Smarter by Pfaff Fadenspannung

Die Fadenspannung richtig einstellen – aber wie?

Die Sache mit der Fadenspannung … Wenn man über die Fadenspannung diskutiert, stellt man oft fest, dass es die einen Hobbynäher gibt, die am liebsten nie dran rumstellen möchten und die anderen, die ohne zu zögern auch an der Unterfadenspannung rumstellen.

Wann sollte man die Fadenspannung überhaupt einstellen?

Eigentlich einfach: Wenn es nicht schön aussieht. Voraussetzung ist aber immer, dass alle anderen Parameter schon passen. Das Verhältnis zwischen Stoff, Nadel und Faden muss auf jeden Fall zuerst beachtet werden, sonst bringt es auch nichts, die Fadenspannung zu verändern.

Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ober- und Unterfaden, so dass die Naht im Idealfall von beiden Seiten gleich aussieht.

Das geht nicht immer. Besonders, wenn das obere Garn dicker ist als das untere, wenn man stickt oder Zierstiche näht, kommt es mehr auf die Oberseite an. Dann arbeitet man so, dass der Unterfaden den Oberfaden immer auf Rückseite zieht.

Beim Sticken geht man in der Regel davon aus, dass auf der Rückseite 2/3 Oberfaden zu sehen ist und 1/3 Unterfaden. Das lässt sich am besten bei einem ca. 6-8 mm breitem Satinstich beobachten. Hier eignet sich gut eine breite integrierte Stickschrift aus der Maschine.

Stören Sie sich nicht daran, wenn die Verteilung schwankt. Es kommt hierbei auch immer auf die Länge des Stiches und den Stichwinkel an. Solange an jeder Stelle Oberfaden auf die Rückseite gezogen wird, ist alles in Ordnung.

Anders ist es bei FSL-Dateien oder anderen Dateien, bei denen man später noch die Rückseite sieht. Hier muss die Fadenspannung angepasst werden, damit die Verteilung gleichmäßig ist.

Zum Thema Fadenspannung beim Sticken gibt es einen separaten Beitrag, hier geht es erst mal nur um Nähmaschinen.

Die Oberfadenspannung einstellen

Je nach Modell findet man die Einstellungsmöglichkeit an anderer Stelle.

Bei mechanischen oder einfachen Computernähmaschinen ist es ein Stellrad in der Nähe des oberen Fadenweges.

Bei elektronischen Modellen ist die Fadenspannung dann oft im Touchdisplay zu finden mit Plus- und Minustasten.

Es gibt auch noch andere Varianten zum Einstellen, zu Beispiel über Multifunktionsdrehknöpfe.

Dann wird die Fadenspannung angetippt und der Wert über die Drehregler angepasst (BERNINA B475). Bei der JUKI UX8 öffnet sich nach dem Antippen des Spannungssymbols eine Ansicht mit einem Drehrad, in dem durch Wischen der Wert verändert werden kann.

Allen Varianten gemeinsam: Je höher die Zahl, desto mehr Fadenspannung erzeugt die Maschine. Je niedriger die Zahl, desto weniger Spannung ist auf dem Oberfaden.

Zum Überprüfen wählen Sie kontrastierende Farben. Hier eine Beispielnaht mit Oberfaden in blau, Unterfaden in gelb auf grauem Filz. Da der Filz keine Struktur hat, ist hier am besten das Verhältnis zu erkennen. Unten die Naht mit der Standardeinstellung, in der Mitte mit gesenkter Oberfadenspannung, oben mit erhöhter Oberfadenspannung.

Die gleichen Nähte von der Rückseite. Es ist gut zu erkennen, dass im Standardwert das Verhältnis ausgewogen ist. Die mittlere Naht bildet oben schon Schlaufen, in denen man sich verfangen kann. Die obere Naht sieht von hinten zwar gut aus, aber auf der Vorderseite tritt das Gelb schon zum Vorschein.

Sie sollten bei Ihrer Näh- oder Stickmaschine die Fadenspannung einmal gründlich auf das meistgenutzte Garn einstellen. So haben Sie immer einen Orientierungspunkt zum Vergleichen. Notieren Sie sich diesen Wert. Bei manchen Nähmaschinen können Sie den Standardwert in den Einstellungen ändern und so dafür sorgen, dass die Maschine immer mit den selbst ermittelten Werten startet.

Automatische Fadenspannung und Fadenzuteilung

Oft werden Nähmaschinen mit automatischer Fadenspannung beworben. Das heißt jedoch nicht, dass die Maschine die Stärke des Fadens erkennt und die Spannung dazu passend einstellt. Es heißt, dass die Maschine nach gewähltem Stich eine Voreinstellung vornimmt. Wählen Sie einen Zierstich, wird die obere Spannung gesenkt, damit der Unterfaden den Oberfaden auf die Rückseite ziehen kann. Auch bei Versäuberungsstichen ändert sich hierbei oft der Wert. Für Geradstiche ist die Spannung dann wieder oben erhöht. So müssen Sie nicht bei jedem Stichwechsel die Spannung erneut anpassen. Selbst die Veränderung der Stichlänge kann sich manchmal auf die Fadenspannung auswirken oder das Benutzen eines Nähberaters.


Das Prinzip der Fadenzuteilung funktioniert wieder etwas anders, hier gibt die Maschine automatisch eine bestimmte Menge an Faden für den Stich frei, diese Länge ermittelt sie während des Nähens selbst, zum Beispiel durch einen Dickensensor.

