Jersey richtig verarbeiten – unsere Tipps für Sie

Jersey erfreut sich in der Hobbyschneiderei immer größerer Beliebtheit. Allerdings muss bei der Verarbeitung auf einige Dinge geachtet werden. Wir möchten Ihnen hier erklären, wie Jersey einfach und sicher vernäht werden kann.

Was ist Jersey?

Alleine schon über die Herstellung könnte man einen eigenen Beitrag schreiben, hierzu finden Sie jedoch diverse Wikipedia-Einträge. Bei uns geht es ja nur um die Verarbeitung.

Daher hier die Kurzform: Als Jersey werden verschiedene Stoffe bezeichnet, die entweder gestrickt oder gewirkt sind. Dabei können unterschiedliche Ausgangsmaterialien verwendet werden, von Baumwolle über Wolle, Seide oder synthetische Fasern. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Der entstandene Stoff ist dehnbar, hierbei mehr in die Breite als in die Länge.

Welche Probleme gibt es beim Nähen von Jersey?

Hauptsächlich entstehen durch die gestrickte oder gewirkte Herstellung zwei Probleme:

Der Stoff wird zu viel oder zu wenig gedehnt

Wird Jersey falsch vernäht, kann er sich wellen. Dies sieht nicht nur unschön aus, sondern kann auch die Passform des Kleidungsstücks negativ beeinflussen. Achtet man beim Nähen nicht auf die Dehnungsrichtung des Stoffes, kann die Naht zu steif werden und beim Tragen reißen.

Der Stoff bekommt Laufmaschen

Wenn die Nadel einen Faden zerstört, können bei Belastung unschöne Löcher und Laufmaschen entstehen.

Es entstehen Fehlstiche

Gerade beim Nähen von Zickzackstichen sieht man immer wieder ausgelassene Stellen.

Diese Probleme kann man aber ganz einfach durch verschiedene Techniken vermeiden, welche wir Ihnen hier aufzeigen möchten. Dabei haben wir nach den drei Maschinentypen unterschieden: Overlock, Nähmaschine und Cover.

Beginnen wir mit der Overlock, da mit diesem Maschinentyp Jersey am leichtesten zu verarbeiten ist.

Wie kann man diese Problem vermeiden?

Jersey mit der Overlock nähen

Warum sollte man Jersey mit der Overlock nähen? Das hat einen ganz einfachen Grund: Nahezu alle Overlockmaschinen besitzen einen Differentialtransport und anpassbaren Nähfußdruck. Und mit genau diesen beiden Einstellmöglichkeiten lässt sich das Wellen des Stoffes vermeiden:

Was macht der Differentialtransport?

Der Transporteur einer Overlock ist geteilt in einen vorderen und hinteren Transporteur. Diese Tatsache an sich sorgt schon für einen gleichmäßigeren Transport von dehnbaren Stoffen, da der Transporteur damit insgesamt größer ist als bei einer Nähmaschine. Steht das Differential auf neutral (oder 1.0), laufen beide gleich schnell, als wäre es einer. Wellt sich der Stoff, kann dies durch Erhöhen des Differentials ausgeglichen werden. Durch diese Einstellung läuft der vordere Transporteur schneller und schiebt mehr Stoff unter die Nadel, ehe er hinten rausgezogen wird.

Wird die Naht dagegen zu steif, kann ein Senken des Differentials für bessere Dehnbarkeit sorgen.

Ein Vergleich zur Verdeutlichung (genäht mit der BERNINA L460):

Jersey Richtig Vernaehen (2)

Viskosejersey, genäht mit Differential auf 1.0 (neutral)

Jersey Richtig Vernaehen (1)

Differential auf Minimum (in diesem Fall 0.7)

Jersey Richtig Vernaehen (3)

Differential auf Maximum (in diesem Fall 2.0)

In den meisten Fällen kann mit dem Differential Jersey gut genäht werden. Treten immer noch Probleme auf, oder ist der Stoff sehr dünn/sehr dick, muss auch noch der Nähfußdruck angepasst werden.

In der Regel läuft das folgendermaßen: Für dünne Stoffe den Druck erhöhen, also die Schraube reindrehen oder den Drehregler auf einen höheren Wert stellen. Für dicke Stoffe den Druck senken, also die Schraube rausdrehen oder den Drehregler auf einen niedrigeren Wert stellen.

Keine Regel ohne Ausnahme: Wie der Druck optimal angepasst wird, hängt auch von der Materialzusammensetzung, der Lagenanzahl und der gewünschten Naht ab. Scheuen Sie sich also nicht davor, auch mal gegen die Regel zu testen.

Zum Thema Nähfußdruck lesen Sie bitte auch den folgenden Abschnitt „Jersey mit der Nähmaschine nähen“.

