Fadenspannung Stickmaschine

Fadenspannung bei Stickmaschinen testen und einstellen

Wie die richtige Fadenspannung beim Sticken sein soll, darüber wird oft diskutiert. Ab wann sollte man etwas daran ändern? Und wie?

Wir zeigen Ihnen hier, wie das Stichbild beim Sticken aussehen sollte, was tolerierbar ist und wie Sie Ihre Maschine einstellen können, um ein anderes Ergebnis zu erzielen.

Dazu erhalten Sie eine Testdatei zum Download, mit der Sie die Einstellungen überprüfen können.

Wie sieht die richtige Fadenspannung aus?

Kennen Sie die Aussage: „1/3 vom Unterfaden, 2/3 vom Oberfaden“? Das ist im Prinzip richtig, aber sollte auch von einem aussagekräftigen Bild begleitet sein:

Denn diese Angabe bezieht sich auf einen Satinstich. Bei diesem sollte auf der Rückseite ein dreigeteiltes Bild entstehen, die Mitte besteht dabei aus Unterfaden und rechts und links davon sieht man den Oberfaden.

Daher finden Sie in unserem Referenzstickmuster zwei Satinstichreihen.

Bei einem Steppstich sieht das dann schon anders aus (bei den gleichen Einstellungen). Denn durch das gegenseitige Überlappen der Stiche ist die Verteilung dann meist nur noch am Rand zu erkennen. Ziel sollte es daher immer sein:

Kein Unterfaden auf der Vorderseite, unabhängig von der Stichart.

Am besten lassen sich Probleme am einfachen Geradstich oder am Dreifachgeradstich erkennen, der ja oft für Konturen verwendet wird.

Dafür befindet sich im Referenzstichmuster ein Kreis aus einem Geradstich. Durch die Rundung wird jede Stichrichtung abgedeckt, denn manchmal ändert sich mit einer anderen Bewegung des Stickarms auch die Verteilung von Ober- und Unterfaden.

Beim Geradstich sollte bei jedem Stich der Oberfaden deutlich auf die Rückseite gezogen werden. Die 1/3-Regel kann hier nicht so ganz angewendet werden. Alle vier Linien sind mit der gleichen Spannung gestickt. Während beim Satinstich die Verteilung gedrittelt ist, ist sie beim einfachen Geradstich anders verteilt. Aber das Ziel ist trotzdem erreicht: Kein Unterfaden auf der Vorderseite.

Zusätzlich gibt es im Teststickmuster noch einen Kreis mit verschiedenen Stichen. Ein Feld davon besteht aus einem Satinstich, der dann sehr breit wird. Manche (vor allem ältere) Stickmaschinen können keine so langen Stiche sticken und wandeln sie in kürzere Stiche um. Das können Sie als weitere Testfunktion nutzen, denn vor allem bei Fransenstickereien kann eine Umwandlung zu Problemen führen.

Das Quadrat hat eine Kontur, diese sollte im Idealfall genau um den Rand führen. Die Datei ist hierbei für leichte Webware digitalisiert, also einem normalen Baumwoll-Webstoff, unterlegt mit Abreißvlies.

Denn auch das korrekte Einspannen hat Einfluss auf die Fadenspannung. Je weniger eingespannt wurde, desto schneller macht sich zu hohe Spannung bemerkbar durch Verziehen der Konturen der zu niedrige Spannung durch Schlaufenbildung.

Woran liegt´s?

Wie die Verteilung von Ober- und Unterfaden aussieht, hängt neben der Einstellung der Fadenspannung noch von anderen Faktoren ab.

  • Garn
  • Vlies
  • Einspannen
  • Stoff

Nur eines kann man immer ausschließen: Die Datei. Es ist nicht möglich, mit einer Stickdatei das Spannungsverhältnis von Ober- und Unterfaden zu beeinflussen. Dabei gehen wir von einer einigermaßen korrekt digitalisierten Datei aus. Ist die Datei sehr schlecht, zum Beispiel viel zu dicht, kann das natürlich zu Problemen führen. Diese zeigen sich allerdings dann eher in Nadelbruch oder Wellen des Stoffes. 

