Zwillingsnadel Naht auf Jersey

Zwillingsnadel auf Jersey ohne Wulst oder Wellen – geht auch bei BERNINA!

Die Zwillingsnadel bildet eine Wulst? Die Naht wellt sich? Das hören wir oft von Besitzern einer BERNINA Nähmamschine, die damit Jersey säumen wollen.

Woher kommt das? Wie lässt sich die Wulst vermeiden?

Dass man bei BERNINA auf die korrekten Einstellungen beim Nähen von Jersey achten muss, haben wir Ihnen in diesem Beitrag bereits erläutert:

Jersey nähen mit BERNINA Nähmaschinen

Ehe wir Ihnen eine Lösung für den zusammengezogenen Stoff beim Nähen mit der Zwillingsnadel aufzeigen, möchten wir noch auf etwas hinweisen:

Der Ursprung der Zwillingsnadel

Die Zwillingsnadel ist ursprünglich zum Nähen von Biesen gedacht. Nähen Sie auf feinen Webstoffen, entstehen meist ohne weiteres Zutun schöne gleichmäßige Biesen. Die Oberfäden bilden zwei parallele Linien, der Unterfaden schnürt beide zusammen, damit die Biese sich nach oben aufstellt.

Als nun die Zeit der dehnbaren Stoffe in der Hobbyschneiderei aufkam, besaßen die wenigsten im Hausgebrauch eine Covermaschine. Denn die Säume an gekaufter Kleidung werden in der Industrie eben mit solchen Maschinen genäht. Dann versucht man, die zwei parallelen Linien mit einer Zwillingsnadel zu imitieren.

Was tun gegen die Wulst?

Es gibt ein paar Möglichkeiten, dies zu vermeiden. Je nach Dehnbarkeit des Stoffes werden mal die einen Tipps helfen, mal die anderen oder alle zusammen:

  • Erhöhen Sie die Stichlänge.
  • Verwenden Sie einen Obertransport.
  • Behandeln Sie den Stoff mit ODIF Fabric booster vor.
  • Legen Sie wasserlösliches Vlies auf den Stoff.
  • Reduzieren Sie die Oberfadenspannung.
  • Reduzieren Sie die Unterfadenspannung

Jetzt kommt der Punkt, an dem es für Nutzer von BERNINA Nähmaschinen mit B-9 Greifern kompliziert wird. Die Spulenkapsel hat zwar auch eine Stellschraube, allerdings ist das Einstellen (unserer Meinung nach) schwieriger als zum Beispiel bei einer Spulenkapsel von BROTHER oder HUSQVARNA VIKING (oder anderen Maschinen mit Horizontalgreifern). Sie sollten daran nur herumstellen, wenn Sie eine zweite, optimal eingestellte Spulenkapsel besitzen.

Wie kann man sonst noch die Unterfadenspannung verringern?

Aber Sie müssen gar nicht an der Spannungsschraube drehen, sondern nur den Unterfaden anders einfädeln.

Anstatt erst die Spule einzulegen und dann den Faden in den Schlitz zu ziehen, gehen Sie wie folgt vor:

Nehmen Sie den Anfang des Fadens mit der Pinzette.

Und ziehen Sie ihn durch die beiden Öffnungen des Drahtes.

Dann erst legen Sie die Spule ein.

So sollte das dann aussehen.

Den selben Effekt erreichen Sie übrigens auch mit der roten Spulenkapsel für Bobbinwork. Der normale Fädelweg ist etwas niedriger als bei der schwarzen Version. Mit dem Fädelweg ohne Spannung ist der Faden dann noch etwas loser, hier kommt es darauf an, welchen Unterfaden Sie verwenden. Die Einfädelhilfe der roten Kapsel ist auf jeden Fall eine Hilfe. 

Was bewirkt die Änderung der Unterfadenspannung?

Hier sehen Sie eine Zwillingsnaht mit den normalen Einstellungen. Der Unterfaden zieht den Oberfaden auf die Rückseite. Das an sich ist kein Problem (genau wie bei Zierstichen), aber durch die hohe Oberfadenspannung ist die Naht sehr straff, was zu der Wulst zwischen den beiden Nadelfäden führt.

Senken Sie nun die Oberfadenspannung, passiert folgendes:

Von vorne wird die Naht besser, aber auf der Rückseite sieht man schon, dass der Unterfaden sehr straff ist und viel Oberfaden auf die Rückseite zieht. Wird der Stoff jetzt gedehnt, passiert folgendes:

Rechts die Ausgangsnaht, diese wellt sich durch das Dehnen. Die Wulst wird noch stärker.

Mit gesenkter Oberfadenspannung wellt sich der Stoff zwar nicht so, aber auch die Wulst tritt weiter hervor, ebenso die Oberfäden. Beides wird durch den straffen Unterfaden verursacht.

Mit gesenkter Unterfadenspannung sieht die Naht so aus, und wird durch Dehnen nicht so weit verformt wie oben gezeigt.

Extremes Dehnen sollte aber trotzdem vermieden werden.

Denn, wie bereits oben erwähnt, ist für solche Säume eine Covermaschine die bessere Wahl. Sehen Sie hier zum Vergleich eine Covernaht schmal:

Der Greiferfaden einer Cover erzeugt durch die Schlingenform einen längeren Fadenweg, der bei Dehnung nachgeben kann und auch wieder in seine ursprüngliche Form zurück geht.

Wenn Sie nur gelegentlich dehnbare Stoffe säumen, probieren Sie doch mal unsere Tipps durch und fädeln Sie Ihre Spulenkapsel anders ein. Im Gegensatz zum Drehen an der Schraube besteht so kein Risiko, sich die Kapsel zu verstellen. 

Möchten Sie eine zweite schwarze Kapsel zum persönlichen Anpassen, können Sie diese per Mail als Ersatzteil bei uns bestellen.

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