Jersey nähen mit BERNINA Nähmaschinen

Aus dem nähPark-Support, persönlichen Gesprächen mit Kunden und diversen Foren oder Facebookgruppen kennen wir diese Situation:

„Ich habe Probleme mit meiner Bernina beim Nähen von Jersey. Sie lässt Stiche aus, der Faden reißt oder die Naht wird nicht schön. Mit meiner vorherigen Maschine hatte ich diese Probleme nicht.

Viele fragen sich und uns dann:

Warum ist es manchmal so schwierig, mit einer so hochwertigen Nähmaschine Stoffe zu verarbeiten, mit denen viele günstigere ganz leicht zurechtkommen?

Wir erklären Ihnen hier mögliche Ursachen und geben Ihnen hilfreiche Tipps:

Ganz wichtig beim Nähen von dünnen, dehnbaren Stoffen ist der passende Nähfußdruck und die richtige Fadenspannung. Bei vielen einfacheren Nähmaschinen ist der Fußdruck grundsätzlich eher gering und die Fadenspannung für zwei Lagen normalen Stoff optimiert.

Eine Bernina Nähmaschine ist dagegen auf die Verarbeitung schwerer Stoffe und vieler Lagen ausgelegt. Welche Nähte erzeugt die günstige Maschine denn auf mehreren Lagen Kunstleder, Leder oder Canvas, ohne etwas einzustellen?

Der Nähfußdruck

Bei Modellen ohne anpassbaren Nähfußdruck ist dieser bei Bernina relativ hoch eingestellt, was bei Jersey dann oft zu Wellen führen kann. Hier kann der Obertransportfuß Abhilfe leisen.

Bei Modellen mit anpassbarem Nähfußdruck sollte dieser für dehnbare Stoffe gesenkt werden. Nicht nur ein bisschen, sondern so lange, bis eine Besserung eintritt. Das kann teilweise auch unter Null sein, je nach Modell.

Die Oberfadenspannung

Sollten Sie Fadenknäuel auf der Unterseite haben, liegt das Problem oft eher am Oberfaden. Davon ausgehend, dass Sie bereits wissen, welche Nadeln und welches Garn optimal sind, sollten Sie die Oberfadenspannung anpassen. Oft ist sie zu niedrig, wenn Fadenknäuel entstehen. Entsteht dagegen eine Wulst, ist sie zu hoch.

Infos zu Garn und Nadel haben wir hier für Sie schon zusammengetragen:

Welche ist die richtige Nähmaschinennadel?

Woran erkenne ich gutes Nähgarn?

Sollte die Anpassung helfen, können Sie den Stich entweder überschreiben oder abspeichern.

Durch Anwählen der Speicherdiskette wird der Stich direkt überschreiben und wenn Sie ihn erneut aufrufen, ist die Oberfadenspannung noch angepasst. Das lohnt sich auf jeden Fall bei Stichen, die sie ohnehin nur für Jersey verwenden.
Haben Sie eventuell weitere Einstellungen vorgenommen, brauchen den Stich aber auch für Webware, ist es besser, ihn im persönlichen Menü zu speichern.

Der Nähberater

Einige Bernina-Modelle, wie die B590 oder B770 bieten einen Nähberater. Dort können Sie Stoff und die Naht aussuchen. Fußdruck und Oberfadenspannung stellt die Maschine dann von selbst ein.

Es hat sich allerdings gezeigt, dass im Fall von dünnen, dehnbaren Stoffen die Oberfadenspannung oft zu niedrig eingestellt wird. Bei Problemen sollten sie daher entweder den Stich manuell aussuchen oder nach dem Einstellen mit dem Nähberater die Oberfadenspannung anpassen.

Im Nähberater gibt es für dehnbare Stoffe drei Dickenkategorien. Hier sehen sie mittlere Wirkware. Hätten Sie dagegen dünne Wirkware ausgewählt, wäre die Oberfadenspannung auf 4.25 eingestellt worden. Daher wäre es auch zu empfehlen, bei Problemen erst eine andere Kategorie auszusuchen. Denn die Entscheidung, ob ein Stoff dick oder dünn ist, ist auch oft mal Ansichtssache. Es ist im Nähberater ja nicht klar über das Stoffgewicht definiert.

Die Nähfüße

Überprüfen Sie nach Auswahl des Stiches, welcher Nähfuß geeignet ist. Diese Funktion finden Sie bei den meisten BERNINA Modellen ab der B570 QE aufwärts.

