test.

Garn Aufspulen mit Hilfe des Stylus

Jersey mit Stitch-n-Tear in Arbeit

Nähseite mit Stitch-n-Tear-Vlies und Monofil

Rückseite, Vlies weggezupft. Die Stiche bleiben einwandfrei erhalten.

Unterseite beim Nähen wird sichtbare Seite

Das Prinzip ist simpel: ist ein Garn für die Nadel zu dick, kommt es auf die (Unter-) Spule (=Bobbin) und man näht „von links“. Der Unterfaden wird also zum sichtbaren Teil des Nähguts. Auf diese Art und Weise kommen auf einmal Garne an die Nähmaschine, die ich aus der Wollreste-Kiste vom Stricken geholt habe.

Im Pfaff Bobbin-Set ist eine Spulenkapsel und ein Schraubenzieher enthalten. Und eine knappe, aber gut verständliche Anleitung. Wenig „Hardware“ also.

Wer denkt, man macht mal eben Bobbinwork, liegt falsch. Ich kann vorwegnehmen: Wer ein gutes Ergebnis erzielen möchte, braucht Geduld und Material zum Probieren. Jedes Projekt ist im Prinzip von vorn, denn jeder Baustein verändert das Ergebnis komplett. Es muss also immer wieder Probe genäht werden. Leichter fällt es vielleicht, wenn jemand mit Stickerfahrung vor der Maschine sitzt.

Ein hoher Zeitaufwand kommt daher, dass man verschiedene Bausteine (also das Material) immer wieder neu zusammenstellt und damit auch eine erneute Justierung der Maschine erforderlich ist. Weil man von links näht, sieht man zudem das Ergebnis nicht, sondern muss erst eine Strecke nähen, bevor man das Nähgut wenden und die Stiche sehen kann.

Diverse Vliese, Garne, das Bobbincase-Set, Ahle, Applikationsfuss, Fransenstopp, Einfädler, Sprühkleber, Stylus der QE720.

Die Bausteine / Hardware:

  • ein zu verzierender Stoff

  • Vlies (außer, der Stoff ist schon belegt oder es handelt sich um Kunstleder, Filz, o.ä.)

  • Nähgarn für den Oberfaden (durch die Nadel)

  • Garn für die Spule (=Bobbin)

Was muss eingestellt werden / Software:

  • Unterfadenspannung (das macht man, wenn die Spule im Spulenkorb liegt – noch außerhalb der Maschine – mit dem Schraubenzieher

  • Läuft der Unterfaden durch die Spanungsfeder des Spulenkorbes oder lassen wir den aufgrund der Struktur / Stärke des Garns aus?

  • Welchen Stich kann ich verwenden (möglichst wenig Rückwärtsstiche dabei und keine dichten Stiche)

  • Stichlänge / Stichbreite anpassen

  • Oberfadenspannung erhöhen: wieviel?

Allererster Versuch mit geraden und Zick-Zack-Stichen / Rückseite (beim Nähen oben)

Allererster Versuch mit geraden und Zick-Zack-Stichen / Vorderseite (beim Nähen unten)

Versuche mit Dekorstichen und wechselnden Nadelfaden-Farben, Nähseite

Vorderseite: um die Sterne sichtbar zu machen, hätte noch mit der Fadenspannung probiert werden müssen. Unten kann man an den Kringeln die verschiedenen Nähfadenfarben erkennen.

Die „Hardware“

Stoff: ich habe verschiedene Stoffe ausprobiert, zu Beginn nur Webstoffe, später dann auch elastische Jerseys. Im Grunde ließ sich das alles gut verarbeiten, gerade bei elastischem Stoff war ich darüber angenehm überrascht, führe das zum einen auf das Vlies und zum anderen auf den exzellenten Obertransport der QE720 zurück.

Vlies: dieser Punkt hat mir alles abverlangt. Als Bekleidungsnäherin hatte ich überhaupt keinen Schimmer von Stickvliesen und musste mich in das Thema richtig einarbeiten.