Jersey mit der Nähmaschine nähen

Tutorial Streifenversäuberung Hinten (16)

Es gibt verschiedene Gründe, warum man Jersey nicht mit der Overlock näht. Sei es, weil man keine besitzt oder weil es eine Naht werden soll, die man eben nicht mit der Overlock nähen kann. So zum Beispiel beim Absteppen der Seitennaht von Ärmelbündchen. Oder beim Versäuberungsstreifen im hinteren Halsausschnitt.

Den Beitrag zu dieser Verarbeitung finden Sie hier: Tutorial Versäuberungsstreifen.

Wie vermeidet man das Wellen von Jersey?

Senken Sie den Nähfußdruck. Einen ausführlichen Artikel zum Thema Nähfußdruck finden Sie hier: “Wozu braucht man den verstellbaren Nähfußdruck?“. Tasten Sie sich auf einem Stück Probestoff heran, der Druck sollte nur soweit gesenkt werden, bis der Stoff glatt bleibt. Ist er zu gering, wird der Stoff nicht mehr richtig transportiert.

Verwenden Sie einen anderen Nähfuß. Wenn Ihre Nähmaschine keinen verstellbaren Nähfußdruck hat, hilft der Obertransportfuß. Seine zwei Zähnchenreihen greifen vor der Nadel und erleichtern dem Transporteur die Arbeit.

Aber manchmal reicht es schon, einen anderen „normalen“ Nähfuß zu montieren. Gerade beim Nähen auf Stufen, wie beim Versäuberungsstreifen, kann ein Wechseln den Transport erleichtern. Schauen Sie sich den Nähfuß von unten an. Ist er platt und teilweise aus Plastik? Das bremst. Verwenden Sie stattdessen einen Nähfuß mit Vertiefung (zum Beispiel einen Satinstichfuß), dann wird der Stoff nicht so gequetscht. Auch ein Kantenstepp- oder Blindstichfuß kann hier den Transport verbessern.

Jersey Richtig Vernaehen (7)
Jersey Richtig Vernaehen (6)

Hier sehen Sie jeweils links im Bild den Standardnähfuß mit Kunststoff und ohne durchgehende Vertiefung. Besser geeignet wären die beiden rechten Nähfüße.

Versteifen Sie Ihren Stoff

Besonders bei sehr dünnen Jerseys kämpft man nicht nur mit dem Wellen, sondern auch damit, dass er gerne in das Stichloch der Nähmaschine geschoben wird. Beides können Sie durch Unterlegen von auswaschbarem Vlies oder durch versteifen des Stoffes mit Stofffestiger wie ODIF Fabric booster vermeiden.

Verwenden Sie die passende Naht

Zum Thema „Welche Naht ist für Jersey geeignet?“ haben wir hier bereits einen Artikel veröffentlicht: Der Dreifach-Geradstich oder der Dreifachstretchstich. Fehlstiche vor allem bei seitlichen Stichen liegen meist an der falsch gewählten Nadel, nicht am Stich. Beschränken Sie sich auf Stiche mit möglichst wenig Rückwärtsstichen oder Wiederholungen.

Jersey mit der Cover nähen

Ein immer wiederkehrendes Problem ist das Säumen von Jersey. Die Naht der Zwillingsnadel sieht zwar von vorne so aus, wie die Säume von Konfektionsware, hat aber mit einer gecoverten Saumnaht wenig zu tun.

Was ist das Problem bei der Zwillingsnaht auf Jersey?

Je nachdem, wie ihre Nähmaschine in Sachen Fußdruck und Nadelspannung einstellbar ist, kommen Sie früher oder später zu einem schönen Ergebnis mit der Zwillingsnadel. Vor allem gibt es diesen Nadeltyp mittlerweile in verschiedenen Breiten und mit unterschiedlichen Spitzenarten. Auf Webware und festeren Strick- oder Wirkwaren wie Sweat oder French Terry ist eine Naht mit der Zwillingnadel oft noch gut brauchbar.

Schwieriger wird es dagegen bei Stoffen wie einem dünnen Viskosejersey. Durch Anpassen der Fadenspannung, des Nähfußdrucks und Verwenden von Vlies bekommt man auch da eine passable Naht hin, allerdings ist es dann meist so, dass sie wenig dehnbar wird. Reißen wird sie deswegen nicht gleich, aber sobald Zug auf die Naht kommt, wird sich ein ziemlicher Tunnel bilden.