Egal, welches System: Keine Maschine kann absolut selbstständig erkennen, wie Sie die Naht wünschen. Nachstellen kann also immer mal erforderlich sein.

Man kann es mit einem Auto mit Automatikgetriebe vergleichen. Das klappt in der Regel heutzutage sehr gut, aber trotzdem spürt das Auto nicht, wann Sie spontan mal beschleunigen möchten. Dies müssen Sie durch einen Kickdown oder manuelles Herunterschalten dem Fahrzeug mitteilen.

Hier sehen Sie den Vergleich zwischen Fadenzuteilung und Fadenspannung. Beide Nähte wurden im unteren Bereich mit der Voreinstellung genäht. Links die Fadenspannung, rechts die Zuteilung. Im oberen Bereich sehen Sie, was passiert, wenn man die Werte erhöht.

Auch wenn es seltsam klingt, aber das wünschenswerte Ziel bei einem Zierstich ist der Bereich rechts unten. Es sollte also eine nicht zu geringe Menge Oberfaden auf der Rückseite zu sehen sein. Denn so ist sichergestellt, dass absolut kein Unterfaden auf der Vorderseite zu sehen ist, die in der Regel ja im Vordergrund steht. Bei den meisten Zierstichen wird die Rückseite nicht zu sehen sein.

Denn näht man Zierstiche mit der Einstellung der Spannung für den Geradstich, kann das so aussehen. Es sind immer mal wieder gelbe Punkte zu erkennen.

Finger weg von der Unterfadenspannung! Stimmt´s?

Nicht ganz. Wenn das gewünschte Ergebnis nicht über die Korrektur der Oberfadenspannung erreichbar ist, kann man auch mal an der Unterfadenspannung etwas einstellen. Dies geschieht immer manuell.

Gelegentlich kommt es auch vor, dass sich die Schraube der Unterfadenspannung von selbst lockert, auch dann muss man nachstellen. Oder vielleicht sticken Sie mit sehr dünnem Unterfaden.

Unser Tipp:

Legen Sie sich eine zweite Spulenkapsel zu. An dieser können Sie dann einstellen, ohne Angst zu haben, nicht mehr auf den optimalen Wert zu kommen.

Oft gibt es sogar verschiedene Spulenkapseln für ein Modell, zum Beispiel extra zum Sticken oder für Bobbinwork.

Hier sehen Sie drei Spulenkapseln. Die schwarze ist von BERNETTE zum Sticken, die rote von BERNINA für Bobbinwork und die weiße von PFAFF, ebenfalls für Bobbinwork.

Und man sieht auch gleich einen Hinweis, ob Einstellen der Fadenspannung vom Hersteller gewünscht ist. PFAFF liefert den Schraubendreher mit, BERNETTE hat die Schraube mit Lack versiegelt.

Ob nun eine Spulenkapsel nachgestellt werden muss, lässt sich auch relativ einfach überprüfen.

Unterfadenspannung überprüfen

Ein schlechtes Nahtbild kann viele Ursachen haben. Wenn Sie sich fragen, ob es nicht doch an der Spulenkapsel liegen könnte, nehmen Sie die Kapsel heraus.

Erst mal kann es sein, dass in der Spannung ein Fädchen hängt. Dies kann man entfernen, wenn man dickes Garn oder Zahnzeide durch den Fädelweg zieht. Wo dieser bei Ihrer Spulenkapsel läuft, sehen Sie am besten, wenn Sie eine Spule genau so einlegen, wie auch in der Maschine.

Legen Sie den Finger auf die Spule und machen Sie mit dem Faden die gleiche Bewegung wie in der Maschine, dann gleitet er in der Regel auch in den entsprechenden Fadenweg.


Hilft die Reinigung nicht, legen Sie eine normale Spule auf diese Weise ein und heben die Spulenkapsel am Unterfaden hoch.

Klappt das gar nicht, ist der Faden nicht in der Führung. Heben Sie die Kapsel an und führen Sie eine Bewegung aus, als würden Sie ein Jojo abrollen.

Am tiefsten Punkt sollte die Kapsel ca. 3 bis 5 cm ablaufen und dann stehen bleiben. Fällt sie auf den Tisch, ist die Spannung zu locker. Läuft sie gar nicht ab, ist die Spannung zu fest.

Dann kann man mit dieser Schraube die Spannung verändern.

Achtung:

Drehen Sie maximal eine viertel Umdrehung pro Versuch! In der Regel reicht auch schon ein Achtel für eine spürbare Veränderung.

Drehen Sie die Schraube zu weit heraus, kann innen die Feder abfallen. Aber auch in die andere Richtung kann es Probleme geben. Dreht man sie zu weit rein, passiert es bei manchen Konstruktionen, dass sich die Blattfeder in die andere Richtung durchbiegt.

Nach jeder Korrektur legen Sie die Spule ein und testen erneut. Klappt der Ablauf wie oben erklärt, machen Sie eine Probenaht.

Wie bereits erwähnt, ist der sichere Weg, eine zweite Spulenkapsel zu verwenden. Sie finden jedoch nicht alle Spulenkapsel bei uns in Shop. Wenn Sie eine passende für Ihr Modell benötigen, schreiben Sie uns bitte eine Email an service@naehpark.com.

Dann steht den nächsten schönen Nähten ja nichts mehr im Weg! Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Nähen und sollten jetzt noch Fragen offen sein, kommentieren Sie einfach unter diesem Beitrag. 

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