Juki UX8 Test

Die JUKI UX8 im Test bei der Redaktion – Abschlussbericht

Natürlich können wir in der Redaktion nicht alles durchtesten, was man so nähen kann. Zumal wir ja immer mit richtigen Projekten testen wollen und die brauchen neben dem reinen Nähen ja auch noch Zeit für andere Sachen wie Zuschneiden, Bügeln, Stecken, Planen usw.

Aber eine Tasche muss definitiv dabei sein! Für diesen Test haben wir uns für die Leyra Bag von Unikati entschieden und dann gleich mal nicht aus Canvas, sondern aus einem Kunstleder in Flechtoptik.

Kunstledertasche

Nach ein paar Probenähten war klar, dass die JUKI UX8 auch hier keinen Teflonfuß benötigt, obwohl die Oberfläche doch eher klebrig ist. Das Heften des Bodens auf Style-Vil lief problemlos.

Der Reißverschlussfuß ist wirklich schön schlank (er kann rechts oder links eingeklinkt werden) und obwohl wir erst dachten, der Zipper kann nicht vorbeigeschoben werden, hat es dann doch geklappt.

Auch das Absteppen des Reißverschlusses ging einfach, die erhöhte Lagenanzahl hat die Juki gar nicht gestört. Man hat bei ihr beim Nähen das Gefühl, dass sie die Nadel problemlos durch alles durch bekommt. Kein Hämmern, kein Stocken, bei dem man zurück zuckt. Die regelbare Anfangsgeschwindigkeit sorgt dafür, dass man nicht losrast, wenn man immer mal wieder anhält.

Der Kantensteppfuß kann ebenfalls mit Obertransport genutzt werden und so war es ganz einfach, die Träger selbst aus Kunstleder zu fertigen.

Da hat es uns auch nicht verwundert, dass das Annähen ebenfalls ganz leicht war. Hier haben wir den Obertransport deaktiviert, da er ohnehin zu spät greifen würde und er so beim Drehen nicht im Weg war. Mit dem schwarzen Stift kann man den Nähfuß gerade stellen, also eine integrierte Hebamme.

Dazu haben wir bereits einen Beitrag hier auf dem nähRatgeber: Der Nähfußhaltestift.

Allerdings kann der Stift dann auch mal im Weg sein. Erst dachten wir, es sind ja noch andere Nähfüße dabei, aber genau an dieser Naht haben wir ihn den Haltestift dann sogar nochmal gebraucht. Gut, man kann nicht alles haben. Aber es gibt ja Hersteller, die haben den Knopf auf der anderen Seite. Ist vielleicht wirklich die bessere Lösung.

Da beim Taschennähen oft der Geradstich zum Einsatz kommt, sind uns noch zwei Dinge aufgefallen:

Man kann den Geradstich nicht spiegeln.

Also, man kann schon. Aber sie macht es nicht. So hat man dann im Display die Anzeige links, die Nadel steht rechts. Und man kann keine veränderten Stiche speichern. Nun, da könnte man sagen, sie hat doch einen Verlauf. Daher ein Beispiel:

Möchte man Nahtzugabe 1 cm nähen, ohne auf die Stichplatte zu achten, kann man auch die Nadelposition verändern. Diesen Stich hätten wir gerne dann abgespeichert, weil wir ihn immer wieder brauchen.

Zum Absteppen bei Taschen haben wir auch eine bestimmte Position, zusätzlich mit erhöhter Stichlänge. Das wäre dann ein weiterer Stich.

Der Verlauf sichert jedoch nur Stiche, die auch unterschiedliche Nummer haben. Näht man also eine Tasche mit drei verschiedenen Geradstichen, muss man die Veränderungen jedes Mal einstellen, weil es keine Möglichkeit gibt, diese zu sichern. Der Hauptspeicher der Maschine (obere Leiste ganz vorne) kann nicht mit Nutzstichen verwendet werden.

 

Die Leyra ist fertig und nähtechnisch war es ein Kinderspiel für die JUKI. Egal, wie dick oder nah an der Ecke, sie hat absolut zuverlässig genäht und wir hatten noch nicht mal das Bedürfnis, den Geradstichtransporteur einzubauen. Da wollten wir das Ganze gleich nochmal mit Echtleder versuchen.

Echtledertasche

Das war etwas ärgerlich, aber unsere eigene Schuld. Denn wir haben einfach in die Kiste gegriffen und zugeschnitten, ohne eine Probenaht zu machen. Die kam dann erst mit den Zuschnittresten und die UX8 hatte bei zwei Lagen schon ziemliche Mühe. Sie hat sie zusammengenäht, aber die Nadel stockte bei jedem Aufsetzen, so dass wir es mit drei Lagen erst gar nicht versucht haben. Was jetzt? 

Wir haben einen Vergleich mit einer BERNINA B790 genäht. Die hat (mit den verschiedenen Nadelsorten, die wir mit beiden versucht haben) zwar etwas geschmeidiger durchgestochen, aber auch hier blieb das komische Gefühl und ab und an ein Stocken. Und da wir unsere Nähmaschinen nicht mit voller Absicht quälen, wurde der Zuschnitt zur Seite gelegt.

