Testoffensive: Pfaff Creative Icon – Abschlussbericht von Chrissie Weber

Nach reiflicher Überlegung bin ich zum Schluss gekommen, die Projekte nicht nach Thema zu ordnen, sondern ganz einfach in der Reihenfolge aufzuführen in der sie erstellt wurden. Was läge da näher als mit einem bereits fertigen Quilt-Top zu beginnen? Für das Zusammennähen der Stoffstücke gibt es ein Tutorial, welches ich für den Nähratgeber vom Nähpark geschrieben habe.
Sticken auf einem Quilt-Top
Wie praktisch, denn jetzt kann ich bereits mit den Verzierungen der Baby-Decke beginnen. Material Baumwollstoffe 100% Stickgarn Madeira Rayon No. 40 Vlies von Freudenberg Stitch-n-Tear Schmetz Titan Sticknadeln GOLD Stärke 90 Madeira Avalon Film Volumenvlies
Quilt mit Stickerei, "falschem" Trapunto und Paspel-Einfassung

Die Pfaff creative iconTM bietet so viele Möglichkeiten in Verbindung mit dem Stickmodul und der Verwendung des Stitch-Creators, dass ich einmal mehr vor der Qual der Wahl stehe.

Im Stickmodus finden sich diverse Stick-Designs, welche im Speziellen für einen Quilt geeignet sind. Für den zentralen "Block" in der Mitte habe ich mich unter dem Reiter "Quilt" für das Design Nr. 14 entschieden. Um die Technik des Trapunto zu imitieren wurde ein abreissbares Vlies in den Stickrahmen eingespannt, darauf kamen eine Lage Baumwollvlies, zwei Lagen fluffiges Polyester-Vlies und eine Lage auswaschbares Vlies zu liegen. Das auswaschbare Vlies dient als Sicherheit, damit sich die Sticknadel nicht in dem bauschigen Vlies verfängt. Anschliessend wird das Design im Stickrahmen gestickt. Das Vlies wird dann nach dem ersten Stickdurchgang rund um das Design mit der Applikationsschere grob weggeschnitten. Erst zum Schluss wird das Quilt-Top darübergelegt und die Blume ein zweites Mal gestickt. Diese Vorgehensweise verleiht der Stickerei einen dreidimensionalen Effekt. Die Verwendung des Multicolor-Garns von Madeira Cotton Nr. 30, 513 setzt schöne Akzente.

Stitch-Creator und Tapering (Abschrägen)
Auf der Pfaff-Webseite wird unter den Projekten der Kaleidoskop-Quilt vorgestellt. Was mich sofort in den Bann gezogen hat war der Block, welcher mit verschiedenen Stichen in ein Quadrat mündend bestickt ist. So begab ich mich auf die Suche nach Tipps und Tricks und wurde auch bald fündig. Eine ausführliche Anleitung für das Sticken dieses Blocks ist auf der Webseite von Pfaff zu finden. Die Anleitung (in Englisch) wurde für die Pfaff creative 4.5 geschrieben, kann jedoch für die Pfaff creative iconTM übernommen werden. Mit Hilfe dieses Tutorials habe ich mein eigenes Design entworfen.
Bedienung des Stitch-Creators
Die Bedienung des Stitch Creators ist relativ intuitiv. Wie die Elemente gruppiert werden können musste ich in der Bedienungsanleitung nachlesen. Viele Stiche sind in Verbindung mit dem Tapering (der Stich läuft zum Naht-Ende schmal zu) geeignet. Es können unterschiedliche Winkel (in meinem Beispiel habe ich 45 Grad verwendet) zur Abschrägung ausgewählt werden. Weiter kann festgelegt werden, ob die Stiche nur am Anfang oder am Anfang und am Ende der Stichsequenz zusammenlaufen sollen. Nach der Bearbeitung der Stichsequenz kann das Muster mittels Herz-Symbol (auf dem Display ganz unten links) in der eigenen Cloud gespeichert werden. Anschliessend wechselt man in den Stickmodus und kann dort die gespeicherte Stichsequenz aufrufen, duplizieren, drehen, transformieren und so ausrichten wie man es möchte. Abschliessend wird die fertige Stickdatei im eigenen Ordner abgespeichert.
Farben und Farbblöcke
Wer beim Sticken Zeit sparen möchte weist den einzelnen Stichsequenzen Farben zu und gruppiert sie in Farbblöcke. Damit weiss die icon, welches Muster sie mit dem gleichen Garn sticken kann und man kann sich zurücklehnen. Ich bin von dieser Funktion absolut begeistert. Es ist eine Sache von zwei Minuten dem Design die gewünschten Attribute zuzuweisen.
Eigenes Design entwerfen ‒ Zeitaufwand
Ein eigenes Design zu entwerfen ist relativ zeitaufwändig. Nach einem Tag aber ging es immer schneller und ich glaube mit etwas Übung ist eine rasche Umsetzung der eigenen Ideen durchaus möglich. Teilweise gestaltet sich die Bearbeitung der einzelnen Stiche am Display der Icon als eine etwas fummelige Angelegenheit. Wichtig ist zu verstehen, dass es sich dabei um Stiche handelt und nicht nur um Striche, welche gezeichnet werden. Das macht die Umsetzung einer Idee, respektive die Bearbeitung von Stichen im Stitch-Creator, etwas einfacher.
Tipp:
Wer einen bereits bearbeiteten Stich erneut verändert möchte muss im Nähmodus etwas länger auf die Arbeitsfläche drücken, dann erscheint ein Auswahlmenü. Durch Antippen von "In Stitch-Creator bearbeiten" kann das bereits gespeicherte Design bzw. die Stichsequenz zur nochmaligen Bearbeitung in den Stitch-Creator geladen werden kann.
Fazit zum Stitch-Creator
Der Einstieg ist etwas zeitaufwändig, lohnt sich aber in jedem Fall! Die Möglichkeiten die sich durch eigene Entwürfe oder das Modifizieren von bereits vorhandenen Zierstichen und deren Anordnung eröffnen, sind phänomenal und sehr umfangreich. Nur die eigene Fantasie setzt Grenzen!

Beim zweiten Stickmuster von außen hat sich der Unterfaden etwas gezeigt. Nachdem ich die Fadenzuteilung von 50 auf 30 gesenkt habe war das Problem gelöst.

Präzises Positionieren des Motivs

Mittels der Pfeiltasten im Stickmodus ist es kinderleicht das Motiv genau in die Mitte des Quilt-Blocks zu positionieren. Entweder man wählt selbst eine beliebige Position aus an der man das Motiv ausrichten möchte, oder man nimmt einen vorgegebenen Punkt: Die Mitte oder eine der vier Ecken des Stickmotivs. Es besteht auch die Möglichkeit zwei vorgegebene Punkte zur exakten Positionierung auszuwählen.

