Doppelöhrnadel

Die Doppelöhrnadel

Wirft man einen Blick in unser Nadelsortiment, landet man irgendwann bei einigen speziellen Sorten, wie Cutwork, Filzen, Wingnadeln oder auch der Doppelöhrnadel.

Zwei Garne zusammen zu verarbeiten klingt interessant, aber es tauchen doch immer wieder ein paar Fragen zu diesem Nadeltyp auf. Denn einfach zwei Garne einfädeln, je eines durch ein Loch und dann Zierstiche nähen klappt in den meisten Fällen nicht. Es treten immer wieder Aussetzer auf.

Damit Sie verstehen, was diese Aussetzer verursacht, holen wir ein bisschen aus.

Die Doppelöhrnadel war zum Heften gedacht

Wie bei vielen Maschinen oder Zubehörteilen gab es früher einen einzigen Zweck, der sich im Laufe der Zeit verändert hat. Beispiel:

  • Die Cover war eigentlich nur zum Säumen gedacht, heute wird die Greiferseite als Deko nach außen getragen.
  • Die Zwillingsnadel war für Biesen gedacht, heute werden dehnbare Stoffe damit gesäumt.
  • Der Fransenfuß war früher der Markierfuß zum Durchschlagen von Markierungen.

Und so ist es auch bei der Doppelöhrnadel. Die Unterteilung des Nadelöhrs sorgt dafür, dass ein Faden im oberen Öhr an der Greiferspitze vorbeigleitet und kein Stich gebildet wird, sobald die Einstichstelle links von der Mitte liegt.

Achtung: Diese Anleitung gilt derzeit nur für Horizontalgreifer!

Heften mit der Doppelöhrnadel

Sie können die Doppelöhrnadel ganz normal verwenden, indem Sie den Faden durch das untere Loch fädeln.

Hier nähen wir einen Zickzack mit der längsten Stichlänge und man kann sehen, dass der Faden rechts und links ganz normal geführt wird.

Wird er jedoch durch das obere Öhr gefädelt, passiert beim gleichen Stich das:

Die Nadel hat links eingestochen, ist hochgekommen und nach rechts gesprungen für den nächsten Einstich auf der rechten Seite. Dabei wirft der Faden eine Schlaufe. Er wurde vom Unterfaden nicht erfasst.

Und so entsteht dieses Bild. Oben die Naht mit dem Faden im unteren Öhr, unten die Naht mit dem Faden im oberen. Man kann gut die Einstiche erkennen, die ins Leere geführt haben.

Somit hat man mit einem eingestellten Zickzack eine Geradstichnaht mit doppelter Stichlänge. Diese lässt sich später einfacher Auftrennen.

Die Doppelöhrnadel hat also mit Maschinen, die keine so großen Heftstiche schaffen, die Arbeit des Auftrennens erleichtert.

Wie kann man mit der Doppelöhrnadel dann Zierstiche nähen?

Die Erklärung zur Verwendung dieser Nadel vom Hersteller SCHMETZ selbst finden wir wenig hilfreich. Niemand möchte eine Nadel tiefer als vorgesehen festschrauben oder die Feinjustierung seiner Nähmaschine ändern wegen ein paar Zierstichen. Und mit einfachem Mischen von Fäden nutzt man das Potenzial der Nadel gar nicht aus!

Denn wenn Sie mal genau hinsehen, sind hier nicht einfach zwei Fäden vermengt. Mit einer Doppelöhrnadel können Sie eine Naht mit farblicher Trennung nähen.

Ab wann setzt der obere Faden aus?

Zuerst setzen Sie die Nadel ein und fädeln einen Faden durch das obere Öhr. Stellen Sie Ihre Nähmaschine auf Geradstich rechts. Nähen Sie ein paar Stiche. Dann verändern Sie die Nadelposition langsam nach links und nähen wieder ein paar Stiche. So gehen Sie weiter vor, bis keine Stiche mehr genäht werden. In der Regel ist das der Fall, wenn Sie die Mitte überschreiten.

Für zweifarbige Nähte gilt dann: Alles, was rechts von der Mitte genäht wird, besteht aus zwei Fäden. Was links von der Mitte genäht wird, besteht nur aus dem Garn, das sich im unteren Öhr befindet.

Fädeln Sie Ihre Nähmaschine wie für die Zwillingsnadel ein. Hier sehen Sie eine Husqvarna Viking, dort werden die Fäden an den Spannungsscheiben getrennt und über der Nadel kommt ein Faden durch die letzte Führung, ein Faden nicht.

Der Faden, der nicht in die Führung kommt, führt in das obere Öhr.

Stellen Sie den gewünschten Stich ein. Bei der Auswahl sollten Sie ein paar Punkte beachten:

  • Auf der linken Seite sollten nicht so viele Einstichstellen direkt hintereinander liegen. Sonst kann sich der lose Faden verheddern. Bei vielen Stichen lohnt es sich, sie zu spiegeln.
  • Die Stiche sollten nicht zu dicht sein. Satinstiche etwas weiter stellen.
  • Die Stiche sollten nicht zu viele Rückwärtsstiche enthalten, auch das kann zu Problemen mit dem losen Faden führen.
  • Motivstiche wie Blumen oder Symbole sind hinterher kaum noch zu erkennen.