Wir haben dann dieses Mäppchen genäht, was wir aus dem gleichen Leder bereits mit der B790 genäht hatten und da muss sich die UX8 gar nicht verstecken. Die drei Lagen wurden ohne Schwierigkeiten und mit einem schönen Stichbild mit dem Dreifachgeradstich zusammengenäht.

Baumwollfleece

Als schnelles Projekt zwischendurch gab es dann noch eine Weste aus Baumwollfleece. Hier hat der Kantensteppfuß das Auseinandersteppen der Nahtzugaben mit einem Zierstich wirklich erleichtert.

Aus den Resten haben wir uns noch schnell ein paar Armstulpen ohne Schnittmuster genäht, diese sind mit einem Zierstich und GÜTERMANN Cotton 30 Multicolor verziert.

Der Fleece war in eine Richtung dehnbarer, daher haben wir wasserlösliches Vlies untergelegt.

Freies Quilten/Nähmalen/Applizieren

Nach den Problemen mit METTLER Silk Finish (im Teil 1) wollten wir ein weiteres Baumwollgarn testen. Hier handelt es sich um GÜTERMANN Cotton 30 in Multicolor und dieses Garn hat sich leichter verarbeiten lassen. Zwar musste die Fadenspannung auch hier noch angepasst werden, aber gerissen ist das Garn nicht mehr. Die Applikationen wurden erst mit Heftgarn fixiert, dann mit dem Geradstich umrundet und dann mit dem Zickzackstich freihand ausgefüllt.

Die Stoffe wurden mit dem Plotter ausgeschnitten (enthaltenes Motiv aus dem SDX2250D). Die Mäuse und die äußeren Formen haben wir dann mit einem Zufallsmuster aus der Kategorie „Applizieren“ befestigt, ebenfalls mit Cotton 30.

Automatische Knopflöcher auf Webware

Es lag zwar ein Projekt mit Knopflöchern bereit, aber das würde in der Testzeit nicht mehr fertig werden. Also haben wir verschiedene Knopflöcher auf Resten getestet, die wir schon mit anderen Maschinen verwendet hatten.

Ehe es losgeht, testen wir immer, wie die Nähmaschine das Knopfloch im Verhältnis zur Markierung näht. Dies ist in der Anleitung gut dargestellt.

Man positioniert den Nähfuß mit den roten Linien auf der Markierung.

Dabei schaut man am besten auch von der Seite.

Damit ist klar, dass der vordere Riegel auf dem Querstich entsteht und so kann man dann seine Knopflöcher exakt vorzeichnen.

Zuerst das „Standardknopfloch“ auf einem Hemdenstoff, doppelt, ohne Vlies. Beim ersten Knopfloch haben wir wieder festgestellt, dass die Spannung nicht so ganz passt bei unserer Testmaschine. Hier hätten wir uns gewünscht, dass wir die Oberfadenspannungsänderung dauerhaft speichern können, denn bei jedem Stichwechsel muss sie erneut angepasst werden. Nr. 2 ist dann mit der angepassten Änderung. Nr. 3 ist mit Schnittbreite auf breit, Nr. 4 Schnittbreite schmal. Die Einstellmöglichkeit finden wir gut, allerdings ist „schmal“ wirklich extrem schmal und in diesem Fall ist es kaum möglich, ohne Einschnitte im Garn das Knopfloch aufzuschneiden. Wir bezeichnen dies als Schnittbreite, man könnte auch innere Breite sagen, Juki bezeichnet diese Einstellung in der Nähmaschine als „Nahtbreite“.

Weiter ging es mit verschiedenen Knopflöchern:

1: Nr. 105 (wird doppelt genäht)

2: Nr. 106 mit Schnittbreite schmal

3: Nr. 106 mit Schnittbreite normal. Da ist der Faden gerissen, eine Ursache war nicht erkennbar. Beide Knopflöcher sollten oben eine Spitze haben, aber da die Maschine genau dort vernäht, kann man sie kaum erkennen.

4: Nr. 107

5: Nr. 108

6: Nr. 109

Schöne, abgerundete Knopflöcher, die sich auf Hemden und Blusen sicher gut machen.

Was uns dabei aufgefallen ist:

In der Anleitung steht, die Knopflochbreite wird beim Wechsel gelöscht. Dies betrifft aber nur die Gesamtbreite, nicht die innere Breite (in der Maschine „Nahtbreite“ genannt).

Ebenso steht dort, dass die Einstellung der Knopflochschnittbreite (in der Maschine „Nahtbreite“ genannt), zurückgesetzt wird. Dies konnten wir nicht nachvollziehen. Beim Neustart hat die Maschine das Knopfloch genau so geladen, wie es zuletzt genäht wurde. Auch im Verlauf wurden die Knopflöcher immer mit der Einstellung geladen, wie wir sie genäht hatten. Vielleicht wurde dies mit einem Update angepasst.