Einige Anpassungen am Design wären noch nötig gewesen. Das habe ich in der Vorschau leider nicht erkannt, erst an der Stickerei.
Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden die Stickereien nur auf dem Quilt-Top zu machen. Auch wenn ich den automatischen Fadenabschneider deaktiviere sieht meine Rückseite nach dem Sticken wenig schmeichelhaft aus. Zudem "verzieht" sich so nichts und ich kann zum Schluss das ganze "Quilt-Sandwich" im Nahtschatten absteppen, was mir persönlich am besten gefällt.
Shape Creator
Im Shape Creator können Stiche und Muster an Formen ausgerichtet werden. Unter dem Reiter "Mini" finden sich kleine Muster, die dafür gut geeignet sind.
Als Highlight und zusätzliche Dekoration habe ich den Einzelbänderstich aus der Reihe Bänderzierstiche mit Blümchen gewählt.
Bei der Herstellung des Paspels war etwas Fantasie gefragt. Im Normalfall hätte ich natürlich einen Paspel-Fuss verwendet, diesen gibt es jedoch nur als optionales Zubehör zu kaufen, das heisst er stand mir für die Testzeit nicht zur Verfügung. Um zu verhindern, dass die Kordel wegrutscht und alles da bleibt wo es hingehört habe ich zum manuellen Knopfloch-Fuss mit Führung gegriffen.
Präzision ist auch beim Annähen der Einfassung des Quilts gefragt. Da ich die Paspel zuvor mit dem Reissverschluss-Fuss angenäht habe, musste die Nadel exakt eine Fadenbreite links der ursprünglichen Naht laufen. Ich bin begeistert wie akkurat die Pfaff creative iconTM diese Aufgabe meistert!
Jene die mich näher kennen wissen, dass ich mit meiner Näharbeit selten restlos zufrieden bin. Aber bei dieser Einfassung habe selbst ich keinerlei Einwände mehr.
Mein Geschenk für das neugeborene Geschwisterchen meines Patenkindes ist fertig!
Spitzenstickerei
Anfang des 19. Jahrhunderts war die Stickerei von Spitzen aus der Region St. Gallen der grösste Exportzweig der Schweiz und 50 Prozent aller Spitzenstickereien auf der ganzen Welt wurden in der Schweiz hergestellt (Quelle wikipedia). So ist es nicht erstaunlich, dass mich Spitzenstickereien schon von klein auf begleitet haben und auch heute noch in ihren Bann ziehen. In der heutigen Zeit ist es nicht schwer mit den vielen verschiedenen Vliesen, welche man in unterschiedlichen Stärken kaufen kann, Spitze zu sticken. Früher aber mussten sich die Sticker-/innen mit Chemieprofessoren zusammentun, um zu testen, wie die gestickte Spitze von dem Trägermaterial weggeätzt werden konnte, ohne dabei die Spitze selbst zu zerstören. Wer die Schweiz besucht und sich für das Thema interessiert sollte unbedingt einen Besuch im Textilmuseum in St. Gallen einplanen. Wichtig ist also vor allem die Wahl des Vlieses. Es gilt auch zu beachten, dass das Vlies anschliessend ausgewaschen wird und beide Seiten der Stickerei sichtbar sein werden. Für den Unterfaden wird aus diesem Grund dasselbe Garn wie für den Oberfaden verwendet.
Aufgrund der Schlaufenbildung habe ich das Active-Stitch-System deaktiviert, die Fadenzuteilung angepasst und die Fadenspannung des Oberfadens erhöht. Die deutliche Verbesserung ist im direkten Vergleich offensichtlich. Wie bereits im Bericht "Erster Eindruck" liess sich auch hier das Problem der Schlaufenbildung nicht ganz eliminieren. Nach Rücksprache mit dem Nähpark ist das aber kein Problem, das im Normalfall bei der Pfaff creative iconTM auftritt. "Meine" Maschine wird nach der Rückgabe in die Werkstatt des Nähparks gebracht und dort eingehend auf Herz und Nieren geprüft.
Anmerkung:
Auf das Problem der Schlaufenbildung werde ich deshalb in meinem Bericht nicht mehr näher eingehen. So habe ich dann guten Mutes weitergestickt. Ein großes Plus an dieser Stelle: Die Spitze kann ohne Probleme angesetzt werden. Es sind extra zwei Punkte ausserhalb des Motivs eingeplant, am Anfang und am Ende, die ein präzises Positionieren ermöglichen. Wie das genau funktioniert können Sie der ausführlichen Anleitung im Nähratgeber entnehmen.
Nachtrag:
Ich habe später festgestellt, dass selbst die Spitze, welche für Werbefotos bei der Firma Pfaff verwendet wird, eine ähnliche Schlaufenbildung wie bei meiner Stickerei aufweist. (Quelle: http://www.e-magin.se/latestpaper/s716j18f/paper/1#/paper/6f1xpmx8/122, Seite 122).
Die Spitze habe ich anschliessend mit kaltem Wasser ausgespült, bis sich alle Reste des wasserlöslichen Vlieses aufgelöst haben. Danach wurde die Spitze auf einem Frottiertuch sorgfältig glattgestrichen, eingeschlagen und luftgetrocknet. Die Spitze fühlt sich sehr stabil und fest an. Es haben sich auch keinerlei Fäden gelöst. In meinen Augen macht sich hier ganz klar bemerkbar mit welch großer Präzision die Pfaff creative iconTM arbeitet. Das Sticken von freistehenden Spitzen ist sehr zeit- und materialaufwändig, aber es lohnt sich auf jeden Fall!
Diese zauberhafte Spitze habe ich auf eine Kissenhülle appliziert und diese mit einem Monogramm versehen. Die Anordnung der Monogramme im Stitch-Creator ist kinderleicht und schnell umgesetzt. Auf dem groben Leinenstoff mit der typischen Struktur kommen beide Design-Elemente sehr schön zur Geltung. Tipp: Durch die Lücken am Rand der Spitze kann ein Satinband eingefädelt werden, das verleiht der Stickerei einen ganz besonderen Charme.
Tunika mit Spitze

Auf der Webseite http://www.myembroideries.com findet man viele Designs von Pfaff, Husqvarna und Viking. Was mir positiv auffiel war, dass man nicht eine ganze Kollektion kaufen muss sondern auch einzelne Designs kaufen und herunterladen kann. Dank der "mySewnet-Cloud" ist die Übertragung auf die Icon kein Problem. Die Webseite wird aber derzeit (Stand Juli 2018) überarbeitet und Käufe sind nicht möglich. Aus diesem Grund habe ich die Dateien für meine Vintage-Spitze bei einem anderen Anbieter gekauft.