Problembehebung

Es ist wichtig, zu erkennen, ob das Problem am Ober- oder Unterfaden liegt. Dies lässt sich oft nicht auf den ersten Blick erkennen, daher raten wir bei einer neuen Stickmaschine zum Test mit unserem Referenzstickmuster. Beginnen Sie dabei mit der Datei „Testmuster-Drittel“ für die erste grobe Einstellung. Mit der Datei „Testmuster Fadenspannung“ können Sie auch andere Stickarten und Bewegungen überprüfen.

Das Stickelement mit dem Geradstich wird dabei vermutlich das größte Problem darstellen. Bei den meisten Stickmaschinen kommt es hier zuerst dazu, dass man den Unterfaden oben sieht. Vor allem wenn Sie auf dünnem Abreißvlies und einfacher Webware sticken. Ehe Sie an der Maschine herumstellen, bis dieser Strich passt, überlegen Sie, ob in der geplanten Datei überhaupt ein einfacher Geradstich vorkommt, das ist relativ selten.

Oberfadenspannung zu niedrig (3)

Die Probleme der Fadenspannung sind meist von vorne nicht gleich zu erkennen. Und müssen auch nicht permanent kontrolliert und angepasst werden. Das Ergebnis vom 2 und 4 wäre okay, solange kein Unterfaden auf die Vorderseite gezogen wird. Schwierig wird es bei 3: Der Oberfaden wird viel zu weit auf die Rückseite gezogen. Das erhöht nicht nur die Gefahr eines Fadenknäuels, es verbraucht auch viel mehr Obergarn.

Dieses Problem lässt sich ja einfach beheben, die Oberfadenspannung lässt sich in den Einstellungen der Maschine anpassen (je nach Modell an unterschiedlicher Stelle).

Hier ein Beispiel der BERNETTE b79. Die Oberfadenspannung befindet sich links oben. Tippt man darauf, öffnet sich diese Ansicht:

Dann kann der Wert über das Plus- und Minusfeld oder über die Drehregler verändert werden. Diese Änderungen sind nicht dauerhaft, verschwinden also beim Ausschalten.

Erhöhen Sie die Fadenspannung schrittweise, sticken Sie die nächste Farbe der Testdatei und überprüfen Sie das Ergebnis.

Stellen Sie fest, dass Sie diese immer erhöhen müssen, werfen Sie einen Blick in die Anleitung Ihrer Stickmaschine, ob das nicht im Setup-Menü permanent geändert werden kann.

Bei der BERNINA B590 findet man diese Möglichkeit im Setup-Menü unter dem Stickrahmensymbol, auch dort sieht man das Zeichen für die Fadenspannung (links oben). Dort können Sie den Wert der Fadenspannung dauerhaft erhöhen, diese Veränderung bleibt auch beim Ausschalten erhalten. 

Wenn Sie jetzt die Oberfadenspannung erhöhen, sollte der Stoff sich deswegen nicht zusammenziehen. Passiert das, war nicht die Oberfadenspannung zu niedrig, sondern die Unterfadenspannung zu hoch. Mehr dazu weiter unten.

Oberfadenspannung zu hoch (1)

Der Unterfaden wird auf die Vorderseite gezogen.

Stellen Sie die Oberfadenspannung auf einen niedrigeren Wert. Dies kann man bei manchen Modellen sogar während des Stickens machen. Reduzieren, bis kein Unterfaden mehr hoch kommt.

Auch hier können Sie eventuell die Grundeinstellung anpassen.

Besonderheit Fadenzuteilung

Bei HUSQVARNA VIKING und PFAFF Stickmaschinen gibt es ab einer bestimmten Ausstattung die Funktion Fadenzuteilung.

Hier wird der Oberfaden nicht durch seitlichen Druck der Spannungsscheiben gebremst, sondern drei Walzen geben eine bestimmte Menge Oberfaden für jeden Stich frei. Aber auch hier kann die Verteilung mal nicht passen. Der Standardwert ist dabei 50. Sehen Sie Unterfaden auf der Oberseite, müssen Sie die Zahl reduzieren. Ist zu viel Oberfaden auf der Rückseite, muss die Zahl erhöht werden.

Am besten testen Sie auch hier mit der Datei „Testmuster-Drittel“ und stellen dabei den Wert auch mal auf 100 oder 0. Dann ist der Effekt am besten zu erkennen. Die Fadenzuteilung kann abgeschaltet werden, dann funktionieren diese Stickmaschinen wie gewohnt über die Spannungsscheiben.