Automatische Knopflöcher auf Wirkware

Auf dehnbaren Stoffen haben wir die Knopflöcher 115 und 116 getestet. Der Stoff ist ein Jaquardjersey aus einer Kunstfaser, sehr glatt und bleibt gerne mal hängen und zieht Fäden. Auf dem ersten Bild längs zur Strickrichtung ohne Vlies, auf dem zweiten Bild mit Schneidevlies zwischen den beiden Lagen. Das hat gut geklappt, uns gefallen die Knopflöcher mit Vlies besser.

Quer zur Strickrichtung wurden die Knopflöcher nicht so schön, einmal hat sich der Stoff gestaut. Allerdings sind die zwei linken Knopflöcher ohne Vlies genäht. Die rechten wieder mit Vlies. Vlies zu verwenden ist aber unabhängig vom Modell beim Knopfloch ohnehin anzuraten.

Noch besser werden Knopflöcher mit der Verstärkungsplatte. Hier auch links ohne Vlies, rechts mit.

Die Platte ist schnell montiert und im Lieferumfang enthalten.

Sie hat auch dafür gesorgt, dass wir in diesen Baumwoll-Grobstrick ein Knopfloch nähen konnten. Rechts nur Stoff, links mit Vlies und in der Mitte dann Vlies und Platte.

Manuelle Knopflöcher

Die manuellen Knopflöcher lassen sich unkompliziert nähen. Wir würden uns allerdings wünschen, dass beim Drücken der Rückwärtstaste im Display eine Bestätigung erscheint, dass man im nächsten Schritt angekommen ist.

Das manuelle Knopfloch gibt es dann mit Speicher.

Wir haben mehrmals getestet, aber die Kopien werden eigentlich immer 0,5 bis 1 mm größer als das ursprüngliche Knopfloch. Wenn man das weiß, kann man es allerdings mit einplanen und das Knopfloch zur Programmierung auf einem Stoffrest nähen.

Vergleich

Es wurde vermehrt nach einem Vergleich gefragt. Nun, das ist nicht so einfach, denn mit was vergleicht man die UX8?

Wir haben uns entschieden, nach Nähmaschinen im gleichen Ausmaß und ähnlichem Preis zu suchen:

Das ist gar nicht so einfach. Denn mit einem Platz rechts der Nadel von 30,5 cm wird es in diesem Preisbereich einfach eng.

Der Punkt Platz geht dabei eindeutig an die UX8, besonders im Vergleich zur Bernina. In Sachen Displaygröße kann die VQ4 noch mithalten, einen integrierten Obertransport bietet aber nur noch die B740. Diese ist allerdings ein Auslaufmodell, mit der B735 hat sich Bernina für einen anderen Weg entschieden. Der anbaubare Obertransport der VQ4 wird oft als sehr klobig empfunden.

Der Platz unter dem Nähfuß ist aber nicht die Stärke der UX8, hier geht der Punkt an Bernina. Dies muss man aber noch erläutern, denn die UX8 ist mit 12 mm und die B740 mit 12,5 mm Platz unter dem Nähfuß angegeben. Allerdings erreicht man bei Bernina den maximalen Platz auch mit dem Kniehebel, bei der UX8 nur mit dem Lifter hinten an der Maschine. Und der integrierte Obertransport ist bei der Juki leider immer etwas im Weg, wenn man dicke Materialien unterschieben möchte (vor allem, da sie den Transporteur nicht sofort versenkt).

Wie Sie vielleicht jetzt schon feststellen, ist Vergleichen nicht immer einfach. Welche Maschine zu einem passt, hängt eben von den persönlichen Vorlieben und auch den Projekten ab. Daher sollten Sie sich bei der Frage, ob die UX8 für Sie geeignet ist, von unseren Kollegen beraten lassen.

Die Erfahrungen aus unserem Testbericht helfen Ihnen vielleicht auch dabei.

Unser Fazit zur JUKI UX8:

In ihrer Preisklasse sticht die UX8 auf jeden Fall hervor. Nicht nur, dass JUKI der einzige Hersteller ist, bei dem man den Transporteur umbauen kann, eine direkte Verbindung zu Youtube ist aktuell auch mit keiner anderen Nähmaschine möglich. Der Platz rechts der Nadel ist enorm und wird durch den stabilen Anschiebetisch noch großzügig nach links erweitert. Der Boxtransport und der Obertransport mit Differenzial ermöglichen das Verarbeiten verschiedenster Materialien mit spielender Leichtigkeit.

Die Tasten sind gut erreichbar und leicht zu bedienen, ebenso der Touchscreen. Er reagiert perfekt auf Tippen oder Wischen.

Was unsere Probleme mit der Fadenspannung angeht, wird eine kleine Runde in unserer Fachwerkstatt das sicher beheben und dann wird auch alles in der Standardeinstellung gut aussehen.

Die Hardware hat uns überzeugt, die Software hat noch den einen oder anderen Stolperstein. Hier hoffen wir auf Updates, die dank der WLAN-Anbindung ja aber ganz bequem auf die Nähmaschine geladen werden können.

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