Per Zufall stiess ich auf das Schnittmuster 7719 von Simplicity, welches wie geschaffen war für das Verzieren mit Spitze. Ein Kleidungsstück mit selbst gestickter Spitze, das musste ich ausprobieren!

Material:
Stoff aus Baumwolle / Leinen Garn Acrylgarn und Mettler Stickgarn poly sheen No. 40 (4644) Microtex 80 Organ Sticknadel 75 Dieses Mal habe ich ein anderes Muster mit einer geringeren Stichanzahl ausgewählt, damit die Spitze weniger steif ist. Zum Vergleich: Das Pfaff Motiv verfügt über 28‘531 Stiche und das gekaufte Motiv weist 14‘869 Stiche auf und ist schmaler.
Wie bereits zuvor habe ich ohne Active-Stitch-System gearbeitet und die Nadelfadenspannung nach Bedarf angepasst. Die Spitze ist viel filigraner als die zuvor genähte nach dem Design von Pfaff und eignet sich daher hervorragend zur Verzierung der Tunika. Zusätzlich habe ich noch eine schmale Endlos-Spitzen-Borte gestickt.
Tipp:
Es kann passieren, dass man mittels "Precise Positioning" den Punkt anwählt von welchem aus das Motiv weitergestickt werden soll. Nicht jedes Motiv wird jedoch fortlaufend gestickt. Bei der dünnen Spitzenbordüre wurde zuerst die Blume gestickt und dann erst der Bogen dazwischen. Das hat mich anfangs etwas verwirrt, da ich dachte ich hätte beim Positionieren einen Fehler gemacht, weil die Nadel meiner Ansicht nach immer zu weit vorne mit dem Sticken begonnen hat. Also nicht nervös werden, den Punkt präzise auswählen und die Nadel auf die korrekte Stelle ausrichten, dann stimmt zum Schluss auch die Position zum Ansetzen.
Anschliessend habe ich die filigranen Bordüren vom Madeira Ultra Vlies befreit und auf einem Handtuch trocknen lassen. Die Bordüren nähte ich von Hand an. Ich möchte keine Nähte in meinen Spitzen sehen.
Ist der Ausschnitt geschafft und beide Belege angenäht (das hat die Icon mit Bravour gemeistert) - werden diese auf der Schulternaht mit einer Naht im Nahtschatten fixiert (in Englisch: "Stitch-in-the-ditch"). Der Ausgleichsfuss für das IDT-System vollbringt an dieser Stelle wahre Wunder. Ohne Probleme gleitet er über mehrere Lagen Stoff und näht perfekt im Nahtschatten. So macht Nähen Freude.
Jetzt fehlen noch die Ärmel, die "Manschetten" und die Seitennähte.
Die Nahtzugaben habe ich allerdings mit der Overlock versäubert, weil es einfach schneller geht und keine Nähmaschine eine Overlock ersetzen kann. Selbstverständlich verfügt die Pfaff creative iconTM aber auch über eine ganze Reihe von praktischen Versäuberungsstichen.
Nutzstich "Versäubern" Nr. 1 auf einem Stück Probestoff.
Mit der Tunika schliesse ich somit die Testphase des "Spitzen-Stickens" ab und bin perfekt ausgerüstet für das nächste Mittelalter-Festival!
Sticken und Nähen auf Leder
Als Schweizerin ist es fast unumgänglich als Stickmotive Enzian, Edelweiss und Alpenrosen zu wählen. Doch wie klappt das Sticken mit der Icon auf einem so dicken Material wie Leder?
An Vlies habe ich alles ausprobiert was ich zur Hand hatte. Vlies zum Kleben, Vlies mit Sprühkleber, Vlies zum Aufbügeln und Vlies zum Abreissen. Alles in unterschiedlichen Stärken. Doch so richtig überzeugt hat mich keine der oben genannten Varianten. Zum Schluss habe ich mit doppelter Lage Madeira Avalon plus gestickt. Das verwendete Garn ist Madeira Stickgarn Rayon 40 (ausser bei dem Enzian).

Auf der Rückseite wird dann auch sichtbar, dass anfangs (beim Enzian und den rechten beiden Blättern) die Oberfadenspannung nicht ganz korrekt war, da der Oberfaden deutlich sichtbar ist. Ich habe versucht das Problem mit Reduzierung der Fadenzuteilung (von 50 auf 30/35) zu lösen. Leider ist mir dies mit diesem Lösungsansatz nur mässig geglückt. Zum Schluss habe ich das Active-Stitch-System ausgeschaltet und das Entstehen der Stickerei genau beobachtet und je nach Bedarf die Oberfadenspannung gesenkt oder erhöht (jeweils zwischen 4.2-4.8). Teilweise wurde das Garn während des Stickens aufgeribbelt oder es entstanden sogenannte "Vogelnester" (Gewirre) mit dem Unterfaden. Nadeln habe ich auch verschiedene ausprobiert, Sticknadeln, Ledernadeln, Jersey-Nadeln mit Ball-Point (weil diese in einem Tutorial auf craftsy.com für das Sticken auf Leder empfohlen wurden) und Microtex-Nadeln (in unterschiedlichen Stärken). Für diese Stickerei wurde eine Topstitch-Nadel in der Stärke 90 verwendet. Die Stickerei wurde auf der langsamsten Stufe gestickt, da ich so die besseren Resultate erzielt habe.

Tipp:

Beim Sticken wurde mir von verschiedenen Seiten empfohlen den automatischen Fadenabschneider zu deaktivieren. Es gibt dann weniger "Fadennester" des Unterfadens auf der Rückseite.

Anmerkung:

Da ich zum ersten Mal auf Leder gestickt habe und noch nicht alle Tricks im Umgang mit diesem Material kenne schliesse ich nicht aus, dass es sich durchaus um menschliches Versagen meinerseits handeln könnte.

In einem letzten Schritt habe ich das Motiv ein weiteres Mal gestickt, dabei aber zwei Klebevliese zum Abreissen verwendet und eine Titan-Sticknadel mit Ball Point von Organ verwendet.

Den Unterschied sieht man und ich hatte praktisch keine Probleme mehr mit Fadenrissen beim Oberfaden resp. Gewirre beim Unterfaden.

Die restlichen Unregelmässigkeiten (Edelweiss) führe ich auf die Stickdatei zurück.
Aus dem bestickten Leder wurde eine kleine Geldbörse nach eigenem Schnittmuster genäht. Die Pfaff creative iconTM näht über Leder ohne Probleme und gleitet sogar ohne einen speziellen Nähfuss mit Gleitsohle spielend leicht über das Material. Dem IDT-System sei Dank!
Cutwork (die "manuelle" Variante)
Cutwork ist eine Technik, welche mir besonders gut gefällt. Um mich langsam an das Thema heranzutasten habe ich mich entschieden zuerst die "manuelle" Cutwork-Technik auszuprobieren. Dabei wird der Stoff, wie bei Applikationen mit der Schere, zwischen den Stickvorgängen weggeschnitten. Die offenen Kanten werden dann bei dieser Stickdatei zum Schluss mit einem Satinstich verziert. Das Design stammt von Advanced Embroidery Designs.

