Traktorfuß gegen Standardfuß

Die JUKI MO-2500 Sumato im Test – Teil 2

Nach den ersten beiden einfachen Projekten wollten wir die verschiedenen Sticharten testen. Da dabei immer wieder die Garne gewechselt wurden, können wir hier schon mal sagen:

Die Lufteinfädelung funktioniert, wie erwartet, einwandfrei. Es ist bei JUKI ja nicht das erste Mal.

Das Einfädeln der Nadeln gefällt uns nicht so gut. Zum einen, dass man von dem Einfädler einen Schwenk nach links machen muss und diese beiden Fächer treffen wir nicht blind, sondern müssen uns nach unten beugen und zum anderen stört es ein bisschen, dass man das Handrad nach dem Einfädeln der Greiferfäden nochmal ein Stück bewegen muss, damit der integrierte Einfädler funktioniert.

Und um den Einfädler geht es auch relativ eng zu.

Man stösst mit der rechten Hand an die Greifer und mit der linken Hand an den Einfädler, denn man muss den Faden manuell vor der Nadel spannen. Eine Arbeit, die bei anderen Modellen vom Einfädler übernommen wird. Beidseitig, oder nur rechts. Dass man den Faden so halten muss, kannten wir bis jetzt noch nicht.

3-Faden-Super-Stretch

Aus bi-elastischem Lycra sollte ein enges Unterhemd entstehen, da bietet sich die Super-Stretch-Naht doch an. Zumal von dem geplanten Garn nur drei Konen vorhanden sind. Es handelt sich um GÜTERMANN Bulky Lock No. 80, ein nadelfähiges Bauschgarn.

Also Greiferabdeckung vorschieben, einfädeln. Der Wechsel ist ja wirklich total einfach, kein Montieren der Abdeckung, kein Umklappen. Und sie rastet auch problemlos an Ort und Stelle ein. Perfekt gelöst!

Der Einfädler hat auch mit Bauschgarn funktioniert. Aber es entstand einfach keine schöne Naht (rechts). Der Greiferfaden wurde nicht von der linken Nadel erfasst. Wir haben dann die übliche Prozedur durchgemacht. Neu einfädeln, neue Nadeln. Normales Garn zum Vergleich. Da gings dann plötzlich. Nun, wir wollen aber Bauschgarn.

Dann hilft nur weiter probieren und es ist auch machbar, nämlich mit Super-Stretch-Nadeln. Wie passend, Super-Stretch-Naht mit Super-Stretch-Nadeln. Das kann man sich merken. Wir haben dann noch ein paar andere Stoffe getestet und es liegt hier definitiv am Stoff.

So hat es dann doch noch geklappt mit dem gut dehnbaren Unterhemd:

Also auf zum dreifädigen Rollsaum!

In einer Restekiste eines Stoffladens hatten wir ein Stück Musselin mit silbernen Sprenkeln gefunden, das von der Größe her ideal für einen Rundschal erschien. Und tatsächlich, doppelt um den Hals gelegt hat es gleich super gepasst. Also muss gar nichts zugeschnitten werden. Kanten versäubern, Runde schließen. Das kann man doch gleich mit dem dreifädigen Rollsaum erledigen. Das farblich perfekt passende Bauschgarn ist auch da, BULKY LOCK No. 160. Universalnadel wieder rein, nach Anleitung einfädeln, Spannungen auf 4. Stichlänge runter, Schnittbreite kleiner. Und dann noch wichtig für den Rollsaum: Die Stichzunge wegklappen. Ein Blick in die Anleitung, damit wir das auch richtig betiteln: Umschaltknopf für die Overlocking-Breite.

Naja, das klingt etwas holprig.

Besser ist da der praktische Hebel für den Rollsaum unter der rechten Fadenführung benannt: Fadenspannungshebel für Rollsäume.

Den finden wir klasse. Wir nutzen auch gerne die Rollnaht, also alles wie beim Rollsaum, nur dass sich die beiden Greiferfäden genau an der Kante treffen. Mit diesem Hebel können wir jetzt mit den gleichen Einstellungen zwei Nähte produzieren.

