Ratgeber Nähstiche: Der Dreifach-Geradstich oder der Dreifachstretchstich

Es gibt so Themen in der Welt des Nähens, die führen immer wieder zu Diskussionen und Fragen. Im Bereich der Stichauswahl ist der Dreifach-Geradstich einer, der dazu gehört.

Wann nutzt man den Dreifach-Geradstich?

Warum heißt er auch manchmal Dreifach-Stretchstich?

Kann man den Dreifach-Geradstich für Jersey benutzen?

Was ist die Alternative zum Dreifach-Geradstich?

Hier sehen Sie die Darstellung des Dreifachgeradstiches, wie Sie ihn auf Stichtabellen, Drehreglern oder Tasten Ihrer Nähmaschine finden. Die drei Stiche werden zwar nebeneinander abgebildet, aber übereinander genäht.

Etwas Grundsätzliches vorab:

Beim Hobby Nähen gibt es keine Gesetze. Es gibt nur Ratschläge, was funktioniert. Alle Techniken sind abhängig von Stoff, Nadel, Garn und Maschine. Und davon, wie es hinterher aussehen soll und welchem Einsatzzweck es dient. 

Es muss für SIE funktionieren. Wenn Sie seit Jahren erfolgreich Ihre T-Shirts mit dem Dreifach-Geradstich vom Anfang bis zum Ende ohne Probleme nähen, dann tun Sie es weiterhin. 

Wenn allerdings jemand anderes damit Probleme hat, weil er vielleicht gerade anfängt, Kleidung zu nähen oder die Nähmaschine das nicht gut kann, dann sollten Sie nicht stur behaupten "Jersey näht man mit dem Dreifach-Geradstich". 

Wir haben hier mal unsere gesammelten Informationen rund um diesen Nähstich aufgeschrieben:

Wann nutzt man den Dreifach-Geradstich?

 

In einigen Bedienungsanleitungen wird dieser Stich für elastische Materialien aufgelistet. Und das ist auch erst mal nicht falsch. 

Aber es gibt mehr elastische Stoffe als Jersey oder Lycra. Auch Jeans, Cord und andere Webwaren können elastisch sein. Bei lockerer Webart schon alleine in die Diagonale. Bei festem Gewebe durch die Webart oder die Beimischung von Elasthan. 

Denken Sie doch mal an eine Jeans. Der Großteil der heutigen Denim-Stoffe enthält mehr oder weniger Elasthan. Damit man den ganzen Komfort dieser Stoffe nutzen kann, müssen auch die Nähte bis zu einem gewissen Punkt nachgeben. Wer möchte sich schon mit einer bocksteifen Schrittnaht an einer hautengen Jeans hinsetzen?

Anders kann man es wiederum bei der Schulternaht an einem T-Shirt aus Jersey sehen. Die sollte ja in der Regel nicht ausleiern und man näht ein Band mit ein. Hier wäre der Dreifachgeradstich durchaus eine gute Wahl, da er Jersey dann relativ gut in Form hält.

Warum heißt er auch manchmal Dreifach-Stretchstich?

Beim Dreifachgeradstich näht die Nähmaschine einen Stich vor, einen zurück und wieder vor.  Durch die höhere Menge an Faden auf einer Stelle entsteht eine gewissen Dehnbarkeit. 

Da er wie oben beschrieben gut für Webware mit Elasthan geeignet ist, kam wohl das "Stretch" dazu.

Kann man den Dreifach-Geradstich für Jersey nehmen?

 

Wie gesagt, man kann. Ob es immer sinnvoll ist, ist die andere Frage. Wenn man zum Beispiel eine Overlocknaht von rechts absteppen möchte, sieht ein Zickzack halt nicht immer gut aus. Da dann drei Stofflagen unter dem Nähfuß sind, hat man mit dem Dreifachgeradstich auch meist wenig Probleme.

Näht man dagegen dünne Stoffe zusammen, kann das passieren, was Sie im Bild in der unteren Stichreihe sehen. Der Stoff zieht sich zusammen. Beide Nähte sind unter den gleichen Vorraussetzungen genäht. Unten der Dreifachgeradstich, oben der Elastikstich, den viele Nähmaschinenmodelle haben. Es ist ein leichter Zickzack mit unterschiedlich steilen Winkeln. 

Damit sind wir schon bei der nächsten Frage:

Was ist die Alternative zum Dreifach-Geradstich?

Ein paar Alternativen haben wir in diesem Artikel schon mal vorgestellt: Jersey nähen mit BERNINA-Nähmaschinen. Viele Stiche finden Sie auch bei anderen Herstellern. 

Tipp vom Nähratgeber:

Der Elastikstich oder Super-Stretchstich (jeder Hersteller hat seine eigenen Bezeichnungen), ist zwar schmal und dehnbar, aber auch sehr dicht. Dadurch lässt er sich nur schwer auftrennen und dauert auch oft recht lang. Erhöhen Sie einfach die Stichlänge. So geht es schneller, aber die Dehnbarkeit bleibt erhalten. Zudem lässt er sich auch meist mit der Geradstichplatte nähen, was besonder bei dünnen Jerseys von Vorteil ist. 

Hier sehen Sie diesen Stich in der Stichauswahl von BERNINA.

Auch eine Alternative:

Overlock und Coverstich. Nähen Sie viele Wirkwaren (Jersey, Sweat, Modaljersey, Frenchterry, Strickstoffe), sollten Sie über die Anschaffung einer Overlock und einer Coverstich-Maschine nachdenken.

Selbst bei gleicher Geschwindigkeit sind diese Maschinen schneller, das sie ja geradeaus ohne Zickzackbewegung oder Rückstiche nähen. Die Nähte werden dehnbarer, nahezu jede Overlock und Cover hat mittlerweile einen Differentialtransport und verstellbaren Nähfußdruck. 

Hier sehen Sie unsere Overlockmodelle, der Einstieg beginnt bereits bei unter 300 Euro: 

Overlocker

Reine Coverstichmaschinen gibt es bereits unter 400 Euro:

Coverstich

Oder entscheiden Sie sich für beides in einem. Kombimaschinen finden Sie bei uns im Shop ab 500 Euro: 

Coverlocker

Stand Januar 2019