Bei Webstoffen ist es relativ egal, welches Vlies man verwendet – hat ein bisschen damit zu tun, ob es bleiben kann, oder eben nach dem Nähen entfernt werden soll. Ich habe gelernt, dass es Vlies aus papier-, gaze- und plastikähnlichen Materialien gibt, die durch Ausreißen oder Bügeln entfernt werden oder sich einfach in Wasser auflösen. Letzteres hat mich echt in Staunen versetzt, als ich es das erste Mal gemacht habe. Wirklich lustig, wenn das einfach verschwindet.

Interessanter war Vlies bei elastischen Stoffen (Bekleidung). Ich habe Jersey mit ausreißbarem Stickvlies (Stitch-n-tear) und wasserlöslichem Stickvlies (Soluvlies) verarbeitet. Hier ist eindeutig Soluvlies vorzuziehen, denn nur so könnte man Kleidung verzieren, ohne eine kratzige Rückseite zu erhalten.

Bedenken hatte ich zu Beginn, weil das Vlies nicht fest mit dem Stoff verbunden ist (so, wie ich es von Einlagen beim Nähen von Bekleidung gewohnt war). Ich habe dann mit wasserlöslichem Sprühkleber gearbeitet, was mir sehr gefiel. Später habe ich es auch ohne komplettes Befestigen versucht. Das war auch gar kein Problem. Ich habe die Ecken einfach mit Stecknadeln fixiert.

Jersey belegt mit Soluvlies. Vorder- und Rückseite sowie die Rückseite nach Entfernen des Vlieses im Wasser.

Nähgarn für die Nadel: Der Oberfaden schlingt sich um den Unterfaden und da die Unterseite oben ist, sind die Schlingen sichtbar. Dadurch sind Akzente möglich: Ähnliche Farben oben und unten oder eine ganz andere in der Nadel ergeben ganz andere Ergebnisse. Ich habe vieles mit Monofil, dem transparenten Garn von Madeira genäht. Da erscheint das Spulengarn pur. Ein besonderes Garn oder eine besondere Nadel sind nicht erforderlich, es sollte zum Nähgut passen.

Garn für die Spule: hier sind der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt. Ich habe viel und gern mit Hand-Stickgarn gearbeitet, aber auch andere Garne versucht. Decora oder Glamour von Madeira sind auch prima geeignet – aber ich habe festgestellt, dass das gar nicht sein muss. Kommt natürlich drauf an, was man verzieren möchte.

Ich habe das Garn immer per Hand aufgespult. Dabei habe ich entdeckt, dass der Stylus gut geeignet ist, die Spulen zu halten. Mit der Zeit wusste ich auch aus dem Kopf, welche Richtung zum Aufspulen richtig ist. Den Faden habe ich mittels eines Nadeleinfädlers durch den Schlitz in der Spule gezogen und später abgeschnitten.

Der Stylus hält die Spule prima.

Die Software:

Unterfadenspannung: Wenn das Garn auf der Spule ist, wird diese (in der Hand!) in die Spulenkapsel gelegt und die Unterfadenspannung mit dem Schraubenzieher eingestellt. Da braucht es ein wenig Übung, bis man das Gefühl für die richtige Einstellung hat.

Anschließend wird der Korb mit der Spule wieder eingesetzt und es kann losgehen.

Läuft der Unterfaden durch die Spannungsfeder Je nach Garn kann man beim Einlegen in die Kapsel auch die Spannungsfeder umgehen (z.B. bei sehr dickem oder strukturiertem Unterfaden).


Auswahl des Nähstichs: Der Hinweis, dass Stiche mit wenig Rückwärtsschritten besser geeignet sind, wirft natürlich die nächste Frage auf: welche sind das überhaupt? Ich habe einfach durchprobiert, was mich ansprach.

Stichlänge / Stichbreite: Es ist einfacher, wenn die Stichlänge vergrößert wird, da habe ich einfach auch viel herumgestellt, bis mir die Ergebnisse gefielen. Zu kurz führte auch schon mal zu einem dicken Knoten und völligem Verheddern.

