Tipp: Der Nahtanfang mit dem Rollsaumfuß an der Nähmaschine

Der Rollsaum mit der Nähmaschine ist ein schöner Abschluss, besonders an feinen Blusen oder Kinderkleidern. Manche Stoffe erweisen sich aber als schwierig zu nähen, vor allem am Nahtanfang. 
Wir haben hier ein paar Tipps für Sie für einen leichteren Umgang mit dem Rollsaumfuß.

Grundsätzlich ist ein Rollsaumfuß nicht dazu geeignet, eine Seitennaht oder einen Abschluss mit zu verarbeiten. Diese Stellen sind dicker als der restliche Stoff und daher entstehen beim Übergang oft Knubbel oder Verzug. Denken Sie also immer vor dem Schließen der Seitennähte darüber nach, ob Sie einen Rollsaumfuß verwenden möchten.

Etwas mehr Nahtzugabe

Es kommt immer wieder vor, dass am Nahtanfang der Saum nicht doppelt eingeschlagen wird. Das sieht man oft erst, wenn schon ein paar Zentimeter genäht sind. 
Wenn Sie wissen, dass sie einen Rollsaum nähen möchten, planen Sie einfach an diesen Stellen etwas mehr Nahtzugabe ein. 
Da bei Verwendung des Rollsaumfußes ohnehin die Seitennähte und Blenden erst nach dem Säumen geschlossen werden, fällt der unschöne Teil nach dem Kürzen der Nahtzugabe einfach weg.

Der Faden zum Festhalten

Gerade weich fließende Stoffe kann man nicht einfach vorne in den Rollsaumfuß stecken und die Nähmaschine erwischt den Stoff dann auch noch richtig. Aber dafür gibt es eine einfache Lösung:

Erstellen Sie sich selbst eine Durchziehhilfe. Hierfür beginnen Sie auf dem nicht gefalteten Stoff, er liegt mit der linken Stoffseite nach oben. Nähen Sie ein paar Stiche vor und zurück (etwa doppelt so weit von der Stoffkante entfernt, wie der Rollsaum eingeschlagen werden soll), heben Sie dann den Nähfuß an, durchtrennen Sie aber nicht die Fäden!

Diese ziehen Sie mitsamt dem Stoff nach hinten. 

Wenn Sie nun die Fäden straff nach hinten ziehen, können Sie den Stoff mit der rechten Hand nach links umschlagen. 

So gespannt kann der Stoff mit Hilfe der Fäden in die Schnecke des Rollsaumfußes eingezogen werden. Senken Sie den Nähfuß ab (hier ist der Kniehebel sehr von Vorteil). 

Beginnen Sie langsam, zu nähen. Je nach Weichheit des Stoffes wird die Naht schon von Anfang an perfekt eingeschlagen, zumindest aber nach der halben Fußlänge.

Es muss bis zum Rand perfekt sein?

Dann hilft die Allzweckwaffe Vlies. In diesem Fall am besten ein kleines Stückchen selbtklebendes und wasserlösliches Stickvlies:

Schneiden Sie sich einen kleinen Streifen zu, ca. 8 x 2 Zentimeter. Es lohnt sich immer, Vliesreste aufzubewahren. In unserem Beispiel verwenden wir FREUDENBERG Solufix.

Das Vlies liegt mit der Klebeseite nach oben, der Stoff mit der rechten Seite nach unten. Kleben Sie den Stoff auf das Vlies, mit ca. 1 - 2 Zentimeter Überlappung.

Den Rest des Vlieses schlagen Sie ein, denn sonst würde es im Fuß kleben bleiben. 

Nun beginnen Sie die Naht, wie oben erklärt, mit dem Hilfsfaden. 

Nähen Sie am Übergang langsam und schieben Sie Vlies und Stoff zurecht, meist läuft es aber problemlos durch den Rollsaumfuß (je nach Schneckengröße).

Noch ein paar allgemeine Hinweise

Ehe Sie am richtigen Projekt loslegen, sollten Sie unbedingt eine Probenaht machen. Das dient nicht nur dazu, die richtige Nadelposition zu finden, sondern auch ein Gespür dafür zu bekommen, wie man den Stoff am besten führt. 
Die Stoffkante sollte immer bis zum Beginn der Öffnung links reichen und der Umschlag ganz recht am Beginn der Schnecke anliegen. 

Bei besonders rutschigen Stoffen hilft auch ein bisschen Vorbehandeln mit ODIF Fabric booster.

Nicht an den Rollsaum gedacht und die Seitennähte schon geschlossen? Auch kein Problem:

Lesen Sie hier unseren Beitrag zum Baby-Saum.

Und vielleicht haben Sie sich schon gefragt, mit welcher Konstruktion wir da genäht haben. 

Da der passende Rollsaumfuß von BERNINA gerade nicht zur Hand war, haben wir mit dem Snap-On-Schaft Nr. 78 und einem Rollsaumfuß von JANOME gearbeitet. Was dabei beachtet werden muss, können Sie hier nachlesen: Adapter für alternative Nähfüße an BERNINA.

Wenn Sie nun für Ihre Nähmaschine einen Rollsaumfuß möchten und keinen finden, kann es daran liegen, dass nicht jeder Hersteller den Fuß gleich benennt. Teilweise werden sie auch unter dem Begriff "Säumerfuß" oder "Rollsäumer"geführt. Passendes Zubehör finden Sie bei uns im Shop über die Zubehörsuche, die wir Ihnen hier erklären: Wie finde ich das passende Zubehör für meine Nähmaschine?

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