Am besten probieren Sie sich mal durch und notieren sich gut geeignete Stiche.

Nähen Sie langsam, vor allem solange die Nadel links steht. Die Schlaufe braucht Zeit, sonst bleibt sie an allen möglichen Stellen hängen. Am Anfang braucht es etwas Überwindung, der Maschine bei der Produktion von Schlaufen zuzusehen.

Hier ist gut zu erkennen, dass der grüne Faden nicht mitgenommen wurde. Erst, wenn die Nadel wieder weiter rechts einsticht, wird er vernäht.

Halten Sie öfter mal an und überprüfen Sie, ob die Fäden noch richtig sitzen. Hier hat sich der grüne Faden mit an den weiße gelegt und befindet sich nun in der Führung. Dann kann er aber nicht mehr lose schwingen, wenn die Nadel links einsticht und es entsteht ein unsauberes Stichbild, da er ab und zu trotzdem vernäht wird.

Ein unregelmäßiger Satinstich (meist bei den Applikationsstichen zu finden) erst in der Standardbreite 7 mm. Dann auf 3,5 reduziert und nach rechts geschoben. Dann werden beide Fäden immer zusammen vernäht.

Am besten fanden wir den Stich mit einer Breite von 5,5 mm und ganz rechts. So wird zwar getrennt genäht, aber nicht zu oft und Fehler werden minimiert.

Sie sehen, es ist zwar etwas Geduld nötig für die Doppelöhrnadel aber dafür erhöhen Sie die Zierstichvarianten Ihrer Nähmaschine um einige weitere Muster.

Zierstiche in Melange-Optik

Sie können aber auch einfach zweifarbige Stiche nähen, wie auf der Nadelpackung abgebildet. Diese müssen nur rechts der Mitte liegen. Stellen Sie die Breite also auf die Hälfte und schieben Sie den Zierstich nach rechts, wenn das Ihre Maschine ermöglicht.

Kann ich nicht auch einfach zwei Fäden zusammen durch eine normale Nadel einfädeln?

Der Gedanke ist logisch und je nach Garn und Stoff kann das auch funktionieren. Allerdings haben beide Fäden dann weniger Führung und das kann sich durchaus im Stichbild bemerkbar machen:

Rechts die Doppelöhrnadel, Mitte die Topstitchnadel und links die Superuniversalnadel.

Bei mir wird der Faden rechts nicht vernäht!

Alle Hinweise bis jetzt gelten für Horizontalgreifer, also die liegenden Spulenkörbchen. Unsere Anleitung wurde mit einer HUSQVARNA VIKING mit 7 mm Stichbreite erstellt. Es gibt ja aber auch andere Greifersysteme, wie den Doppelumlaufgreifer, CB-Greifer oder den B9-Greifer. Theoretisch geht es bei Doppelumlaufgreifern und CB-Greifern umgekehrt, allerdings haben wir es selbst noch nicht genug getestet. Sobald eine passende Maschine in der Redaktion steht, werden wir diesen Teil ergänzen.

Eine kleine Enttäuschung gibt es hier leider für die Nutzer von BERNINA-Nähmaschinen mit B9-Greifer. Dieser schafft es über die gesamte Breite fast immer, beide Fäden zu vernähen. Allerdings eben nicht immer. Ein gleichmäßiges Ergebnis ist also kaum zu erreichen.

Wir werden alle Nähmaschinen, die ab jetzt zum Test in die Redaktion kommen, mit der Doppelöhrnadel testen und hier unsere Erfahrungen auflisten. Testen Sie es aber gerne selbst, eine Packung Doppelöhrnadeln ist im Gegensatz zu vielen anderen Zubehörteilen sehr günstig und es kostet Sie nicht mehr als ein bisschen Ihrer Nähzeit. Ein außergewöhnlicher Zierstich ist es aber doch wert.

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2 Antworten auf „Die Doppelöhrnadel“

Witzig – ich hab grad neulich eine Doppelöhrnadel gekauft und wollte dieses Wochenende rum probieren.

Ich verstehe den Vorgang an sich, aber diesen Abschnitt hier, finde ich seltsam formuliert “Dann verändern Sie die Nadelposition langsam nach links und nähen wieder ein paar Stiche. So gehen Sie weiter vor, bis keine Stiche mehr genäht werden. In der Regel ist das der Fall, wenn Sie die Mitte überschreiten”

Was ist denn gemeint mit “gehen sie weiter vor, bis keine Stiche mehr genäht werden” und hintendran “in der Regel….wenn sie die Mitte überschreiten” ????

Ich verstelle verstellen laut Eurer Anleitung nur 2x die Nadel, einmal nach links, einmal nach rechts, also komme ich doch eh automatisch über die Mitte ??

Denke ich hier ZU kompliziert ??
Wie genau ist das denn gemeint ?? Soll man da mehrfach hin und her wechseln ???

Hallo!
Die Maschine im Beitrag hat 19 Nadelpositionen. Theoretisch müsste bei den 9 linken nicht genäht werden, bei den 9 rechten und in der Mitte schon. Das kann aber von Maschine zu Maschine unterschiedlich sein. Also testet man alle 19 Nadelpositionen durch.
Viele Grüße
Ihr Team vom nähRatgeber

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