Dafür gehen Sie in das Nähfußmenü und tippen oben auf „Optionale Nähfüße“. Alle Nähfüße, die dann angezeigt werden, sind für diesen Stich geeignet. Bei der Auswahl über den Nähberater wird der passende Fuß gleich vorgeschlagen.

Unabhängig vom vorgeschlagenen Nähfuß:

Testen Sie doch mal die Nähfüße Nr. 12 und Nr. 20.
Der Nähfuß Nr. 12, der Strickwarenfuß, ist sehr gut geeignet, um weiche Stoffe ohne Wegrutschen zusammenzunähen. Wir haben Ihnen diesen Fuß bereits hier vorgestellt: Paspeln mit dem BERNINA Strickwarenfuß

BERNINA Nähfuß Nr. 20C

Auch gut geeignet, vor allem bei unterschiedlichen Höhen beim Absteppen ist der Nähfuß Nr. 20 (in allen drei Ausführungen, je nach Modell). Er hat in der Mitte eine leichte Vertiefung, wodurch der Stoff nicht gequetscht wird und Sie haben freie Sicht auf den Stich während des Nähens.
Aktivieren Sie den integrierten Obertransport
Sollten Sie den benötigten Nähfuß in der Ausführung D besitzen, verwenden Sie ihn bitte.
Nutzen Sie den zusätzlichen Obertransportfuß

Der Obertransportfuß Nr. 50 greift im Gegensatz zum integrierten Obertransport weiter vorne und seitlich der Nadel. Er kann auch bei Maschinen mit integriertem Obertransport verwendet werden.

Welche Stiche für welche Nähsituation?

Zum Nähen von Jersey stehen verschiedenen Stiche zur Verfügung. Je nachdem, was Sie nähen möchten, stellen wir Ihnen hier ein paar der geeigneten Nutzstiche vor:

Beachten Sie bitte die Vorschläge der passenden Nähfüße ihrer Maschine. Die Stichnummer können je nach Modell varrieren.

Wenn Sie einen Overlockstich imitieren wollen

Hierfür sind folgende Stiche geeignet:

Zum normalen Zusammennähen

Zickzackstiche können Sie auch schmäler stellen, aber je breiter sie sind, desto strapazierfähiger ist die Naht später beim Dehnen. Die engen Zickzackstiche können Sie dagegen in der Länge verändern, zu kleine Stiche sind bei sehr dehnbarem Jersey oft die Ursache für Wellenbildung.

Zum Säumen
Zierstiche

Auch Zierstiche eignen sich gut zum Absteppen oder Verzieren von Jerseys, hier ein paar Beispiele:

Die Stiche sollten nicht zu dicht sein und wenig Rückstiche enthalten.

Vliese

Möchten Sie einen Zierstich auf einer Lage Jersey nähen, sollten Sie Vlies verwenden. Abreißvlies kann nach dem Nähen einfach weggerissen werden. Auswaschbares Vlies löst sich bei der ersten Wäsche von selbst auf.

Die Balance

Bei Stichen, die eine Rückwärtsbewegung beinhalten können Sie die Balance anpassen. Wie das geht, sehen Sie in diesem Beitrag:

Schöne Zierstiche auf Jersey und Balance einstellen

Die Stichplatte

Verwenden Sie beim Geradstich die Geradstichplatte. So vermeiden Sie, dass Stoff in die Stichplatte gezogen wird. Haben Sie eine Bernina mit 9 mm Stichbreite, nutzen aber einen schmäleren Stich, können Sie sich auch die 5,5 mm Stichplatte zulegen.

Die Vernähfunktion und der Fadenschneider

Entstehen die Probleme direkt am Anfang der Naht, deaktivieren Sie die automatische Nähfunktion und vernähen sie stattdessen mit Vor- und Rückwärtsstichen. Holen Sie den Unterfaden am Anfang hoch und halten sie beide Fäden während der ersten Stiche fest. Beginnen Sie mit dem ganzen Fuß auf dem Stoff und nähen die ersten Stiche rückwärts. Bei ganz dünnen Viskosejerseys können Sie auch ein kleines Stück Seidenpapier oder Abreißvlies am Nahtanfang unterlegen.

Schneiden Sie nicht mit dem automatischen Fadenschneider. So müssen Sie den Unterfaden nicht jedes Mal neu hochholen.

So klappt auch das Vernähen von Jerseys mit der BERNINA!

Sie werden nicht alle Tipps zugleich beherzigen müssen. Aber falls es mal mit dem gewünschten Stich nicht funktioniert, finden Sie vielleicht hier den einen oder anderen hilfreichen Vorschlag.

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