Jersey Richtig Vernaehen (5)
Jersey Richtig Vernaehen (4)
Deswegen gibt es Covermaschinen

Aus der Industrie in den Haushaltsnähbereich gewandert, war eine Cover eigentlich nur zum Säumen gedacht. Es gibt auch weitere Einsatzbereiche, aber beim Blick in eine Bekleidungsfabrik fällt auf, dass es für jede Nahtart eine eigene Maschine gibt. Der Maschinentyp, der als Hobbymaschine zu kaufen ist, ist perfekt für Säume.

Egal, mit welcher Nahtart der Cover Sie arbeiten möchte, die Einstellungen sind gleich der Overlock. Auch die Cover besitzt einen geteilten Transporteur und durch Anpassung des Differentials können Sie Wellen oder Kräuseln vermeiden. Mit einer Senkung des Drucks wird der Stoff weniger gequetscht, daher sollte auch in diesem Bereich auf die optimale Einstellung geachtet werden.

Im Vergleich zur Zwillingsnadel legt der Greiferfaden auf der Rückseite schöne Schlaufen, die bei Zug nachgeben und die Tunnelbildung verringern. Machen Sie auch hier trotzdem immer eine Probenaht, an der Sie ziehen, um diesen Effekt zu kontrollieren. Das Versteifen von dünnem Jersey ist auch für die Cover eine Erleichterung.

Janome Cover Einstellungen Nahtbeispiele (17)

Welche Nadel brauche ich für Jersey?

„Nimm bloß keine Universalnadel, die macht Löcher in den Jersey!“, ein oft gelesener Ratschlag.

Wir sagen: Na klar macht sie Löcher. Irgendwie muss die Nadel ja durch den Stoff. Was die meisten mit ihrem gutgemeinten Ratschlag meinen, sind eventuelle Verletzungen einzelner Maschen und dadurch entstehende Laufmaschen. Aber die Universalnadel heißt nicht umsonst Universalnadel. Solange Sie mit dieser Nadelart ein gutes Ergebnis hinbekommen, spricht nichts dagegen, sie zu verwenden.

Die Löcher, die man oft in Stoffen sieht, entstehen einfach durch das Eindringen der Nadel (und vielleicht teilweise des Schaftes) in den Stoff. Machen Sie wie immer eine Probe!

Nach dem Nähen waschen Sie die Probe. In den meisten Fallen sind diese „Löcher“ dann verschwunden. Das gilt übrigens ebenso für die Super-Universalnadel.

Zur Verdeutlichung:

Stellen Sie sich einen Grobstrickpulli vor. Hier stechen Sie mit dem Finger hindurch. Dort sehen Sie dann ein Loch. Ziehen Sie am Gestrick, verschwindet das Loch wieder. Die Maschine sind wieder an Ihrem ursprünglichen Ort zurückgekehrt.

Also, Loch ist nicht gleich Loch. Aber es gibt noch eine weitere Art der Kontrolle. Nähen Sie eine Naht mit der gewünschten Nadel (am besten mit einem langen Geradstich) und trennen Sie die Naht wieder auf. Dann ziehen Sie am Stoff und halten ihn gegen das Licht. Sollten Sie hierbei eine Laufmasche entdecken (und sei sie noch so kurz), ist die Nadel zu spitz und hat eine Masche verletzt. Dann ist es Zeit, zu wechseln.

Die Jerseynadel

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Was ist anders an einer Jerseynadel? Eigentlich nicht viel. Die Spitze ist abgerundeter als bei einer Universalnadel. Damit werden die Maschen verdrängt und nicht verletzt.

SCHMETZ Jerseynadeln

Aber es gibt noch weitere Nadeln für Jersey, der ja zu den Maschenwaren gehört. Die Stretch- und die Super-Stretch-Nadel. Beide besitzen eine besondere Form, wodurch sie näher am Greifer stehen, was besonders bei sehr dehnbaren Stoffen Fehlstiche vermeidet.

Den selben Unterschied der Spitzenform gibt es auch bei den Overlocknadeln. Hinweise dazu erhalten Sie in unserem Beitrag Nadelkunde – Overlocknadeln.

Die Microtexnadel

Eigentlich für feste Gewebe gedacht, kann sie in manchen Fällen die Lösung sein. Besonders bei sehr feinen Gewirken ist die schlanke Spitze der Microtexnadel von Vorteil. Sollten sie also mit allen anderen Nadelarten Probleme haben, können Sie es noch mit der Microtexnadel versuchen.

Allen Nadeltypen ist gemeinsam, dass die richtige Stärke verwendet werden sollte. Denken Sie bei der Auswahl auch wieder an die Darstellung mit dem Grobstrickpulli. Eine 90er Nadel ist in den meisten Fällen noch kein Problem für einen Jersey.

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Mit diesem Tipps klappt es sicher beim Nähen von Jersey. Wenn Sie noch mehr zu diesem Thema wissen möchten, lesen Sie auch diese Beiträge:

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