Folgende Materialien wurden für die Stickerei auf Jersey verwendet:

Zusammensetzung Jersey: 55% Hanf und 45% Bio-Baumwolle

Schmetz Microtex Nadeln, Stärke 70

Madeira Avalon ULTRA, wasserlösliches Vlies

Materialien für das Sticken der Blütenblätter auf Organza: Microtex Nähnadeln Stärke 60 Madeira Avalon ULTRA, wasserlösliches Vlies (Unter- und Oberseite des Stoffes) Stickgarn Madeira Rayon 40 Unterfaden aus Polyester
Das Stickbild ist sehr gut. Beim nächsten Mal würde ich etwas feineres Stickgarn verwenden, damit die Blütenblätter nicht an Leichtigkeit einbüssen.
Aus diesem Stoff werde ich mir noch ein schönes T-Shirt für spezielle Anlässe nähen.
Cutwork mit Nadeln von Inspira
Im Stickmotiv-Heft, welches im Zubehör inbegriffen ist, findet die aufmerksame Leserin / der aufmerksame Leser beim Durchblättern auf Seite 58 ein Motiv, welches eine gestickte Libelle mit freistehenden Flügeln zeigt. Diese hat mir so gut gefallen, dass ich meine ganz eigene Libelle sticken wollte. Für beide Motive (je zwei unterschiedliche Flügel, insgesamt vier Stück) habe ich Avalon Ultra (wasserlösliches Vlies) verwendet. Die inspira-Cutwork-Nadeln gibt es auch beim Nähpark zu kaufen, möchte man sie aber nicht im Set bestellen kann man eine E-Mail schreiben oder kurz anrufen.
Die Stickdatei lässt sich auch ohne die Cutwork-Nadeln realisieren, dann muss allerdings alles von Hand ausgeschnitten werden. Es sind zwei Cutwork-Nadeln für das Motiv verwendet worden, jene mit der roten und der gelben Farbmarkierung. Die Nadeln funktionieren wie kleine Messer, welche den Stoff schneiden. Trotz den Cutwork-Nadeln war erstaunlicherweise doch noch einiges an Handarbeit nötig um den überschüssigen Stoff samt Vlies zu entfernen. Der verwendete Stoff ist ein etwas festerer Baumwollstoff (nicht ganz so dünn wie die gängigen Patchwork-Stoffe).
Ist der angeschnittene Stoff entfernt wird das Motiv gestickt. Dabei darf nicht vergessen werden nach dem Cutwork-Vorgang eine weitere Lage Madeira Avalon Ultra unter das Motiv zu legen, da die Cutwork-Nadeln den Stoff und das wasserlösliche Vlies zerschneiden.
Ich habe Madeira Rayon 40 und Madeira Golden Silver zum Sticken verwendet. Für die Flügel werden ca. 200 Meter Metallic-Garn benötigt, wenn man das Motiv so sticken möchte wie es in der Datei vorgesehen ist. Für mich wird hier klar sichtbar wo die Stärken der Pfaff creative iconTM liegen. Mit grosser Präzision wird das Stickmotiv umgesetzt. Ich bin begeistert!
Freistehende Motive sticken
Keine Probleme entstanden beim Sticken der freistehenden Flügel. Allerdings muss ich anfügen, dass das Active-Stitch-System ausgeschaltet war und ich die Fadenspannung des Oberfadens nach Bedarf angepasst habe. Faszinierend wie die Icon kleine Knoten sticken kann. Sehr akkurat, ein richtig kleines Kunstwerk! Die Stickdatei ist natürlich auch ausserordentlich professionell erstellt, das merkt man beim Sticken selbst und man sieht es auch am Ergebnis.
Um der Libelle einen würdigen Rahmen zu verleihen habe ich mich an einem kleineren "Watercolor-Quilt" versucht.
Der Körper wird direkt auf das Quilt-Top appliziert. Damit die Fläche zum Sticken nicht allzu viele Unebenheiten aufweist habe ich für die Applikation ein wasserlösliches Vlies auf das Quilt-Top gelegt. Mit Stecknadeln habe ich vorgängig grob die gewünschte Position der Applikation markiert.

Der Stoff, bestehend aus verschiedenfarbigen Kett- und Schussfäden, war in diesem Fall nur bedingt geeignet. Bis auf diesen selbst verschuldeten Fehler war die Umsetzung der Pfaff-eigenen Stick- und Applikations-Datei kein Problem. Auch das Sticken mit Metallic-Garn überzeugte abermals.

Damit die Flügel genügend Halt bekommen um frei zu stehen wurde ein dünner und geschmeidiger Draht mit kleinen Überwendlings-Stichen von Hand angenäht.

Um den Körper der Libelle herum habe ich einen Stipplingsstich angewandt.

Natürlich darf an dieser Stelle eine Fotografie in würdiger Umgebung nicht fehlen und in meinem Zuhause hat die Libelle einen Ehrenplatz erhalten.
Funktioniert die Applikation "SewNotice" auch dann, wenn man unterwegs ist?
Prima, es funktioniert. Hätte ich zu Beginn in den Einstellungen des Stickvorgangs eingestellt, dass mein Motiv einfarbig gestickt werden soll wäre die Stickerei nach meiner Rückkehr beendet gewesen!

Beim Einkaufen gleichzeitig sticken. Das geht mit der Icon definitiv. Während ich die Milch in den Einkaufswagen packe werfe ich rasch einen Blick auf mein mobiles Telefon.

Schnelligkeit und Lärmpegel
Wird die Geschwindigkeit der Pfaff creative iconTM auf die höchste Stufe eingestellt näht sie rasend schnell. So war es dann auch kein Kunststück an einem Jelly-Roll-Race (es werden Stoffstreifen nach einer bestimmten Technik auf Zeit aneinandergenäht) einen guten Platz zu ergattern. Das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Stoffmuster und wollweissen Quadrate entsteht bei dieser Variante des Patchworks rein zufällig.
Was mir dabei aufgefallen ist: Die Maschine ist sehr laut wenn die Geschwindigkeit auf dem Maximum steht. In einer minder lärmisolierten Wohnung muss daher spätestens um 22 Uhr Schluss mit dem Wett-Nähen sein. Für mich definitiv ein klarer Minuspunkt, da ich meistens in der Nacht die tollsten Ideen habe.
Kissen mit Bänderzierstich, Applikation, English Paper Piecing, Stickerei und Maxistich

Wie in meinem Bericht "Erster Eindruck" versprochen wird jetzt das Kissen genäht und mit dem bereits fertig gestickten Schmetterling verziert.