Oberfadenspannung: diese sollte „nach Bedarf“ erhöht werden. Auch hier gibt es keine Regel, manchmal habe ich keinen großen Unterschied gemerkt, wenn ich die Spannung verändert habe. Generell habe ich sie einfach immer ein bisschen höhergestellt und bin gut damit gefahren.

Die spezielle Spulenkapsel ist schon eingesetzt (sie ist grau!)

 

Strickgarn, von Hand aufgespult

Spule ist eingelegt und der Faden direkt durch den Einfädelschlitz hochgeholt worden. Hier ist auch der Applikationsfuss im Einsatz.

Anfangs Faden hochgeholt (vorher das Einstichloch mit der Ahle vorgearbeitet)

Nähseite mit Anfangs- und Endfaden

Das Ganze umgedreht.

Verschiedene Stiche und Garne, dabei Verändern von Stichlänge und Oberfadenspannung.

Hier wurde von oben nach unten die Stichlänge vergrößert.

Mein Fazit

Bobbinwork ist total spannend aber für mich auch herausfordernd. Mal eben so geht nicht. Dafür wird Geduld belohnt und die Ergebnisse sind sehenswert. Ich bin mit dem Thema noch nicht am Ende, z.B. habe ich mich auch zum ersten Mal überhaupt mit Freihandnähen beschäftigt. Weil ich mit dem Freihandfuß im Lieferumfang nicht so gut zurechtkam, habe ich mir noch einen offenen Freihand-Sprungfuß bestellt, den ich aber noch nicht versucht habe. Das mache ich erst mal mit normaler Näharbeit, bevor ich das mit Bobbinwork kombinieren werde.

Der Wechsel der verschiedenen Spulenkörbe ging mir mit der Zeit einfach von der Hand. Zu Beginn fand ich es kompliziert, immer die Stichplatte abzunehmen. Das ist gar kein Thema mehr.

Wichtig ist, dass man sich die Einstellungen notiert. Hat etwas gut geklappt, gleich aufschreiben (soll man ja auch beim Covern machen) und beim nächsten Mal geht es schneller voran.

Und man muss aufmerksam sein, Fehler werden nicht verziehen. Mal eben so mit „Wegnähen“ geht hier definitiv nicht.

Schlau ist auch, wenn man sich merkt, dass die normale Spulenkapsel die schwarze ist.

Ich bin mir noch unsicher, wie ich Bobbinwork nun in meinen Nähalltag einbinden werde. Ich habe vor einigen Wochen schon eine Tasche verziert, eine Auftragsarbeit. Mein nächstes Projekt wird wohl das Einfassen eines T-Shirt-Kragens sein. Wir sind noch nicht am Ende beim Probieren. Und das Freihandnähen steht ja auch noch aus. Wichtig ist, das jetzt nicht zu lange zur Seite zu legen, denn – so geht es mir – sonst ist es immer ein Angang, sich wieder da einzuarbeiten. Ich bleibe am Ball!

Abschließend…

Neben dem Bobbinwork-Set sind einige Dinge must-haves. Darüber hinaus habe ich mir noch einige Dinge zugelegt, die ich bisher nicht im Repertoire hatte. Das meiste kann ich aber auch so gut beim Nähen einsetzen. Ich liste mal auf:

  • Verschiedene Vliese zum Testen (unter anderem das Stick-Set von Vlieseline)

  • Sprühkleber

  • Fransenstopp

  • Eine Ahle (der Unterfaden muss zu Beginn hochgeholt werden, bei dickeren Stoffen ist es sinnvoll, das Loch vorzubereiten)

  • Um eine gute Sicht auf die Nadel zu haben (Unterfaden manuell hochholen, exakt einstechen) habe ich mir den Applikationsfuß 9mm mit IDT bestellt. Mit dem habe ich letztlich alles an Bobbinwork gemacht. Ein tolles Teil!

  • Ich habe einige leeren Spulen parat gehabt, damit man variieren kann.

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