So ist der Schal fix fertig. Beide langen Seiten gesäumt und dann die kurzen Seiten mit der gleichen Naht miteinander verbunden. Die Kette haben wir etwas aufgedröselt und mit der Lasso-Nadel zwischen den Stofflagen verstochen.

Zwei Punkte gibt es hier noch anzusprechen: Bei der höchsten Geschwindigkeit fing die Overlock bei uns an, ganz leicht nach hinten zu wandern. Sie hat keine Saugnapf-Füße, was bei 1500 Stichen praktisch wäre. Denn schnell ist sie auf jeden Fall. Wir haben zwar nicht nachgezählt, aber hatten ja schon Overlockmodelle hier, die ähnlich schnell sein sollten und wir immer das Gefühl hatten, da stimmt was nicht so ganz an der Angabe des Herstellers.

Wir reinigen jetzt erst mal unseren Tisch und die Füße der JUKI, dann gibt es noch ein bisschen ODIF Grippy (auf den Tisch, nicht unten an die Maschine) und mal sehen, wie es beim nächsten Schnelldurchlauf so klappt.

Sicherheitsfunktion

Jetzt war es an der Zeit, die JUKI mal zu reinigen und dabei ist uns die Sicherheitsfunktion aufgefallen. Denn entgegen der Hinweise lassen wir unsere Maschinen gern mal an, wenn wir mit dem Reinigen anfangen. Und wenn das Pedal dann so unterm Tisch rumliegt, kann man schon mal dran kommen. Macht aber nichts bei der der MO-2500, sie näht bei geöffneter Klappe nicht (egal, ob rechts oder links) und auch nicht mit angehobenem Nähfuß. Allerdings weist sie den Nutzer nicht (wie andere Modelle) durch ein kleines Licht darauf hin. Ist also die Klappe nur einen Spalt geöffnet, fragt man sich, warum denn die Maschine nicht näht.

Nadelhalter

Für das nächste Projekt gab es gleich mal die passenden Nadeln (Wechsel von Universal auf Jersey), wofür wir natürlich das Ende des Pinsels verwenden. So fällt garantiert keine Nadel nach unten.

Der Traktorfuß

Eigentlich soll er ja für Stufen bei dicken Materialen montiert werden. Aber wir haben seinen verbesserten Transport schon bei einem dünneren Stoff genutzt.

Hier haben wir Probenähte auf Swafing Stretch-Suede gemacht, ein Wildlederimitat mit gewirkter Rückseite. Mit dem Standardfuß ist uns aufgefallten, dass die Naht Wellen in der Breite macht, also die Greiferfäden ab und an überstehen. Verschiedene Einstellungen brachten keine Abhilfe. Für ein normales Projekt hätten wir das auch einfach so gelassen, die Nähte liegen innen und werden (da eine Leggings) oft gedehnt und teilweise noch gecovert, aber wir wollten trotzdem wissen, ob es nicht noch schöner geht.

Und es ging, einfach durch Wechseln des Nähfußes. Der Stretch-Suede wird vom Traktorfuß gleichmäßiger Transportiert, das konnte man bei langsamen Nähen sehr gut beobachten. Hier möchten wir noch anmerken, dass die Pedalreaktion der JUKI MO-2500 wirklich angenehm ist, von ganz langsam bis ganz schnell ist alles möglich.

Wir hätten uns allerdings vorne am Traktorfuß auch die Kerben für die beiden Nadeln gewünscht.

Dass der Traktorfuß hungrig auf viel Material ist, sieht man schon in der Normalstellung. Hier lässt sich der Stoff viel leichter unterschieben als beim Standardnähfuß.

Der Traktorfuß hat zuverlässig über die Stufen genäht. Wobei wir bei diesen Stufen bei der JUKI MO-2500 auch mit dem Standardfuß keine Bedenken hätten. Aber der Stretch-Sude ist doch sehr glatt auf der linken Stoffseite und weiteres Wegrutschen wollten wir unbedingt vermeiden.