Der Schmetterling von meinem ersten Bericht bleibt freistehend. Ich habe den Stoff mit einer Applikationsschere weggeschnitten. Dann wurde der Sommervogel ganz zum Schluss mit einer Sicherheitsnadel am Kissen angebracht. (Schmetterlinge sind im Stickmodus unter dem Reiter "Vögel und Insekten" zu finden.)

Das Sticken des zusätzlichen Schmetterling-Motivs von Pfaff hat recht gut funktioniert, allerdings erst nachdem ich das Active-Stitch-System ausgeschaltet habe. Was mir noch aufgefallen ist: Der Unterfaden zeigte sich etwas an der äusseren Kante des einen Schmetterlings. Das war aber bei diesem spezifischen Stickmotiv nicht weiter tragisch, da die Ränder im nächsten Schritt sauber eingefasst wurden.

Material für die Stickerei:

Stickgarn Madeira Rayon Nr. 40 Metallic Garn No. 40, Col. 300 Madeira Avalon plus Microtex-Nadel Stärke 70

Anmerkung:

Generell habe ich persönlich mit Microtex-Nadeln für die Stickereien mit der Icon die besten Erfahrungen gemacht. Grundsätzlich würde ich aber zuerst immer zu den Maschinensticknadeln raten, welche vom Hersteller der Nähmaschine für den jeweiligen Verwendungszweck empfohlen werden.

In der "English-Paper-Piecing"-Technik (EPP) wurden drei Blumen genäht, welche nebst den Schmetterlingen das Kissen zieren werden.

Dabei konnte die icon leider nicht helfen, denn die Blumen werden alle ausschliesslich in Handarbeit mit Hilfe von Papierschablonen erstellt (übrigens können diese mühelos mit einem Plotter selbst hergestellt werden).

Bänderzierstiche

Der Bänderzierstich selbst soll auf meinem Kissen als Blumenstängel fungieren. Dieser Zierstich lässt sich mit einem, zwei oder drei Bändern nähen.

Warum wird dafür etwas Übung benötigt?

Mit einem einzelnen Band ist der Zierstich leicht zu bewältigen. Die Schwierigkeit bei zwei und drei Bändern besteht darin, den Anfang korrekt auszuführen und die Bänder jeweils nach jedem Stopp umzulegen und so an die Maschinen-Nähnadel zu schieben, dass die zuvor genähten Stiche vom Band verdeckt werden. Das Resultat ist ein geflochtenes angenähtes Band ohne eine sichtbare Naht. Es braucht etwas Übung um den Bänderzierstich akkurat auszuführen und dabei die Reihenfolge des Flechtens in Kombination mit dem Nähen zu verinnerlichen. Ist diese Hürde gemeistert verschaffen diese zauberhaften Elemente der Näharbeit den letzten Schliff. Insbesondere bei Heimdekorationen oder im Bereich Fashion wird der Bänderzierstich deshalb gerne genutzt.

Tipp: Das Fusspedal zur Seite schieben, es kann manchmal passieren, dass man es aus lauter Gewohnheit benutzt und dann wird es schwierig die korrekte Stopp-Position zu eruieren. Den Bedienungsknopf für das Rückwärtsnähen mit einem Stück Tesafilm abkleben (ich habe den Deckel einer Schmetz-Nähnadelpackung darüber geklebt). Das verhindert, dass man ihn anstelle des Start-Knopfes drückt. Und ja, ich gebe es zu: das ist mir mehr als nur einmal passiert.
Maxistiche
Die Pfaff creative iconTM verfügt über eine Reihe von Maxistichen, welche unter dem Reiter "Dekorativ" zu finden sind. Maxistiche sind, wie der Name bereits vermuten lässt, überdimensional grosse Stiche. Von den Maxistichen habe ich das Blätter-Motiv aus- und bei "Stichwiederholung" das "Einzelmuster" angewählt. Damit der Stiel exakt an den Bänderzierstich anstösst wurden die letzten Stiche noch von Hand genäht.  Der Maxistich erweitert die Kategorie der Zierstiche und ermöglicht es, zusätzliche Akzente zu setzen. Natürlich eignet er sich vorzüglich zum Bordüren nähen.
Was für ein Glück, beim Fotoshooting an einem herrlichen Sommertag im Juli tummelten sich sogar noch echte Schmetterlinge in diesem schönen Lavendelfeld im Kanton Bern in der Schweiz.
Jeans-Kinderkleid mit Stickerei

Bevor ich meine Jeans im Stile der 70er-Jahre mit einem Blumenmuster verziere, wollte ich die Wirkung des Stickmotivs auf einem Kinderkleid aus Jeansstoff ausprobieren.

Die icon hat keinerlei Probleme damit Jeansstoff zu besticken. Dann und wann zeigt sich der Unterfaden ein bisschen, aber das hat mich jetzt nicht so sehr gestört, da das Motiv als Ganzes trotzdem sehr hübsch wirkt. Und ehrlich gesagt kann ich auch nicht beurteilen ob das nicht zum Teil von den weissen Kettfäden des Jeansstoffes herrührt.

Verwendete Materialien:

Jeansstoff (Baumwolle, 3% Elasthan) Madeira Avalon plus (eine und zwei Lagen) Madeira Embroidery ANTI-GLUE Sticknadeln 75/11 Sprühkleber Madeira Rayon Nr. 40 Stickgarn aus der Smart Box Stickdatei von Pfaff Schnittmuster Butterick 3772 (Grösse 104 bzw. 4T)

Stärkere Nadeln wären hier vielleicht die bessere Wahl gewesen, allerdings habe ich das erste Motiv mit einer Schmetz Super-Universalnadel in der Stärke 90 gestickt, konnte aber beim Resultat keinen erheblichen Unterschied zu der Stärke 75 feststellen. Das Active-Stitch-System habe ich ausgeschaltet und die Oberfadenspannung den unterschiedlichen Motiven angepasst, jeweils zwischen 2.6 – 3.2. Für das Motiv, welches insgesamt viermal gestickt wurde, habe ich zwei Spulen Bobbinfil (100% Baumwolle) benötigt. Die Stickmotive wurden alle auf der zweitlangsamsten Stufe gestickt.

Was ich noch festgestellt habe:

Wenn in den Einstellungen die Option "Heften um Design" angewählt wird und man nachträglich die Position mittels "Precise Positioning" (Präzises Positionieren) einstellt, wird die Heft-Einstellung beim Zurückkehren in den Stickmodus automatisch entfernt und man muss das Kästchen erneut anwählen um einen Haken zu setzen. Das empfinde ich als etwas störend und verwirrend.