Die Unterfadenspannung

Wie auch schon beim Nähen werden wir oft gefragt, ob man überhaupt an der Unterfadenspannung herumstellen darf. Wir raten hierbei immer zu einer zweiten Spulenkapsel. Eine lassen sie so, wie sie vom Hersteller (oder von uns) eingestellt wurde, dann können Sie ganz entspannt mit der zweiten testen.

Manchmal bekommt man mit der Oberfadenspannung nicht das gewünschte Ergebnis. Bei der Drittel-Regel zieht sich vielleicht der Stoff zusammen oder der Oberfaden liegt nicht glatt auf. Dann ist es Zeit für die Unterfadenspannung. Wie Sie diese einstellen, können Sie hier nachlesen: Die Fadenspannung einstellen – aber wie?.

Beispiele

Für die Teststickereien kann man prima Garnreste aufbrauchen. Testen Sie verschiedene Sorten (wenn Sie mit unterschiedlichen Garnen testen). Vor allem der Wechsel zwischen Polyester und Viskose kann schon einen Unterschied ausmachen.

Hier kann man gut erkennen, wie sich die Spannung im Kreis verändert. Gibt es also mal unerklärliche Spannungsprobleme, die Sie auf die Schnelle nicht beheben können, kann es sich lohnen, eine Datei einfach mal um 45 Grad zu drehen.

Bei dem Viertel des Kreises mit dem Satinstich sieht man, welche Probleme ein langer Satinstich manchmal bringen kann. Hier müsste auf jeden Fall mit stabilerem Vlies gearbeitet werden. Die Verteilung des Oberfadens auf der Rückseite zeigt, dass die Bewegung des Stickarms auch die Optik auf der Rückseite beeinflusst.

Da die Umrandung des Quadrats zur Fläche passt, sind die Einstellungen (und das Einspannen) für die meisten normalen Stickereien ausreichend.

Hier wurde es Zeit für eine Fehlersuche. Beginnt die Maschine zu sticken und man sieht bereits bei den ersten Stichen mehr Unterfaden, liegt ein Problem vor. Dabei sollten Sie in dieser Reihenfolge vorgehen:

  • Richtig eingefädelt?
  • Korrekt eingespannt?
  • Passendes Nadel-Garn-Stoffverhältnis?
  • Oberfadenspannung senken
  • Unterfadenspannung erhöhen

Das haben wir alles getan, immer wieder neu angesetzt, aber keine Besserung in Sicht. Beim Sticken des Quadrats fiel dann die Schattierung in der Mitte auf. Es war beim Sticken zu erkennen, dass sich die Oberfadenspannung immer weiter erhöht hat, bis sie plötzlich wieder stark abnahm (Diagonale in der Mitte). Das war für uns ein Hinweis auf eine mechanische Blockade und tatsächlich konnten wir im Oberfadenweg einen Fusselklumpen finden. Kaum war dieser entfernt, stickte die Maschine wieder normal.

Grundsätzlich passt die Verteilung von Ober- und Unterfaden hier noch nicht ganz. Da aber alle vier Farben nacheinander und unter gleichen Voraussetzungen gestickt wurden, ist gut zu erkennen, dass es manchmal auch an der Farbe bzw. der Garnspule liegen kann. Das schlechteste Ergebnis erzeugt hier dunkelrot. Das kann an der Wicklung liegen, aber auch an der Färbung, denn uns fallen immer wieder Probleme mit rotem Garn auf, für die es keine offensichtliche Ursache gibt.

Dass sich der Stoff trotz trommelfestem Einspannen im kleinen Rahmen schon zusammenzieht, ist ein Hinweis auf zu hohe Oberfadenspannung. Würde man die Unterfadenspannung erhöhen, wird zwar die Verteilung schöner, aber der Zug auf den Stoff wäre noch höher.

Damit Sie solche Probleme selbst lösen können, ist es wichtig, dass Sie Ihre Stickmaschine gut kennen. Machen Sie deshalb einmal einen gründlichen Test mit unserer Datei und notieren Sie sich die Standardeinstellungen (vielleicht immer passend zum Garn), dann können Sie auftauchende Probleme schnell erkennen.

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