Die Leggings Sloan war schnell genäht, zum Säumen geht es dann an die Cover.

Der kurze Nähfuß und der kleine Ärmel

Ganz viele Fragen erreichten uns zum kurzen Nähfuß der JUKI Overlock. Zusammen mit ihrem kurzen Messer-Nadel-Abstand sind damit enge Kurven und nähen in geschlossenen Röhren möglich. Das mussten wir natürlich gleich mal testen.

Da wir aktuell aber als kleinste Größe 134 benötigen, gab es ausnahmsweise mal einen Fake-Ärmel. Das Bündchen hat eine Breite von 13 cm, der Ärmel 18 cm. Das Bündchen und der Ärmel werden separat zur Runde geschlossen.

Dann wird der Ärmel auf links gedreht und das Bündchen von innen festgesteckt. Es ist ja grundsätzlich einfacher, die längere Stoffbahn unten auf dem Transport zu haben, so vermeidet man eingenähte Fältchen.

Jetzt muss das nur noch unter den Nähfuß. Sieht eng aus, geht aber eigentlich ganz einfach, vor allem dank des Kniehebels. Und ja, wir nähen mit Stecknadeln. Und haben schon seit Jahren keine mehr mit dem Messer erwischt. Langsam losnähen, Nadel entfernen.

Dann die Runde in kleinen Schritten zu Ende nähen. Geht auch mit dem schönen Abschluss, den wir ja schon erwähnt haben:

Wir wissen jetzt nicht, welcher Baby-Kleidergröße ein Bündchen von 13 cm Zuschnittbreite entspricht, aber das können Sie ja gerne in Ihren bevorzugten Schnittmustern nachlesen. Es wäre mit etwas Übung sicher noch ein kleinerer Umfang möglich.

Bei uns war dann nochmal ein schnelles Hoodie-Projekt fällig. Die JUKI MO-2500 näht übrigens problemlos mit Nähgarn, denn wir hatten kein farblich passendes Overlockgarn da.

Etwas weniger problemlos ist es mit den Einstellungen für uns. Auf der Standardeinstellung (Druck M, Differenzial N) wellt sich bei uns eigentlich jeder dehnbare Stoff.

Für eine flache Kante waren hier bei einfachem Sweat Veränderungen nötig, Druck auf Low, Diff auf 1.5. Dann hat man aber wirklich eine flache Naht, die trotzdem gut dehnbar ist, ohne das ein Faden reißt. 

Das Washi-Tape markiert unsere Standard-NZG von 1 cm.

Bei unserer eigenen Overlock können wir uns an der Nähfußkante auf 1 cm orientieren und schneiden daher solche Projekte immer mit 1 cm NZG zu. Würde die JUKI hier einziehen, wäre es vermutlich besser, auf 9 mm herunter zu gehen. Klingt wenig, aber mit der Zeit wird man doch etwas pedantisch, was die eigenen Gewohnheiten angeht.

Die maximale Schnittbreite

An dieser Stelle ist uns noch etwas aufgefallen: Die MO-2500 hat eine maximale Schnittbreite von 7 mm. Das ist eigentlich ein weit verbreiterter Wert und wäre jetzt kein Grund zu meckern. Aber es ist für eine JUKI doch ein Schritt zurück, zumal die MO-2000 eine maximale Schnittbreite von 9 mm bietet. Neun Millimeter sind jetzt nicht für jeden wichtig, aber wer schon damit gearbeitet hat, wird es vielleicht vermissen. Damit sind nicht nur richtig schöne Flachnähte möglich, auch für das spätere Covern auf der Overlocknaht ist eine breite Naht wirklich von Vorteil. Der Transporteur der Cover tut sich mit einer breiten NZG viel leichter.

Wir schneiden jetzt noch ein Projekte für den Traktorfuß zu. Ein weicher Strickstoff und dann wollen wir noch ein bisschen mit speziellen Garnen und dem Rollsaum experimentieren.

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