Auch hier gilt: Schaltet man den automatischen Fadenabschneider aus können die kleinen "Fadennester" auf der Rückseite vermieden werden. Die Pfaff creative iconTM hält dann jedes Mal nach den ersten Stichen nach einem Farbwechsel an um der Benutzerin/dem Benutzer die Gelegenheit zum Faden abschneiden zu geben. Optional kann der Zeitpunkt auch selbst gewählt werden indem man ganz einfach die Start-/Stopp-Taste betätigt. In der Regel ist ein Fadenabschneiden nach dem Beginn einer neuen Garnfarbe nicht notwendig, da die icon den Fadenanfang zu 90 Prozent sehr sauber auf der Rückseite verschwinden lässt, vorausgesetzt das Garn wird mittels automatischem Nadeleinfädler in das Nadelöhr gezogen. Oder anders formuliert: Wird der automatische Nadeleinfädler benutzt, stimmt die Länge des Garns hinter der Nadel, damit das Garn vollständig auf die Rückseite gezogen werden kann.

Dank dem "Precise Positioning" ist es auch kein Problem die beiden Stickmotive so auszurichten, dass sich die Linien (fast) treffen. Die drei Millimeter Abstand waren beabsichtigt, so fällt es leichter das Schnittmuster genau im Stoffbruch mittig aufzulegen und den Stoff ohne lästiges Abstehen zu falten oder die Stickerei platt bügeln zu müssen.
Die Lücke werde ich nach dem Zuschnitt mit ein paar Stichen von Hand schliessen.

Für das Zusammennähen des Jeanskleides habe ich eine Schmetz-Jeansnadel in der Stärke 90 benutzt.

Wie erwartet hat das prima funktioniert. Die Unterstützung des IDT-Systems möchte ich dabei nicht missen.

Auch die Blenden waren fix angenäht. Sehr praktisch ist, dass man in den Einstellungen anwählen kann, dass der Näh-Fuss beim Stoppen jedes Mal automatisch angehoben wird. Das ist äusserst hilfreich beim Kurven nähen.
Anschliessend habe ich die Kanten mit einem Madeira Cotona Multicolor-Garn No. 30 (508) abgesteppt. Dabei kam natürlich wieder mein persönlicher Favorit, der Ausgleichsfuss fürs IDT-System, zum Einsatz. Trotz dicker Stofflage hat die Icon diese Aufgabe perfekt gemeistert. Bei den Nahtübergängen war ich dann doch etwas vorsichtiger und habe auf der rechten Seite einen zusätzlichen Stoff unter den Nähfuss gelegt, damit die gesamte Fläche des Nähfusses eben auflag. Wir wollen ja nicht übermütig werden!
Jetzt fehlen nur noch die beiden Knopflöcher und die Knöpfe.
Für die Knopflöcher habe ich den 5A - Sensormatic-Knopflochfuss verwendet. Das Kabel des Knopflochfusses wird auf der Rückseite der Pfaff creative iconTM eingesteckt. Wird dieser spezielle Nähfuss verwendet kann über das Display die gewünschte Länge des Knopfloches eingegeben werden. Beim Antippen des Plus- bzw. -Minuszeichens für die Länge des Knopflochs am Display war ein wenig Fingerspitzengefühl notwendig. Von 19mm sprang die Anzeige direkt auf 21mm. Nach mehrmaligem Antippen des Plus- und -Minuszeichens war ich zum Schluss doch noch erfolgreich und konnte die Länge 20mm auswählen. Die Knopflochgrösse sollte etwas breiter sein als der Knopf selbst.

Um dem Knopfloch etwas mehr Dimension zu verleihen habe ich ein Knopflochgarn in der Stärke 30 von Gütermann mit eingenäht.

Wahrscheinlich würde ich die Knopflöcher beim nächsten Mal sticken. Ich habe dieses Mal keinerlei Einstellungen an der Icon vorgenommen, weil ich ganz einfach testen wollte wie die Knopflöcher "frisch ab Maschine" aussehen.

Auf der Rückseite habe ich ein abreissbares Vlies für zusätzliche Stabilität verwendet.
Geschafft! Die Knöpfe sind auch angebracht und vom Knopfloch selbst ist nicht mehr viel zu sehen. Jetzt muss das Kleid nur noch gewaschen werden, um die Kreide und die Markierungen des wasserlöslichen Trickmarkers zu entfernen.
Mein Patenkind hat sich auf jeden Fall riesig über das hübsche und bequeme Kleid mit den zauberhaften Blumen-Stickereien gefreut.
Patchwork und Applikation mit Muschelsaum

Der Dresden-Quilt, den ich bereits im Bericht "Erster Eindruck" begonnen habe, ist mitten in der Fertigstellung. Ich befinde mich sozusagen auf der Zielgeraden.

Mit dem ¼" Quilt- und Patchworkfuss fürs IDTTM-System lässt sich auch das "Chainpiecing" (Nähen in der Kette) absolut angenehm und zügig realisieren. Wie rasch die neun Dresden mit absoluter Präzision zusammengenäht waren hat mich echt erstaunt!
Die "Dresden-Plates" werden nach dem Applizieren des Kreises in der Mitte auf ein knapp 56 x 56 cm (22 x 22 inch) grosses Stück Stoff genäht. (Optional kann das selbstverständlich auch in Handarbeit ausgeführt werden.)
In diesem Fall habe ich mich für die maschinelle Variante und damit den Muschelsaum entschieden. Mit dem Ausgleichsfuss fürs IDT-SystemTM ist gewährleistet, dass die Naht schön nahe an der Stoffkante ausgeführt werden kann. Beim Nähen im Nahtschatten zeigen sich die Vorteile eines integrierten Dual-Transports sehr deutlich. Ein zügiges Absteppen ist problemlos möglich. Was ich zudem als sehr praktisch erachte ist der Extrahub des Nähfusses. Bei zweimaliger Betätigung auf "Nähfuss oben" sorgt der Extralift dafür, dass sich das Füsschen noch weiter anhebt. Gleichzeitig wird dabei der Transporteur versenkt. Bei dicken Stoffen, oder wie in meinem Fall zwei Lagen Stoffe und einer sehr dicken Lage Baumwoll-Vlies dazwischen, ist diese Funktion ein sehr grosser Pluspunkt und erleichtert das Arbeiten immens.
Die Vernäh-Option habe ich bei diesem Projekt ausgeschaltet, die Fäden werden alle ausnahmslos sauber und später für das Auge unsichtbar von Hand auf der Rückseite vernäht.
In der Mitte habe ich mit dem "1A Zierstichfuss für das IDT-System" und dem schönen Multicolor-Garn von Cotona No. 30 (509) aus Baumwolle eine Blume genäht.
Anmerkung zum Freihand nähen (Free Motion)

Da ich erst mit dem "Freihand-Nähen" (Free Motion) begonnen habe und noch viel mehr üben muss als ich es bis anhin gemacht habe, war diese Variante für das Nähen der Blume (noch) keine Option für mich. Ich habe allerdings ein paar Tests mit dem 6A - Sensormatic-Freihandfuss gemacht. Die Resultate haben mich nicht sehr überzeugt und ich fand, dass die Stoffe nicht ganz so flüssig über die Oberfläche der Pfaff creative iconTM gleiten wie ich das sonst von meiner Nähmaschine gewohnt bin. Vielleicht würden speziell dafür geeignete Nähfüsse aus dem optionalen Zubehör eine Verbesserung erzielen, diese hatte ich aber in der Testphase nicht zur Verfügung. Tatsache ist, dass sehr viele verschiedene Anpassungen betreffend Fadenspannung oder Fadenzulauf gemacht werden müssen, um auf der Rückseite ein einigermassen passables Stichbild zu erhalten. Was mir jedoch sehr gut gefallen hat: Die Höhe des 6A - Sensormatic-Freihandfusses kann dem Volumen der Stofflagen angepasst werden. Das ist sehr praktisch, vor allem bei mehreren dicken Lagen Stoff.

Die restlichen Nähte wurden im Nahtschatten mit dem Ausgleichsfuss fürs IDT-System abgesteppt. Auch das "Echoing" rund um den Dresden habe ich mit dem Ausgleichsfuss genäht.

Die Umrandung (Border) werde ich mit meiner Nähmaschine fertigstellen müssen, da die Testzeit leider ganz knapp nicht dazu ausgereicht hat, das Quilten der neun "Dresden-Plates" und das anschliessende Einfassen der grossen Decke bis zum Abgabetermin fertigzustellen.

Nähen von glatten, feinen Stoffen (Futterstoff)

Was mich auch noch brennend interessiert hat: Wie meistert die Pfaff creative iconTM glatte Stoffe, die gerne verrutschen? Für den Test wurde ein glänzender Futterstoff (52% Baumwolle, 48% Viskose) verwendet und eine Schmetz Microtex-Nadel der Stärke 70.

Da ich ganz allgemein eine begeisterte Verfechterin des Heftens bin gehört das bei einem solchen Stoff für mich einfach zur Verarbeitung dazu.

Dank dem IDT-System gleitet der Nähfuss mühelos übers Material und dabei verrutscht auch nichts, oder besser gesagt: es bilden sich keinerlei Fältchen und der Stoff liegt links und rechts der Naht nach dem Auseinanderbügeln schön flach und glatt. Eine Spitzen-Leistung. Das ist der Vorteil des integrierten Dualtransports.

Was fehlt?

Genau, die "fliessenden Stiche", auch Ziergleitstiche oder "Floating Stitches" genannt. Die Verbindung dieser Stiche wird auf der Rückseite genäht und ist somit auf der Vorderseite unsichtbar. Es können verschiede Muster ausgewählt werden wie z.B. Sterne oder ausgefüllte Kreise. Dieser Zierstich kann auf einem gefalteten Stoffstück verwendet werden oder er kann dazu dienen, zwei Stoffstücke zusammenzunähen. Dafür werden jeweils unterschiedliche Nähfüsse verwendet.

Die Technik, die ich vorstelle, nutzt den 1A – Zierstichfuß fürs IDT™-SYSTEM und dient dem Zusammennähen von zwei Stoffstücken.

Material

Patchworkstoffe 100% Baumwolle Schmetz Microtex Nähnadeln Stärke 70 Stickvlies Stitch-n-Tear von Freudenberg Stickgarn Madeira Rayon No. 40 (1126) Stopfwatte

Ziergleitstiche sind wie die Bänderzierstiche unter der Kategorie "Techniken" zu finden. Da während des Erstellens dieses Berichts die Fussball-Weltmeisterschaft stattgefunden hat ist ein Ball ein tolles Mitbringsel für jedes Kleinkind.

Das Schnittmuster des Balls ist von "madebyjoel".

Der Ball ist schnell genäht und besteht aus nur vier Teilen. Der Ziergleitstich Nummer 19 eignet sich perfekt für dieses Projekt.
Die Öffnung wird dann mit wenigen Stichen von Hand geschlossen. Ich bin mir sicher, dass mein Patenkind damit eine Menge Spass haben wird. Wäre die Testphase mit diesem letzten Projekt nicht bereits abgeschlossen, würde ich den Ziergleitstich sicherlich noch für die Fertigung eines Kleidungsstückes nutzen. Auch in diesem Bereich gibt es dafür unzählige Möglichkeiten. In Verbindung mit edlen Stoffen wie Seide wäre ein Ziergleitstich bestimmt das Nonplusultra.
Fazit

Nach unzähligen Stunden des Nähens, Stickens, Schreibens und 20 Meter Madeira Avalon ultra später ist es jetzt endlich an der Zeit mein Fazit zu ziehen.

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich all meine Erfahrungen kurz und knapp zusammenfassen könnte. Ein Ding der Unmöglichkeit!

Bis zum jetzigen Zeitpunkt bin ich noch immer unschlüssig, wie mein allgemeines Urteil ausfallen soll. Es gab Tage, an denen ich mich wirklich geärgert habe, weil nichts so funktioniert hat wie ich es mir gewünscht hätte. An anderen Tagen war ich begeistert und hätte die Pfaff creative iconTM am liebsten gekauft. So habe ich mich dann entschlossen, zuerst einige wichtige Anmerkungen zu machen, die mir persönlich am Herzen liegen und zum Schluss die negativen und positiven Eigenschaften der Pfaff creative iconTM in einer Liste aufzuführen.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich natürlich lediglich die Näh-Erfahrungen wiedergeben kann, die ich persönlich mit der Icon gemacht habe. Das hängt auch eng mit meiner Näh-Kompetenz zusammen: Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich mich als fortgeschrittene Anfängerin einstufen.

Meiner Meinung nach ist es generell wie mit allen anderen Näh- und Stickmaschinen auch: Es kommt darauf an, für welchen Zweck man die Maschine hauptsächlich nutzen möchte.

Für Quilter/innen nur bedingt geeignet

Trotz des tollen IDT-Systems würde ich die Icon einer eingefleischten Quilterin / einem eingefleischten Quilter nicht empfehlen. Wer hauptsächlich in Free-Motion-Manier quilten möchte muss einiges an Feintuning machen, trotz Active-Stitch-System und das Stichbild auf der Rückseite hat meine Ansprüche nicht erfüllt. Stickarbeiten auf einem Quilt sind in der "Szene" nicht unbedingt gerne gesehen und werden daher in der Regel eher selten bis gar nicht genutzt.

Rulerwork

Auf der offiziellen Pfaff-Webseite für das Zubehör der Icon habe ich keinen Nähfuss für "Rulerwork" gefunden. Das ist für mich ein Minuspunkt, da Nähen entlang von Acryl-Formen eine tolle Technik ist und eine grosse Hilfe für jene, die nicht ausschliesslich auf "Free-Motion" setzen möchten. (Falls "Rulerwork" doch möglich ist und ich etwas übersehen habe, lasse ich mich an dieser Stelle sehr gerne eines Besseren belehren.)

Gleitfähigkeit der Oberfläche im Hinblick auf das Arbeiten mit einem Quilt

Die Oberfläche der Icon ist nicht sehr gleitfähig im direkten Vergleich mit meiner Nähmaschine. Wodurch sich die beiden Materialien in ihrer Zusammensetzung unterscheiden konnte ich leider nicht eruieren. Natürlich kann man sich als alternative Lösung eine Art Gleit-Matte kaufen, die auf die Oberfläche gelegt wird. Manche benutzen auch einen Silikonspray. Die Entscheidung, ob man das seiner Maschine zumuten möchte oder zusätzliche (ca.) 80 Euro für eine professionelle Matte (die grosse Version) ausgeben möchte, muss jedefrau/jedermann selbst entscheiden.

Wem würde ich die Pfaff creative iconTM empfehlen?

Wer eine Näh- und- Stickmaschine sucht, die mit aufwändigen und aufsehenerregenden Spezialtechniken nicht geizt ist mit der Pfaff creative iconTM auf jeden Fall gut bedient. Wer hauptsächlich Kleidung näht und Veredelungen liebt wird mit der Icon sicherlich glücklich werden.

Zum Schluss wie versprochen das Wichtigste in Kürze:

Was ich als negativ einstufe
  • Active-Stitch-System: Fluch und Segen zugleich
  • Das grosse Display ist eine Freude. Leider ist es aber teilweise nicht ganz so sensibel eingestellt wie ich mir das gewünscht hätte. Manchmal musste eine Taste zweimal gedrückt werden und teilweise reagierte das Display gar nicht. Es gab auch Augenblicke in denen das Display einfror und die Icon neu gestartet werden musste.
  • Die Verbindung mit der Cloud hat leider nicht immer verlässlich funktioniert.
  • Bis zum jetzigen Zeitpunkt (Stand Juli 2018) habe ich von com immer noch kein E-Mail erhalten, dass die Webseite fertig überarbeitet wurde und ein Bestellen der einzelnen Stickdateien von Pfaff wieder möglich wäre. Für mich eine herbe Enttäuschung. Ich hätte so gerne noch einige Vintage- und-Heirloom-Stickdateien getestet.
  • Die Lautstärke bei hoher Geschwindigkeit.
  • Beim Strahlenzierstich stimmt die Balance nicht zu 100%.
  • Die Maschine benötigt viel Platz, vor allem mit dem Stickmodul.
  • Sticken auf Frottee-Stoffen lässt meiner Meinung nach an Präzision zu wünschen übrig.
  • Der Preis
  • Die Bedienungsanleitung wird nicht vollständig auf Papier ausgeliefert (das hat mich nicht so sehr gestört, könnte aber in dieser Preisklasse für viele ein Minuspunkt sein)
  • Gleitfähigkeit der Oberfläche
Was ich als positiv erachte
  • Das IDT-System ist einsame Spitze
  • Präzises Positionieren von Stickdateien
  • Eigene Designs entwerfen im Stitch-Creator
  • Spitzen sticken
  • Nähen auf Leder
  • Aufspulen des Unterfadens ohne Entfernen des Oberfadens auf zweitem Spulenhalter
  • Applikation für die Überwachung der Stickerei
  • Bänderzierstiche sind legendär
  • Freistehende Stickereien
  • Extrahub des Nähfusses bei dicken Stoffen
  • Fadenzuteilung (DeluxeStitch)
  • Ziergleitstiche
  • Nähen auf dünnen, rutschigen Stoffen
  • Präzision bei Patchwork
  • Stipplingstiche
  • Geschwindigkeit
  • Garn-Einfädler
  • Temporär programmierbare Anpassungen der Näh-Einstellungen, beispielsweise zum Vernähen
  • Automatisches Nähfuss-Anheben
  • Geradstichplatte
  • Stickrahmengrössen
  • Die vielen unterschiedlichen Stickdatei-Formate die gelesen werden können (ich konnte auch Stickdateien von meiner "alten" Maschine, der Brother Innov-is 1250, problemlos übernehmen.)
  • Shape Creator
  • Zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten
  • Tutorials bereits als Videos integriert und über das Display abspielbar
  • Sehr grosses farbiges Display

Würde ich die Icon kaufen?

Nein, und das aus zwei Gründen: Zum einen ganz klar wegen dem Preis, der dem eines Kleinwagens entspricht. Ich glaube ganz einfach, dass ich das grosse Potential der Pfaff creative iconTM dafür zu wenig ausschöpfen würde. Wenn ich denn eine solch hohe Summe für eine Nähmaschine ausgeben würde, dann für eine Langarm-Quiltmaschine. Und der zweite Grund ist, dass meine Schwerpunkte und zukünftigen Ziele, welche ich beim Nähen erreichen möchte, woanders liegen, bzw. in eine andere Richtung gehen. Was ich aber ganz offen zugebe ist, dass ich durchaus mit dem Gedanken spiele mir in naher Zukunft eine reine Stickmaschine zu kaufen. Die zauberhaften Stickereien, welche ich dank der Pfaff creative icon verwirklichen konnte, haben also ihre Wirkung nicht verfehlt…

Danksagungen

Zunächst richtet sich mein Dank an den Nähpark für das entgegengebrachte Vertrauen und die tolle Gelegenheit, die Pfaff creative iconTM  drei Monate lang testen zu dürfen.

Ich möchte mich auch bei der Firma PFAFF bedanken, welche die Pfaff creative iconTM für die Nähpark-Test-Offensive "freigegeben" hat.

Meiner "Näh-Freundin" Tanja danke ich für ihren unermüdlichen Einsatz in der Facebook-Gruppe des Nähpark-Test-Teams und die vielen Tipps und Tricks, welche sie grosszügig mit mir geteilt hat.

Meinem Partner Benjamin danke ich für das Verständnis und die unendliche Geduld mit der er meine Beiträge korrigiert hat und mich manchmal daran erinnert hat, dass es wieder Zeit zum Essen ist.

Meinem Vater danke ich für die Bergtour die er auf sich genommen hat, um meine Geldbörse aus Leder in der schönen Schweizer-Bergwelt zu fotografieren. Und seine Begleitung beim Ausflug in den Park Seleger Moor in Rifferswil (Schweiz), um mit mir die Libelle in ihrer natürlichen Umgebung in Szene zu setzen. Ohne Euch alle wäre dieser Beitrag nicht zustande gekommen!

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